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Virtuelle Arbeitswelten

Fallstudien zur Kommunikation in Multimediakonferenzen internationaler Arbeitsgruppen

von Susanne Hoppe (Autor:in)
Dissertation 209 Seiten

Zusammenfassung

Das Englische ist als Fachsprache und Lingua franca im internationalen Geschäftskontext unverzichtbar. Diese Studie analysiert erstmals seinen Gebrauch in Multimediakonferenzen, deren Teilnehmer sich an verschiedenen Orten befinden, während sie visuell präsentierte Daten bearbeiten. Die Studie zeigt, welche (non)verbalen Mittel eingesetzt werden, um diese hochspezifische Kommunikation zu meistern. Ein Ergebnis ist, dass Multilingualität und -kulturalität die Interaktionsstruktur beeinflussen. Sichtbar wird dies zum einen an spezifischen Formen des Code-Switching, Code-Mixing und Co-Lingualismus, zum anderen an zwei funktional unterschiedlich motivierten Typen von Sprechpausen. Detaillierte Transkripte der Konferenzen als wertvolles Datenkorpus für die nachfolgende Forschung liegen der Studie bei.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Einleitung
  • II. Theoretischer Teil
  • 1 Facette 1: Multimediakommunikation
  • 1.1 Aktivitäten in Multimediakonferenzen
  • 1.2 Begriffsklärung Medien
  • 1.3 Technische Eigenschaften von Multimediasystemen
  • 1.4 Sprachliche Besonderheiten durch Multimedia
  • 1.5 Zusammenfassung
  • 2 Facette 2: Professionelle Kommunikation
  • 2.1 Fachsprachliche Merkmale professioneller Kommunikation
  • 2.1.1 Allgemeine Merkmale fachsprachlicher Kommunikation
  • 2.1.2 Merkmale naturwissenschaftlich-technischer Fachsprachen
  • 2.2 Interaktionen in professioneller Kommunikation
  • 2.3 Kommunikative Gattungen und Sprecherrollen
  • 2.4 Zusammenfassung
  • 3 Facette 3: Lingua franca-Kommunikation
  • 3.1 Sprachkontaktphänomene
  • 3.1.1 Forschungsansätze und Begriffsklärung
  • 3.2 Kommunikative Kompetenzen in ELF
  • 3.3 Multilingualität und Interkulturalität
  • 3.4 Zusammenfassung
  • 4 Forschungsfragen und methodologische Konsequenzen
  • III. Datenkorpus
  • 5 Datenerhebung und -erstellung
  • 5.1 Datenbasis
  • 5.1.1 Konferenzsituation und Teilnehmer
  • 5.2 Datenanalyse
  • 5.2.1 Methoden der Datenerhebung
  • 5.2.2 Methoden der Datenanalyse
  • 5.2.3 Transkription
  • IV. Fallstudien
  • 6 Multimediakommunikation im Datenkorpus
  • 6.1 Rückmeldesignale und Überlappungen
  • 6.2 Zeitliche Organisation
  • 6.2.1 Verzögerungsphänomene
  • 6.2.2 Pausen im Datensatz
  • 6.2.3 Qualitative Analyse von empraktischen Pausen im Datenkorpus
  • 6.2.4 Quantitative Analyse empraktischer Pausen
  • 6.3 Empraktische Sprache und Deixis
  • 6.4 Fazit
  • 7 Professionelle Kommunikation im Datenkorpus
  • 7.1 Fachsprachliche Anteile
  • 7.2 Interaktionsstruktur: Sprecherwechsel
  • 7.3 Kommunikative Gattungen und Sprecherrollen
  • 7.4 Fazit
  • 8 Lingua franca-Kommunikation im Datenkorpus
  • 8.1 Sprachkontaktphänomene und Diskursstrategien
  • 8.1.1 Code-switching
  • 8.1.2 Code-mixing
  • 8.1.3 Co-lingualism
  • 8.2 Kommunikative Kompetenz
  • 8.2.1 Prinzipien der Lingua franca-Kommunikation
  • 8.3 Multilingualität und Interkulturalität
  • 8.3.1 Verzögerungsphänomene im Kontext von ELF und EFL
  • 8.3.2 Länge der Redebeiträge
  • 8.4 Fazit
  • V. Diskussion
  • VI. Ausblick
  • VII. Literaturverzeichnis
  • VIII. Anhang A: Verzeichnisse
  • 1 Abbildungsverzeichnis
  • 2 Abkürzungsverzeichnis
  • 3 Tabellenverzeichnis
  • IX. Anhang B: Materialien
  • 1 Transkriptionskonventionen
  • 2 Beispieltranskript
  • 3 Fragebogen
  • 4 Ausführliche Statistische Analysen zu Kapitel 6

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Men define situations as real and
they are real in their consequences.

