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Die schönen Insel-Bilderbücher

von Roland Stark (Autor:in)
Monographie 210 Seiten

Zusammenfassung

Dieses Buch fußt, abgesehen einmal von den langjährigen Arbeiten des Verfassers zur Geschichte des Kinderbuchs, auf der Auswertung des Siegfried Unseld-Archivs im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Geboten wird ein Überblick über die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung, den Aufbau und die Inhalte und Themen dieses besonderen Kinderbuchprogramms im Insel Verlag. Herausgestellt werden die Künstler und Autoren dieses Programms, der Verleger Siegfried Unseld und vor allem die Leitfigur Elisabeth Borchers. Verwiesen wird darüber hinaus auf das Verlagssegment des Bilderbuchs, zu dem auch theoretische Überlegungen angestellt werden. Die Wiedergabe zahlreicher Stellungnahmen und Rezeptionsdokumente lässt die wechselvolle Geschichte des Bilderbuchs im Insel Verlag lebendig werden. So entsteht ein Szenario von Zuspruch und Anerkennung, die inhaltliche und künstlerische Qualität der Bilderbücher betreffend. Schließlich wird den Gründen für das Scheitern dieser großartigen Unternehmung nachgegangen. Die vorliegende Publikation fungiert auch als Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einführung
  • Vorspann - Die Lektorin Elisabeth Borchers
  • Die historischen Anfänge
  • Die Vorphase
  • Die neuen Konturen des Programms
  • Die Startphase
  • Die Resonanz auf das Insel-Bilderbuch
  • Die zweite Etappe der 70er Jahre
  • Theorie des Kinderbuchs
  • Die „alten“ Kinderbücher - Faksimiles
  • Die Kurzlebigkeit von Bilderbüchern im Sortiment
  • Die zweite Hälfte der 70er Jahre
  • Das insel taschenbuch für Kinder
  • Das Fazit-soweit es zu ziehen ist
  • Die Bilderbücher des Insel-Verlags
  • Autoren- und Künstlerregister
  • Literaturverzeichnis
  • Bildteil

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Einführung

Der Rückblick auf eine Zeitspanne mit ihren Ergebnissen und Auswirkungen am Fallbeispiel birgt immer die Gefahr der Einseitigkeit und reduzierten Darstellung in sich. Zugleich wird aber der Fokus deutlich auf das Thema gerichtet und schärft den Blick für das Detail. So auch in diesem Buch, das allein den Insel-Bilderbüchern gewidmet ist und die anderen Bilderbuchverlage dieser Zeit mit ihren teilweise beachtlichen Publikationen nur am Rande erwähnen kann, um den Gang der Schilderung nicht ausufern zu lassen. So bleibt anderen Bearbeitern noch genügend Raum, um die Gesamtbetrachtung aufzubauen, wie es ja für die Zeit bis 1900 und für die Spanne der DDR durch die Aleki an der Universität Köln beziehungsweise Rüdiger Steinlein bereits geschehen ist. Für diese noch zu leistende Arbeit kann dieses Buch einen Beitrag darstellen.

Dabei geht die Untersuchung über eine Bestandsaufnahme hinaus - der Leser erlebt auch eine Zeitenwende im Bewusstsein der Gesellschaft. 1968, das Jahr der Unruhe und des Aufbruchs ist vorbei, seine Folgewirkungen sind auf allen Gebieten spürbar. Auch im Bilderbuch. Ach, Ernesto und Die Geranie auf der Fensterbank ist eben gestorben, aber Sie reden einfach weiter, Fräulein Schmitt sind eindrückliche Beispiele für das Aufmüpfige in diesen Publikationen, die eine Lektorin auswählte, deren eigene Bücher bereits Zeugnis von diesem Verhalten gegen den Strich gegeben hatten.

Die Insel Bilderbücher sind ein Gang in eine neue Dimension des Verstehens und Sehens - sie waren damit automatisch Experiment. Experimente aber gehen nicht immer gut und erfolgreich aus. Insofern - aber nicht nur deswegen - entsteht ein Stück Zeitgeschichte über den Verlagsaspekt hinaus und damit auch ein Bündel von Fragen aus der Rückschau.

Der Autor hat dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu danken für die unermüdliche und geduldige Hilfe bei diesem Projekt. Er darf ebenso herzlich Dank sagen an die Zeitzeugen, die bereitwillig Auskunft gaben: Anita Albus, Maria Dessauer, Barbara Frischmuth, Matthias Michaelis, Wilhelm Schlote, Walter Schmögner, Rolf Staudt, Joachim Unseld und vielen anderen. Wo man das Schweigen vorzog, werden Gründe dafür vorgelegen haben. Sie sind zu respektieren.

