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Die katholische Kirche Polens und die «Wiedergewonnenen Gebiete» 1945–1948

2 Bände

von Robert Zurek (Autor:in)
Habilitationsschrift 862 Seiten

Zusammenfassung

Im Jahre 1945 wurden die deutschen katholischen Kirchenstrukturen östlich der Oder und Neiße durch eine vorläufige polnische Kirchenverwaltung ersetzt. Das katholische Kirchenleben in den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurde innerhalb von wenigen Jahren fast vollständig polonisiert. Diese Vorgänge stellen seit Jahrzehnten ein sehr umstrittenes, aber immer noch schwach erforschtes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte dar. In der vorliegenden Monographie werden sie zum ersten Mal umfassend rekonstruiert und analysiert.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autoren
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Band I
  • 1. Einführung: Relevanz, Zielsetzung und Methode. Quellen und Fachliteratur
  • 2. Hintergrund: Umstände und Folgen der Inbesitznahme der Oder-Neiße-Gebiete durch Polen
  • 3. Ungleicher Kampf: Die katholische Kirche in den Oder-Neiße-Gebieten vor der Polonisierung
  • 3.1. Das Schicksal der deutschen Sprengel bis zur Machtübernahme durch Polen
  • 3.2. Deutsche Amtsträger versus kommunistische Staatsbehörden
  • 3.3. Die Haltung der polnischen Kirche
  • 3.4. Die Aktivitäten des Kattowitzer Bischofs Stanisław Adamski
  • 3.5. Schlussfolgerungen
  • 4. Die Stunde null: Polonisierung der Kirchenstrukturen (August 1945)
  • 4.1. Die Handlungen von Kardinal August Hlond
  • 4.2. Die päpstlichen Sondervollmachten
  • 4.2.1. Entstehung, Inhalt, Zweck, Kontroversen
  • 4.2.2. Territorialer Geltungsbereich
  • 4.2.3. Inhaltlicher Geltungsbereich
  • 4.2.4. Mündliche Zusatzvollmachten?
  • 4.3. Motive des Kardinals August Hlond
  • 4.3.1. Biographie und Zeugnis des Kardinals
  • 4.3.2. Nationalismus?
  • 4.3.3. Politische Motive?
  • 4.3.4. Andere Motive?
  • 4.3.5. Warum unethisches Vorgehen?
  • 4.4. Auswirkungen der Maßnahmen des Kardinals
  • 4.5. Schlussfolgerungen
  • Band II
  • 5. Nach der Polonisierung der Kirchenstrukturen (nach August 1945)
  • 5.1. Das polnische Episkopat
  • 5.2. Die Apostolischen Administratoren der Oder-Neiße-Gebiete
  • 5.2.1. Prämissen
  • 5.2.2. Jurisdiktionsübernahme durch die Apostolischen Administratoren
  • 5.2.3. Handlungsspielraum
  • 5.2.4. Apostolische Administratoren versus deutsche Priester
  • 5.2.5. Apostolische Administratoren versus deutsche Laien
  • 5.2.6. Die Apostolischen Administratoren und die Polonisierung
  • 5.2.7. Schlussfolgerungen
  • 6. Die Haltung der polnischen Priester und Laien
  • 7. Die katholische Presse
  • 8. Schluss
  • Quellen- und Literaturverzeichnis
  • Archive
  • Presse
  • Oft verwendete Quellen
  • Edierte Quellen, Sekundärliteratur, Manuskripte, Publizistik
  • Abkürzungen

Vorwort

Diese Studie war für mich nicht nur eine wissenschaftliche Herausforderung. Schließlich handelt es sich um ein Thema, dass nicht nur eine wichtige geschichtswissenschaftliche, sondern auch eine moralische Dimension hat und immer noch große Emotionen weckt. Als jemand, der in Polen und Deutschland beheimatet ist und am Leben der katholischen Kirche beiderseits der Grenze partizipiert, merke ich immer wieder, wie viel Zwist, Enttäuschung und gar Verletzung bis heute mit den Ereignissen zusammenhängen, von denen hier die Rede ist. Ich würde mich freuen, wenn meine Untersuchung dazu beitragen würde, Frieden und Versöhnung zu vertiefen. Ich kann nicht ausschließen, dass mir inhaltliche Unterlassungen und Fehler unterlaufen sind – mit dem Umfang einer Untersuchung wächst auch die Anfälligkeit dafür. Ich bin mir ebenfalls nicht sicher, ob ich bei der Quelleninterpretation immer richtig lag – diese erfolgt auch beim besten Willen und Bemühen nicht unabhängig von der biographischen Konditionierung des Interpretierenden. Wegen der Bedeutung des Themas möchte ich aber an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass ich alles in meiner Macht stehende tat, um möglichst sorgfältig zu recherchieren und vorurteilsfrei zu interpretieren.

Für Konsultationen, Inspirationen und Ratschläge möchte ich mich vor allem bei Peter Börner, Dr. Hans-Jürgen Karp, Prof. Dr. Joachim Köhler, Dr. Krzysztof Kowalczyk, Prof. Dr. Jerzy Myszor, Dr. Dieter Pohl, Dr. Jan Roth, Prof. Dr. Stefan Samerski, Prof. Dr. Jan Żaryn und Prof. Dr. Zygmunt Zieliński herzlichst bedanken. Insbesondere danke ich aber Dr. Krystyna Żurek und Prof. Dr. Jan Rydel, die sich mit der Studie sehr intensiv auseinandergesetzt und mir wichtige Anregungen gegeben haben. Ich habe an der Studie zuerst als Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts in Warschau und dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schließlich stellvertretender Direktor des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet. Dem ehemaligen Direktor des DHI, Herrn Prof. Dr. Klaus Ziemer, bin ich zutiefst dankbar für seine Ermutigung, das Projekt in Angriff zu nehmen, und für seine Betreuung. Dem Direktor des ZHF, Herrn Prof. Dr. Robert Traba, danke ich herzlichst für seine Geduld und Toleranz, mit der er meiner Mehrbelastung durch die Arbeit an der Studie stets begegnet ist.

Meine Dankbarkeit gilt auch den Institutionen, ohne deren finanzielle Unterstützung die Durchführung und Vollendung des Projekts nicht möglich gewesen wäre - dem Deutschen Historischen Institut, der Polnischen Akademie der Wissenschaften und vor allem dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Ich danke auch allen Leitern und Mitarbeitern der Archive, in denen ich recherchieren durfte, vor allem aber ← 9 | 10 Frau Dorothea Triller vom Archiv des Visitators für die Priester und Gläubigen aus dem Bistum Ermland in Münster und Herrn Dr. Robert Kufel vom Diözesanarchiv in Grünberg, die mich besonders herzlich und vertrauensvoll aufnahmen.

Ferner danke ich herzlich Frau Dr. Eva Hahn und Herrn Prof. Hans Henning Hahn für die Aufnahme meiner Studie in ihre Buchreihe. Frau Katrin Freese bin ich sehr dankbar für Ihr ausgezeichnetes Lektorat. Dankbar bin ich ebenfalls allen Mitarbeitern der Werbeagentur Weiß & Partner, die den Satz übernommen hat, allen voran Herrn Nils Mönkemeier und Benjamin Tau, sowie des Peter Lang Verlags, vor allem Herrn Michael Rücker. Und ich danke herzlich dem Hilfswerk Renovabis, das sich an den Veröffentlichungskosten beteiligte.

Mein besonderer Dank gilt meiner Ehefrau Joanna und meinen Eltern Krystyna und Henryk für ständige Unterstützung und Rückhalt sowie meinen Kindern Dominik, Benedikt und Anna – für Geduld und Verständnis.

Robert Żurek Berlin, 18. März 2013

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1.   Einführung: Relevanz, Zielsetzung und Methode. Quellen und Fachliteratur

Das Hauptziel der vorliegenden Studie liegt darin, den Umgang der katholischen Kirche Polens mit den Oder-Neiße-Gebieten und ihrer einheimischen Bevölkerung in den Jahren 1945-1948 umfassend zu erforschen. Die Relevanz dieses Vorhabens gründet in der Tatsache, dass es wahrscheinlich keine andere Frage der deutschpolnischen Beziehungsgeschichte der Nachkriegszeit gibt, die immer noch von der deutschen und polnischen Seite so unterschiedlich bewertet wird wie diese. Während andere Aspekte der Übernahme der Oder-Neiße-Gebiete durch Polen und des Schicksals ihrer Bevölkerung kaum noch von den deutschen und polnischen Historikern unterschiedlich bewertet werden, herrscht bei der Beurteilung der Entwicklung im katholisch-kirchlichen Raum nach wie vor ein grundsätzlicher Dissens.

