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Perspektiven des Friaulischen

Eine soziolinguistische Untersuchung am Beispiel junger Erwachsener

von Anja Neuber (Autor:in)
Dissertation 125 Seiten

Zusammenfassung

Im Zentrum der Untersuchung steht das Friaulische als Minderheitensprache und sein Stellenwert bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Im Rahmen einer Umfrage (L’uso del Friulano) ist die Zielgruppe unter anderem zu folgenden Aspekten befragt worden: Niveau der Sprachkenntnisse, Aneignungsprozesse sowie Verwendung als mündliches und schriftliches Kommunikationsmittel. Den Auswertungen vorangestellt sind eine Einführung in das Untersuchungsgebiet Friaul-Julisch Venetien (geographische Lage, historische Entwicklung, Bevölkerung) sowie ein Abschnitt zum Friaulischen als Minderheitensprache. Dieser liefert Definitionen, beschreibt gesetzliche Bestimmungen sowie aktuelle Schutzmaßnahmen und gibt einen Überblick über die derzeitige sprachliche Situation.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Danksagung
  • Vorwort
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Einleitung
  • 2. Friaul Julisch-Venetien
  • 2.1. Geografische Lage
  • 2.2. Historische Entwicklung
  • 2.3. (Friaulische) Bevölkerung
  • 3. Friaulisch als geschützte Minderheitensprache
  • 3.1. Aktueller Forschungsstand
  • 3.2. Definition des Begriffes Minderheitensprache
  • 3.3. Gesetzliche Bestimmungen und aktuelle Schutzmaßnahmen
  • 3.4. Die sprachliche Situation des Friaulischen
  • 3.4.1. Verbreitungsgebiet
  • 3.4.2. Sprecherzahl und Verwendungsbereich
  • 3.4.3. Normierung und Kodifizierung einer Schriftsprache
  • 4. Die Umfrage L’Uso del Friulano
  • 4.1. Junge Leute als Zielgruppe
  • 4.2. Aufbau des Fragebogens
  • 4.3. Ziele und Erwartungen
  • 4.4. Auswertung der Fragebögen
  • 4.4.1. Die Umfrageteilnehmer - Dati anagrafici
  • 4.4.1.1. Verteilung nach Geschlecht und Alter, Berufsstand.
  • 4.4.1.2. Aktueller Wohnort und elterliche Herkunft
  • 4.4.1.3. Muttersprache und sprachliche Erziehung im Elternhaus
  • 4.4.1.4. Zugehörigkeitsgefühl zu einer Region
  • 4.4.2. Friulano parlato
  • 4.4.2.1. Friaulisch- und Nichtfriaulischsprecher, Sprachniveau
  • 4.4.2.2. Verwendung des Friaulischen und Kenntniserwerb
  • 4.4.2.3. Stellenwert des Friaulischen in der Familie
  • 4.4.2.4. Bereitschaft Friaulisch zu erlernen
  • 4.4.2.5. Die in der mündlichen Kommunikation bevorzugte Sprache
  • 4.4.3. Friulano scritto
  • 4.4.3.1. Kenntnisstand in der Schriftsprache und Kenntniserwerb
  • 4.4.3.2. Verwendung der Schriftsprache
  • 4.4.3.3. Zusammenhang zwischen der Dauer des Lernprozesses und dem aktuellem Kenntnisstand
  • 4.4.3.4. Bereitschaft zum Erlernen der Schriftsprache
  • 4.4.3.5. Die im Schriftgebrauch bevorzugte Sprache
  • 4.4.4. La tutela del Friulano
  • 4.4.4.1. Kenntnisstand über aktuell geltende Gesetze
  • 4.4.4.2. Einstellung gegenüber der Vergabe von Finanzhilfen
  • 4.4.4.3. Maßnahmen zur Erhaltung des Friaulischen
  • 4.4.4.4. Persönliche Schutzmaßnahmen der Teilnehmer
  • 4.4.4.5. Die Verwendung des Friaulischen in der Schule
  • 4.4.4.6. Aktueller Stellenwert des Friaulischen aus Sicht der Teilnehmer und zukünftige Entwicklung
  • 5. Zusammenfassung
  • Anhang
  • 1. Die historische Entwicklung des Friauls
  • 2. Fragebogen zur Umfrage L’Uso del friulano
  • Reihenübersicht

← 10 | 11 → 1 Einleitung

Mandi! Die informell gebrauchte Begrüßungs- und Verabschiedungsformel ist häufig in den Straßen und kleineren Geschäften Udines und Umgebung zu hören. Udine liegt im Zentrum des historischen Friauls, einem Landstrich in der Region Friaul Julisch-Venetien (abgekürzt FJV) mit über 2000-jähriger Geschichte. Unter dem Einfluss eingewanderter Volksgruppen hat sich hier die heute auf regionaler und nationaler Ebene offiziell anerkannte friaulische Sprache herausgebildet. Sie wird nach bisherigen Erkenntnissen primär in privaten Gesprächssituationen mit der Familie und Freunden gebraucht sowie bevorzugt von älteren Generationen gesprochen. Es scheint, als würden junge Leute im täglichen Sprachgebrauch nur bedingt Friaulisch verwenden. Diese These wird anhand der von mir durchgeführten Umfrage zum L’Uso del Friulano überprüft.

