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Darstellungen der «Great Migration»

Richard Wright und Jacob Lawrence

von Tobias Schnettler (Autor:in)
Dissertation 222 Seiten
Reihe: American Culture, Band 10

Zusammenfassung

Die Fotodokumentation 12 Million Black Voices von Richard Wright und Edwin Rosskam und der Gemäldezyklus The Migration of the Negro von Jacob Lawrence befassen sich mit der Great Migration, der afro-amerikanischen Urbanisierungsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese beiden in Deutschland noch wenig bekannten Werke bedienen sich unterschiedlicher Medien und sind dennoch als Kombinationen von Bild und Text vergleichbar. Sie werden zunächst in ihrem jeweiligen Kontext untersucht – dem dokumentarischen Genre der 1930er-Jahre sowie der afro-amerikanischen Kunst nach der Harlem Renaissance –, um anschließend im close reading des Zusammenspiels von Bild und Text und in einer vergleichenden Analyse zu einer neuen Einschätzung dieser bedeutenden Darstellungen der Great Migration zu gelangen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • 0. Einleitung
  • 1. Die Great Migration
  • 2. Richard Wrights 12 Million Black Voices
  • 2.1. Der kulturelle Kontext
  • 2.1.1. Das dokumentarische Genre
  • 2.1.1.1. Die Prinzipien des Genres
  • 2.1.1.2. Die Entstehung des Genres Fotodokumentation
  • 2.1.2. Die Rezeptionsgeschichte von 12 Million Black Voices
  • 2.2. Der Text
  • 2.2.1. Formale Analyse
  • 2.2.1.1. Das expressive Element nicht-fiktionaler Texte
  • 2.2.1.2. Expressive Elemente in 12 Million Black Voices
  • 2.2.1.3. Die Montage von Textelementen
  • 2.2.1.4. Die Frage der Repräsentation: 12 Millionen Stimmen?
  • 2.2.2. Inhaltliche Analyse
  • 2.2.2.1. Wright als Aufklärer
  • 2.2.2.2. Wright zwischen black nationalism und Marxismus
  • 2.2.2.3. 12 Million Black Voices als „folk history“
  • 2.2.2.4. Wrights Quellen
  • 2.2.2.5. Der Einfluss der Chicago School
  • 2.3. Die Fotografien
  • 2.3.1. Die Auswahl der Fotografien
  • 2.3.2. Zum Verhältnis von Fotografie und Kontext
  • 2.3.3. Die Fotodokumentation als besonderer Kontext
  • 2.3.4. Die Aufgaben von Bildern und Text in 12 Million Black Voices
  • 2.3.5. Analyse von Bildern und Text in 12 Million Black Voices
  • 2.3.6. Änderungen in der Thunder’s Mouth Press-Ausgabe
  • 2.4. Zwischenfazit
  • 3. Jacob Lawrences The Migration of the Negro
  • 3.1. Der Kontext: Lawrence als Maler in Harlem
  • 3.1.1. Der soziokulturelle Kontext der Migration-Serie
  • 3.1.1.1. Harlem als prägende Erfahrung
  • 3.1.1.2. Harlem als Inspirationsquelle
  • 3.1.2. Lawrence als folk artist von Harlem
  • 3.1.2.1. Locke und die Position des afro-amerikanischen Künstlers
  • 3.1.2.2. Lawrences Zeitgenossen unter den afro-amerikanischen Malern
  • 3.1.2.3. Lawrence als Außenseiter: Naive Kunst, primitive art und folk art 130
  • 3.1.2.4. Lawrences Ausbildung
  • 3.2. Analyse
  • 3.2.1. Formale Besonderheiten der Serie
  • 3.2.2. Lawrences Malstil
  • 3.2.3. Die Great Migration als Gegenstand der bildenden Kunst
  • 3.2.4. Bedeutung von Text und Textarbeit für die Migration-Serie
  • 3.2.5. Analyse der Bildfolge
  • 3.2.6. Betrachtung des Gesamtzyklus
  • 3.2.7. Bildanalytische Beobachtungen
  • 3.2.8. Die politische Perspektive der Migration-Serie
  • 3.2.9. Ausstellungs- und Rezeptionsentwicklung
  • 3.3. Zwischenfazit
  • 4. Die Migration-Serie und 12 Million Black Voices im Vergleich
  • 5. Fazit
  • Literaturverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Reihenübersicht

