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Reiseziel Italien

Moderne Konstruktionen kulturellen Wissens in Literatur – Sprache – Film

von Alessandra Lombardi (Band-Herausgeber:in) Lucia Mor (Band-Herausgeber:in) Nikola Roßbach (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 238 Seiten

Zusammenfassung

Wie sieht das Italienbild des 20. Jahrhunderts aus? Die Beiträge des interdisziplinären Bandes analysieren moderne Wissenskonstruktionen in Literatur, Sprache und Film und geben dem deutsch-italienischen Dialog neue Impulse. Drei Themenbereiche stehen dabei im Mittelpunkt: Zum einen bedeutet Italien in der literarischen Moderne – in Romanen, Gedichten, Reiseberichten, Briefen – zugleich Mythos und Mythosdestruktion. Welches «Wissen» wird transferiert oder erst generiert? Zum anderen modelliert die Tourismussprache Italien als Anderswelt. Die «fremde» Sprachkultur als Teil kultureller Identität zu analysieren ist eine zentrale Forschungsaufgabe. Und schließlich zeigen deutsche Filmkameras Italien als Sehnsuchtsort, aber auch als Land von Arbeitsmigration und Kriminalität. Typisieren sie Land und Menschen – oder unterlaufen sie das stereotype Italien-«Wissen» subversiv?

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Premessa
  • Einführung
  • Literatur
  • „Also nach Italien?“ Banausen und Automobilisten auf Reisen. Julius Stindes Buchholzens in Italien und Otto Julius Bierbaums Empfindsame Reise im Automobil als triviale Garanten von Wissenshorizonten der Jahrhundertwende
  • „Der Gardasee ist das Schönste der Welt“. Das Italienbild in den literarischen Beiträgen des Boten vom Gardasee (1900–1914)
  • Rom 1901 – Capri 1924. Italienerfahrung als biografische Wendepunkte bei Sigmund Freud und Walter Benjamin
  • Italini/Mussotalia, oder wie Benito Mussolini das Italienbild prägte
  • Sprache
  • Die Herstellung der Raumreferenz in deutschen und italienischen Touristenführungen. Eine korpusbasierte Untersuchung
  • „Deutsche Gäste willkommen!“ Eine linguistische Fallstudie zum italienischen Tourismusmarketing für den deutschen Markt
  • Zur korpuslinguistischen Untersuchung der sprachlichen Ausgestaltung von Wissensrahmen. Eine Fallstudie anhand des thematischen Bausteins „Die Biennale in Venedig“
  • Film
  • Ein Italienmythos im Wandel der Zeit? Goethes Italienische Reise im Film
  • Welches Sizilien? Vittorini, Pirandello und Rossellini am Fuße des Stromboli
  • Der deutsche Autorenfilm und Italien
  • Düsseldorf – Palermo – Heaven: Italiendarstellungen in Filmen Wim Wenders’ und Tom Tykwers

Vorwort

Der vorliegende Band enthält Forschungsbeiträge, die bei der internationalen Tagung Reiseziel Italien. Moderne Konstruktionen kulturellen Wissens in Literatur – Sprache – Film (Kassel 18.–20.09.2013) präsentiert wurden. Veranstalter der Tagung waren die Universität Kassel, Institut für Germanistik, und die Università Cattolica del Sacro Cuore di Milano/Brescia, Dipartimento di Scienze linguistiche e Letterature straniere.

Ziel des Bandes ist es, die Forschung zum deutschen Italienbild um neue, interdisziplinär geschärfte Blicke zu bereichern, und zwar aus literatur-, sprach- und filmwissenschaftlicher Perspektive. Die Zeitspanne, die ins Auge gefasst wird, erstreckt sich von der Schwelle des 20. Jahrhunderts bis in unsere Zeit. Die Beiträge entfalten ein facettenreiches und mehrschichtiges Panorama deutschsprachiger Konstruktionen kulturellen Italien-Wissens. Sie analysieren Wahrnehmungen und Imaginationen, positive wie negative Stereotypen und Klischees der jahrhundertelangen Tradition des Wissensbestandes über Italien in ihren jeweiligen diskursiven und medialen Kontexten.

