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Alter, neuer Kalter Krieg?

Eine philosophiegeschichtliche Analyse des Zusammenhangs von «Sozialismus» und Frieden

Ulrich Knappe

Ist es nicht verwunderlich, mit welcher Präzision der Kalte Krieg an der Ukrainekrise wieder aufbricht? Die alten, eingeübten, systemischen, konfrontativen Denk- und Handlungsmuster sind nicht überwunden, sondern scheinbar nur zurückgedrängt worden. Wenn Verstehen und Verständigung, als Überlebensprinzip im Nuklearzeitalter, jedoch dauerhafter werden sollen, dann lohnt es sich, tiefer zu gehen und nach den überkommenen Ursachen für den neuen Ausbruch der Konfrontation zu suchen. Diese Schrift analysiert das Entstehen, die Existenz und den Untergang des «Sozialismus» und entwirft von daher die Konturen unterschiedlicher Friedenszustände, die diese Gesellschaftsordnung mitgeprägt hat. Ohne diesen weit gefassten philosophisch-historischen Bogen blieben sowohl Umfang und Tiefe der Auseinandersetzung im Kalten Krieg als auch die Wege für einen Annäherungsprozess im Dunkeln.
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Erstes Kapitel: Sozialismus und gesellschaftliches Eigentum

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1.1 Der Begriff des Sozialismus

Die kommunistische Idee ist keine Erfindung eines einzelnen, schon gar keine Erfindung von Karl Marx. Das Nachdenken darüber, warum Gleichgeborene zu Ungleichen werden und warum Ungerechtigkeit entstand, wurzelt in den Völkern, ihren geschichtlich geprägten religiösen und moralischen Vorstellungen und trug in den Jahrtausenden nur selten Namen.

Es existiert heute noch genauso namenlos und hat sich durch die Zeit bis in unsere Gegenwart gewoben. Es wäre ein Trugschluß, seine Existenz nur deshalb abzustreiten, weil die Gesellschaftsordnung, die sich im zwanzigsten Jahrhundert unter dem Begriff „Kommunismus“ gebildet hatte, unterging.

Als die urkommunistischen Gesellschaftsstrukturen vor circa zehntausend Jahren an der einsetzenden Agrarrevolution zu zerbrechen begannen, wurden die Menschen sich dessen im Rahmen ihrer geistigen Horizonte bewußt. Die milde gesellschaftliche Unterscheidung zwischen dem Jäger und der Sammlerin wandelte sich mit Aufkommen eines landwirtschaftlich erzeugten Mehrproduktes. Wie ein scharfes Schwert zog der Fortschritt der Besitz- und Eigentumsdifferenzierung, der sich am Entfalten produktiverer Kräfte der Menschen entzündet hatte, seine Spur durch die naturwüchsige Gentilgesellschaft. Abspaltung der Familie von der Sippe durch Vererbung von Besitz über die männliche Linie, Zerbrechen der Organisationsform des Matriarchats und Errichtung des Patriarchats, Zusammenbruch der bisher gültigen moralischen Werte, das waren Erscheinungsformen des Untergangs des urkommunistisch Alten und der Entstehung des klassenhaft Neuen. Der Krieg und die Gewalt spielten in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle.

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