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Zwischen Barmherzigkeit und Dienstleistung

Eine theologisch-tugendethische Perspektive für die Pflege

Kathrin Zumkley

Der Anspruch an die ökonomische Effizienz diktiert zunehmend das Handeln professioneller Pflegekräfte. Das unterläuft nicht nur die Pflegequalität, sondern belastet auch die zwischenmenschliche Beziehung und treibt Pflegende in den Burn-out. Die Autorin beschäftigt sich vor diesem Hintergrund aus ethischer Sicht mit der Frage, was eine „gute Pflege" ausmacht. Dazu stützt sie sich auf einen tugendethischen Ansatz und präsentiert durch ergänzende Ausführungen seitens der Care-Ethik eine alternative Handlungstheorie, die sich an der Kategorie der Beziehung ausrichtet. Compassion fungiert als zentrale Tugend, um die fragile Grenze zwischen Fürsorge und Machtmissbrauch in asymmetrischen Beziehungskonstellationen zu wahren und in den Dienst des guten Lebens für Pflegekräfte und Bewohner zu stellen.

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0. Einleitung

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Die demographische Entwicklung der letzten 50 Jahre veränderte nachhaltig das Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsgruppen zueinander. Waren bis ins 20. Jahrhundert über 80-Jährige eher als Ausnahme denn als Regel zu bezeichnen, werden sie – mit Blick auf die prognostizierten Lebenserwartungszahlen – zukünftig zum Regelfall werden. Derzeit liegt der Anteil der Deutschen, die älter als 60 Jahre sind, bei 23%.1

Dass das Themenfeld der „Pflege“ als gesundheitliche Versorgungsleistung des Staates für ältere Menschen und künftige Alte damit einen immer größeren Stellenwert erhält, erklärt sich mit dem Blick auf die Zahlen von selbst. Mit dem diesbezüglichen Bedeutungszuwachs, den Pflegeberufe erfahren, treten auch zunehmend kritische Stimmen gegenüber der Weise auf, wie Pflege als diese Versorgungsleistung durchgeführt wird. Die „Krise der Pflege“ greift sowohl Unzufriedenheit und Überbelastung von Pflegekräften als auch die Erfahrung Pflegebedürftiger und deren Angehörigen auf, die die Versorgungsleistung in Heimen bemängeln.

Die folgende Arbeit will einen Beitrag zur Pflege-Ethik im Umkreis der institutionalisierten Altenpflege aus moraltheologischer Perspektive leisten, wobei sie sich besonders auf die Rolle der Pflegeperson bezieht.

Als akteurszentrierter ethischer Ansatz, der dem Gedanken des guten Lebens verpflichtet ist, bietet sich die Tugendethik als ein praxisorientierter Zugang zur Pflege an.

Insofern setzt sich das erste Kapitel damit auseinander, das aristotelische Konzept in seinen Grundzügen zu umreißen und grundsätzliche Fragen zum Wesen und zur Entstehung der Tugend zu beantworten sowie das Konstrukt der eudaimonia darzustellen. Ein...

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