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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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8. Die Perspektive der asketischen Autoevolution – Der schöne Körper

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8. Die Perspektive der asketischen Autoevolution – Der schöne Körper

Das Ethos der Ästhetik begründet eine neue „Mythologie der Vernunft“, die eine Zivilreligion des selbstbestimmten und darum schönen Lebens, die der Mensch als Kunstwerk seiner selbst zuförderst symbolisiert. Die Kunst, auf den Grund des Willens zur Selbstmacht begriffen, zeugt den Menschen in Schönheit und macht ihn schön:

„Schönheit des Leibes – das ist von den Künstlern zu oberflächlich gefaßt worden: dieser Oberflächen-Schönheit müßte eine Schönheit im ganzen Getriebe des Organismus nachfolgen – insofern reizen die höchsten Bildner zur Erschaffung schöner Menschen: das ist der Sinn der Kunst – sie macht unzufrieden, wer sich vor ihr beschämt fühlt, und schaffenslustig, wer Kraft genug hat.“249

Die Fähig- und Fertigkeit der Selbstmacht vergegenständlicht sich nach Nietzsche und Schiller am Einzelnen in der Gestalt seines Körpers. Auch für den Körper gilt: die Schönheit ist von der „Schönheit des Baus“, der architektonischen Schönheit zu unterscheiden, wohl aber nicht zu trennen.250 Der Körper ist die objektivierte Macht der Selbstregierungsfähigkeit. Der schöne Körper ist das sichtbare Erscheinen, der Vorschein von Selbstmacht. Meine Würde, meine Selbstmacht erscheint in meinem selbstregierten Körperumgang, der meine Körperschönheit ist. Der schöne Körper stellt die Macht dar, die man über sich selbst hat. So jedenfalls glaubt man es.

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