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0. Einleitung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte in den USA ein massiver Prozess der Urbanisierung ein, in dessen Verlauf ein großer Teil der afro-amerikanischen Bevölkerung aus den ländlichen Gebieten des Südens in die großstädtischen Zentren des Nordens umsiedelte. Diese afro-amerikanische Migrationsbewegung wird als Great Migration bezeichnet.1 Zunächst beschäftigte sich die Soziologie mit den Ursachen und Folgen dieser Migration, doch schon bald griffen auch Kunst und Literatur die damit verbundene gesellschaftliche und kulturelle Problematik auf. Innerhalb von zwei Monaten wurden 1941 die beiden Werke präsentiert, die im Zentrum dieser Arbeit stehen: die Fotodokumentation 12 Million Black Voices2 mit einem Text von Richard Wright und einer Fotoauswahl von Edwin Rosskam sowie der Bilderzyklus The Migration of the Negro3 des afro-amerikanischen Malers Jacob Lawrence.

Wenngleich beide Werke die Great Migration veranschaulichen und begreifbar machen wollen, so ist der jeweilige Zugriff auf den Gegenstand jedoch grundsätzlich verschieden, denn die beiden Werke entstammen verschiedenen Genres und verwenden unterschiedliche Medien – Fotografie und Text auf der einen, Malerei und Text auf der anderen Seite. Das Ziel dieser Arbeit ist es folglich aufzuzeigen, mit welchen Mitteln und welchen Implikationen 12 Million Black Voices und die Migration-Serie die Great Migration darstellen. Dazu ist es zunächst notwendig, beide als eigenständige Werke zu betrachten und anhand der für das jeweilige Genre geltenden Kriterien zu untersuchen. Im anschließenden Vergleich werden die Parallelen und Unterschiede in der Darstellung der Great Migration herausgearbeitet, die sich aus der Analyse von Wrights und Rosskams Buch sowie von Lawrences Bilderzyklus ergeben haben. ← 1 | 2 →

Die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen 12 Million Black Voices und der Migration-Serie besteht in der Thematik, denn beide Werke beschreiben die afroamerikanische Geschichte als eine Geschichte der Migration oder, noch konkreter, als eine Geschichte der Urbanisierung. Im Falle der Migration-Serie ist dies offensichtlich, da Lawrence sich hier ausschließlich mit der Great Migration zu Beginn des 20. Jahrhunderts befasst. Wright jedoch spannt den Rahmen weiter und fasst in seinem Text die afro-amerikanische Geschichte von der middle passage ab 1619 bis zum Verfassen des Textes im Jahre 1940 zusammen. Doch auch in 12 Million Black Voices ist die Urbanisierung das zentrale und strukturgebende Ereignis, wie Wright in seinem Vorwort bemerkt: „[This text is] a depiction of a complex movement of a debased feudal folk toward a twentieth-century urbanization“ (12 Million, xix). Dieser von Wright gespannte Bogen, das Narrativ einer geografischen Migration und eines damit erhofften sozialen Aufstiegs, bestimmt nicht nur 12 Million Black Voices, sondern auch implizit die Migration-Serie. Beide Werke sind frühe Beispiele der migration narrative, einer Erzählung, die die afro-amerikanische Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt hat.4

Auch auf formaler Ebene gibt es Parallelen zwischen den Werken. Beide sind von der Kombination von Bild und Text geprägt. In der Migration-Serie steht jedem einzelnen der Bilder eine ausführliche Bildunterschrift zur Seite, während Wrights erzählender Fließtext in 12 Million Black Voices oft auf derselben Seite mit den von Rosskam ausgewählten Fotografien gesetzt ist. Weiterhin ergibt sich bei beiden Werken aus der Aneinanderreihung von Bildern eine Bildfolge. Auf diese Weise entsteht bei der Betrachtung, wie bei einem Film, eine zeitliche Dimension. Diese Eigenschaft der Serialität macht die Fotodokumentation und den Bilderzyklus zu geeigneten Formen, um eine fortlaufende historische Entwicklung wie die Great Migration darzustellen.

