Show Less
Restricted access

Verdinglichung und Subjektivierung

Versuch einer Reaktualisierung der kritischen Theorie

János Weiss

Georg Lukács hat Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts die damalige Krise und das Krisengefühl nach dem ersten Weltkrieg mit dem Begriff der Verdinglichung zu erfassen versucht. Davon ist die Tradition der kritischen Gesellschaftstheorie ausgegangen. Dieses Werk hat zwei Ziele: einerseits soll gezeigt werden, dass dieser Begriff heute durch die Subjektivierung ergänzt werden muss, andererseits soll die These untermauert werden, dass diese Ergänzung in Ansätzen schon einige Vertreter der Frankfurter Schule vorgenommen haben.
Show Summary Details
Restricted access

Die Verdinglichungstheorie in der frühen Frankfurter Schule

Extract



Im frühesten Programm der Frankfurter Schule (das von Max Horkheimer und Herbert Marcuse ausgearbeitet wurde) bekommt der Begriff der Verdinglichung überraschenderweise keine zentrale Rolle; wahrscheinlich deswegen, weil die Gründungsväter der kritischen Theorie das Konzept von Lukács als eine Marxexegese verstanden haben. Dagegen wollte vor allem Horkheimer eine neue Marxrekonstruktion herausarbeiten, die die ökonomische Determination hinter sich lassen kann. Den Ausdruck und das Phänomen der Verdinglichung begegnet man nur in einzelnen Ausführungen. Dagegen hat der äußere Kreis der Frankfurter Schule der lukácsschen Theorie der Verdinglichung von vornherein eine maßgebende Bedeutung zugemessen. Siegfried Kracauer entdeckt z. B., dass sich Lukács nicht nur für das Phänomen der Verdinglichung interessiert, sondern auch seine Auswirkungen auf die Menschen thematisieren möchte. Daraus entwickelt er eine weit gefächerte verdinglichungstheoretische Konzeption des Alltagslebens, in deren Rahmen dann auch die Massenkultur lokalisiert werden kann. Auch Walter Benjamin hat sich für ein solches Programm interessiert, sein wichtigster Beitrag zu einer Neuformulierung der Verdinglichungstheorie waren seine Geschichtsphilosophischen Thesen. In denen hat er versucht die Verdinglichung geschichtlich oder geschichtsphilosophisch zu verstehen; so kommt er zu Kategorien, wie Katastrophe und Barbarei. Mit dieser Vermittlung wird die Verdinglichung zur Grunderscheinung einer kritischen Geschichtsphilosophie. Eine solche Theorie hat später Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufklärung auszuarbeiten versucht. Was aber nicht bedeutet, dass sie auch den Begriff der „Verdinglichung“ aufgegeben hätten: „Die materiell ansehnliche und sozial klägliche Hebung des Lebensstandards der Unteren spiegelt...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.