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Intertextualität in Julian Schuttings «Gralslicht»

Eine motivhistorische Spurensuche zwischen Wolframs von Eschenbach «Parzival» und Richard Wagners «Parsifal»

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Eva Maria Schulz

Was verbindet Wolframs von Eschenbach Versepos Parzival, Richard Wagners Oper Parsifal und Mozarts/da Pontes Oper Don Giovanni? Alle drei Werke sind wichtige Prätexte für Julian Schuttings Gralslicht, ein idealtypisches Beispiel für gekonntes postmodernes Spiel mit intertextuellen Bezügen. Die Figuren P (Parzival/Parsifal), K (Cundrie/Kundry) und G (Don Giovanni/Gurnemanz) verhandeln darin die Beziehung zwischen Mann und Frau, den Kuss als Versuchung oder Erlösung, die Mitleidsfrage, Schuld, Unterlassung und Wagners Antisemitismus und Misogynie. Neben theoretischen Fragen zu Konzepten, Kriterien, Formen, Bezugsfeldern und -möglichkeiten sowie Funktionen von Intertextualität werden in dieser Studie rund 230 intertextuelle Verweise entschlüsselt und interpretiert.

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7 Figuren

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97 Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu. (Ödön von Horváth in Zur schönen Aussicht) 7.1 Allgemeines Drei Figuren gibt es in Schuttings Gralslicht: Parsifal (Parzival), Kundry (Kondwiramur) und Don Giovanni (Gurnemanz). Diese Doppelbenen­ nungen verweisen schon auf den Gebrauch verschiedener literarischer Figuren in jeweils einem Protagonisten; von der zweiten „Rolle" jeder Figur wird nur in wenigen Einzelfällen Gebrauch gemacht, dennoch sind sie eine intertextuelle Brücke zwischen den entsprechenden Werken. Mit Don Giovanni/Gurnemanz werden sogar Parzival-Mythos und Don Juan-Mythos miteinander verknüpft. Krajenbrink sieht in den drei Prota­ gonisten Kunstfiguren bzw. Sprachfiguren, „sie erscheinen eher als Ab­ straktionen denn als Menschen von Fleisch und Blut."421 Nach der ersten namentlichen Erwähnung und einer kurzen Typisierung werden die Figuren im Folgenden daher nur mehr mit ihren Anfangsbuchstaben als P, K und G benannt. Auch Alexandra Chiriac betont, dass die Figuren in Gralslicht keine Individuen, keine Charaktere darstellen, sondern unter­ schiedliche Sprachmöglichkeiten des Mythos verkörpern.422 Sie sieht in P, G und K sogar „verschiedene Stimmen derselben Instanz, nämlich des Autors, der sie als mögliche Variationen desselben Ichs zu Wort kom­ men lässt"423. P, K und G sind sogenannte re-used figures, also Figuren, die man aus anderen literarischen Werken oder sogar aus Mythen kennt; dadurch werden große Assoziationsräume schon allein durch den Namen der Figuren erweckt. Dazugehörige Eigenschaften, Schicksale, Lebenspro­ bleme und Handlungen fallen dem Leser spontan ein. In Gralslicht wer...

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