Auf der deutschen Seite dominiert die Überzeugung, dass sich die katholische Kirche Polens im Jahre 1945 im Dienst der rücksichtslosen polnischen Politik gestellt, und den sich in extremer Notlage befindenden ostdeutschen Glaubensgeschwistern ihre Solidarität und Hilfe verweigert habe. Die polnischen Katholiken hätten es versäumt, den völkerrechtlich nicht sanktionierten Anschluss der deutschen Ostgebiete an Polen zu verurteilen, gegen die verbrecherische Ausweisung1 der deutschen Bevölkerung vorzugehen, die von den Kommunisten und Kriminellen verfolgten unschuldigen Deutschen in Schutz zu nehmen und ihnen inmitten ihrer Notlage karitativ und seelsorglich beizustehen. Stattdessen habe die polnische Kirche Hand in Hand mit den kommunistischen Machthabern an der Verdrängung der deutschen Bevölkerung und Polonisierung der umstrittenen Territorien gearbeitet. Besonders verhängnisvoll seien dabei die Handlungen des polnischen Primas, Kardinal August Hlond, gewesen. Unter Verletzung des Kirchenrechts und Vortäuschung päpstlicher Vollmachten habe er im Sommer 1945 die deutschen Jurisdiktionsträger aus den Oder-Neiße-Diözesen zur Resignation gezwungen und anschließend in den verwaisten Sprengeln eine polnische Kirchenverwaltung installiert. Auf diese Weise habe er die Grundlage für die ← 11 | 12 „Entheimatung“ der deutschen Katholiken und die Polonisierung der jahrhundertealten deutschen Bistümer gelegt.

Die von Hlond eingesetzten polnischen Diözesanverwalter (die Apostolischen Administratoren) hätten zusammen mit den ankommenden Priestern das Werk des Primas fortgesetzt. Sie hätten die deutschen Priester aus ihren Pfarrgemeinden verdrängt und die notleidenden Laien ihrem dramatischen Schicksal überlassen. Durch deutschfeindliche Äußerungen hätten sie den Deutschenhass des polnischen Kirchenvolks gefördert. Manche von ihnen hätten sich sogar persönlich an antideutschen Übergriffen beteiligt.

Um den polnischen Anspruch an die ostdeutschen Territorien zu begründen, habe der Klerus versucht, jegliche Spuren der deutschen Vergangenheit zu tilgen, unter anderem durch Zerstörung religiöser Inschriften und Grabsteine. Zudem hätte er zusammen mit den regierenden Kommunisten die einseitige Auffassung verbreitet, die Oder-Neiße-Gebiete seien urpolnische, einst von den Deutschen geraubte und nun im Zuge der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit wiedergewonnene Ländereien.

Die polnische Seite bewertet die Problematik diametral entgegengesetzt. Die Entscheidungen über die Westverschiebung der deutsch-polnischen Grenze und die Ausweisung der ostdeutschen Bevölkerung seien von den Siegermächten getroffen und von den polnisch-kommunistischen Machthabern verwirklicht worden. Die polnische Kirche habe lediglich die notwendigen Konsequenzen aus dieser Situation gezogen. Die Maßnahmen des Primas Hlond seien grundsätzlich durch päpstliche Sondervollmachten gedeckt worden, und selbst wenn der Kardinal die eine oder andere Einzelentscheidung eigenmächtig traf, dann sei er damit der außergewöhnlichen Lage gerecht geworden, die schneller Entscheidungen bedurfte. Schließlich sei die deutsche Kirchenverwaltung in den Oder-Neiße-Gebieten handlungsunfähig gewesen und die polnische Kirche habe einschreiten müssen, nicht nur um die seelsorgliche Betreuung der einströmenden polnischen Bevölkerung zu gewährleisten, sondern auch um das Fortbestehen des Katholizismus in diesen Territorien zu sichern.

Die polnische Kirche habe die Übernahme der Oder-Neiße-Gebiete durch Polen in der Tat begrüßt, weil sie darin eine Entschädigung für die durch das Dritte Reich verursachten Verluste Polens sah. Sie habe jedoch keineswegs zu deutschfeindlichen Maßnahmen aufgerufen, oder sich an solchen beteiligt. Vielmehr hätten die Apostolischen Administratoren die polnischen Gläubigen und die Staatsbehörden wiederholt zur Einhaltung der Menschenrechte der deutschen Bevölkerung aufgerufen. Die seelsorgliche und karitative Betreuung der deutschen Katholiken sei in der Tat ungenügend gewesen, dies sei aber nicht in der nationalistischen Einstellung der polnischen Kirche, sondern in den dramatischen Nachkriegsbedingungen begründet gewesen, ← 12 | 13 → unter denen nicht nur die deutschen, sondern auch die polnischen Katholiken gelitten hätten.

Auf der deutschen Seite finden diese Argumente wenig Gehör. In der Forschung, Publizistik und in der kirchlichen Öffentlichkeit wird an der eigenen Sicht der Dinge festgehalten und die Haltung der polnischen Kirche in ethischen Kategorien als schwerwiegendes Versagen bewertet. Überzeugt vom vorbildlichen Verhalten der deutschen Kirche gegenüber den polnischen Katholiken 1939-1945 äußerten nicht wenige deutsche Stimmen die Meinung, durch das Vorgehen der polnischen Kirche ab 1945 sei die vorher bestehende „Solidarität christlicher Gemeinsamkeit […] endgültig und brutal zertreten“ worden.2 Diese Auffassung erschwerte wesentlich die Annäherung der deutschen und polnischen Katholiken in den ersten Nachkriegsjahrzehnten und überschattet die gegenseitigen Beziehungen bis heute.

Nachdem die polnische Kirche in den 1990er Jahren den Seligsprechungsprozess von Kardinal Hlond eröffnet hatte, wurde der 1948 verstorbene Kirchenfürst von deutschen katholischen Publizisten mit einer für die kirchliche Öffentlichkeit untypischen Heftigkeit angegriffen.3 Um die Kontroverse beizulegen, gründeten beide Episkopate eine „deutsch-polnische Historikerkommission zur Klärung offener Fragen bezüglich Kardinal Hlonds“, die 1998-1999 tätig war. Diese Kommission, deren Zusammensetzung und Arbeitsweise wenig professional war,4 beschäftigte sich mit nur einem Aspekt der Problematik, nämlich damit, „ob Kardinal Hlond zu seinem Vorgehen tatsächlich vom Hl. Stuhl formal berechtigt war“. Die Frage, „ob dieses - formal berechtigt oder nicht - jeweils sachlich gerechtfertigt war, hat sie unerörtert gelassen“. Zur Untersuchung dieser „nicht rein rechtlichen Aspekte“ sei „eine über die jetzt zur Verfügung stehende Materialgrundlage hinausgreifende, umfassende Recherche erforderlich, die nur im Rahmen eines größeren Forschungsvorhabens zu leisten wäre“.5 ← 13 | 14

Diese Feststellung ist eine von mehreren Forschungsdesiderata, die man im Hinblick auf die in dieser Studie untersuchte Problematik formuliert hat. Vor allem Hans-Jürgen Karp, einer der bedeutendsten Erforscher der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen, wies wiederholt auf den polemischen Charakter der meisten vorliegenden Publikationen und andere Defizite des Forschungsstands hin. Vor diesem Hintergrund rief er zur gründlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und zur kritischen Überprüfung der bisherigen Positionen beider Streitparteien auf.6

Der 1993 artikulierte Appell Karps hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Zwar sind inzwischen einige wissenschaftliche Veröffentlichungen erschienen, die wichtige Erkenntnisse liefern, aber es handelt sich allesamt um Publikationen, die einigen Einzelaspekten gewidmet sind. Eine empirische Untersuchung der gesamten Problematik, die ein erschöpfendes Bild vermitteln würde, stand bisher aus. Die vorliegende Studie soll diese Lücke schließen. Sie präsentiert Ergebnisse eines umfassenden Forschungsprojekts, in dessen Rahmen der Verlauf der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen in den Oder-Neiße-Gebieten 1945-1948 so präzise wie möglich rekonstruiert und analysiert wurde. Unter Einbeziehung des historischen, politischen und sozialen Kontextes wurden nicht nur Prozesse und Ereignisse, sondern auch ihre Ursachen und Auswirkungen erforscht.

Grundsätze der christlichen Ethik (Nächstenliebe, Feindesliebe) und der katholischen Ekklesiologie (übernationale Einheit der Katholiken als Glieder des mystischen Leibes Christi) prädestinierten die katholische Kirche, die Spannungen zumindest zwischen den katholischen Deutschen und Polen in den Oder-Neiße-Gebieten zu mildern. Zugleich war der polnische Katholizismus aufgrund historischer Voraussetzungen stark auf den Dienst an der eigenen Nation ausgerichtet. Wie ging die polnische Kirche im Hinblick auf die Oder-Neiße-Frage mit der Spannung zwischen dem religiös-konfessionellen und dem religiös-nationalen Sendungsbewusstsein um? Gab sie angesichts einer nationalen Krisensituation des Jahres 1945 ihre religiösen Prinzipien tatsächlich auf, wie die deutschen Kritiker behaupten?

Im bisherigen Umgang mit dem Thema versäumten es viele Forscher und Publizisten, die Begleitumstände der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen in den Oder-Neiße-Gebieten 1945-1948 angemessen zu berücksichtigen. Insbesondere auf der deutschen Seite fokussierten sich die Erklärungsversuche für die Haltung der polnischen Katholiken auf deren vermeintlich nationalistisches Weltbild. Wichtige Determinanten, die das Vorgehen der polnischen Kirche mitbestimmt haben, vor allem soziale, wirtschaftliche und geopolitische Rahmenbedingungen, wurden weitgehend ← 14 | 15 ausgeblendet. In der vorliegenden Studie wurde diesen Faktoren die gebührende Bedeutung eingeräumt.

Die Zielsetzung dieser Studie liegt nicht nur im heuristischen Gewinn. Eine um Objektivität bemühte Überprüfung eines der letzten zeitgeschichtlichen Streitpunkte kann den Verständigungsprozess zwischen den Deutschen und Polen, zumal zwischen den deutschen und polnischen Katholiken, erleichtern.

