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Gesellschaftskritik in Wilhelm Genazinos Roman «Das Glück in glücksfernen Zeiten»

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Matthias Hoffmann

In Wilhelm Genazinos Roman Das Glück in glücksfernen Zeiten wird nichts Geringeres verhandelt als die existenzielle Suche des Protagonisten nach einem sinnvollen Leben. Matthias Hoffmann untersucht das Buch als kritischen Gegenwartsroman und verbindet die Lektüre mit subjektphilosophischen und poetologischen Aspekten. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie wollen wir in Zukunft leben? Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen und Entwicklungen fehlen dabei ebenso wenig wie Elemente aus verschiedenen theoretischen Positionen. Zu diesen zählen u. a.: Stéphane Hessel, Michel Foucault, Oskar Negt, Martin Heidegger und Slavoj Žižek.
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III. Kritik und/oder Utopie

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III.1 Was ist Kritik? Der Verlust des archimedischen Punktes

Wurde bisher veranschaulicht, dass gesellschaftskritische Bezüge zwischen dem Roman und der gegenwärtigen Gesellschaft bestehen, so muss nun ausgelotet werden, wie die Gesellschaftskritik im Roman gestaltet ist und ob es Anzeichen dafür gibt, dass innerhalb der Kritik auch eine utopische Idee verankert ist. In Anbetracht der von Wilhelm Genazino angeführten Verstehensanfänge scheint es zunächst schwer zu definieren, wie Kritik sich in diesem Zusammenhang herauskristallisieren soll, wenn man die fluktuierende Komponente ernst nimmt. So lässt der Protagonist Gerhard Warlich auch verlautbaren: „Wenn ich ein Buch schreiben könnte, wäre seine Hauptthese: Der Mensch kann Katastrophen immer nur betrachten, nicht verstehen.“97 Wenn man nun die gesellschaftlichen Missstände hinzuzieht, stellt sich die Frage, ob der Veränderungswille und die Verifizierung eines kritischen Standpunktes in diesem Gedankenkonstrukt überhaupt vollzogen werden kann. Der Fluchtpunkt erscheint zudem bei Gerhard Warlich in Bezug auf die Kritik als vermeintlich subjektiver Ein- bzw. Ausdruck und erhebt zunächst durch die changierenden Positionen und Uneindeutigkeiten keinen Totalitätsanspruch. Dieser Gedanke führt zu der kritischen Verfahrensweise Theodor W. Adornos bezüglich der Negativen Dialektik:

Denken ist in solchem Gedanken zu seinem Gehalt fremd, unversöhnt, und findet sich aufs neue zu zweierlei Wahrheit verurteilt, die mit der Idee des Wahren unvereinbar wäre. Metaphysik hängt daran, ob ohne Erschleichung aus dieser Aporie herauszugelangen ist. Dazu muß Dialektik, in eins Abdruck des universalen Verblendungszusammenhangs und dessen...

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