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Migration und kulturelle Diversität

Tagungsbeiträge des XII. Internationalen Türkischen Germanistik Kongresses- Bd. I: Literatur- und Übersetzungswissenschaft

Metin Toprak and Ali Osman Öztürk

Der erste Band enthält die literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Beiträge des XII. Türkischen Internationalen Germanistik Kongresses, der im Mai 2014 in Kocaeli/Türkei unter dem Thema Migration und kulturelle Diversität stattfand. Der Band ist in zwei Hauptkapitel unterteilt und enthält insgesamt 33 Beiträge, die mehrheitlich der Sektion Literaturwissenschaft zugeordnet sind und in aller Breite an den Titel des Kongresses anknüpfen. Es handelt sich dabei auch um Überlegungen und Analysen aus dem Bereich der Übersetzungswissenschaft, deren Themen aber im Fokus der Migration und kulturellen Diversität behandelt werden.
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Darstellungsmöglichkeiten der Gattung der Ballade. Eine sozioliterarische Erörterung am Beispiel von H. Heines Gedicht „der Asra“

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Der Asra

Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und niederUm die Abendzeit am Springbrunn,Wo die weißen Wasser plätschern.Täglich stand der junge SklaveUm die Abendzeit am Springbrunn,Wo die weißen Wasser plätschern; Täglich ward er bleich und bleicher.Eines Abends trat die FürstinAuf ihn zu mit raschen Worten:„Deinen Namen will ich wissen,Deine Heimat, deine Sippschaft!“Und der Sklave sprach „Ich heißeMohamet, ich bin aus Yemmen,Und mein Stamm sind jene Asra,Welche sterben, wenn sie lieben.“

Für eine Ballade ist das Gedicht „der Asra“ untypisch kurz, aber dafür auch untypisch dicht in seiner künstlerischen Durchformung. Mit seinen vierzeiligen Strophen aus vierhebigen Trochäen und mit seiner Ansiedelung in einem orientalischen Milieu verweist es auf die Erlebnisgedichttradition (Lohmeier 1981), wenn auch nur in einem ungenaueren Sinne. Das Motiv hat Heine höchstwahrscheinlich aus Stendhals Buch „De l’amour“ (1822). Dort wird nach einer arabischen Quelle vom Stamm der Asra berichtet, der sich durch seine Fähigkeit zur unbedingten Liebe auszeichnet. Was Heine an diesem Motiv interessiert hat, war anscheinend weniger die Sinnlichkeit der orientalischen Liebesdichtung – deren Spiegelung in Goethes „West-östlichem Divan“ ihn sehr angesprochen haben muß –, sondern vielmehr der Asra als reine Verkörperung der Liebe als ← 57 | 58 → Leidenschaft, als ein extremes Gefühl in seiner tödlichen Konsequenz; ein Thema, das den Dichter gereizt haben muss.

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