In einer Zeit, in der immer neue methodologische Trends und „turns“ gefragt sind, habe ich mich bewusst dafür entschieden, ein traditionell angelegtes Forschungsprojekt durchzuführen. Es schien mir wichtig, die seit Jahrzehnten tobende publizistische Debatte durch Erschließung unbekannter und fachgerechte Untersuchung bekannter Quellen sowie durch eine Kontextualisierung der oft isoliert diskutierten historischen Ereignisse zu versachlichen. Es ist mir bewusst, dass damit bei weitem nicht alle möglichen und wichtigen Forschungsfragen gestellt, geschweige denn beantwortet wurden. Zuerst mussten aber die Grundlagen für weiterführende Fragestellungen, etwa komparatistischer Art, gelegt werden.

Das Augenmerk der Untersuchung richtet sich auf alle drei sozialen Gruppen innerhalb der Kirche, das heißt auf die Hierarchie, die Geistlichen und Ordensleute sowie die Laien. Allerdings wird der Hierarchie aufgrund der inner- und außerkirchlichen Bedeutung der einzelnen Gruppen die meiste Aufmerksamkeit und den Laien die geringste gewidmet.

Den chronologischen Rahmen der Untersuchung bilden die Jahre 1945-1948. Das erste Eckdatum bedarf keiner Begründung; mit der faktischen Übernahme der Oder-Neiße-Gebiete durch Polen im Frühling 1945 fingen auch die ersten Aktivitäten polnischer Kirchenleute darin an. Weniger einfach war es, das andere Grenzdatum zu bestimmen. Aus dem kirchenhistorischen Blickwinkel wäre es sinnvoll, den Untersuchungszeitraum bis zum nächsten Wendepunkt, d. h. der Absetzung der Apostolischen Administratoren der Oder-Neiße-Diözesen durch die Kommunisten im Jahre 1951, auszudehnen. Dagegen sprach jedoch die Tatsache, dass sich die für diese Studie relevanten Ereignisse vor allem in den Jahren 1945-1947 abgespielt haben7 und die erste Polonisierungsetappe der neuen Gebiete 1948 vollendet wurde8. Der Tod des Architekten der Vorgehensweise der polnischen Kirche in der Oder-Neiße- ← 15 | 16 Frage, Primas Hlond, im Herbst 1948 kann dabei als ein symbolisches Eckdatum betrachtet werden.

Im Rahmen der Untersuchung wurde ein eingehendes Studium der Fachliteratur und populärwissenschaftlichen Publizistik durchgeführt. Da sich dabei die wissenschaftliche Qualität vieler der vorhandenen Veröffentlichungen als bescheiden herausgestellt hat, kam einer komplexen, systematischen Quellenrecherche und -auswertung eine Schlüsselbedeutung zu. Aufgrund des komplizierten geo-, national- und kirchenpolitischen Hintergrunds der zu untersuchenden Problematik sowie der geringen Vertrauenswürdigkeit der meisten vorhandenen Quellen war es dabei notwendig, ein möglichst breites Quellenspektrum heranzuziehen. Es war klar, dass nur eine möglichst umfassende, vergleichende Überprüfung der deutschen und polnischen, kirchlichen und profanen Quellen günstige Voraussetzungen für eine kompetente Rekonstruierung der Tatsachen, ihrer Ursachen und Auswirkungen schaffen würde.

Als relevante Quellen kamen zunächst Dokumente der katholischen Kirche in Frage: Hirtenbriefe, Ansprachen, Predigten, Denkschriften, Lageberichte, Verordnungen, Schriftverkehr mit staatlichen und kirchlichen Stellen. Besondere Beachtung galt dabei den unmittelbar in die Ereignisse involvierten Kirchenleuten, vor allem dem polnischen Primas, den von ihm ernannten Apostolischen Administratoren der Oder-Neiße-Gebiete und den deutschen Jurisdiktionsträgern dieser Territorien. Eine zweite wichtige Quellengruppe bilden die Erlebnisberichte und Erinnerungen deutscher und polnischer Zeitzeugen, eine dritte die Dokumente polnischer Staatsbehörden zu nationalen und religiösen Fragen, vor allem der zentralen und lokalen Organe der kommunistischen Partei (Zentralkomitee und Wojewodschaftskomitees) und der staatlichen Zentralbehörden (Regierung, Ministerium für die Wiedergewonnenen Gebiete, Verwaltungsministerium, Sicherheitsministerium) sowie ihrer lokalen Vertretungen.9 ← 16 | 17

Für die Quellensuche wurde eine Reihe von Archiven ausgewählt. Unter polnischen kirchlichen Archiven fiel die Wahl auf das Archiv des Sekretariats des polnischen Episkopats, des Sekretariats des Primas von Polen, der Metropolitankurie in Krakau10 und die Diözesanarchive der in den Oder-Neiße-Gebieten liegenden Bistümer. Aufgrund der wichtigen Rolle des Kattowitzer Bischofs Stanisław Adamski wurde ergänzend noch das Kattowitzer Diözesanarchiv herangezogen. Die deutschen kirchlichen Quellen wurden primär im Historischen Archiv des Erzbistums Köln, in den Diözesanarchiven in Berlin, Bautzen und Görlitz11 sowie in den Archiven der Apostolischen Visitatoren für die katholischen Vertriebenen von Branitz, Breslau, Danzig, Ermland, Glatz und Schneidemühl vermutet.

Die Dokumente der polnischen Staats- und Parteigremien auf Zentralebene befinden sich im Archiv Neuer Akten sowie im Archiv des Instituts des Nationalen Gedenkens in Warschau. Die für das Vorhaben relevanten Unterlagen der lokalen Behörden sind vor allem in den Staatsarchiven in Allenstein, Breslau, Danzig, Kattowitz, Landsberg, Oppeln, Posen und Stettin.

Ein Teil der Quellen wurde bereits ediert. Von Bedeutung sind dabei vor allem die kompletten Sammlungen der Hirtenbriefe polnischer Kirchenführer, eine sehr umfangreiche Auswahl der Schriften und Ansprachen des Primas Hlond, eine ebenfalls umfangreiche Auswahl der Dokumente zu Staat-Kirche-Beziehungen im kommunistischen Polen, die Dokumentation des Gerichtsverfahrens gegen den Danziger Bischof Splett, gesammelte und einzelne Erlebnisberichte und Erinnerungen der Akteure. Darüber hinaus geben drei wichtige Quelleneditionen Auskunft über die, für die Fragestellung dieser Studie äußerst wichtige, Haltung von Papst Pius XII. zum Oder-Neiße-Problem.12

Ein gesondertes Kapitel stellt die polnische katholische Presse dar, die eine wichtige, wenn auch nicht ganz zuverlässige13 Quelle zur Ermittlung der Einstellung und Autobeeinflussung polnischer Katholiken darstellt. Für die Untersuchung wurden die auflagestärksten, die öffentliche Meinung am meisten prägenden und zugleich vom ← 17 | 18 thematischen Schwerpunkt her naheliegenden Titel ausgewählt.14 Darüber hinaus wurde die katholische Fachpresse herangezogen, worin programmatische Erwägungen zur Oder-Neiße-Problematik vermutet wurden.15 Schließlich wurden die auflageschwachen, aber inhaltlich äußerst relevanten Amts- und Mitteilungsblätter der in den Oder-Neiße-Gebieten wirkenden Apostolischen Administratoren ausgewertet.16 Auch die deutsche katholische Presse wurde auf Informationen und Zeugenberichte zu den Geschehnissen in den Oder-Neiße-Gebieten überprüft. Neben einer Auswahl der populären Titel aus dem Untersuchungszeitraum17 wurden sämtliche Jahrgänge der wichtigeren, von katholischen Vertriebenengremien herausgegebenen Blätter ausgewertet.18

Im Laufe der Arbeit stellte sich heraus, dass die Quellenrecherche nicht im geplanten Umfang realisiert werden konnte. Das größte Problem stellte dabei die mit dem laufenden Seligsprechungsprozess des Kardinals Hlond verbundene Sperrung der ihn betreffenden Aktenbestände in kirchlichen Archiven dar. Dank der vorhande ← 18 | 19 nen Quelleneditionen und der Auffindung zahlreicher versprengter Dokumente in den Diözesan- und staatlichen Archiven konnte jedoch ein umfangreiches Untersuchungsmaterial zusammengestellt werden.

Aus zeitlichen und logistischen Gründen musste auf die Untersuchung der Quellen des polnischen Sicherheitsministeriums in den Archiven des Instituts für Nationales Gedenken verzichtet werden, was jedoch insofern kein entscheidendes Defizit mit sich bringt, als die übrigen staatlichen und kirchlichen Quellen eine recht umfassende Perspektive eröffnen.

Ein anderes Problem stellte die spezifische Arbeitsweise eines Teils der kirchlichen Archive in Polen dar. Die Bestände waren dort noch nicht komplett erfasst, Findbücher nicht immer vorhanden. Die Benutzungserlaubnis, das Aussuchen und die Bereitstellung der Quellen hingen oft vom guten Willen des Archivleiters ab. Dennoch gelang es in den meisten Fällen, eine zufriedenstellende Quellenrecherche durchzuführen. Eine Ausnahme stellte das Erzdiözesane Archiv in Breslau dar, wo mir trotz langwieriger Verhandlungen der Zugang verwehrt wurde.