Die literaturwissenschaftlichen Beiträge untersuchen literarische Wissenskonstruktionen in Unterhaltungstexten, Periodika, Briefwechseln, Zeitungsessays (‚Denkbildern‘) und Hörfunkmanuskripten. Neben die Italienwahrnehmung durch reisende ‚Banausen‘ in Texten Stindes und Bierbaums (CONSTANZE BAUM) tritt um die Jahrhundertwende das in klischeehaftgoethischer Tradition geformte Italienbild des am Gardasee veröffentlichten deutschsprachigen Fremdenblattes Der Bote vom Gardasee (LAURA BIGNOTTI). Vielschichtig und originell erscheinen die (auto)biografisch grundierten Italien-Blicke Sigmund Freuds und Walter Benjamins von der Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahre (THOMAS BREMER); allgemein jedoch wurde seit eben jener Zeit, von 1922 bis 1943, die deutsche Vorstellung von Italien maßgeblich von den politischen Inszenierungen des Duce bestimmt (JÖRN MÜNKNER).

Die linguistischen Studien dieses Bandes fokussieren das Thema Tourismussprache: Die mündliche Kommunikation im Rahmen von Touristenführungen, bei denen italienische Fremdenführer zu deutschsprachigen Zuhörern sprechen, bietet eine Fülle verbaler Strategien, um die Reisegruppe durch den ‚fremden‘ Raum zu führen und dabei kulturelle und kontextuelle Kenntnisse zu vermitteln (MIRIAM RAVETTO). Die sprachliche Vermittlung von ‚Andersartigkeit‘ betrifft jedoch nicht nur die face-to-face-Kommunikation, ← 7 | 8 → sondern auch andere Medien wie Websites und Kataloge italienischer Reiseveranstalter (MARELLA MAGRIS). Eine korpuslinguistische Analyse (Stichwort: Biennale di Venezia) zeigt, wie Sprache die deutsche Wahrnehmung von touristischen Zielen und kulturellen Ereignissen in Italien generiert und modelliert (DORIS HÖHMANN).

Die dritte, medienwissenschaftliche Sektion spannt einen Bogen von Italienkonstruktionen im frühen Dokumentarfilm bis zum Autorenfilm der Gegenwart. Dabei gerät neben dem Kino auch die Literatur immer wieder in den Blick, insbesondere in den ersten beiden Beiträgen: JANA PIPER zeigt, wie unterschiedlich Dokumentarfilme zu Goethes Italienischer Reise von den 1930er bis zu den 1990er Jahren Wissenskonstruktionen von Italien realisieren. Goethe dient auch als Folie für eine Untersuchung italienischsprachiger literarischer und filmischer Sizilienbilder in Literatur und Film (Pirandello, Vittorini, Rossellini) (STEPHANIE WODIANKA). Die unterschiedlichen Phasen des deutschen Autorenfilms mit dem Thema Italien zeichnet MATTEO GALLI nach, während STEFANIE KREUZER an Wim Wenders’ PALERMO SHOOTING und Tom Tykwers HEAVEN der Frage nach der ‚Authentizität‘ der kinematographischen (Italien-)Imagination nachgeht.

Der vorliegende Band ermöglicht neue Einblicke in interkulturelle Dynamiken und Transferprozesse in Literatur, Sprache und Film. Zugleich will er zur Weiterführung des stets gewinnbringenden deutsch-italienischen Dialogs beitragen.

Großer Dank gilt den Förderern, welche die Veranstaltung sowie die Publikation ermöglicht haben: dem Italienischen Kulturinstitut Frankfurt, der Frankfurter Stiftung für deutsch-italienische Studien und der Universitätsgesellschaft Kassel.

Premessa

Questo volume raccoglie i contributi presentati al convegno internazionale Reiseziel Italien. Moderne Konstruktionen kulturellen Wissens in Literatur – Sprache – Film (Destinazione Italia. Letteratura, Lingua, Cinema: costruzioni moderne del sapere culturale) svoltosi a Kassel dal 18 al 20 settembre 2013 e realizzato grazie alla collaborazione fra l’Università di Kassel e il Dipartimento di Scienze linguistiche e Letterature straniere dell’Università Cattolica del Sacro Cuore di Milano.

