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«Top-Spion» oder Opfer der deutsch-deutschen Wiedervereinigung?

Der Abgeordnete Gerd Löffler zwischen DDR-Geheimdienst und Hamburger CDU

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Wolfgang Schulenberg

Die Enttarnung des Hamburger Parlamentariers Gerd Löffler als Agent 1990, seine Flucht nach Österreich 1991, seine Verschleppung auf deutsches Gebiet durch bayerische Grenzbeamte 1994 und seine Verurteilung waren mediale Sensationen. Löffler hat sich in der Folge als Kundschafter des Friedens dargestellt, als Opfer. Jetzt ist Löfflers Kooperation mit der Militäraufklärung der Nationalen Volksarmee ebenso durchleuchtet worden wie der eventuelle parteipolitische Hintergrund seiner Einstufung als Top-Spion, seiner Verhaftung und Verschleppung. Die interdisziplinäre Analyse vereinigt Aspekte aus Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft, Hamburger Spezifika und rechtspolitisch Grundsätzliches zur Bewältigung der DDR-Vergangenheit. Der Verfasser hat mit Löffler kommuniziert, aber die kritische Distanz gewahrt.
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2.3.3 Einfluss des Konflikts um die Neue Heimat

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2.3.3Einfluss des Konflikts um die Neue Heimat

Der Konzern Neue Heimat

Der Gesamtkonzern Neue Heimat hatte sich, von Hamburg ausgehend, nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders in den 1970er Jahren als gewerkschaftliches Großunternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas mit umfangreichen Auslandsbeteiligungen entwickelt. Das Konzept der Neuen Heimat, als Generalunternehmer mit günstigen Preisen aufzutreten, wurde als ebenso modern wie erfolgreich eingeschätzt. Viele Großaufträge wurden in der BRD realisiert, neben Wohnungen auch Krankenhäuser, Schulen sowie Universitäten. Die Neue Heimat durfte von sich behaupten, einen bedeutenden Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands geleistet zu haben.738 Vor Korruption war der Konzern – natürlich – nicht gefeit.

Am 8. Februar 1982 erschien im „Spiegel“ eine Titelstory, die den Anspruch erhob, einen „Neue-Heimat-Skandal“ zu enthüllen; in den nächsten Jahren folgten fünf weitere Titelgeschichten.739 Dieser Symptomatik entsprach eine Realität. Illegale Geldschiebereien zwischen den Neue-Heimat-Gesellschaften und eine Mentalität des „in die eigene Tasche Wirtschaftens“ wurden offenbar. So verdienten z.B. vier Spitzenmanager der Führungsebene über die Firma Tele-Term, die Tausende von Neue-Heimat-Häusern mit überteuerter Fernwärme versorgte, auch persönlich mit.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund entließ die Verantwortlichen, war aber nicht zu einer Rettung des Unternehmens Neuen Heimat bereit, weil sie riesige Beträge erfordert hätte. Der Konzern hatte sich überdehnt. So verfiel man auf ← 283 | 284 → einen Kunstgriff. Der mit ca. 16 Milliarden Mark verschuldete Konzern wurde 1986 für eine symbolische Mark an den mittelständischen Berliner B...

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