Während in den deutschen Diözesanarchiven ähnliche Probleme nicht vorkamen19, traten sie im Falle der Archive der Apostolischen Visitatoren für vertriebene Katholiken verstärkt zum Vorschein. Eine professionelle Quellenrecherche war nur im Archiv des Visitators für die Priester und Gläubigen aus dem Bistum Ermland in Münster möglich. In anderen Fällen erfolgte sie in einem nur begrenzten Umfang, oder überhaupt nicht.

Als unmöglich erwies sich schließlich die Erfassung der für das Thema durchaus wichtigen, aber unzugänglichen Wochenzeitung Tygodnik Katolicki.

***

Der Umgang der katholischen Kirche Polens mit der Oder-Neiße-Frage 1945-1948 wurde in relativ vielen Veröffentlichungen thematisiert, doch muss der Forschungsstand aufgrund des Charakters dieser Publikationen als bescheiden bezeichnet werden.

Markus Krzoska, der die Fachliteratur zur Ausweisung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchte, stellte im Jahre 2001 fest, dass fast alle Veröffentlichungen „einfach nutzlos und demagogisch verfasst“ seien.20

Diese Diagnose kann man auch auf die Publikationen zu der in dieser Studie behandelten Problematik ausweiten. Fast alle älteren Positionen haben Züge chronikartiger oder polemischer Schriften, in denen geschichtswissenschaftliche Untersuchungs ← 19 | 20 methoden kaum angewendet wurden. Dieser Befund verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die meisten Verfasser keine Fachhistoriker waren und hauptsächlich deshalb zur Feder griffen, weil sie einen biographischen Bezug zum Thema hatten. Das Ziel vieler dieser Veröffentlichungen lag in der Untermauerung der Positionen eigener Landsleute im Streit um die ethische Beurteilung der Haltung der polnischen Kirche.21

Im Mittelpunkt des Interesses der deutschen Seite standen die Betonung des den deutschen Katholiken widerfahrenen Unrechts und der moralischen Schuld der polnischen Kirche daran. Viele Darlegungen scheinen vor allem als Beweisführung für die Behauptung konzipiert zu sein, dass 1945-1948 „eine Katholische Kirche überzeugt an der Vertreibung einer anderen mitgewirkt” habe.22 Die polnische Seite konzentrierte sich dagegen auf die Widerlegung der deutschen Vorwürfe. ← 20 | 21

Fast alle bisherigen Veröffentlichungen weisen Merkmale auf, die sie als für eine wissenschaftliche Studie verwendbare Stützen diskreditieren. Das erste Merkmal ist der unangemessene Umgang mit Quellen. Systematische, ausschöpfende Quellenrecherche wurde bislang nur in vereinzelten Fällen durchgeführt. Meistens gingen die Autoren mit den Quellen selektiv um, konzentrierten sich auf eigene Erinnerungen und Erfahrungsberichte der Landsleute und blendeten Stimmen der anderen Konfliktpartei weitgehend aus.23 Das derart parteiisch herangezogene Material unterzogen die Verfasser dann meistens keiner kritischen Analyse, sondern gingen mit ihm affirmativ um.24 Manche Autoren schenkten aber selbst einer selektiven Quellenrecherche keine größere Aufmerksamkeit. Statt dessen schrieben sie auf der Grundlage der bereits erschienenen Publikationen. Anstatt dabei kritische Distanz gegenüber den Vorgängerarbeiten zu demonstrieren und ihre Aussagen zu überprüfen, übernahmen sie diese bedenkenlos und gaben sie gewissermaßen mechanisch weiter.25

Ein anderes gravierendes Problem lag im ungenügenden Fachwissen der Verfasser. Viele der deutschen Autoren beherrschten die polnische Sprache gar nicht oder nur ungenügend und besaßen nur geringe Kenntnisse über die polnische Geschichte. Deshalb übersahen sie oft Offensichtliches und zogen falsche Schlüsse.26 Noch schwerwiegender für die Qualität vieler Veröffentlichungen erwies sich die apriorische Fixierung ihrer Autoren auf eigenen Vorstellungen und Mangel an Bereitschaft, sie zu hinterfragen. Nicht zuletzt deshalb wird in zahlreichen deutschen Publikationen ← 21 | 22 die alleinige Ursache der Haltung der polnischen Kirche in der Oder-Neiße-Frage im Nationalismus gesehen, obwohl auch andere Ursachen gefunden werden können, wenn man nach ihnen fragen würde.27

Diese Haltung hängt mit dem nationalistischen Weltbild vieler Verfasser zusammen, das eine einseitige Sicht und Deutung begünstigt. So ist es wohl kein Zufall, dass viele deutsche Autoren, die die Ereignisse in und um die Oder-Neiße-Gebiete primär als Resultat des „patriotischen Eroberungsdrangs“28 der polnischen Kirche betrachten, die frühere deutsche Polenpolitik, vor allem die Verbrechen der Jahre 1939-1945, in ihrer Ursachenforschung ausblenden oder bagatelisieren.29 Gleichzeitig überbewerten sie die Schrecken des Nachkriegsschicksals der Ostdeutschen und suggerieren, die ← 22 | 23 polnischen Nachkriegsverbrechen seien mindestens genauso schlimm gewesen wie die deutschen Kriegsverbrechen.30

Auf der polnischen Seite existieren relativ viele Veröffentlichungen zur Entwicklung des Kirchenlebens in den Oder-Neiße-Gebieten, aber in den meisten von ihnen, vor allem in den älteren, konzentrierten sich die Verfasser auf eine chronikartige, analytisch nicht vertiefte Darstellung der eigenen Wiederaufbauleistung.31 Einen beachtlichen Teil machen außerdem kurze Beiträge aus, deren Inhalt nur im geringen Ausmaß der Ankündigung der Überschrift gerecht wird und kaum etwas über eine Bestandsaufnahme des Forschungsstands hinaus anbieten.32 Zu bemängeln ist schließlich das fragliche methodologische Vorgehen nicht weniger Autoren: Die Beschränkung der Untersuchungen auf nur wenige, nicht unbedingt vertrauenswürdige und repräsentative Quellen, der affirmative Umgang mit diesen Quellen und die intuitiven Deutungsversuche.33

Sowohl die deutschen als auch die polnischen Autoren erwiesen sich in den meisten Fällen als nicht fähig, die Haltung ihrer Landsleute mit kritischer Distanz zu erörtern. Insbesondere im Hinblick auf die kirchlichen Würdenträger eigener Nation offenbarten sie eine hagiographische Manier. So sucht man in den meisten polnischen Veröffentlichungen vergeblich nach einer kritischen Einschätzung irgendeiner Handlung ← 23 | 24 oder Aussage der polnischen Jurisdiktionsträger. Den Vorwürfen deutscher Kritiker, Primas Hlond habe die ihm vom Papst verliehenen Vollmachten überschritten, entgegnet Kosiński:

      Kard. Hlond hätte es sich niemals erlaubt, ein Resignationsakt zu fingieren, und er hätte nichts getan, was auf irgendeine Weise die Autorität des Papstes beeinträchtigen könnte. Denn er war ein Mann der Kirche, der dem Heiligen Vater, den er tief verehrte und dem er voll vertraute, absolut treu und ganz ergeben war.34

Ähnlichem Mangel an kritischer Distanz begegnet man auch auf der deutschen Seite. Brzoska stattete in seinen Veröffentlichungen die Gestalt des Breslauer Kardinals Adolf Bertram mit heroischen Zügen aus. Dieser sei der „tapferste und standhafteste Pontifex unter dem Kreuz Christi in dem Jahrtausend der Kirchengeschichte Schlesiens“ gewesen, der „voll Freimut und Tatkraft, voll Würde und Klarheit der Führung“ die deutsche Kirche vor der Vernichtung durch Hitler gerettet habe.35 Diejenigen Historiker, die es wagten, diesem undifferenzierten, verklärten Bild nicht zuzustimmen und die Haltung Bertrams gegenüber dem Nationalsozialismus zu hinterfragen, diffamierte Brzoska als „sachunkundige Skribenten“36, obwohl es sich dabei um solch anerkannte Forscher wie Ludwig Volk handelte.37 Derart stark voreingenommene Autoren wie Brzoska hatten keine Bedenken, Aussagen wichtiger Quellen zu ver ← 24 | 25 schweigen oder völlig einseitig zu interpretieren, sobald sie das heroische Bild ihrer Nationalkirche und ihrer Anführer in Gefahr sahen.38

Insbesondere seit den 1990er Jahren entstanden einige wissenschaftlich zuverlässigere Arbeiten zu verschiedenen Aspekten der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen der ersten Nachkriegsjahre in den Oder-Neiße-Gebieten. Hervorzuheben sind dabei vor allem die Monographien von Baron und Hanich und der längere Artikel von Kalinowski.

Kalinowski war wahrscheinlich der erste Autor, der die Bedeutung einer umfassenden Quellenrecherche für die Erforschung der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen in den Oder-Neiße-Gebieten 1945-1948 erkannte. Dank der Untersuchung aller zugänglichen deutschen, polnischen, kirchlichen und profanen Quellen vermochte er es, in seinem Aufsatz über die Entwicklung um Bischof Kaller von Ermland, Fakten in einem bisher nicht vorhandenen Umfang zu rekonstruieren und ihre Ursachen überzeugend zu analysieren.