(Thomas & Thomas 1928: 572)

I. Einleitung

Forschungsrahmen

A technological revolution, centred round information technologies, is reshaping, at accelerated pace, the material basis of society. Economies throughout the world have become globally interdependent, introducing a new form of relationship between economy, state, and society (…). (Castells 1996: 1)

Der Charakter unserer heutigen Gesellschaft entspricht dem einer Informationsgesellschaft wie sie bereits 1952 von Norbert Wiener1 (in Bluma 2005) vorausgesagt wurde. „Eine Informationsgesellschaft ist eine stark von Informationstechnik geprägte Gesellschaft.“ (Otto & Sonntag 1985: 49). Eine solche Gesellschaft konnte durch die zügige weltweite Verbreitung des Computers sowie der entsprechenden globalen Netzwerke in den letzten zwei Jahrzehnten Realität werden. Typisch für die Realität dieser Netzwerke ist der Wegfall von zeitlichen und räumlichen Schranken, der eine „unmittelbare“ Kommunikation sowie den grenzüberschreitenden Austausch von Information in nahezu Echtzeit ermöglicht. Grundlage dafür war die Entwicklung guter rechnergestützter Kommunikationsmedien wie z.B. SKYPE in den 1990er Jahren. Mit Hilfe dieser Technik wurden die Internationalisierung des Tourismus, die globale Vernetzung von Handels- und Hilfsorganisationen sowie die Herausbildung transnationaler Unternehmen möglich.2

Neue Kommunikationsmedien führen unweigerlich zu neuen Kommunikationsformen. Jedoch tragen die kommunikationstechnischen Entwicklungen nicht allein für diese neuen Kommunikationsformen in der heutigen Gesellschaft Verantwortung. Vielmehr bedurfte es für diese Entwicklung einer weitverbreiteten Lingua franca. ← 11 | 12 → Ihr Vorhandensein ist für Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen in global vernetzten Organisationen und Unternehmen eine Grundbedingung für die gemeinsame Kommunikation. Sie bedienen sich heute zumeist des Englischen als Lingua franca (nachfolgend ELF). Diese Lingua franca-Kommunikation ist gleichzeitig auch interkulturelle Kommunikation, in der nicht nur Menschen mit verschiedenen Muttersprachen, sondern auch mit unterschiedlicher Kultur miteinander in Kontakt treten.

Noch ein weiteres Merkmal moderner Kommunikation kann auf Grund gesellschaftlicher Veränderungen beobachtet werden: Nach Roelcke (2010: 7) ist die berufliche Kommunikation zusätzlich geprägt durch die „(…) fortlaufend stärkere Spezialisierung menschlicher Kenntnisse und Tätigkeiten.“ Diese Spezialisierung muss sich zusätzlich auf den Stil professioneller Kommunikation auswirken. Professionelle Kommunikation findet in sozialen Situationen statt, die in einem institutionellen Rahmen vorkommen, bei denen das Herstellen sozialer Beziehungen auf das Ziel gerichtet ist, zweckgebunden zu kommunizieren (vgl. Bargiela-Chiappini 2009: 3). Im modernen Arbeitsalltag stehen oft Schnelligkeit und Effizienz im Interesse der Kommunikationspartner. Aus diesem Grund bedient man sich in dieser Kommunikation besonders häufig der Multimediatechnik in Kombination mit einer Lingua franca.

Das Forschungsinteresse der vorliegenden Arbeit gründet sich daher auf der Beobachtung von drei wesentlichen Veränderungen des Arbeitsalltags in unserer Zeit, deren materielle Basis die ihr vorausgehenden gesellschaftlichen Veränderungen sind: Waren bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf internationaler Ebene zumeist Verhandlungen zwischen Mitgliedern konkurrierender Unternehmen wichtig, sind es heute oft Gespräche unter Mitgliedern einer unternehmensinternen internationalen Arbeitsgruppe (vgl. Poncini 2004). Wurden früher mehrheitlich direkte interpersonale Kommunikationsformen gepflegt, sind es heute häufiger medial vermittelte interpersonale Kommunikationsformen (Issing & Klimsa 2009, Bargiela-Chiappini 2009, vgl. auch Kapitel 2). Wurde im Arbeitsalltag früher die Kommunikation nicht in der Muttersprache geführt, wurde gedolmetscht. Heute wird hingegen allgemein erwartet, dass die Arbeitsgruppenmitglieder internationaler Unternehmen die Lingua franca Englisch problemlos anwenden können (Garzone & Illie 2007: 9, McKay 2002).

Aus diesen beobachtbaren Tatsachen ergibt sich die Notwendigkeit, moderne Formen von Kommunikation im Arbeitsalltag in Hinblick auf die drei Facetten:

 Multimediakommunikation;

 Professionelle Kommunikation und

 Lingua franca-Kommunikation

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zu untersuchen, um so einen Einblick in die sich vollziehenden Veränderungen in der Arbeitskommunikation zu erhalten.

