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KATHARINAfeier

Kritisch-theologisch-feministisch- Eine Nachlese

von Anna Steinpatz (Band-Herausgeber:in) Silvia Arzt (Band-Herausgeber:in) Dominik Elmer (Band-Herausgeber:in)
©2015 Sammelband 248 Seiten

Zusammenfassung

Der vorliegende Sammelband ist eine Zusammenstellung nahezu aller Vorträge, die im Rahmen der KATHARINAfeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg seit Beginn der Veranstaltung gehalten wurden. Die Vorträge stammen aus unterschiedlichen theologischen und philosophischen Disziplinen, sind jedoch alle verbunden durch einen kritisch-feministischen Ansatz. Zusätzlich zu dieser Zusammenschau enthält das Buch einen Artikel über die Entstehungsgeschichte der KATHARINAfeier sowie über die in den letzten Jahren verstärkte Verbindung mit unterschiedlichen künstlerischen Gestaltungen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Die Institutionalisierung eines (kleinen) Ortes feministischer Theologie: eine kurze Geschichte der Katharinafeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg
  • Sichtbar, hörbar, spürbar. Künstlerische Beiträge zur Katharinafeier 2007–2013
  • Feuer und Blut: Caterina von Siena (1347–1380)
  • Widerstand und Mystik
  • Die gefährliche Erinnerung von der Gleichheit zwischen Mann und Frau
  • Die Moral ist zweigeschlechtlich wie der Mensch. Frau, Moral und Herrschaft. Bausteine für eine feministische Ethik
  • „Himmel ohne Frauen?“ Sexualität und Gender-Probleme im japanischen Kontext aus der Feministischen Perspektive
  • Vom Verlangen nach Heilwerden – Feministisch-theologische Re-Visionen der Christologie
  • Batseba im Blick: Von der Bibel bis Hollywood
  • Dialog der Unterschiede oder „Sehnsucht nach Einheit“. Zur feministischen Kritik am totalitären Bewusstsein
  • Corpus delicti: Körper – Religion – Sexualität
  • Geboren in das Gewebe des Lebens. Die Hinwendung zur Gebürtigkeit als Ausgangspunkt der Theologie
  • Liturgie und Frauenleben. Orte, Zuschreibungen und Zumutungen im Gottesdienst
  • Auf der Suche nach einem „neuen Wir“. Frauen im Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt
  • „Vorurteile – Lernerfolge – Regenbogengottesdienste“ Perspektiven auf Kirche und ihren Umgang mit der Homosexualität
  • Doing and Undoing Gender: Die Zukunft der Geschlechterforschung
  • Verzeichnis AutorInnen und HerausgeberInnen

Vorwort

„Herr, wie könnte ich so handeln, wie Du mir gesagt hast, […] denn mein Geschlecht ist für mich ein Hindernis, das du wohl kennst.“
(Katharina v. Siena)

Katharina von Siena erkannte schon zu ihrer Zeit, dass das jeweilige Geschlecht – wie aus dem einleitenden Zitat hervorgeht – das Theologietreiben in Sprache und Handeln beeinflusst. Mit diesem Weitblick war die erst 1970 dazu erhobene Kirchenlehrerin Mutmacherin und Leitfigur für eine Gruppe von Studentinnen der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Mit Katharina von Siena fanden sie eine Schutzpatronin, welche die zu ihrer Zeit vorherrschenden Machtgefüge von der Peripherie aus perturbierte, um daraus eine neue Theologie, ein neues Gottes- und Kirchenbild erwachsen zu lassen.

Im Hinterfragen der gängigen Machtstrukturen zeigt sich wohl die wichtigste Parallele zwischen der Kirchenlehrerin und der nach ihr benannten KATHARINAfeier an der Theologischen Fakultät Salzburg, das wird auch anhand der Entstehungsgeschichte der Feier deutlich. Da Studierende der theologischen Fakultät im Rahmen der damals etablierten Thomas-Feier keine Möglichkeit erhielten, ihre eigenen Interessen in die Veranstaltung einzubringen, ergriffen sie die Initiative und riefen die KATHARINAfeier ins Leben. Inspiriert von Katharina von Siena und mit Impulsen für kritische Überlegungen gelang es ihnen, ihre Anliegen an der Fakultät zur Sprache zu bringen und Raum zu schaffen, für neue und zeitgemäße Diskurse. Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 1989 hat es sich die KATHARINAfeier zur Aufgabe gemacht, feministisch-theologische Diskurse in gesellschafts- und kirchenkritischen Bezügen sichtbar zu machen und die „heißen Eisen der Zeit“ zu benennen.

