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Die Rezeption der Gestaltpsychologie in Robert Musils Frühwerk

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Karen Brüning

Im Mittelpunkt des Buches steht die Analyse der Wechselwirkung zwischen Robert Musils Frühwerk und der Gestaltpsychologie. Der österreichische Schriftsteller gilt als Wanderer zwischen den Welten der Wissenschaft und der Literatur. Er emanzipiert sich von der wissenschaftlichen Psychologie und setzt ihr eine auf psychologischen Erkenntnissen basierende Poetologie entgegen, in der besonders die Erkenntnisse der Gestalttheoretiker literarisch verarbeitet werden. In diesem Prozess, dessen Endpunkt der «Mann ohne Eigenschaften» darstellt, kommt dem Frühwerk eine besondere Bedeutung zu. Karen Brüning zeigt auf, wie Musil hier erstmals literarische Zugänge zu einem eigentlich psychologischen Erkenntnisinteresse erarbeitet: der Definition der Seele.
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4. Musils Dissertation über Ernst Mach und die Aufgabe von literarischen Kausalzusammenhängen

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Im Anschluss an die Veröffentlichung des Romans ‚Die Verwirrungen des Zöglings Törleß‘ beginnt für Musil die intensive Arbeit an seiner Dissertation. Die Beschäftigung mit den Lehren Machs hat ihn so fasziniert, dass er sich entschließt, seine Doktorarbeit über ihn zu schreiben.322 Manfred Diersch geht davon aus, dass Musils Arbeit ein nicht zu unterschätzender Wert beigemessen werden muss, stellt sie doch die erste größere wissenschaftliche Studie zu Machs Werk dar.323 Als Doktorvater wählt Musil Carl Stumpf, als Zweitkorrektor Alois Riehl, einen Neukantianer. Diese Wahl prädisponiert Probleme, denn Stumpf lehnt die Thesen Machs konsequent ab. So führt er aus:

Es wird mir schwer, einem Kenner der Wissenschaftsgeschichte wie Mach gegenüber auszusprechen, er habe die wahre Tendenz physikalischer Untersuchungen verkannt, ja auf den Kopf gestellt. Aber die größte persönliche und wissenschaftliche Verehrung kann Überzeugungen nicht ändern.324

Entsprechend schwierig gestaltet sich das Ringen um die Annahme der Dissertation – Musil kann sich jedoch behaupten. Unter Berufung auf Johannes von Allesch schreibt Karl Dinklage:

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