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Narrative des Ersten Weltkriegs

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Edited By Miriam Seidler and Johannes Waßmer

Wie lässt sich das Fronterlebnis erzählen? Dieser Frage sahen sich die Soldaten im Ersten Weltkrieg gegenüber. Das, was sie an der Front erlebten, ist so neu und einzigartig, so traumatisch und gewaltsam, dass es nicht in Worte gefasst werden kann, selbst wenn es bildlich vor Augen steht. Traditionelle Darstellungsweisen von Krieg und Gewalt werden dem Erleben nicht gerecht. Nicht nur die Kriegsgräuel, auch die gesellschaftliche Rechtfertigung des Krieges und vor allem die Euphorie bei Kriegsbeginn bedürfen einer Sinndeutung. Neben der kulturgeschichtlichen Verortung des Kriegserlebens nimmt der Band vermeintliche Randphänomene wie das Erleben der Heimatfront, den U-Boot-Krieg und den Krieg in Ostpreußen, sowie das weibliche Kriegserleben in den Fokus.
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Feldgraues Dichten. Mobilität und Popularität der Lyrik im Ersten Weltkrieg

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Zum Abschluss seiner zweibändigen Geschichte der Weltliteratur (1910/13) schreibt der Literaturkritiker und Dichter Carl Busse mit deutlicher Vehemenz gegen eine „weichwattierte Ästhetenjugend mit hängenden Schultern und müden Dämmerseelchen“ an, die „schwächlich an blaßblauen Träumchen zehrte und ihre kleinen seltsamen Gefühle mit großen kostbaren Worten aufputzte“. An ihre Stelle soll „eine kühne, starke, fröhliche, vertrauende Jugend“ treten, die „ihr Herz gläubig in die Zukunft wirft und ihm nachspringt“. Busses Projekt einer Literaturgeschichte gründet dabei nicht auf einem Bericht „über die Literaturen der verschiedenen Völker“, sondern auf der Überzeugung, dass jede „Kunst und Dichtung“ allein „eine Ausdrucksform des Lebens“1 ist, die es zu bewahren gilt. Zwei Jahrzehnte später, 1930, konstatiert Oskar Walzel in seinem literaturgeschichtlichen Rückblick Deutsche Dichtung von Gottsched bis zur Gegenwart für Teile der Romanprosa vor 1914 eine seinerzeit „beginnende Veräußerlichung des Lebens“2 und damit eine Inkongruenz der Literatur zu ihren Gegenständen.

Solche zeitgenössischen Diagnosen erweisen sich in zweierlei Hinsicht als bedeutsam: Zum einen blenden sie fachwissenschaftliche, philologische und populärwissenschaftliche, lebensphilosophische Argumentationsanteile ineinander und belasten zugleich Kunst und Literatur mit dem Verdikt der Lebensferne. Zum anderen rufen sie mit ihrem Votum für eine neue, unverbrauchte Dichtergeneration exemplarisch eine diskursiv übergeordnete, historische Semantik ab, die tiefenstrukturell über ein – auch für literarische Texte geltend zu machendes – dreigliedriges Narrativ von Krise, Ereignis und Aufbruch organisiert ist und nicht zuletzt in den ›Ideen von...

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