Tragisch ist es, dass Elisabeth Borchers nicht mehr angesprochen werden konnte. Ihr gilt dieses Buch primär - mit einem tiefen Respekt vor ihrer Leistung.

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Die Unterlagen des Siegfried Unseld Archivs (SUA), also des Suhrkamp und Insel Verlags, wurden - soweit verfügbar - für diese Arbeit heran gezogen - der Zweckbindung entsprechend werden sie „Insel-Archiv“ im Text und bei den Zitaten genannt. Der Gesamtüberblick mit einer Zusammenfassung des Bereichsergebnisses ergab sich aus den Jahresberichten.

Der Insel Verlag hat die Bild- und Textzitate frei gegeben. Dafür ist Dank zu sagen in schwierigen Zeiten. Sollten Urheberrechte unwissentlich nicht berücksichtigt worden sein, bitten wir um Mitteilung.

Diese Darstellung ist zugleich Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Bilderbuchmuseum Burg Wissem der Stadt Troisdorf. Frau Dr. Maria Linsmann und ihrem Team ist Dank zu sagen für die Präsentation zum geschriebenen Wort - trotz der vielen Bilder wird das Auge zusätzlich verwöhnt.

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Illustration

Elisabeth Borchers Foto Erica Loos

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Vorspann - Die Lektorin Elisabeth Borchers

„Die Kindheit ist das Herz des Menschen“ - wer eine solche Aussage an den Beginn eines Buches zu stellen wagt, besitzt offenbar eine genuin lebendige Erinnerung an das Kind-Sein und vermag sie mit weiter wirkenden Reflexionen über Sprache und Bilder zu verknüpfen. Auch wenn dieser Satz - wie Elisabeth Borchers freimütig bekennt - von Aristoteles abgeleitet und entlehnt ist: Er umfasst ein Bindungsgeflecht aus Erlebtem, Erinnertem und Geträumtem, das auch dem erwachsenen Menschen substantiell noch eingegeben sein kann.

In einem solchen Fundus aufgehoben zu sein, bedeutet zugleich Widerhall auf die Kinderzeit mit ihren Realitäten und Phantasien empfinden und ausdrücken zu können. Elisabeth Borchers besaß diese Gabe - ein seltener Vorzug, den sie auch in ihren Texten, Übersetzungen, Nacherzählungen und Interpretationen umsetzen konnte.

Diese Beziehungsgrundlage steht völlig im Kontrast zu der generellen Bewusstseinssituation eines Menschen wie der Illustratorin Anne Heseler, von der Elisabeth Borchers berichtet: „Anne Heseler war im Haus, und ich fragte sie, wie man sich >ihren< Stil erklären müsse, der doch so konsequent an Längstvergangenem festhalte. Und siehe da, sie reagierte ganz typisch für die ganze Person: ich bin auf der Suche nach meiner Kindheit, sagte sie, ich suche und suche und finde immer wieder nur dieselben Bilder, die alten Landschaften, die alten Bücher.“ (Elisabeth Borchers an Ute Blaich 11.9.1980, Insel Archiv)

Eine derart direkte Frage konnte und durfte Elisabeth Borchers, damals Lektorin bei Suhrkamp und verantwortlich für die Insel-Bilderbücher, stellen. Sie war nicht nur ein sprachintensiver Mensch mit herausragenden Erfolgen als Kinderbuchautorin und vor allem als Lyrikerin - sie war auch sicher im Urteil und demzufolge ebenso eindeutig in Fragestellungen. Sie wollte auf den „Grund“ kommen - ihr Lebenswerk mit seinem Mut zum Außergewöhnlichen und auch zur Konfrontation mit den gängigen Klischees beweist es unübersehbar.

Berühmt wurde sie durch die Auseinandersetzungen über ihr Gedicht „eia wasser regnet schlaf “, das heftigen Widerspruch und entschlossene Zustimmung - vor allem aber Unverständnis - auslöste. Ihr Gedicht „es ist zeit“ soll für die Besonderheit ihres Sprachausdrucks stehen:

es ist zeit

Details

Seiten
210
ISBN (PDF)
9783653043587
ISBN (ePUB)
9783653992076
ISBN (MOBI)
9783653992069
ISBN (Hardcover)
9783631647301
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (Mai)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 210 S., 60 farb. Abb., 10 s/w Abb.

Biographische Angaben

Roland Stark (Autor:in)

Roland Stark bearbeitet seit vielen Jahren kunstwissenschaftliche und literarische Themen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Forschung zu historischen Kinderbüchern um 1900. Er arbeitet am Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur mit und erhielt die Auszeichnung «Volkacher Taler» der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V., Volkach, für seine wissenschaftlichen Leistungen und seine Ausstellungsaktivitäten zum historischen Kinderbuch.

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Titel: Die schönen Insel-Bilderbücher