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Der Kosmos als Vorbild und Lehrmeister

Studien über den Raum-Zeit-Diskurs in der römischen Lebenswelt

Marion Achenbach-Kosse

Während heute die meisten Menschen keinen Gedanken daran verschwenden, dass sich unser irdischer Wohnort mit mehr als 1000 km/h um die eigene Achse dreht, reichte das Wissen um dieses ständige Bewegtwerden bei den Römern bis in den Alltag: Für Vitruv ist das rotierende Weltall der Prototyp aller mechanischen Einrichtungen.

In die römische Lebenswelt gelangte das Wissen über das Raum-Zeit-Modell der griechischen Astronomie, dem Platons Erkenntniseuphorie zu religiösem Charakter verholfen hatte, durch die paideia. Allerdings war der Prozess von der Wissensgewinnung bis zur Wissensrepräsentation keine Einbahnstraße: Die Deutungsmuster griechischer Welterklärung wurden durch Texte und Artefakte nicht einfach reproduziert, sondern an veränderte Bedürfnisse angepasst. Aus tradierten und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, religiösen Überzeugungen, politischen Notwendigkeiten und dem Wunsch nach Zurschaustellung des eigenen Kulturkapitals entstand im öffentlichen wie im privaten Bereich ein komplexer Diskurs über Raum und Zeit.

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