Aufgrund der genannten Parallelen ergeben sich für beide Werke ähnliche Fragestellungen. Ich untersuche auf formaler Ebene zunächst, wie die Medien Bild und Text jeweils funktionieren. Weil jedoch beide Werke Kombinationen von unterschiedlichen Bedeutungsträgern sind, reicht es nicht aus, diese Elemente isoliert zu betrachten. Vielmehr stellt sich die Frage, in welcher Form sich der Kontext auf das Verständnis von Fotografien, Bildern und Texten auswirkt. Die Untersuchung der Wechselwirkung der beiden Medien Bild und Text ist daher ein zentraler Gegenstand dieser Arbeit. ← 2 | 3 →

Auf inhaltlicher Ebene ist die Frage nach der Zielsetzung der beiden Werke zu untersuchen. 1941 war es üblich, afro-amerikanische Geschichte als bloße Randnotiz zur amerikanischen Geschichte zu behandeln. Wright und Lawrence jedoch rückten die Geschichte Afro-Amerikas in das Zentrum ihrer Arbeiten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage der Repräsentation: Wer spricht hier für wen? Kann Wright tatsächlich für die im Buchtitel genannten zwölf Millionen Afro-Amerikaner sprechen, wie es die Verwendung der ersten Person Plural im Text nahe legt? Gibt es eine spezifisch afro-amerikanische Identität oder ist diese Erfahrung nur ein Teil der amerikanischen kulturellen Identität? Als schwarze Künstler in den 1940er-Jahren mussten Wright und Lawrence eine Position zu diesen Fragen beziehen. Inwieweit hatten sie selbst biografisch Teil an dieser Entwicklung und wie äußert sich ihre Teilhabe in der jeweiligen Darstellung der Great Migration?

In Deutschland sind die beiden untersuchten Werke weitgehend unbekannt und nicht in ausreichendem Maße behandelt, obwohl Wright und Lawrence heute zu den bedeutendsten amerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen. Als der Verlag Viking Press das Buch 12 Million Black Voices: A Folk History of the Negro in the United States im Oktober 1941 in den USA veröffentlichte, verkaufte sich das Werk sehr gut.5 Das Interesse der Leser hing unmittelbar mit dem enormen Erfolg zusammen, den Richard Wright kurz zuvor mit seinem Roman Native Son (1940) gefeiert hatte. In den Folgejahren geriet 12 Million Black Voices jedoch zunehmend in Vergessenheit. Wright gilt zwar auch heute noch als einer der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, in der Wright-Rezeption spielt 12 Million Black Voices jedoch nur eine untergeordnete Rolle: Die Fotodokumentation steht im Schatten von Native Son und Wrights Autobiografie Black Boy (1945). Erst mit der Neuauflage von 1988 begann eine erneute Beschäftigung mit diesem Buch, vor allem in Form von Zeitschriftenaufsätzen oder kurzen Beiträgen in Büchern zu Wright oder zur afro-amerikanischen Literatur. Umfassendere Untersuchungen, die eine eingehende Analyse dieses Buches vornehmen und sich mit allen relevanten Aspekten auseinandersetzen, gibt es dagegen nicht. Auch die medientheoretisch ausgerichtete Forschung im Bereich der Fotodokumentationen hat Wrights Werk marginalisiert. Hier wird die Diskussion über 12 Million Black Voices von Kritikern beherrscht, die das Buch ablehnen, sich dabei jedoch auf nur wenige Einzelbeobachtungen berufen und eine ausgewogene Betrachtung schuldig bleiben. ← 3 | 4 →

Auch Jacob Lawrence ist in den USA bekannt und präsent. Er ist der erste afro-amerikanische Maler, dem ein Catalogue Raisonné gewidmet wurde.6 Dennoch werden seine historischen Bilderserien von den Museen häufig nur als Lehrmaterial verwendet, um Kindern beispielsweise die Great Migration näherzubringen. Zwar erlauben Lawrences durch ihre programmatische Reduktion leicht zu verstehenden Bilder eine solche didaktische Nutzung, der Komplexität seines Werkes wird sie jedoch nicht gerecht. Oft werden nur einzelne Teile seiner historischen Serien ausgestellt, was ihrer Konzeption als narrative Einheiten widerspricht. Lawrence wurde zudem lange Zeit als naiver Maler oder als „modern primitive“ eingeordnet. Allerdings wird diese Einschätzung in den seit 1980 erschienenen umfassenderen Studien zu seinem Werk kritisiert.7 Diese neueren Arbeiten befassen sich eingehend sowohl mit Lawrences Gesamtwerk als auch mit einzelnen Serien. Die Parallelen zwischen seinen Bilderserien und dem Genre der Fotodokumentation, insbesondere zwischen der Migration-Serie, seinem Hauptwerk, und 12 Million Black Voices, werden darin jedoch nicht genau genug herausgearbeitet.8 Diesem Forschungsdesiderat, einer kritischen vergleichenden Analyse beider Werke, widmet sich die vorliegende Arbeit.