Obiettivo è quello di offrire un ulteriore contributo alla ricca e articolata tradizione degli studi dedicati all’immagine dell’Italia nella cultura tedesca, affiancando tre prospettive diverse, letteraria, linguistica e cinematografica, e muovendosi nell’arco di tempo che a partire dall’ultimo scorcio del XIX secolo giunge fino ai giorni nostri. Lo sguardo che ne risulta è molto sfaccettato e composito, i contributi si muovono fra gli stereotipi positivi e negativi consegnati dalla secolare tradizione dell’Italienbild, coniugando i clichés costitutivi di un patrimonio ormai stabile di conoscenze con situazioni e contesti contingenti e di volta in volta diversi.

La prospettiva letteraria mette a fuoco costruzioni del sapere in testi d’intrattenimento, periodici, epistolari, articoli di giornale e manoscritti per programmi radiofonici. Sulle soglie del XX secolo, alla percezione dell’Italia dei gretti viaggiatori protagonisti dei testi di Julius Stinde e Otto Julius Bierbaum (CONSTANZE BAUM) si affianca l’Italienbild improntato alle categorie stereotipate della tradizione goethiana del periodico per turisti pubblicato sul Garda Der Bote vom Gardasee (LAURA BIGNOTTI); complessi e originali sono gli sguardi sull’Italia di Sigmund Freud e Walter Benjamin, che si radicano nell’esperienza autobiografica vissuta nei primi vent’anni del secolo (THOMAS BREMER); a partire dai primi anni Venti fino al 1943 la percezione dell’Italia è stata condizionata dal filtro delle ‚messe in scena‘ della ritualità politica del Duce (JÖRN MÜNKNER).

I contributi di natura linguistica sono incentrati sulla lingua del turismo: la comunicazione orale nell’ambito di visite guidate realizzate da guide italiane per un pubblico di visitatori germanofoni offre uno spaccato delle strategie verbali messe in atto dalla guida per condurre il gruppo nella fruizione dello spazio ‚altro‘ e per colmare il deficit di conoscenze culturali e contestuali dei destinatari (MIRIAM RAVETTO). La mediazione dell’alterità attraverso la lingua non riguarda però soltanto le forme di comunicazione face-to-face, ← 9 | 10 → ma anche la comunicazione attraverso altri media, come ad esempio siti web e cataloghi di imprese turistiche italiane che si rivolgono a un target di lingua e cultura tedesca (MARELLA MAGRIS). Un’indagine basata su corpora della lingua tedesca (parola chiave: Biennale di Venezia) mostra infine come la lingua crei e modelli la percezione di destinazioni ed eventi legati alla realtà italiana (DORIS HÖHMANN).

La terza sezione del volume è dedicata al cinema. La prospettiva mediale, che prende le mosse da documentari realizzati nei primi decenni della storia del cinema e giunge fino ai film d’autore contemporanei, si intreccia in più occasioni con la dimensione letteraria, soprattutto nei primi due contributi: JANA PIPER mostra le diverse costruzioni del sapere sull’Italia in produzioni documentaristiche realizzate a partire dagli anni Trenta fino agli anni Novanta del secolo scorso ispirate al Viaggio in Italia di Goethe. Goethe fa da sfondo anche per uno studio dedicato all’immagine della Sicilia nella letteratura e nel cinema di lingua italiana (Pirandello, Vittorini, Rossellini) (STEPHANIE WODIANKA). Le alterne fasi del rapporto fra l’Italia e il film d’autore sono messe a tema da MATTEO GALLI, mentre STEFANIE KREUZER affronta la questione del rapporto fra ‚autenticità‘ e illusione cinematografica in PALERMO SHOOTING di Wim Wenders e HEAVEN di Tom Tykwer.

Questo volume offre quindi sguardi sulle dinamiche del tranfer interculturale nella letteratura, nella lingua e nel cinema, auspicando non solo di fornire nuovi approfondimenti su temi specifici, ma di contribuire a proseguire e a rinnovare il dialogo sempre proficuo fra mondo tedesco e mondo italiano.

