Show Less
Restricted access

Die soziale Herkunft der dänischen Studenten

Theodor Geiger Gesamtausgabe- Abteilung IV: Soziale Schichtung und Mobilität- Band 4

Series:

Klaus Rodax

«Die vorliegende Untersuchung möchte Genaueres über die Abstammung der akademischen Jugend ermitteln. Die leitenden Fragestellungen waren: 1) Um wieviel lebhafter und bunter stellt sich die Umrekrutierung des Akademikerstandes dar, wenn man die jungen Akademiker nicht, wie üblich, nur auf ihre direkte väterliche, sondern auf ihre indirekte grossväterliche Abstammung hin untersucht? 2) Welche Zwischenglieder (Väter) stehen typischerweise zwischen Grossvätern in den verschiedenen Sozialschichten und deren studierenden Enkelkindern?» (Theodor Geiger)
Show Summary Details
Restricted access

I. Die Akademiker in der Gesellschaft

Extract

Ein historischer Rückblick

Der unmittelbare historische Hintergrund für die heutige soziale Stellung der Akademiker ist die Bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. In der direkt davor liegenden Zeit, der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sind die Akademiker allem Anschein nach in zwei recht deutlich unterschiedene Kategorien unterteilt gewesen.

1) Der höhere Beamtenstand, öffentlicher Dienst und Rechtspflege – also die Juristen – nahmen eine bedeutende Machtstellung ein, denn in ihren Händen lag der Staatsapparat. Dieser akademische Beamtenstand war durch den Zentralismus des absolutistischen Territorialstaats und dessen Bedarf an fachlich ausgebildeten, höheren Staatsorganen entstanden und gewachsen. Der dänische Absolutismus war von Beginn an nahezu die äußere, staatsrechtliche Form für eine Beamtenregierung, gestützt auf das Großbürgertum und Teile des Adels. Der Beamtenstand war eine noblesse de robe und erreichte anscheinend den Höhepunkt seiner Konsolidierung als eine kastenartige geschlossene Gruppe um etwa 1750. Dies bedeutete unter anderem, daß er sich im wesentlichen durch seine eigenen Nachkommen1 erneuerte, ergänzt durch einen gewissen Zugang vom Großbürgertum.

Das adlige Element war im höheren Beamtenstand sehr stark vertreten, da der Hof- und Stadtadel nahezu als Ganzes seinen Kern bildete. Die „alten Beamtenfamilien“ waren adlig. Das von Aage Friis zusammengetragene Zahlenmaterial für den Zeitraum 1730–1830, das ich aufrechnen ← 13 | 14 → und benutzen durfte,2 ist in dieser Hinsicht außerordentlich lehrreich. Es zeigt nicht nur, daß 34 % der insgesamt 1.815 in diesen 100 Jahren registrierten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.