Dieser Band trägt die bisher meist unveröffentlichten Vorträge der KATHARINAfeiern zusammen1 und will damit eine Nach-Lese eines inter- und transdisziplinären Diskurses an der Universität Salzburg ermöglichen, aber auch das Weiter-Denken der aufgezeigten Themen und Fragen anregen. Die Themen und Vortragenden der KATHARINAfeier von 1989 bis 2014 waren: ← 9 | 10 →

1989: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Feuer und Blut. Caterina von Siena (1347–1380)

1991: Reinhild Traitler: Das Unrecht und die durchgehaltene Liebe. Warum feministische Theologie notwendigerweise ökumenisch ist

1992: Dorothee Sölle: Gott im Müll

1993: Sr. Mary John Mananzan: „Wie das Licht am Morgen …“ – Die gelebte Spiritualität der philippinischen Frauen in der vorkolonialen Gesellschaft

1994: Frigga Haug: Die Moral ist zweigeschlechtlich wie der Mensch. Frau, Moral und Herrschaft. Bausteine für eine feministische Ethik

1996: Haruko K. Okano: „Himmel ohne Frauen?“ Sexualität und Gender-Probleme im Japanischen Kontext aus der Feministischen Perspektive

1997: Susannah Heschel: Als Mann und Frau erschaffen wir uns. Zur Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht in der feministischen Theorie und im jüdischen Feminismus

1998: Doris Strahm: Vom Verlangen nach Heilwerden. Feministische Re-Visionen der Christologie

1999: J. Cheryl Exum: Batseba im Blick. Von der Bibel bis Hollywood

2000: Luise Gubitzer und Eva Schmetterer: Kapitalismus als Religion

2001: Christina Thürmer-Rohr: Dialog der Unterschiede oder „Sehnsucht nach Einheit“. Zur feministischen Kritik am totalitären Bewusstsein

2002: Regina Ammicht-Quinn: Corpus delicti: Körper – Religion – Sexualität

2003: Elisabeth Schüssler-Fiorenza: Feministische Theologie im Spannungsfeld von Moderne und Postmoderne

2007: Hanna Strack: Geboren in das Gewebe des Lebens. Die Hinwendung zur Gebürtigkeit als Ausgangspunkt der Theologie

2008: Teresa Berger: Liturgie und Frauenleben. Orte, Zuschreibungen und Zumutungen im Gottesdienst

2009: Michaela Moser: Arme Frauen, reiche Frauen. Von der Option für die Armen zur Realisierung eines guten Lebens für alle

2010: Manuela Kalsky: Auf der Suche nach dem „neuen Wir“. Frauen im Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt

2011: Kerstin Söderblom: Vorurteile – Lernerfolge – Regenbogengottesdienste. Perspektiven auf Kirche und ihren Umgang mit der Homosexualität ← 10 | 11 →

2012: Silke Petersen: Maria Magdalena – Über das Verschwinden der Frauen in der kirchlichen Tradition

2013: Nikita Dhawan: Doing and Undoing Gender: Die Zukunft der Geschlechterforschung

2014: Andrea Qualbrink: … ins Rollen gebracht. Frauen in Führung bewegen die Kirche

Leider ist es aus verschiedenen Gründen nicht gelungen, alle Vorträge der KATHARINAfeier im vorliegenden Band zu publizieren. Auch jene von Dorothee Sölle und Sr. Mary John Mananzan standen nicht zur Verfügung. Wir konnten aber Interviews mit Sölle und Mananzan aufnehmen, die anlässlich deren damaliger Aufenthalte in Salzburg geführt wurden. Zwei weitere Beiträge wenden sich der KATHARINAfeier selbst zu. Brigitte Huemer, eine der Gründerinnen der Katharinafeier und Silvia Arzt, die lange Jahre die Vorbereitungsgruppe geleitet hat, berichten über die Entstehung der Feier. Teresa Leonhardmair und Günther Jäger befassen sich mit der Verbindung der KATHARINAfeier mit Kunstprojekten, die Teil einiger KATHARINAfeiern waren.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei Franz Gmainer-Pranzl, dem Herausgeber der Reihe „Salzburger interdisziplinäre Diskurse“, bedanken, der diesen Band auch initiiert hat. Für die Unterstützung bei der Manuskripterstellung bedanken wir uns besonders bei Barbara Scheibner sowie Eva Bartosch vom Fachbereich Praktische Theologie, Anna Steup führte die sorgfältige Korrekturarbeit durch – ein herzliches Danke! Ebenso geht unser Dank an die SponsorInnen und KooperationspartnerInnen, die die KATHARINAfeier die Jahre hindurch unterstützt haben, namentlich vor allem auch an die SponsorInnen dieses Bandes: den Rektor der Universität Salzburg, Universitätsprofessor Dr. Heinrich Schmidinger, das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen, die Katholische Hochschulgemeinde, das TheologInnenzentrum Salzburg, die Katholische Frauenbewegung, die Stadt Salzburg und die Katholische Aktion. Allen ehemaligen MitarbeiterInnen im OrganisatorInnenteam sei ebenso gedankt. Dem aktuellen und den zukünftigen Team(s) wünschen wir viel Mut, das kritische Potential der KATHARINAfeier weiter zu nutzen.