Un sentito ringraziamento è rivolto alle istituzioni che hanno reso possibile sia il convegno sia la pubblicazione: l’Italienisches Kulturinstitut Frankfurt, la Frankfurter Stiftung für deutsch-italienische Studien e la Universitätsgesellschaft Kassel.

Alessandra Lombardi / Lucia Mor / Nikola Roßbach

Einführung

„Nicolo, Nicolo, Nicolino
heißt der Wirt der Taverne von Padua;
und ich trinke bei ihm meinen Vino,
komm’ im Urlaub ich mal nach Italia“
(Nicolo Nicolo Nicolino, 1954)

Mit diesen Zeilen beginnt ein Hit der 1950-er Jahre, gesungen von Lou van Burg, getextet von Gerhard Winkler. Im Schlager, der die restaurativeskapistischen Träume und Sehnsüchte Nachkriegsdeutschlands ausdrückt, erscheint Italien als Sehnsuchtsziel, als imaginierte Idylle, als Immer-noch-Arkadien.

Sieht so das Italienbild des 20. Jahrhunderts aus? Wie hartnäckig sind arkadische Mythen – wie ‚realistisch‘ sind kulturelle Wissenskonstruktionen in Literatur, Sprache und Film? Welche modernen Wahrnehmungen Italiens bestimmen den deutsch-italienischen Dialog? Die Beiträge des Bandes Reiseziel Italien. Moderne Konstruktionen kulturellen Wissens in Literatur – Sprache – Film analysieren moderne Konstruktionen kulturellen Wissens über das Reiseziel Italien in der deutschsprachigen Literatur, in Sprache und Film. Sie loten damit sprachliche und künstlerische Bereiche aus, die unterschiedliche Bild- und Sprachräume kreieren und auf je eigene Weise den italienisch-deutschen Kulturtransfer des 20. Jahrhunderts prägen.

Der Begriff des kulturellen Wissens wird ausdrücklich weit gefasst, um heterogene mediale, formal-strukturelle und semantische Dimensionen moderner Wissenskonstruktionen in den Blick zu bekommen. Kulturelles Wissen erscheint als primär sprachlich verfasst: Es ist auf komplexe Weise an das Kommunikationsmedium Sprache gekoppelt, wobei sprachliche Formen als dem Wissen nicht äußerlich aufzufassen sind und Texte nicht als bloße Container eines womöglich eindeutig referenzierbaren, sprachunabhängig existierenden ‚Wissens‘ gedacht werden, sondern vielmehr als intrinsisch mit dem Wissen verbundene Räume seiner Speicherung, Vermittlung und auch Generierung. Kulturelles Wissen erscheint in diesem Sinne als Praxis, dessen Gegenstände nicht ohne Weiteres als ‚Realien‘ ding-fest zu machen sind. Jenseits von Sprachlichkeit und Textualität bilden Wissenskulturen zudem alternative nicht-sprachliche oder partiell-sprachliche Darstellungsformen von Wissen aus, etwa pikturale und performative. Insbesondere die Wechselwirkungen zwischen diesen Formen gilt es zu konzeptualisieren und herauszuarbeiten. ← 11 | 12 →

Details

Seiten
238
ISBN (PDF)
9783653044485
ISBN (ePUB)
9783653983920
ISBN (MOBI)
9783653983913
ISBN (Hardcover)
9783631653012
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (Oktober)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 238 S., 23 farb. Abb., 3 s/w Abb.

Biographische Angaben

Alessandra Lombardi (Band-Herausgeber:in) Lucia Mor (Band-Herausgeber:in) Nikola Roßbach (Band-Herausgeber:in)

Alessandra Lombardi (Deutsche Sprache und Übersetzung) und Lucia Mor (Neuere deutsche Literaturwissenschaft) forschen und lehren Deutsche Sprache und Übersetzung sowie Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Brescia (Italien). Nikola Roßbach ist an der Universität Kassel im Bereich Neuere deutsche Literaturwissenschaft tätig.

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Titel: Reiseziel Italien