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Die beiden Faust-Dramen Goethes

Jochen Bertheau

Jochen Bertheau befasst sich mit Goethes wohl bekanntesten Werk, dem «Faust I». Der Dichter selbst bezeichnete seine Arbeit gelegentlich als Fragment und widersprüchlich in der Konzeption, verteidigte aber gegenüber kritischen Lesern wie Wieland oder Luden das Prinzip, in der Poesie gebe es keine Widersprüche. In Wahrheit schloss er in Italien zwei verschiedene Faust-Dramen fast ab: Im «Ur-Faust» wurde er stark vom Scharlatan Schrepfer, in der Faustoper vom barocken Schultheater 1786 in Regensburg beeinflusst – beides ist bisher nicht untersucht worden. Mit Hilfe der Paralipomena kann man Bertheau zufolge zwei ganz verschiedene Dramen herausschälen: eine Tragödie und eine Oper. Um aufführungsreife Texte zu gewinnen, nahm der Autor minimale weitere Ergänzungen vor. Neben der eingehenden Untersuchung zur Entstehung beider Dramen erforscht Bertheau auch die Funktion der beiden Nummernpläne.
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K. Texthistorischer Kommentar zu „Faust. Der Oper erster Teil“

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Auf der Reise nach Italien, mit der Handschrift des Ur-Faust im Gepäck und mit der Absicht, ihn in Italien fertig zu stellen, erlebte Goethe am 3.Sept. 1786 (Reisetagebuch 4. Sept. 1786) in Regensburg eine ganz andere Art von Theater, das optisch und akustisch prachtvolle barocke Welttheater der Jesuiten – auch die protestantischen Schulen in Deutschland entwickelten im Barock ähnliche Strukturen. Goethe hörte und sah dort, wie Gott selber den Lebenslauf eines exemplarischen Menschen beobachtete, kritisierte und schließlich den Menschen mit der Himmelfahrt in seine Gnade aufnahm. Diese ultramontane Kultur beeindruckte den Italien-Reisenden ebenso wie später die jesuitisch-barocke Baukunst in Italien – mehr als jedenfalls die echten griechischen Tempel in Paestum und Segesta. Irgendwann auf der Reise nach Rom muss ihm der Gedanke gekommen sein, auch seinen „Faust“ völlig neu zu schreiben, in jener anderen Struktur der reichen Pracht, mit unzähligen allegorischen Nebenfiguren, mit schön klingenden Chören und mit der erwirkten Gnade für Faust, den exemplarischen Menschen. Spätestens in Rom kombinierte Goethe ein völlig neues Schema mit einer Grundidee, die nichts mehr mit der alten Tragödie zu tun hatte. Der exemplarische Mensch Faust sollte Gegenstand einer Wette des Teufels mit Gott sein, die Gott sicher zu gewinnen glaubt, auf Grund von zwei Voraussetzungen: 1. Es irrt der Mensch, solang er strebt. 2. Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst, aus der Sicht der Engel: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir...

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