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Migration und kulturelle Diversität

Tagungsbeiträge des XII. Internationalen Türkischen Germanistik Kongresses- Bd. I: Literatur- und Übersetzungswissenschaft

Metin Toprak and Ali Osman Öztürk

Der erste Band enthält die literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Beiträge des XII. Türkischen Internationalen Germanistik Kongresses, der im Mai 2014 in Kocaeli/Türkei unter dem Thema Migration und kulturelle Diversität stattfand. Der Band ist in zwei Hauptkapitel unterteilt und enthält insgesamt 33 Beiträge, die mehrheitlich der Sektion Literaturwissenschaft zugeordnet sind und in aller Breite an den Titel des Kongresses anknüpfen. Es handelt sich dabei auch um Überlegungen und Analysen aus dem Bereich der Übersetzungswissenschaft, deren Themen aber im Fokus der Migration und kulturellen Diversität behandelt werden.
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Lustig ist das Zigeunerleben? Zur kulturellen Diversität in der Germanistik am Beispiel von „Sinti und Roma“-Literatur

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„Lustig ist das Zigeunerleben“ ist nicht nur ein altes Volkslied sondern auch der Titel einer Kurzgeschichte, die Arno Schmidt im Jahr 1955 in seinem Erzählband „Trommler beim Zaren“ veröffentlicht hat.

[…] Ich blieb bei diesem sehr besonderen Volk beinahe drei Jahre, und wurde in all ihre Bosheiten eingeweiht. Keine Fesseln konnten sie fest halten; keine Gefängnisse sie einsperren; weder Riegel noch Schlösser sicherten den Schatz des Begüterten vor ihnen. Durch Speisen oder Gerüche waren ihnen die Tiere unterwürfig: das wildeste Pferd mußte vor ihnen stehen; der grimmigste Bullenbeißer durfte sie nicht anbellen; alle Höfe, Gärten und Bleichplätze waren ihnen so offen, wie die freie Straße. Sie nahmen alle Gestalten und beinahe alle Größen an; sie wurden nach Belieben sichtbar und unsichtbar; für jede Verkleidung hatten sie ein verschiedenes Gesicht, so daß selbst ihre täglichen Gesellschafter sie nicht anders als durch verabredete Worte und Zeichen erkennen konnten. Auf solche Art reagierten sie ohne Gewalttätigkeit oder erkennbaren Betrug, ohne Getümmel, Anklage, oder Beschuldigung. (Schmidt 1955: 29f.)

In Schmidt’s Kurzgeschichte erzählt ein älterer Protagonist jüngeren Zuhörenden von seiner Zeit „bei diesem sehr besonderen Volk“ und reiht sich damit zu denjenigen europäischen Autoren, die den Ausdruck „Zigeuner“ pejorativ verwenden. Aus obigem Abschnitt geht hervor, dass in Schmidt’s Kurzgeschichte gängige Klischees über sog. „Zigeuner“ unreflektiert übernommen werden: u. a. eine exotische Freiheitsliebe, diebisches Verhalten, eine Affinität...

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