Baron untersuchte den Umgang der Apostolischen Administratur in Oppeln mit den nationalen Fragen. Im Unterschied zu früheren deutschen Veröffentlichungen widmete er den polnischen kirchlichen Quellen sowie den politischen und sozialen Determinanten des kirchlichen Handelns viel Aufmerksamkeit, was die Sachlichkeit und Breite seiner Untersuchung begründet. Enttäuschend ist hingegen die analytische Leistung des Verfassers, der mit den Quellen zu unkritisch umgeht und zu vereinfachten Schlussfolgerungen neigt. Ein weiteres Manko der Studie Barons liegt in der Vernachlässigung von Quellen aus den staatlichen Archiven.

Einen Mangel an kritischer Distanz zu den Quellen kann man auch Hanich vorwerfen, der darüber hinaus dazu neigte, zu deskriptiv und zu wenig analytisch vorzugehen. Nichtsdestotrotz enthält seine Studie eine umfassende Rekonstruktion der Vorgänge in Westoberschlesien, die eine solide Grundlage für eine mehr analytisch angelegte Untersuchung bietet.

Diese und andere nennenswerte Veröffentlichungen sind jedoch allesamt einigen Einzelaspekten gewidmet, stellen Kurzbeiträge dar bzw. befassen sich mit der für diese Studie relevanten Thematik nur am Rande. Insofern bieten sie nur einen punktuellen ← 25 | 26 Einblick in die vielfältige und verflochtene Wirklichkeit der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen in den Oder-Neiße-Gebieten 1945-1948.39

Eine Sonderstellung nimmt das von Pietrzak veröffentlichte Monumentalwerk über die drei letzten Lebensjahre von Kardinal Hlond ein.40 Es enthält eine Fülle von wichtigen Informationen und umfangreichen Zitaten aus unzugänglichen Quellen, etwa der Korrespondenz des Primas mit dem Vatikan. Andererseits verzichtete der Verfasser auf den wissenschaftlichen Apparat und fügte jedem Kapitel lediglich eine „bibliographische Note“ bei, was den Wert dieser Monographie genauso vermindert, wie der zu unkritische Umgang des Autors mit den Quellen41 sowie sein Mangel an kritischer Distanz gegenüber Hlond42.

Die Sicht der Öffentlichkeit und der Forschung auf die Problematik der polnischen Kirche und der Oder-Neiße-Frage wurde maßgeblich von Franz Scholz beeinflusst.43 Insbesondere seine detaillierten Analysen zu den Handlungen von Kardinal Hlond fanden eine weite Resonanz und gelten bis heute als nicht überholte Standartwerke.44 ← 26 | 27 Vor diesem Hintergrund ist es angebracht, die fachwissenschaftliche Qualität dieser Werke näher zu erörtern.

Bei einer Lektüre der Arbeiten Scholzens fällt schnell auf, dass der Verfasser das Werkzeug des Historikers nicht beherrschte und somit keine Kompetenz für die Durchführung einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung besaß. Dieser Befund verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Scholz kein ausgebildeter Historiker, sondern ein Theologe war, dessen expliziertes Ziel nicht in der Klärung geschichtswissenschaftlicher Fragen, sondern in der Bewertung der polnischen Kirche in Anlehnung an „ethische Maßstäbe“45 lag. Aus der Sicht der Moraltheologie ist diese Zielsetzung zweifelsohne legitim. Scholz beging aber den grundsätzlichen Fehler, keinen Fachhistoriker für die Zusammenarbeit gewonnen zu haben, der zunächst mittels einer fachgerechten historischen Untersuchung eine tragfähige Grundlage unter die moraltheologische Analyse gelegt hätte. Indem der Theologe den geschichtswissenschaftlichen Teil seines Vorhabens selber in die Hand nahm, ging er die Gefahr ein, ethische Schlussfolgerungen anhand unzulänglich rekonstruierter historischer Tatsachen und ihrer Ursachen zu ziehen und somit die Glaubwürdigkeit des gesamten Vorhabens zu untergraben.

Scholz unterschätzte die Bedeutung einer tiefgreifenden Quellenrecherche und -kritik. Die von ihm herangezogene Quellenbasis war quantitativ ausgesprochen bescheiden und umfasste vor allem einige deutsche Editionen.46 Die derart fraglich zusammengestellte Quellengrundlage unterzog er keiner kritischen Analyse, sondern schenkte ihr meistens uneingeschränkt Glauben, wobei er nicht selten anhand einzelner axiomatisch behandelter Quellen grundlegende Schlussfolgerungen zog, auf denen er seine weitere Argumentation aufbaute.47

Die von Scholz unternommene Quellenanalyse war aber nicht nur unzulänglich, sondern auch parteiisch. Man kommt um den Eindruck nicht umhin, dass die Quellen ← 27 | 28 untersuchung nicht dazu diente, die Thesen des Verfassers zu überprüfen, sondern sie zu belegen.48 So wurden genehme Quellenaussagen von Scholz unkritisch übernommen und überbewertet und nicht genehme, für die Argumentation des Verfassers kontraproduktive Angaben ignoriert.49

Dieselben Feststellungen gelten auch einem anderen zentralen methodologischen Manko der Publikationen Scholzens, nämlich der ungenügenden Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der von ihm untersuchten Ereignisse. Seine Versuche, die Haltung der polnischen Kirche zu erklären, kreisen um den Nationalismus und Messianismus.50 Scholz vernachlässigte es völlig, andere mögliche Ursachen zu überprüfen, vor allem blendete er die Unterwerfung Polens durch die Sowjetunion und den daraus resultierenden Staat-Kirche-Konflikt aus, obwohl der Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und den von Scholz untersuchten Ereignissen auf der Hand liegt und von wichtigen Quellen bestätigt wird.51

Man kann die These wagen, dass Scholz eine umfassende Ursachenforschung nicht durchführte, weil er sich der durch den Nationalismus bedingten Schuld der katholischen Kirche Polens a priori völlig sicher war. Seine Veröffentlichungen dienten nicht einer vorurteilsfreien Analyse, sondern der Anprangerung der seiner Überzeugung nach moralisch verwerflichen Haltung der polnischen Kirche gegenüber den deut ← 28 | 29 schen Katholiken in den Oder-Neiße-Gebieten. Folgerichtig hielt er alle Erscheinungsformen dieser Haltung fest und gab immer wieder seiner Empörung darüber Ausdruck. Damit verbreitete er ein einseitig negatives Bild des polnischen Katholizismus, trug aber zur Klärung der offenen Fragen wenig bei.52

Ein anderes schwerwiegendes Problem liegt in der ausgesprochenen Nachlässigkeit des Autors, die sich u. a. im unreflektierten Umgang mit den von ihm ermittelten Informationen manifestiert. Ob bei der Schreibweise des Vornamens des polnischen Primas53, bei der Angabe der personellen Daten der von Hlond ernannten Apostolischen Administratoren54 oder bei der Auswertung der Quellen und der Sekundärliteratur55, überall offenbart Scholz eine gravierende Achtlosigkeit. ← 29 | 30

Zu den methodologischen Mängeln kommen noch eklatante Defizite bei der Vermittlung des von Scholz zusammengestellten Stoffs hinzu. Der polnische Rezensent beanstandete, dass die Ausführungen des Theologieprofessors „nicht immer klar verständlich“ seien und dass es schwierig sei „den öfters abbrechenden Gedankengängen und unzähligen Wiederholungen zu folgen“.56 Sein deutscher Kollege bestätigte diese Bemerkungen, bedauerte, dass die Gedankenführung des Verfassers „nicht immer stringent“, und die Gliederung chaotisch sei, was „häufige Wiederholungen“ zu Folge habe, und dass „wichtige Erläuterungen und Überlegungen des Autors“ in den Anmerkungen am Ende des Buches zu finden seien, während anderes, „was weniger wichtig erscheint, im Haupttext den Gedankengang eher stört“.57

Ein anderes fundamentales Problem der Veröffentlichungen Scholzens liegt in der ungenügenden Vorbereitung ihres Verfassers für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der polnischen Thematik. In den deutschen Vertriebenenkreisen gilt er zwar als ein Polenexperte, aber bei der Lektüre seiner Publikationen stößt man immer wieder auf gravierende sachliche Fehlangaben.58 Diese Inkompetenz wiegt besonders schwer, wenn Scholz seine Unfähigkeit demonstriert, die Akteure der polnischen Szene 1945, ihre Ziele und Handlungen zu definieren, zwischen ihnen zu unterscheiden und ihr Zusammenspiel zu durchschauen.59

Der Mangel am polenbezogenen Fachwissen wird darüber hinaus an zahlreichen Stellen sichtbar, an den Scholz intuitive Erklärungen seiner Tatsachenbefunde anbietet. „Polen liebt es, seine eigenen Triumphe […] retrospektiv zu verklären“, behauptet er, wenn es darum geht, die Ursachen der einseitigen Betrachtung der eigenen Geschichte durch die Polen zu erklären. Der Pole orientiere sich an „seinen Empfindungen“ und verzichte auf „mühselige Argumentation“, heißt es, wenn der Grund für die laut ← 30 | 31 Scholz inakzeptable polnische Auslegung eines Streitthemas angegeben werden muss. Die polnischen Katholiken huldigten einem „irrationalen“ Mythos und seien nicht fähig, der Vernunft zu folgen, klärt er seine Leser über die Ursachen einer von ihm beanstandeten Haltung der polnischen Glaubensgenossen auf.60

