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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Ulrich Herbert, Best. Biographische Studien über Rechtsradikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903 bis 1989. Dietz Verlag, Bonn, 1996, 695 Seiten.

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Ulrich Herberts Studie, in steter Auseinandersetzung mit Legendenbildungen und Wahrnehmungsverzerrungen der tradierten, Best als seriösen historischen Zeugen betrachtenden Historie entwickelt, gilt dem höchsten überlebenden Ideologen und Administrator des nationalsozialistischen Terrorapparats, dem Stellvertreter Heydrichs, Werner Best, der nach wenigen Jahren Haft 1951 in der Bundesrepublik zum einflußreichsten juristischen Strategen zur Verhinderung der Ahndung von NS-Massenverbrechen aufstieg.

Ihrem Gegenstand entsprechend ist die Untersuchung methodisch komplex angelegt. Herbert schreibt nicht eine personalisierende Biographie, sondern analysiert Best als sozialen Typus akademisch gebildeter völkischer Intellektueller, die – juristisch sozialisiert – die wichtigsten innenpolitischen und außenpolitischen Herrschaftsinstrumente des NS-Regimes, die Geheime Staatspolizei, die Sicherheitspolizei, den Sicherheitsdienst und die mobilen Massentötungskommandos konzeptionell entwickeln und die Praxis überwachten. Die Geschichte Werner Bests, dessen Vorname im Titel des Buches nicht erscheint, um ihn als Funktionsrepräsentanten eines schon in der Weimarer Republik ausgebildeten administrativen Führungscorps der NSDAP kenntlich zu machen, wird in den jeweiligen herrschaftssoziologischen Kontext und die geschichtliche Gesamtentwicklung eingebettet. Herberts Arbeit, geschrieben in einer ebenso anschaulichen wie begrifflich präzisen Sprache, ist ein großes Exempel für eine Wissenschaft, die die spezialistische Aufspaltung des Gegenstands rückgängig macht. Neben der historischen Analyse im engeren Sinne wird die juristische Herrschaftskonzeption Bests – insbesondere ihre völkerrechtsnegierende Gestalt – rekonstruiert – vor allem durch die Rezeption der klassischen, im amerikanischen Exil zuerst erschienenen Untersuchung Ernst Fraenkels aus dem Jahr 1941 zur Strukturverbindung von rechtsfreiem Maßnahmenstaat und rechtlich gebundenem Normenstaat. Die Relevanz der juristischen Instrumentarien für die Anleitung des Staatsterrors...

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