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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Möglichkeiten und Formen einer ethischen Reflexion in der Literatur

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← 178 | 179 → Konjunktiv(a)e zwischen Ethos und Pathos. (Aus)Bleibende Belichtungen in Marcel Beyers Spione und Paweł Huelles Mercedes-Benz. Z listów do Hrabala

Gudrun Heidemann

1. Narratives Ein- und Ausblenden

Am Ende von W. G. Sebalds Die Ausgewanderten vereinnahmt der Ich-Erzähler Max Aurach eine Fotografie aus dem Getto Litzmannstadt, die drei Weberinnen an ihrem Zwangsarbeitsplatz zeigt, zunächst als Opferbild aus Tätersicht, indem er die Perspektive des knipsenden Chronisten, des Finanzabteilungsleiter in der deutschen Gettoverwaltung Walter Genewein einnimmt. Trotz Gegenlichts spüre Aurach den Blick der drei Frauen, da er dort stehe, wo „Genewein, der Rechnungsführer [sic!], mit seinem Fotoapparat gestanden hat.“1 Indem sich der Fokus des Fotografen mit dem des Bildbetrachters überschneidet, wiederholt sich der machtvolle männliche Fotoschuss. Durch eine imaginierte Verkehrung der Blickrichtung und spekulative Namensgebungen erfolgt dann eine Opferperspektive, die den fotografischen Schein der harmlosen weiblichen Handarbeit verdoppelt. So durchdringt der Blick einer Weberin den Erzähler derart, dass er „es nicht lange auszuhalten vermag“2, er denkt an mögliche Namen – „Roza, Luisa [!] und Lea oder Nona, Decuma und Morta, die Töchter der Nacht mit Spindel und Faden und Schere.“3 Während die jüdischen Vornamen die Ghettoisierung indizieren, verweisen die Namen der lebenspendenden Schicksalsgöttinnen – der Parzen – auf die Unmöglichkeit eines Verwebens vitaler Lebensfäden, die sich hier medial und metadiskursiv in der fotografischen Arretierung der webenden Handarbeit manifestiert.4

Aurachs imaginative und spekulative Bildzuschreibungen erfolgen, ohne dass...

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