Diese Beispiele bestätigen nicht nur, dass Scholz seinen eigenen Vorstellungen folgte, anstatt sich auf eine solide Recherche zu stützen, sondern auch, dass diese Vorstellungen durch polenfeindliche Klischees geprägt waren.61 Dieser Befund verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Scholz, vermutlich im Jahre 1990, mit der politischen Linie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung so unzufrieden wurde, dass er die Deutsche Nationalzeitung zu abonnieren begann.62 Diese Entscheidung wird wiederum verständlicher, wenn man das in den Publikationen Scholzens vermittelte, im deutschen demokratischen Spektrum kaum noch vorhandene Geschichtsbild bedenkt. So leugnete der Theologieprofessor die Verantwortung der deutschen Gesellschaft für den Nationalsozialismus und seine Verbrechen und schien der Formel „auf der einen Seite der böse Hitler, andererseits - die von den Nazis terrorisierten guten Deutschen“, zu huldigen.63 Die Bestimmungen der Potsdamer Konferenz, dieses „Diktat der unbarmherzigen Sieger“, hielt er folgerichtig für ein Verbrechen an dem deutschen Volk, das auf der rechtlichen und moralischen Ebene mit den Teilungen Polens vergleichbar gewesen sei.64 ← 31 | 32

Genauso einseitig beurteilte Scholz die Entwicklung im katholischen Kirchenbereich. Während er die deutschen Katholiken in der NS-Zeit als einen einheitlichen Block der widerstandleistenden Regimegegner darstellt65, wirft er den polnischen Katholiken nach dem Zweiten Weltkrieg ein kollektives Versagen vor. Während er die Enge des Spielraums der deutschen Kirche in der NS-Zeit betont, schaut er über den engen Spielraum der polnischen Kirche im kommunistischen Polen hinweg.66 Während er von den deutschen Hierarchen stets mit Pietät schreibt, hat er für die polnischen Hierarchen ausschließlich scharfe Kritik übrig.67 Alle diese Befunde offenbaren ein nationalistisch geprägtes Weltbild Scholzens und führen die Behauptung seiner Anhänger, er sei „ein ausgewiesener Freund der Polen“68 gewesen, was seine Kritik an der polnischen Kirche glaubwürdig mache, ad absurdum.

Weitgehende Zweifel weckt auch die Vertrauenswürdigkeit von Scholz als Zeitzeuge. Selbst eine oberflächliche quellenkritische Auseinandersetzung mit der 1993 veröffentlichten Fassung seines „Görlitzer Tagebuchs“ verrät, dass hier kein reiner Originaltext ediert wurde, sondern dass in das ursprüngliche Tagebuch spätere Überlegungen und Kommentare eingeführt und vom Verfasser nur zum Teil kenntlich gemacht wurden. Wahrscheinlich manipulierte Scholz den Urtext, um ihn für seine Zwecke auszunutzen.69 ← 32 | 33

Scholz griff zu noch anderen Maßnahmen, die als Manipulation bewertet werden müssen. Ein vielsagendes Beispiel für ein solches Vorgehen liefert seine Darstellung der Umstände, die mit der Zuerkennung der polnischen Staatsangehörigkeit verbunden waren. Im „Görlitzer Tagebuch“ ist zu lesen, dass ihm die Staatsbürgerschaft von polnischer Seite „wegen der in der Hitlerzeit ausgeübten Fürsorge für die nach Görlitz verschleppten polnischen Bürger“ angeboten worden sei. Darüber sei er „sehr erstaunt“ gewesen, zumal er inzwischen über die Grenze geflüchtet sei und von dieser Entscheidung der polnischen Behörden von einem polnischen Geistlichen während einer geheimen Begegnung erfahren habe. Nach Überlegung habe er sich entschieden, nicht zurückzukehren und „einen entsprechenden Antrag“ zu stellen, denn

      einen Antrag auf polnische Staatsbürgerschaft stellen bedeutet, wie sich immer klarer herausgestellt hatte, den Abschied von Deutschland, vielleicht sogar den Verrat des eigenen Vaterlandes in seiner armseligsten Stunde. […] Jetzt bedeutet die polnische Staatsbürgerschaft nach allgemeiner Interpretation den Fußtritt für Deutschland, das bis zum letzten Stück Boden besetzt war und aus dessen Ostgebieten die Deutschen vertrieben worden waren bzw. noch vertrieben wurden.

Dazu sei Scholz nicht bereit gewesen.70

Die Schilderung Scholzens weckt insofern Zweifel, als die polnische Staatsangehörigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich nicht angeboten wurde, sondern beantragt werden musste. Diese Zweifel werden von Pięciak bestätigt, der herausfand, dass Scholz am 27. Juni 1945 den Antrag auf Zuerkennung der polnischen Staatsangehörigkeit stellte. Darin deklarierte er, sich als Pole zu fühlen, und legte eine Loyalitätserklärung dem polnischen Staat gegenüber ab. Er fügte auch einige Gutachten seiner polnischen Freunde bei, die seine angebliche polnische Volkszugehörigkeit bestätigten.71 Kurz vor seiner Flucht aus Zgorzelec zog Scholz den Antrag zurück, danach wurde ihm die dringende Bitte seines polnischen Nachfolgers in Zgorzelec um ein Treffen übermittelt. Während des geheimen Gesprächs informierte der polnische Priester Scholz, dass die Einbürgerungskommission dem geflüchteten Pfarrer die polnische Staatsangehörigkeit verleihen würde, falls Scholz die Rücknahme seines Antrags für nichtig erklären würde. In seinem Tagebuch schilderte Scholz nur dieses Nachspiel, täuschte Verwunderung vor und erzeugte den Eindruck, dass eine ← 33 | 34 Verleugnung der deutschen Volkszugehörigkeit für ihn niemals in Frage gekommen sei. Er verschwieg dabei, dass er sie ein paar Monate früher verleugnet und sich zur polnischen Volkszugehörigkeit bekannt hatte, die wiederum er sich von polnischen Freunden bestätigen ließ.

***

Die für die Fragestellung dieser Studie wichtigsten deutschen Quellen sind Augenzeugenberichte und Erinnerungen. Es existiert eine große Anzahl von teilweise ausführlichen und detaillierten Dokumenten dieser Art, die umfassende Informationen enthalten. Eine genauere Untersuchung dieser Quellen legt jedoch offen, dass ihre Auskünfte in vielen Fällen unzuverlässig sind und mit großer Vorsicht verwendet werden müssen.72

Es gibt auffallend viele Beispiele von gravierenden Fehlangaben scheinbar vertrauenswürdiger Zeugen zu Ort, Zeit, beteiligten Personen oder sogar Zustandekommen von Ereignissen.73 Eindeutig Unzutreffendes wird auch über die Haltung polnischer Kirchenleute gegenüber deutschen Katholiken berichtet. Geradezu symptomatisch sind die Erinnerungen des schlesischen Geistlichen Max Czerwensky. Er behauptet darin ← 34 | 35 u. a., dass der damalige polnische Apostolische Administrator von Oppeln, Bolesław Kominek, „für die Vertreibung vieler deutscher Priester aus ihrer Heimat“ verantwortlich gewesen sei, er „den schwerkranken, greisen und nicht reisefähigen Bischof Nathan aus Branitz […] rücksichtslos durch den polnischen Landrat“ hätte ausweisen lassen und während einer Begegnung mit dem einheimischen Klerus den Gebrauch der deutschen Sprache in der Seelsorge, einschließlich des Beichtstuhls, verboten habe.74 Glaubwürdige Quellen falsifizieren alle diese Behauptungen. Der Administrator bemühte sich, möglichst viele Geistliche vor der Ausweisung zu bewahren, er setzte sich bei den Staatsbehörden für den Verbleib des kranken Bischofs Nathans ein und nahm persönlich die Beichte in deutscher Sprache ab.75

Ähnlich unzuverlässig sind auch viele andere Augenzeugenberichte und Erinnerungen über die Haltung der polnischen Kirche.76 Bei ihrer Lektüre gewinnt man oft den Eindruck, dass sich die Verfasser auf die negativen Ereignisse konzentrierten und ein einseitiges Bild ihrer Erfahrungen zeichneten.77 Ein aussagekräftiges, wenn auch nicht unmittelbar die Kirche betreffendes Beispiel liefert der Umgang der Zeugen mit ← 35 | 36 dem tragischen Tod eines Breslauer Geistlichen. Der frühere Generalvikar der Erzdiözese Breslau, Joseph Negwer, berichtete darüber knapp: „Pfarrer Dr. Reiße wurde auf offener Straße am 8. Juli 1945 von den Polen erschossen“.78 Warum es geschah, und um welche „Polen“ es sich handelte, schrieb Negwer nicht. Seine Formulierung begünstigt den Eindruck, in Niederschlesien habe 1945 eine völlige Rechtlosigkeit geherrscht und „die Polen“ hätten hemmungslos Deutsche ermordet.

In einem längeren Biogramm werden anhand eines Zeugenberichts etwas umfangreichere Informationen geliefert: „Am 8. Juli besuchte Reiße Erzpriester Direske. Es gab so viel zu besprechen. Auf dem Heimweg wurde er von einem polnischen Posten erschossen. Er hatte offenbar wegen seines Gehörfehlers den Anruf des Milizmannes überhört“.79 Der Priester wurde also nicht von irgendwelchen „Polen“ ohne erkennbaren Grund erschossen, sondern von einem kommunistischen Polizist, dessen Aufforderung er missachtet hatte. Diese Konkretisierung stellt allerdings die Vorstellung von der Rechtlosigkeit der Deutschen nur bedingt in Frage. Immerhin hätte es nicht viel bedurft, um vom skrupellosen Milizsoldaten kaltblütig erschossen zu werden.

