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Aufklärung als Weltprojekt

Zu ihrer Phänomenologie, Geschichte und Geographie

Hans-Otto Dill

Der Autor verwendet «Aufklärung» statt als Epochenbegriff des 18. Jahrhunderts als menschlichen Subjektwerdungsprozess, nicht als Philosophie, sondern als praktisch-lebensweltliche Bewegung mit den Zielen Herrschaft der Vernunft, Toleranz, Rationalität, Gleichheit, Freiheit und Bürgerrechte. Er beschreibt Aufklärung nicht nur als Zeitverlauf, sondern als räumliche Erstreckung über West- und Mitteleuropa hinaus auf Balkan, Apennin und Pyrenäen sowie auf Nord- und Südamerika, also auf die okzidentalen bzw. semiokzidentalen Teile der Erdkugel. Aufklärung wird so zum globalisierenden Weltphänomen, dem Dill die Begriffe «Menschheit» und «Menschenrechte» zuordnet, womit aus nationalen bzw. historischen oder lokalen Identitäten eine universale, gesamtmenschheitliche Identität erwächst.
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Dritter Teil: Der Erde- und Weltbegriff der Aufklärung

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Dritter Teil

Der Erde- und Weltbegriff der Aufklärung

mundus vs. tellus Dritte Welt vs. ganze Welt

Erst dank sowohl der kolonialistischen Unterwerfung des amerikanischen Kontinents als auch der sich überall innerhalb wie außerhalb Europas infiltrierenden Aufklärung wurde der ganze Erdglobus zu einer wirklichen Welt des Menschen als eines weltweit kommunizierenden Wesens. Zu dieser Einsicht gelangte Alexander von Humboldt als Terrrestriker, Geograph, Geologe und Geodät, der sowohl Natur- als auch Sozialwissenschaftler war, so dass er alle diejenigen Phänomene in Natur wie Kultur registrieren konnte, die einen Gesamtzusammenhang zwischen den zuvor voneinander getrennten einzelnen Erdteilen und menschlichen Populationen ergaben.

Humboldt kannte und studierte empirisch nicht nur das gemäßigt temperierte Europa, sondern mehr noch den tropischen Süden und auch das kalte Russland bis hin zur chinesischen Grenze; kannte Nordafrika, den Okzident wie den Orient, die Alte und die Neue Welt, „Mutterländer“ und Kolonien, künftige Industrie- wie künftige Entwicklungsländer: in einem Wort: er kannte nicht nur die Welt, sondern die Erde. Und er verband diese einmalige Chance holistischer Weltsicht und empirischer Welterfahrung mit dem philosophischen Erbe des deutschen Idealismus von Kant, Fichte, Schelling, Goethe und Schiller.

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