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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Edited By Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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Judenpolitik der deutschen Besatzungsmacht im Kongresspolen im Ersten Weltkrieg

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Während die deutsche Westfront zum Stellungskrieg erstarrte, erzielten die Mittelmächte nach der Tannenberg-Schlacht im August 1914 große Raumgewinne an der Ostfront. Im Sommer 1915 fiel ihnen sogar das gesamte kongresspolnische Gebiet in die Hände.

Das ehemalige Kongresspolen wurde von den beiden Mittelmächten, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, gemeinsam erobert. Die Verbündeten teilten das russische Gebiet in zwei Generalgouvernements unter sich auf.1 An der Spitze des deutschen Generalgouvernements stand vom ersten bis zum letzten Tag General Hans Hartwig von Beseler2. Seine vornehmste Aufgabe erblickte er in der militärischen Sicherung und wirtschaftlichen Ausnutzung der besetzten Gebiete. Angesichts des noch tobenden Krieges und dessen offenen Ausgangs kam für das Kaiserreich die Wiederherstellung eines polnischen Reiches nicht in ← 169 | 170 → Frage. Im politischen Schachspiel Berlins galt Polen zunächst als Faustpfand bei einem eventuellen Separatfrieden mit Russland.

Sowohl vor, als auch nach der Einrichtung des Generalgouvernements verfloss sich die Politik gegenüber den drei relevanten Ethnien, den Polen, Juden und Deutschen, im Kielwasser der temporären deutschen Präsenz im besetzten Territorium. Ursprünglich blieb jedoch Beselers Vorgehensweise zudem von einer pragmatischen Zurückhaltung geprägt. Der verfochtene Grundsatz der angestrebten, gerechten Verwaltung schloss jegliche Bevorzugung einer der drei ethnisch-konfessionellen Gruppen aus. Das Betreten des verminten Feldes zwischen den Polen, Juden und kongresspolnischen Deutschen schien schon in Anbetracht ungewisser Zukunft des besetzten Landes nicht empfehlenswert. Erst die Festlegung auf eine Wiederherstellung des polnischen Königreiches im November 1916 rüttelte...

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