Professor Hermann Hoffmann, der mit dem Getöteten befreundet war, rückt den Vorfall allerdings in ein anderes Licht. Anstatt vor der Polizeistunde um 20 Uhr nach Hause zu gehen oder bei seinem Gastgeber zu übernachten, habe sich Reiße nach 22 Uhr auf den Weg begeben und damit die Polizeistunde verletzt. Erschossen worden sei er, nachdem er einen dreimaligen „Stopp“-Ruf eines Milizpostens missachtet habe und weiter gegangen sei.80 Erst aus dem Bericht Hoffmanns erfährt man also fundamentale Fakten, die in den beiden anderen Zeugenaussagen fehlen und zu einer anderen Bewertung des Vorfalls führen. Darüber hinaus schildert der Professor aber noch seine anschließende Begegnung mit dem Milizsoldaten, der den Pfarrer getötet hatte und nun „herzzerreißend“ „jammerte und weinte“, da er sich für einen „Priestermörder“ gehalten habe. Auf seine Bitte habe ihn Hoffmann in die Kaserne begleitet, wo „sofort großes Verhör und Bericht“ stattgefunden habe, wobei auch der deutsche Geistliche als Zeuge ausgesagt habe. Obwohl kein Verschulden des Soldaten festgestellt worden sei, sei er „nicht zu trösten“ gewesen, weshalb sein Vorgesetzter den Theologieprofessor gebeten habe „zunächst bei ihm zu bleiben und ihn zu beruhigen“. Dies sei nicht gelungen, der Milizsoldat habe in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert werden müssen.81 ← 36 | 37

Weitere Beispiele von Augenzeugenberichten, die anhand eines Quellenvergleichs falsifiziert werden können, gibt es in Fülle.82 Oft ist aber ein Vergleich nicht möglich, weil nur eine Zeugenaussage zu einem Ereignis vorliegt. Übrig bleibt in solchen Fällen die Überprüfung einzelner Aussagen auf ihre innere Logik, was allerdings nur in manchen Fällen zu einem zuverlässigen Ergebnis führt83. Anderenfalls müssen die vorhandenen Quellen einfach mit großer Vorsicht herangezogen werden. Die Nicht ← 37 | 38 falsifizierung bedeutet zunächst, dass die Überprüfungsmöglichkeiten begrenzt sind, und nicht, dass eine Quelle glaubwürdig ist.

Die Ursachen der Unzuverlässigkeit der meisten Augenzeugenberichte und Erinnerungen sind vielfältig. Neben den allgemeinen, für die geschichtswissenschaftliche Quellenkritik offensichtlichen Gründen müssen auch einige themenspezifische Faktoren bedacht werden.

Der Informationsfluss war in den Jahren 1945-1948 sehr spärlich, hingegen kursierten Gerüchte, die oft für bare Münze genommen wurden. Ein prägnantes Beispiel dafür ist ein Briefwechsel zwischen Prälat Aloys Schulz und Bischof Maximilian Kaller. Darin fragte der Erstere, ob seinem Adressaten der durch den „übertriebenen Nationalismus“ bedingte „höchstbedauerliche Abfall des Posener Kardinals“ schon bekannt sei. Kaller antwortete, dass von einem Abfall „nicht die Rede sein“ könne, freilich sei Hlond „wegen seines rigorosen Vorgehens gegen die deutschen Geistlichen seiner Stellung als Primas von Posen enthoben und nach Warschau als Erzbischof und Kardinal transferiert worden“.84 Die Nachricht von der vermeintlichen Apostasie war völlig unzutreffend, aber auch der Informationsstand Kallers war nur bedingt besser, denn der Kardinal blieb bis zu seinem Tod Primas von Polen, und sein Umzug nach Warschau erfolgte im Rahmen der Umstrukturierung der polnischen Kirche.

Auffallend oft schilderten Zeitzeugen aus zweiter oder dritter Hand stammende Nachrichten, als ob es ihre eigenen Erlebnisse gewesen wären. So verfuhr z. B. der bekannte Theologe und Schriftsteller Joseph Wittig, der in seinen Erinnerungen behauptete, ein polnischer Priester habe in Glatz „auf der Kanzel“ erklärt, dass „die Deutschen kein Eigentum, die deutschen Kinder kein Recht auf ihr Spielzeug mehr haben und daß Plünderung keine Sünde sei“.85 Aus denselben Erinnerungen geht hervor, dass Wittig zum damaligen Zeitpunkt nicht nur die polnische Sprache nicht verstand, sondern auch schwer krank war und sein Haus nicht verließ. Es handelt sich also um eine Information, deren Wahrheitsgehalt der Zeuge gar nicht überprüfen konnte, die er aber nicht unter Vorbehalt, sondern als eindeutig zutreffend verbreitete.86 ← 38 | 39

Die Sprachdefizite waren Teil eines breiteren Problems, nämlich der mangelnden Kenntnisse der meisten Zeugen von Polen und den dort stattfindenden politischen Auseinandersetzungen. In zahlreichen Augenzeugenberichten vermisst man eine Differenzierung zwischen den polnischen Kommunisten und Nichtkommunisten. Dass in den ersten Nachkriegsjahren neben dem nationalen, deutsch-polnischen Gegensatz, auch politische Konflikte zwischen den moskauhörigen Anhängern des neuen Systems und ihren meistens kirchennahen Gegnern stattfanden, schienen die meisten deutschen Zeugen nicht bemerkt zu haben. Sie betrachteten die Situation ausschließlich in nationalen Kategorien, was zu Fehldeutungen führen musste.87

Eine starke Auswirkung auf einen bedeutenden Teil der deutschen Augenzeugenberichte hatte das nationalistische Weltbild ihrer Autoren. Kritische Aussagen über Vertreter der eigenen Nation sind nur in sehr wenigen Fällen vorhanden, meistens verbreitete man eine verklärte Sicht des eigenen Volkes und stilisierte seine Vertreter wenn nicht zu Helden, dann zumindest zu „ahnungslosen und schuldlosen Landsleuten“.88 Gleichzeitig zeigten sich bei der Schilderung des polnischen Verhal ← 39 | 40 tens starke Ressentiments. Sie manifestierten sich nicht nur in Invektiven89, sondern auch in einer ausgeprägten Einseitigkeit bei der Beurteilung der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. Die Ursachen der Teilungen Polens sahen manche Zeugen nicht im Vorgehen der Nachbarstaaten, sondern im „polnischen Chauvinismus“.90

Die Sympathie eines Teils der deutschen katholischen Oberschlesier für den Nationalsozialismus erklärten sie ausschließlich mit dem Hinweis auf die vorherigen angeblich „unvorstellbare Gräuel“ der Polen gegenüber den Deutschen.91 Den Grund des Deutschenhasses der Polen im Jahre 1945 suchten sie nicht in den nationalsozialistischen Verbrechen, sondern in der Thematisierung dieser Verbrechen durch die katholische Presse.92

Die Zeugen, die das Ausmaß der polnischen Leiden und die deutsche Verantwortung dafür nicht anerkannten93, neigten gleichzeitig zur Überbewertung der eigenen Leiderfahrung. Manche von ihnen hatten keine Bedenken, die „Entwurzelung aus dem angestammten Boden“ als „Martyrium“ zu bezeichnen und zu behaupten, dass dieses „hinter der Grausamkeit der Konzentrationslager und Gaskammern nicht zurücksteht“.94 Sie hatten auch keine Hemmungen, ihre Leiderfahrung mit der Passion Jesu gleichzusetzen95, womit sie die Überzeugung von der besonderen Dramatik des eigenen Leids, aber auch von der eigenen Unschuld offenbarten. ← 40 | 41

Diese Mythologisierung des eigenen Schicksals fand ihren Niederschlag in einigen Augenzeugenberichten, bzw. in den an sie angelehnten Schilderungen, etwa in der Beschreibung der letzten Tage des Generalvikars der Freien Prälatur Schneidemühl, Johannes Bleske:

      Mit dem Sterbekreuz in der Hand hat er die lodernde Bistumsstadt verlassen […]. Den gequälten Geistlichen der Freien Prälatur Schneidemühl schenkte er Trost und Kraft […]. Wie ein Vater empfing er sie, körperlich gebeugt, aber seelisch nicht gebrochen. […] Pfarrer Bonin wird dem durch die Heimsuchungen verängstigten Prälaten und Generalvikar auf den letzten Kreuzwegstationen Simon von Cyrene, und die Mutter des Pfarrers vertritt Veronika mit dem Schweißtuch. […] Den frommen Priestergreis vermögen zwar alle diese Schrecknisse seelisch nicht zu erschüttern. Er greift zum Worte Gottes, das Pfarrhaus, die Gläubigen und sich mit Zuversicht erfüllend […]. Der Generalvikar blieb im Glauben ungebrochen. Aber der Körper trug den Geist nicht mehr unter dem Balken des Kreuzes.96

