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Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
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1. Kindheit und Jugendjahre

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Am 20. August 1749 nach dem in Rußland geltenden Kalender, am 31. August nach dem neuen Stil, wurde Aleksandr Nikolaevič Radiščev in Moskau geboren.1 Das gilt heute in der Forschung als feststehend, obwohl es einen aktenkundigen Nachweis über die Geburt nicht gibt und lange Zeit Verchnee Abljazovo im Wolgagebiet als Geburtsort galt. Sowohl in Moskau als auch in Nemcovo und in Verchnee Abljazovo fehlen entsprechende Aufzeichnungen.

Die Radiščevs waren ein altes Adelsgeschlecht, wahrscheinlich tatarischer Herkunft. Erstmalig wird es zur Zeit Ivan Groznyjs im 16. Jahrhundert in der Gegend von Kazan’ erwähnt.2 Stammsitz der Familie war das Gut Nemcovo im Kreis Malojaroslavec, Gouvernement Kaluga, etwa 120 km südwestlich von Moskau. Zu ihm gehörten 1764 nach der Revision 194 „Seelen“,3 so wurden die erbuntertänigen Bauern offiziell bezeichnet. Bei den etwa alle zwanzig Jahre durchgeführten „Revisionen“ (Volkszählungen) wurde nur die männliche Bevölkerung erfaßt, die als Grundlage zur Berechnung der Kopfsteuer diente.

Der Großvater Afanasij Prokop’evič Radiščev diente sich als typischer Vertreter der petrinischen Epoche im Heer hoch, vom einfachen Soldaten im Preobraženskij-Garderegiment bis zum Kommandeur des „Kavalergardskij korpus“, der persönlichen Leibgarde des Zaren, in der Zeit der Kaiserin Anna.4 Von ← 29 | 30 → ihm ist ein Porträt – es befindet sich im Radiščevmuseum in Saratow5 – überliefert, das mehrfach reproduziert worden ist.6 Bezeichnend ist der von Tatarincev entdeckte Antrag Afanasij Radiščevs auf Verabschiedung aus dem Militärdienst aus dem Jahre 1740. Hier...

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