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Konzeption und Komposition von Gottscheds «Deutscher Schaubühne»

«Eine kleine Sammlung guter Stücke» als praktische Poetik

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Marina Doetsch

Erstmals wird aus einer zeitgenössischen Perspektive und unter Hinzuziehung der Peri- und Paratexte Gottscheds «Deutsche Schaubühne» als Projekt ernstgenommen. Die bisher vorherrschende Forschungsperspektive, es handle sich nur um eine Beispielsammlung zur Illustration der dramenpoetologischen Kapitel der «Critischen Dichtkunst», traut der «Schaubühne» kein Konzept zu. Dagegen beleuchtet die Autorin dieses Bandes, dass Gottsched durch die scheinbar fehlerhafte Veröffentlichungsreihenfolge der sechs Bände und durch spielerischen Umgang mit den Regeln die Dichotomie zwischen Poetik und dramatischer Praxis aufbricht und eine praktische Poetik der dramatischen Gattungen entwickelt. In detaillierten Textanalysen zeigt sie, warum es an der Zeit ist für eine Neubewertung der «Deutschen Schaubühne».

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1 Gottsched und die Theaterreform – ein neuer Blick auf ein altes Problem

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Niemand, sagen die Verfasser der Bibliothek1, wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen gros sen Theil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professer Gottsched zu danken habe. Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu.2 Ist damit nicht schon alles über Gottsched gesagt? Wieso sollte man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit seiner Theaterreform bzw. mit der Umsetzung derselben am Beispiel der sechsbändigen zwischen 1741 und 1745 erschienenen Deutschen Schaubühne3 beschäftigen? Mit der Reaktion aus dem Gottsched-Kreis4 auf jenen zitierten 17. Literaturbrief Lessings 1 Vgl. [Anonymus:] Nöthiger Vorrath zur Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst oder Verzeich niß aller deutschen Trauer-, Lust- und Sing-Spiele, die im Drucke erschienen, von 1450. bis zur Hälfte des itzigen Jahrhunderts, ge- sammelt und ans Licht gestellet von Johann Christoph Gottscheden. Leipzig bey Johann Michael Teubner 1757. 336 Seiten im Octav ohne Vorrede und Register. In: Bib liothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste Dritten Bandes erstes Stück (1758), S. 85–95, hier S. 85. 2 [Gotthold Ephraim Lessing:] Briefe, die neueste Litteratur betreffend. VII. Den 16. Februar 1759. Sieb zehnter Brief. In: [Ders., Friedrich Nicolai, Moses Men- delssohn:] Briefe, die neueste Litteratur betreff end. 1. Theil. Berlin 1759, S. 97– 107, hier S. 97. Diese Äußerung war nach Peter Michelsen unhaltbar, aber sie habe die notwendige Wirkung erzielt, da Lessing damit daran angeknüpft habe, was seit den 1740er Jahren bei den Gegnern Gottscheds Usus gewesen sei (vgl. Peter Michelsen: Der Kritiker des...

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