Die vorliegende Arbeit ist dreigeteilt. Im ersten Teil werden allgemeine Aspekte zur Region FJV wie die geografische Lage und die historische Entwicklung des Gebietes betrachtet und eine mögliche Charakterisierung der Bevölkerung vorgenommen. In diesem Zusammenhang wird geklärt, in welchem Ausmaß ein regionales oder vielmehr lokales Identitätsbewusstsein im Sinne einer Identità friulana existiert.

Der zweite Abschnitt befasst sich mit dem Friaulischen als geschützte Minderheitensprache. Es wird Bezug auf die aktuell geltenden Gesetze und Erlasse genommen, die den Sprechern gewisse Sonderrechte (z.B. Verwendung der Sprache im Bildungswesen, in der Verwaltung oder den Medien) einräumen und in denen konkrete Schutzmaßnahmen genannt werden, welche das Fortbestehen des Friaulischen gewährleisten sollen. Anschließend wird die derzeitige sprachliche Situation untersucht: Wo wird Friaulisch heute gesprochen, wie viele Menschen gebrauchen heute (noch) aktiv die Sprache und in welchen Bereichen des täglichen Lebens findet Friaulisch Verwendung. Den Abschluss bildet ein Überblick über den Normierungs- und Kodifizierungsprozess des Friaulischen als Schriftsprache.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem dritten Abschnitt, basierend auf der mit Hilfe eines eigenen Fragebogens durchgeführten Umfrage L'Uso del Friulano. Nach der Begründung, warum junge Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren als Zielgruppe für die zwischen Juni und September 2010 durchgeführte Erhebung ausgewählt worden sind, folgt eine ausführliche Darstellung zum Aufbau und zur Gestaltung des Fragebogens sowie zur Art und Weise wie dieser an die Zielgruppe verteilt worden ist. Anschließend wurden die eigenen Erwartungen an die Studie und die beabsichtigten Ziele zusammengestellt.

← 11 | 12 → Die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten orientiert sich an der Gliederung des Fragebogens, bestehend aus vier Themenblöcken: Friulano parlato, Friulano scritto, La tutela del friulano und Dati anagrafici. Die persönlichen Angaben der Teilnehmer (Geschlecht, Alter, Berufs- und Familienstand, aktueller Wohnort) wurden für einen ersten Überblick an den Anfang der Analyse gestellt.

Den Schlussteil der Arbeit bildet eine Zusammenfassung der wichtigsten, aus der Umfrage gewonnenen Erkenntnisse. Darauf aufbauend wird versucht die Frage zu beantworten, wie sich Friaulisch zukünftig entwickeln könnte. Natürlich können nur Vermutungen angestellt werden, da es sich bei der (Weiter-) Entwicklung einer Sprache immer um einen dynamischen Prozess handelt, der oftmals durch nicht absehbare Faktoren in die eine oder andere Richtung gelenkt werden kann.

← 12 | 13 → 2 Friaul Julisch-Venetien

2.1 Geografische Lage

Friaul Julisch-Venetien ist die nordöstlichste der zwanzig italienischen Regionen. Sie grenzt im Norden an Österreich, im Westen an Slowenien, im Süden an das Adriatische Meer und im Osten an die Region Veneto. Diese geografische Lage stellt in zweierlei Hinsicht eine Besonderheit dar: Einerseits handelt es sich um „una regione periferica e decentrata dell’Italia”, andererseits „si caratterizza come una regione nodale per la circolazione transalpina“1. Der durch die geografische Randlage in Italien entstandene Nachteil wird durch die Funktion als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Nord- und Südeuropa sowie Ost- und Westeuropa ausgeglichen.

Von Norden nach Süden erstrecken sich über eine Gesamtfläche von 7856,48 km² in bogenartigen Querstreifen drei Landschaftstypen:2 Nördlich das österreichisch-italienische Grenzgebiet bis zur Bogenlinie Plancavallo – Meduno – Gemona del Friuli, welches durch Gebirge (43 % der Gesamtfläche)3 und zwar die Karnischen Alpen (Alpensüdseite) und die Julischen Alpen (im Osten, Ausläufer bis nach Slowenien) geprägt ist. Es erfüllt eine wichtige klimatische Funktion: „[è] una vera e propria barriera che protegge la pianura dalle masse di aria fredda dall’Europa centrale“4. Oberhalb der Linie Sacile – Pordenone – Udine – Gorizia schließt sich Hügelland an, welches mit 19% nur einen geringen Anteil an der Gesamtfläche aufweist. Es kennzeichnet den Übergang zur Tiefebene, welche bis an das Adriatische Meer reicht. Während es sich beim oberen Tiefland um „un vasto deposito alluvionale assai povero di acque super ficiali […] con i suoi biancheggianti alvei fluviali“ handelt, ist das untere Tiefland für seine „paludi e estese boscaglie termofili igrofile”5 bekannt. Die breiten, kargen Flussbetten werden in Richtung Süden von dichten Büschen und Sträuchern abgelöst. Die längsten Flüsse sind Tagliamento, Isonzo und Livenza.

Details

Seiten
125
ISBN (PDF)
9783653044355
ISBN (ePUB)
9783653984064
ISBN (MOBI)
9783653984057
ISBN (Hardcover)
9783631652947
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (April)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 125 S., 39 s/w Abb.

Biographische Angaben

Anja Neuber (Autor:in)

Anja Neuber ist Romanistin. Das Studium mit den Schwerpunkten Italianistik, Interkulturelle Wissenskommunikation und Wirtschaftsinformatik absolvierte sie an der Universität Halle-Wittenberg.

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