Diese pathetische Schilderung sagt über die tatsächlichen Umstände des Todes von Bleske wenig aus. Das war wahrscheinlich auch nicht ihr Ziel, vielmehr sollte sie den Generalvikar zum Märtyrer der verfolgten ostdeutschen Kirche stilisieren und beim Leser eine Überzeugung von der besonderen Tragik seines Schicksals erzeugen.97 ← 41 | 42

Damit sei auch die letzte Ursache der geringen Vertrauenswürdigkeit der meisten deutschen Augenzeugenberichte genannt: Sie hatten einen instrumentalen Charakter. Nach der Ausweisung befanden sich die ostdeutschen Katholiken in einer dramatischen Lage. Sie lebten unter katastrophalen Bedingungen, hatten entweder keine Beschäftigung oder mussten einen beruflichen Abstieg hinnehmen98. Als besonders schmerzlich empfanden sie die Gleichgültigkeit oder gar Abneigung der ansässigen Bevölkerung, darunter auch der Katholiken.99 Ein Betroffener konstatierte: „Nur das Gottvertrauen und die Hoffnung auf eine zukünftige völlige Änderung dieser Zustände hält aufrecht“.100

Um bei den abgeneigten Einheimischen Empathie zu erzeugen, die Weltöffentlichkeit zu erschüttern und sich somit ihre Unterstützung für die „zukünftige völlige Änderung dieser Zustände“, d. h. für die Rückgewinnung der Oder-Neiße-Gebiete zu sichern, war man geneigt, seine eigene Unschuld und Leiderfahrung sowie die Verwerflichkeit der Peiniger überzubetonen. Ein prägnantes Beispiel dieser Vorgehensweise ist die von Kaps in den Jahren 1950-1954 veröffentlichte „Schlesische Trilogie“: „Vom Sterben schlesischer Priester“, „Die Tragödie Schlesiens 1945/46“ und „Das Martyrium und Heldentum ostdeutscher Frauen“, in der zahlreiche Erlebnisberichte deutscher Katholiken ediert wurden. Für katholische Vertriebenenvertreter steht außer Zweifel, dass Kaps damit eine vertrauenswürdige Quellensammlung präsentiert habe.101 Ein polnischer Historiker ist in dieser Hinsicht skeptischer und bemängelt, dass etwa in der „Tragödie Schlesiens“ die meisten Berichte nach ein und demselben Schema verfasst seien, wobei „manche Themen stets zur Sprache kommen, z.B. die Mißhandlung der Ausgewiesenen, andere aber ganz fehlen, z.B. die Versorgungslage“. Dies deute auf die Verwendung eines Fragebogens als Vorlage hin.102 ← 42 | 43

Sicher ist, dass der Leser nach der Lektüre vieler katholischer Augenzeugenberichte den Eindruck gewinnt, die Polen seien eine Nation von moralisch verwilderten, grausamen Rächern gewesen, deren Vergeltung schlimmer als der Anlass, d. h. die NS-Verbrechen gewesen sei. Diese Vergeltungssucht gegenüber unschuldigen Menschen, darunter auch den deutschen Katholiken, habe praktisch alle Polen gekennzeichnet, christliche Nächstenliebe sei von polnischer Seite nur in Ausnahmefällen zu erfahren gewesen.

Die Quellenkritik erlaubt es, einen beachtlichen Teil derartiger Augenzeugenaussagen als tendenziös einzuordnen, und zugleich festzustellen, dass sich ihre Autoren bewußt der Manipulation bedienten, um die polnischen Glaubensgeschwister im schlechten Licht zu zeigen. Genannt sei hierbei vor allem das Beispiel des Breslauer Weihbischofs Joseph Ferche, der nach seiner Ankunft in Deutschland einen Bericht über die Lage in Niederschlesien verfasste. Er vermittelte darin ein düsteres Bild des polnischen Klerus, der sich der deutschen Katholiken nicht angenommen, die polnischen Laien gegen die Deutschen aufgehetzt und „vielfach Hand in Hand mit der Vertreibung der Deutschen und der Priester“ gearbeitet habe.103 Der Bischof verheimlichte dabei, dass er durchaus zahlreiche Fälle von positivem Verhalten polnischer Geistlicher gegenüber den Deutschen kannte. Während er sie in seinem Bericht konsequent verschwieg, nannte er sie in zwei anderen Darstellungen.

Wie gravierend sich Ferche in seinen Schilderungen der Manipulation bediente, ist am Beispiel eines Zwischenfalls von Mitte 1946 in Niederhannsdorf bei Glatz gut sichtbar. Der Weihbischof erschien dort, um im Auftrag des polnischen Apostolischen Administrators polnische Jugendliche zu firmen, der örtliche polnische Seelsorger soll jedoch den Firmlingen von den Kanzel zugerufen haben: „Ihr werdet euch doch nicht von einem deutschen Bischof firmen lassen“. In seinem „negativen“ Bericht kommentiert Ferche diesen Vorfall wie folgt: „Die polnischen Priester wirken sich weit und breit als großes Unheil aus für das Glaubensleben und die Kirche“.104 In den übrigen Berichten schildert er aber das Verhalten mehrerer polnischer Priester, das im völligen Kontrast zu dem Geistlichen aus Niederhannsdorf stand.105 Und in ← 43 | 44 einem dieser Berichte gibt er zu, dass das Verhalten dieses Priesters „bei den Polen furchtbare Empörung ausgelöst hat“, und dass er „bereits seines Amtes entsetzt und aus Niederschlesien entfernt worden“ sei.106

Weitgehende Zweifel wecken auch die schweren Anschuldigungen des Weihbischofs, es sei „oftmals erwiesen“, dass „verschiedene (deutsche) Priester durch den polnischen Pfarrer der Miliz zur Ausraubung und Ausplünderung angezeigt wurden, ja einige deutsche Pfarrer sind daraufhin in fürchterlichster Weise misshandelt und zerschlagen worden“. Es ist auffallend, dass Ferche anschließend keine illustrierenden Beispiele präsentierte, sondern sich auf die Zusicherung beschränkte, er „könnte Namen als Beweis dafür anführen mit Angabe aller schrecklichen Einzelheiten“.107 Seine Unterlassung, konkrete Angaben zu nennen, hatte einen einfachen Grund: Es existiert kein halbwegs glaubwürdiger deutscher Augenzeugenbericht, der die Behauptungen des Weihbischofs bestätigen würde.108 Noch krasser verfuhr der in der Freien Prälatur Schneidemühl tätige Jesuitenpater Konrad Pickmeier, der im Abstand von acht Jahren zwei Erlebnisberichte verfasste. Im ersten verschwieg er fast alle Beispiele des positiven Verhaltens der Polen, die er im zweiten Bericht anführte, etwa die freundliche Behandlung durch einen Voigt oder die Rettung aus dem sowjetischen Gefängnis. Im ersten schilderte er außerdem ausführlich die Untaten des polnischen Geistlichen Rogowski, der mit Polizeigewalt in sein Pfarrhaus eingedrungen sei, ihn daraus vertrieben, und anschließend „mit zwei poln. Mädeln im gleichen Zimmer ← 44 | 45 und Bett“ geschlafen habe. Erst nach vier Wochen sei es Pickmeier gelungen, in das Pfarrhaus zurückkehren. Im zweiten Bericht erklärt der Ordensmann jedoch, dass Rogowski kein Priester, sondern ein Betrüger gewesen sei, der im Pfarrhaus vom örtlichen kommunistischen Kommissar installiert worden sei. Auffallend ist schließlich die diametral entgegengesetzte Beschreibung des Apostolischen Administrators Edmund Nowicki. Im ersten Bericht heißt es, Pickmeier sei heimlich zu Nowicki gereist, um ihn für die Maßregelung des „von ihm geschickte Räubers“ Rogowski zu bewegen. Der Administrator habe den deutschen Priester „scheinbar wohlwollend“ empfangen und seine Hilfe versprochen, dann aber nichts gemacht. Im zweiten Bericht wird Nowicki hingegen als „ein wirklich feiner Mann“ dargestellt, der Pickmeier persönlich besucht, ihn zusammen mit einem polnischen Pfarrer aus der Nachbarstadt in der Auseinandersetzung mit dem Betrüger Rogowski unterstützt, wohlwollend beraten und am Ende „noch verschiedene Versuche gemacht [habe], meine Ausweisung rückgängig zu machen“.109

Warum Ferche wider besseren Wissens ein tendenziöses Bild der deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen in Niederschlesien verbreitete, kann nur vermutet werden. Warum es Pickmeier im Hinblick auf sein Wirkungsgebiet tat, verriet er dagegen selbst. Im Begleitschreiben zum ersten Bericht teilte er nämlich Bischof Kaller mit:

Details

Seiten
862
ISBN (PDF)
9783653039573
ISBN (ePUB)
9783653993912
ISBN (MOBI)
9783653993905
ISBN (Hardcover)
9783631789070
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (März)
Schlagworte
Kirchengeschichte Vertreibung Deutsch-polnische Beziehungen
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2019. 862 S.

Biographische Angaben

Robert Zurek (Autor:in)

Robert Żurek, Historiker und Theologe, promovierte an der Universität Halle. Er war Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts in Warschau und anschließend Wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Direktor des Zentrums für Histoische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Gegenwärtig leitet er die Breslauer Abteilung des polnischen Instituts für Nationales Gedenken. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte, hauptsächlich in den Kirchenbeziehungen im 20. Jahrhundert.

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Titel: Die katholische Kirche Polens und die «Wiedergewonnenen Gebiete» 1945–1948