Der methodische Ansatz dieser Untersuchung basiert auf der Annahme, dass wir es sowohl bei der Migration-Serie als auch bei 12 Million Black Voices mit komplexen Texten zu tun haben. Beide Werke sind sowohl durch die narrative Serienform als auch durch die Kombination der Bedeutungsträger Bild und Text geprägt. Wie Stewart feststellt, ist ein so vielschichtiges und umfangreiches Werk wie die Migration-Serie mit den Begriffen der Kunstkritik, die sich auf Einzelbilder konzentriert, nur unzureichend zu fassen: „What Lawrence did was create a text that incorporated history, sociology, and a kind of poetry in a visual narrative that broke out of the typical categories of art.“9 Ähnliches lässt sich über die Fotodokumentation ← 4 | 5 → 12 Million Black Voices sagen, denn auch hier kann die Analyse sich nicht darauf beschränken, nur Wrights Text oder einzelne Fotografien zu untersuchen. Vielmehr gilt es die Bedeutung herauszuarbeiten, die sich aus dem Zusammenwirken aller Teile ergibt. Eine hierzu geeignete Analysemethode ist das close reading.10 Diese Methode berücksichtigt – ausgehend von konkreten Textelementen – eine Untersuchung des Kontextes, der für beide Werke in ganz verschiedener Hinsicht zentral ist. Zum Einen ist der kulturelle Kontext von Bedeutung, sodass die Hintergründe der Entstehung des jeweiligen Werkes, die Einflüsse und Quellen einbezogen werden müssen. Dieser Kontext ist zugleich Teil des Rezeptionsrahmens des Werkes. Zum Anderen bilden die beiden Werke – Fotodokumentation und Bilderserie – jeweils einen eigenständigen Kontext, in dem jedes einzelne Element betrachtet werden muss. Ein close reading der Werke muss sich also immer auf zumindest drei Ebenen bewegen: der Ebene der werkimmanenten Textelemente, der Ebene des Werkes als gattungsspezifischem Gesamttext und der Ebene des historischen und rezeptionsästhetischen Werkkontextes.

Die Arbeit beginnt mit einem einleitenden Teil zur Great Migration, dem Thema und historischen Hintergrund der untersuchten Werke (Kapitel 1). Im Anschluss daran folgen Einzelanalysen der beiden Werke im Kontext ihres jeweiligen Genres (Kapitel 2 und 3). In Kapitel 2 betrachte ich 12 Million Black Voices vor dem Hintergrund des dokumentarischen Genres, insbesondere der Fotodokumentationen der 1930er-Jahre. Die weitere Struktur dieses Kapitels basiert auf der Beobachtung, dass sich in Fotodokumentationen die Bedeutung erst im Prozess der Interaktion der Elemente Text und Bild ergibt. Eine Analyse von 12 Million Black Voices muss daher auf den Text, die Bilder und das Zusammenspiel beider Medien eingehen. 12 Million Black Voices muss im Verhältnis zu Wrights Gesamtwerk, zu seinem Literaturverständnis und seinem Gesellschaftsbild untersucht werden. Neben Wrights eigenen Äußerungen zum Marxismus und zum black nationalism sind hier vor allem die von der Kritik vernachlässigten Quellen zu berücksichtigen, die Wright verwendet hat.

