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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Kyniker der Gegenwart Fritz Mauthner zur literarischen Moderne in Frankreich und Deutschland

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Nous, qui sommes si modernes, serons anciens dans quelques siècles. Jean de La Bruyère

Fritz Mauthner (1849–1923), erfolgreicher Publizist und Theaterkritiker in Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts, ist indessen vor allem für seine sprachkritischen Schriften bekannt, die überwiegend nach 1900 erschienen.1 Als wichtiges Dokument einer „Sprachkrise“ der deutschen Bildungssprache2 oder Ausdruck einer literarischen „Sprachskepsis“ wurde die Sprachkritik Mauthners mit Autoren der deutschsprachigen Literatur um 19003 sowie der Wiener Moderne in Zusammenhang gebracht.4 Allzu oft wurden dabei Schlüsse aus einer Interpretation der Mauthner’schen „Erkenntniskritik“ gezogen, um einen Diskurs über die Literatur nachzuzeichnen5, der mit Mauthners Ansichten zur Dichtung nicht gänzlich übereinstimmt. Die vornehmlich „kulturkritisch“ geprägte6 Theater- und ← 91 | 92 → Literaturkritik der achtziger und neunziger Jahre hingegen wurde nur selten berücksichtigt7 und kaum ausgiebig untersucht.8 Es sollte aber hinterfragt werden, inwiefern und in welchem Sinne diese Kritik Mauthners als „kulturkritische“ Literaturkritik bezeichnet werden kann.

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