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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Gietrzwałd/Dietrichswalde – ein Erinnerungsort?

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Eine gewisse Ratlosigkeit und Verwirrung herrscht in puncto diskursiver Einordnung der Marienerscheinungen des fernen Jahres 1877 in Gietrzwałd/Dietrichswalde. Und diese Ratlosigkeit ist in einem bestimmten Sinne verständlich. Sie ist das Ergebnis von Anwendung unterschiedlicher, wenn nicht sogar konträrer Referenzregeln und -systeme sowie der Verwicklung in konfessionell-politische Auseinandersetzungen (nicht nur) der Vergangenheit. Die relevanteste Trennungsscheide aller Auseinandersetzungen um die Wahrhaftigkeit und um das Gewicht dieser Vision (und wohl auch verwandter Erscheinungen), liegt in der Position des (jeweiligen) Erzählers selbst: sie verläuft zwischen Autoren römisch-katholischer Konfession und solchen, die sich als nichtkatholische Christen1 verstehen oder auch sich atheistisch bzw. deistisch definieren. Verständlicherweise liegt die überwältigende Mehrheit aller G/D2-Narrationen im Bereich eines römisch-katholisch konzipierten Metanarrativs.

Die allermeisten Narrationen kränkeln methodisch, da sie krampfhaft einer Version der amtlich eingesetzten Untersuchungskommission folg(t)en. Dies ließe sich vielleicht dadurch erklären, dass alle konfessionell-beamtlich gebundenen Autoren dem offiziellen Imprimatur-Diskurs treu zu bleiben haben. Es ist also verständlich, wenn ein Priester als Verfasser einer „fundamentaltheologischen Analyse” in den Fußstapfen seiner Vorgänger vorangeht; es ist aber auf keinen Fall hermeneutische Korrektheit, wenn sich die Quellenbasis auf Zitate aus Quellen beschränkt, die schon vor vielen Jahrzehnten in den Veröffentlichungen von Hipler, Obłąk und einigen wenigen mehr guten Dienst geleistet haben.3 Selbst die Autorin einer akademischen Studie, die jüngst in einer amerikanischen ← 205 | 206 → Zeitschrift veröffentlicht worden ist,4 hat es weder methodologisch noch archivalisch geschafft,...

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