Um die von Edwin Rosskam für 12 Million Black Voices ausgewählten Fotografien zu analysieren, ist zunächst ein Exkurs zu der Frage notwendig, in welchem Verhältnis Fotografien zur abgelichteten Wirklichkeit stehen. Von Bedeutung ist insbesondere die Frage, in welcher Weise sich der Kontext einer Fotodokumentation auf das Verständnis der verwendeten Fotografien auswirkt. Dabei werden vor allem die bedeutungskonstituierenden Wechselwirkungen von Bild und Text untersucht. ← 5 | 6 →

Die Analyse der Migration-Serie folgt in Kapitel 3. Zunächst gehe ich der Frage nach, welchen Einfluss die community von Harlem auf Lawrence und die Migration-Serie hatte. Anschließend stellt sich das Problem einer kunsthistorischen Einordnung des Malers Lawrence, dessen stilistische Eigenständigkeit in der Vergangenheit zu einer Reihe von Fehleinschätzungen geführt hat. Anhand der Texte Alain Lockes, der sich als Förderer für Lawrence einsetzte, untersuche ich, inwiefern Lawrence die Rolle eines modernen afro-amerikanischen Künstlers erfüllte. Ich prüfe, wie sich diese Einflüsse der modernen Malerei und der black folk art in Lawrences Stil wiederfinden. In der darauf folgenden Analyse betrachte ich zunächst einzelne Bilder und die dazugehörigen Bildunterschriften, anschließend die Funktionsweise der gesamten Bilderserie.

In Kapitel 4 fasse ich in einem Vergleich die Ergebnisse der Einzelanalysen beider Werke zusammen. Ich untersuche die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Fotodokumentation und der Bilderserie. Hier stellt sich abschließend die Frage, wie sich diese beiden Darstellungen der Great Migration voneinander unterscheiden und welche Einschätzung dieser historischen Entwicklung sie jeweils vornehmen.

Aus der Konzeption dieser Arbeit ergeben sich einige notwendige Vereinfachungen. Weder Wright noch Lawrence haben allein gearbeitet. Bei 12 Million Black Voices ist die Aufgabenverteilung bekannt. Die Bildauswahl und das Layout des Buches stammen von Edwin Rosskam, der als Bildredakteur des Buchprojektes fungierte. Wright hatte jedoch, wie gezeigt wird, auch bei der Bildauswahl des Projektes Mitsprache. Lawrence wiederum wurde beim Verfassen der Bildunterschriften und beim Malen der Migration-Serie von seiner Frau Gwendolyn Knight unterstützt. Welchen Einfluss sie jedoch im Einzelnen auf die Migration-Serie hatte, lässt sich aufgrund der Quellenlage nicht nachvollziehen. Ich schreibe deshalb die Darstellung der Great Migration in der Migration-Serie dem Maler Lawrence zu, die in der Fotodokumentation 12 Million Black Voices in erster Linie dem Schriftsteller Richard Wright.

Auch auf sprachlicher Ebene sind einige Vereinfachungen nicht zu vermeiden. Obwohl dies der Komplexität der demografischen Veränderungen nicht gerecht wird, spreche ich von der Great Migration als einer Wanderungsbewegung vom Süden der USA in den Norden.11 Eine weitere Vereinfachung ergibt sich, wenn von der black community die Rede ist. Die Gruppe der Afro-Amerikaner ist, wie Blackwell feststellt, in sich äußerst heterogen, wird aber durch die gemeinsame ← 6 | 7 → Erfahrung der Diskriminierung geeint: „[T]he black community is a highly diversified, interrelated aggregate of people who unite into relatively cohesive structures in response to white oppression, racism, and patterned repression.“12

Da in dieser Arbeit nur wenige Bilder abgedruckt werden können, möchte ich, zum besseren Verständnis der Diskussion, auf eine Ausgabe von 12 Million Black Voices und auf den von Elizabeth Hutton Turner herausgegebenen Band Jacob Lawrence – The Migration Series verweisen. Dieser enthält großformatige Reproduktionen aller 60 Panels der Migration-Serie.

Details

Seiten
222
ISBN (PDF)
9783653039832
ISBN (ePUB)
9783653984699
ISBN (MOBI)
9783653984682
ISBN (Hardcover)
9783631650271
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 222 S., 2 farb. Abb., 3 s/w Abb.

Biographische Angaben

Tobias Schnettler (Autor:in)

Tobias Schnettler hat an der Universität Hamburg und an der San Francisco State University Sprache, Literatur und Kultur Nordamerikas bzw. American Studies studiert und im Anschluss promoviert. Er lebt als freier Lektor und Übersetzer in Frankfurt am Main.

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