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Salafismus in Deutschland

Entstehung, Radikalisierung und Prävention

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Rauf Ceylan and Benjamin Jokisch

Salafismus zeigt sich derzeit hauptsächlich in der medial aufgearbeiteten Form des zeitgenössischen politischen Salafismus: radikal, schnell wachsend, national und international als aktuelle Bedrohung empfunden. Dem öffentlichen Diskurs fehlt es häufig an Information und Differenzierung. Es gilt einerseits, Gefahren nicht kleinzureden, um Prävention und angemessene Reaktion zu ermöglichen, und andererseits, diese Minderheit in der Minderheit daran zu hindern, das Bild der Muslime in der Mehrheitsgesellschaft zu prägen. Informierend und differenzierend untersucht der vorliegende Band das Thema Salafismus in zwei Teilen unter den Gesichtspunkten Geschichte und Gegenwart des Salafismus in der islamischen Welt und, dem Titel folgend, Salafismus in Deutschland. Radikalisierung und Prävention.
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„Salafistische“ Strömungen im vormodernen Islam

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Benjamin Jokisch

I. Einleitung

Verfolgt man die Medien, entsteht leicht der Eindruck, der Islam sei eng verknüpft mit Fanatismus und Gewalt, mit Werten, die den Vorstellungen moderner demokratischer Gesellschaften widersprechen.1 Dies gilt insbesondere für jene Strömung des Islam, die allgemein als „Salafismus“ bezeichnet wird und in ihrer radikalen Ausprägung tatsächlich zur Anwendung von Gewalt neigt. Während die Einschätzungen bezüglich der Anzahl gewaltbereiter Salafisten in Deutschland wie auch in anderen Ländern schwanken, besteht doch Einigkeit darüber, dass es sich um eine kleine Minderheit handelt. Die für die überproportionale mediale Präsenz verantwortlichen Gruppen radikaler Salafisten sind in ihrer Zahl und Stärke zweifellos begrenzt, werfen aber dennoch die hier näher zu behandelnde Frage auf, inwieweit die Wurzeln des Salafismus in der Geschichte des Islam zu suchen sind, zumal Salafisten sich ja gerade auf Konzepte und Autoritäten des vormodernen Islam berufen. Die Meinungen gehen in der Frage weit auseinander, was angesichts der unterschiedlichen Darstellungen und Deutungen der islamischen Geschichte wenig überrascht. Während einerseits durchaus eine generelle Prädisposition des vormodernen Islam für den Salafismus der Gegenwart gesehen wird – sei es durch eine „theologische Blockade“, die seit dem Triumph der Orthodoxie im 9. Jahrhundert eine klare Trennung von Staat und Religion verhindere,2 sei es speziell durch traditionalistische Konzepte in Recht und Theologie des frühen und mittelalterlichen Islam3 – werden andererseits exogene Faktoren wie der Kolonialismus und im ← 15 | 16 → weitesten Sinne...

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