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Gesetzlicher Tierschutz im Deutschen Reich

Yi Han

Ist der Tierschutz menschenfeindlich und ist dessen Gesetzgebung im Dritten Reich Missbrauch etwaiger Weimarer Entwürfe zur Judenverfolgung und Selbstverherrlichung? Untersucht wird demgegenüber die Geschichte von § 360 Ziffer 13 des Reichsstrafgesetzbuches 1871 über das Reichstierschutzgesetz 1933 samt dessen Nebengesetzen 1934–40 bis zu ihrer Auslegung und Umsetzung gar bis 1943/45. Dadurch erweist sich der Tierschutz als eine uralte Kulturnotwendigkeit und somit nicht erst als «Kind des Nationalsozialismus». Doch dessen volkserzieherische Bestrebung war vom Zustandekommen des Tierschutzrechts als neues Fachgebiet nicht wegzudenken.
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B. Versuche zur Verbesserung 1891 – 1927

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Solche Begleitumstände zeigten: „Gerade für die […] drängenden Fragen nach der Zulässigkeit der Vivisektion und dem bestäubungslosen […] Schächten lieferte die reichsrechtliche Fassung des allgemeinen Tierschutzbestandes weithin eine zu stumpfe Waffe.“227 Und „insbesondere war man in Tierschutzkreisen über das Versagen des § 360 Z. 13 sehr verstimmt.“228 So versuchten ihre Vertreter229 unter Berufung auf Schopenhauer230 und Darwin231 „auf dem Wege der Rechtsphilosophie ein Recht des Tieres zu konstruieren.“232 Doch wie begrüßenswert das Tierrecht moralisch auch sei,233 erachteten es die meisten Juristen als „eine theoretisch nur in beschränktem Sinne mögliche234 und praktisch entbehrliche Terminologie.“235 Als Wilhelm Lange236 und August Sturm237 sich mit ← 43 | 44 → den ersten rein strafrechtlichen Vorschlägen zur Verbesserung des Tierschutzes befassten, wünschte sich das Preußische Staatsministerium 1889 eine wissenschaftliche internationale Darstellung desselben Gebietes. Dafür wandte man sich zunächst an Franz von Liszt, aber durch seine Übertragung238 fiel die Bearbeitung der Materie in der Strafrechtskommission Robert von Hippel zu. Daraus entstand 1891dessen Habilitation „Die Tierquälerei in der Strafgesetzgebung des In- und Auslandes“, die das frühere Standardwerk für die strafrechtliche Behandlung der Tierquälerei bildete.239

I. Kritik von Hippels

Nach einer umfassenden Untersuchung des derzeitigen Rechtszustandes und einer eingehenden Vergleichung mit seiner Vorentwicklung240 fing seine Kritik mit dem Rechtsgrund an:

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