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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Auf Spiegelprothesen angewiesen? Ausleuchtungen des Subjekts im Prosawerk von Angelika Reitzers Roman Wir Erben

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Joanna Drynda

Auf Spiegelprothesen angewiesen? Zu Ausleuchtungen des Subjekts in Angelika Reitzers Roman Wir Erben

1. Die optische Chronik der Alltäglichkeit

„Die Herausforderung war, das Geschehen konstant voranzutreiben – und den Figuren so gut wie kein Innenleben zuzuschreiben, das sie denken, handeln und schließlich auch etwas sagen lässt, wobei das Gesagte sich vom Gedachten unterscheiden müsste“ – so die österreichische Schriftstellerin Angelika Reitzer (Jg. 1971) über die größte Schwierigkeit beim Schreiben des bis dato letzten, 2014 veröffentlichten Romans Wir Erben.1 Die in diesem Interviewauszug angesprochene, für Reitzers Gesamtwerk charakteristische ästhetische Strategie – eine weitgehende Aussparung der Introspektion zugunsten der Konzentration auf das Sichtbare – hängt einerseits eng mit der bevorzugten Thematik der Subjektkonstitution zusammen, zeitigt andererseits eine Reihe stilistischer Phänomene. Um anzudeuten, auf welche Weise die Autorin dabei die prothetische Funktion des Spiegels ins Spiel bringt, wird vorerst das Augenmerk auf die Besonderheiten der Prosa gelegt.

Den thematischen Kristallisationspunkt der Prosatexte Reitzers bilden einerseits weibliche Identitätssuche, andererseits mögliche Existenzformen der Familie, was in beiden Fällen allenfalls bruchstückartig erreichbar ist. Beim Porträtieren einer Generation, die in abbröckelndem Sozial-Normgefüge nach Koordinaten für geeignete Lebensentwürfe sucht, wird der Blick von vornherein auf die Alltäglichkeit gerichtet. Was die Autorin interessiert, sind durchschnittliche Menschen, die nach außen hin alles haben und denen doch etwas fehlt, und die ihr Leben mit banalen Handlungen, gewöhnlichen Sorgen oder unspektakulären Begegnungen fristen. Ohne...

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