Dafür wurde für die vorliegende Arbeit die Kommunikation zweier Projektgruppen in einem international operierenden Unternehmen über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren aufgezeichnet.3 Die Mitglieder beider Gruppen sind hochspezialisierte Ingenieure bzw. Naturwissenschaftler. Ihr Spezialwissen ist hauptsächlich gefragt, um elektronische Bauelemente zu entwickeln. Zu diesem Zweck besprechen sie sich in Multimediakonferenzen und sind somit von zeitaufwendigen und teuren Dienstreisen unabhängig. In diesen Multimediakonferenzen können gleichzeitig Probleme diskutiert, Vorgehen abgesprochen, Strategien entwickelt, Dokumente erstellt und (Schalt-) Pläne geändert werden. Es finden also sowohl sprachliche Interaktionen als auch z.T. sprachbegleitende Handlungen statt. Dies stellt – neben der Fremdsprachlichkeit für die Mehrheit der Teilnehmer in den Konferenzen – eine besondere Herausforderung an die sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Arbeitsgruppenmitglieder dar. Dies gibt Anlass dazu, sich mit der Kommunikation in diesen Konferenzen näher zu befassen.

Es werden daher in den Fallstudien ab Kapitel 6 zunächst ausgewählte Einzelphänomene der Kommunikation dieser Projektgruppen analysiert, um einen Einblick in ihre spezifischen Abläufe, Interaktionsmuster und Kommunikationsstrategien zu erhalten. Dazu werden die gewonnenen Sprachdaten diskursanalytisch ausgewertet. Da insbesondere für die mündliche Kommunikation in Industrieunternehmen auf Grund juristischer Restriktionen4 bisher nur wenige authentische Daten vorliegen, stellt diese Untersuchung einen ersten Versuch dar, die auffälligsten Merkmale dieser Kommunikation zu ermitteln und zu beschreiben, die zudem durch den Einsatz von Multimediakonferenztechnik von aktuellem Interesse ist. Darüber hinaus sollen – soweit möglich – die Ursachen für die beobachteten Phänomene ermittelt werden.

Aufbau der Arbeit

Nachdem der Forschungsrahmen hier kurz vorgestellt wurde, soll im Folgenden ein Überblick über den Aufbau der Arbeit gegeben werden. Die vorliegende Arbeit ← 13 | 14 → gliedert sich in einen theoretischen Teil und einen empirischen Teil mit verschiedenen Fallstudien. Der theoretische Teil umfasst die Kapitel 1–4 und der empirische Teil die Kapitel 5–8.

Der Schwerpunkt von Kapitel 1 liegt darauf, die typischen Merkmale von Multimediakonferenzen zu erarbeiten. Der Einfluss technischer Konferenzbedingungen auf die Diskursorganisation wird ermittelt, nachdem die besonderen Aktivitäten in Multimediakonferenzen herausgestellt worden sind und der Begriff Medien erläutert wurde. Es wird ein Kommunikationsmodell vorgestellt, in das sich die zu untersuchenden Multimediakonferenzen einordnen lassen.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit dem professionellen Charakter von Arbeitsdiskursen sowohl mit Bezug auf ihre Fachsprache als auch auf ihre Interaktionsmuster. Ihre Verortung innerhalb der professionellen Kommunikation bzw. der Fachsprachenkommunikation wird vorgenommen. Für sie typische kommunikative Gattungen mit den entsprechenden Sprecherrollen werden vorgestellt und die Merkmale von Fachsprachen, insbesondere von naturwissenschaftlich-technischen Fachsprachen, herausgearbeitet.

Kapitel 3 befasst sich mit der Kommunikation in der Lingua franca Englisch und ihrem Verhältnis zu anderen Kommunikationen in multilingualen Umgebungen. Die für sie typischen Phänomene des Sprachkontakts werden ebenso erörtert wie die Frage nach der kommunikativen Kompetenz der Sprecher in dieser spezifischen Situation. Gleichzeitig wird zu klären sein, wie sich die Interkulturalität der hier zu untersuchenden Unternehmenskommunikation auf die Kommunikation auswirkt.

Das folgende 4. Kapitel fasst die Ergebnisse der theoretischen Überlegungen aus den Kapiteln 1–3 zusammen, indem die methodologischen Konsequenzen gezogen und die Forschungsfragen für die empirischen Fallstudien präzisiert werden.

Mit dem Kapitel 5 beginnt der empirische Teil. Zunächst wird das Datenkorpus mit Bemerkungen zu den Teilnehmern bzw. der Konferenzsituation vorgestellt. Anschließend wird die Auswahl der Methoden für die Datenerhebung und das methodische Vorgehen bei der Datenanalyse und -transkription begründet.

Details

Seiten
209
ISBN (PDF)
9783653041217
ISBN (ePUB)
9783653985375
ISBN (MOBI)
9783653985368
ISBN (Paperback)
9783631649770
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (Februar)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 209 S., 13 s/w Abb., 20 Tab.

Biographische Angaben

Susanne Hoppe (Autor:in)

Susanne Hoppe studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Jena. Nach Auslandsstudien in Belgien und Großbritannien lehrt sie seit 2004 an der Universität Erfurt in den Bereichen englische Sprachpraxis, anglistische und angewandte Sprachwissenschaft sowie Deutsch als Fremdsprache.

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