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Glaube und Denken

Jahrbuch der Karl-Heim-Gesellschaft

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Edited By Ulrich Beuttler, Markus Mühling and Martin Rothgangel

Das Jahrbuch der Karl-Heim-Gesellschaft dient der Förderung des interdisziplinären Gesprächs zwischen christlicher Theologie und den Wissenschaften. Es setzt, in der Gegenwart verantwortet, das Erbe Karl Heims fort. Heim (1874–1958) prägte als Theologe an den Universitäten Halle, Münster und seit 1920 in Tübingen sowie von 1920 bis 1948 als Frühprediger an der Tübinger Stiftskirche Generationen von Pfarrern. Unter seinen Zuhörern befanden sich auch viele Naturwissenschaftler, denn Heim konnte einerseits naturwissenschaftliche Sachverhalte zutreffend elementarisieren und andererseits den christlichen Glauben mit diesen Ergebnissen in einen fruchtbaren Dialog bringen. Der 28. Jahrgang dokumentiert die Jubiläumstagung 40 Jahre Karl-Heim-Gesellschaft und enthält weitere Beiträge zum Thema «Braucht Glauben Wissen?». Mit diesem Jahrbuch wird die bleibende Bedeutung der Theologie Karl Heims für eine dialogfähige Theologie im 21. Jahrhundert deutlich.

Volume 28 of the Yearbook of the German Karl Heim Society presents a variety of articles. Most of them are devoted to the relationship between belief and knowledge. The authors want to show the enduring significance of Karl Heim’s insistence on a dialogue between theology and the natural sciences, and to further the intention of the Karl Heim Society to present a biblical Christian orientation in a world shaped by technology and the natural sciences. Though the contributions are in German, an extensive summary in English is appended to each of them.
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Wie viel Wissen braucht der Glaube? Zum Erkenntnisgewinn der Glaubensgewissheit

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1.Vom Wissen des Glaubens

Ein Mensch glaubt zuzeiten an Gott, wenn er nur noch ein Minimum weiß. So erzählt der jüdische Psychologe Viktor E. Frankl von einem Erlebnis im Konzentrationslager, als ihn ein SS-Mann quälte mit der Aufgabe, einen Eimer Wasser zu holen und auf einen hohen Misthaufen zu tragen, und ihn ein paar Mal niederschlug, nur weil einige Tropfen danebengegangen waren. Frankl schildert die Absurdität der Situation, aber auch, wie er mit einem Mal seinen Satz wusste: „Wie ich seh, wie ich immer hinrennen musste, aus irgendeinem Teich, aus einem kleinen Bassin Wasser holen und dorthin bringen musste, und der mit seiner Pfeife dort gesessen ist und nur zugeschaut hat, da hab ich mich erinnert, da hab ich nur ‚Schema Israel‘ gesprochen.“1 Im Moment der Demütigung hielt er sich an das kurze jüdische Glaubensbekenntnis, und es hielt ihn: „Höre Israel, der Herr ist Gott, der Herr allein, und du sollst ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“.2 Weil er um diesen Satz wusste, bekam das Entwürdigende einen Sinn und wurde ihm, dem Gequälten, das Rückgrat gestärkt.

Die Situation zeigt das Glaubenswissen in nuce: Wissen als Gewissheit. Ein Mensch vergewissert sich des vertrauenswürdigen Grunds und weiß damit genug, um „trotzdem Ja zum Leben“ zu sagen.3 Die Glaubensgewissheit ist Glaubenswissen, minimiert in einem Kern. Aber der Kern birgt eine Erkenntnis für die ganze Existenz...

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