Anna Steinpatz, Silvia Arzt, Dominik Elmer im Dezember 2014 ← 11 | 12 →

 

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  1 Dabei haben wir beschlossen, gegebenenfalls den Vortragsstil der Texte beizubehalten!

Silvia Arzt und Brigitte Huemer

Die Institutionalisierung eines (kleinen) Ortes feministischer Theologie: eine kurze Geschichte der Katharinafeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg

Die Katharinafeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät gibt es nun seit über 25 Jahren. Namensgeberin der Feier ist Katharina von Siena. Sie war (gemeinsam mit Teresa von Avila) im Jahr 1972 die erste Frau, die in die Reihe der (mittlerweile) 33 KirchenlehrerInnen aufgenommen wurde. Mit der Vergabe dieses Titels durch Papst oder Konzil wird vor allem die Gelehrsamkeit eines Heiligen/der Heiligen betont. Schon viel länger – seit 1597 – ist Thomas von Aquin Kirchenlehrer. Ihn hat sich die Fakultät als Patron auserwählt und alljährlich war er Namensgeber für die „Thomasfeier“, die aus einem Gottesdienst und einem Festvortrag eines Theologen bestand.

Die Thomasfeier im Jahr 1988 hatte die Entwicklung des Ordensrechts zum Thema. Auch um die Studierenden zu einer zahlreicheren Teilnahme an der Feier zu motivieren wurde ihnen von der Fakultätsleitung zugesagt, dass im kommenden Jahr das Thema Laien in der Kirche zur Sprache kommen würde, eine mögliche Referentin sei Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz aus München. Daraufhin bekundete die Studierendenvertretung ihren Willen zur Mitgestaltung der Feier.

Verblüfft waren diese, als sie dann erfuhren, dass die Thomasfeier 1989 zu einem anderen Thema mit einem anderen Vortragen stattfinden werde. Daraufhin zogen die Studierenden im Fakultätskollegium ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Thomasfeier zurück und luden Studierende und Lehrende zur „Katharinafeier“ ein: Gottesdienst und Festvortrag:

Die liturgische Feier leiten Studentinnen, die sehr wohl in den weichen Knien merken, daß diese öffentliche Deklaration der feministischen Theologie nicht selbstverständlich ist. Zum begrüßenden Kennenlernen tanzen alle in Form einer Spirale. Aus der Überzeugung heraus, daß wir uns alle etwas zu sagen haben, gibt es ein Predigtgespräch. Zum Abschluß spricht eine von uns für uns anwesende Studierende und Lehrende den Segen, und die über hundert Versammelten singen im Kanon von der Heiligkeit der Erde, jedes Menschen und jeder Frau. Im anschließenden Festvortrag berichtet uns Frau ← 13 | 14 → Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz (München) über das Leben der Kirchenlehrerin Katharina von Siena.1

Beim anschließenden gemütlichen Ausklang wird festgestellt: „Der Gesamteindruck ist klar positiv. Sie war für uns Frauen und die anwesenden Männer durchwegs bereichernd. Und von einigen kommt spontan der Wunsch: es soll sie wieder geben – unsere Katharinafeier.2 Wesentlich getragen wurde diese erste Katharinafeier von der „Frauengruppe Theologie“, „aus unserem gemeinsamen Wunsch nach einer frauengerechteren Theologie und in Auseinandersetzung mit den eigenen religiösen Bedürfnissen und christlichem Gerechtigkeitssinn“3.

Die „Hebammen“ oder Gründerinnen der Katharinafeier waren vier Studentinnen: Elisabeth Jakob, Maria Summersberger, Maria Neuhauser und Brigitte Huemer. Die Katharinafeier sollte eine Möglichkeit der Vernetzung mit gleichgesinnten Frauen im Umfeld der Theologischen Fakultät sein: Frauen aus dem TheologInnenZentrum, der Katholischen Hochschulgemeinde (Margarita Lehner, damals dort Pastoralassistentin und in feministisch-theologischen Fragen engagiert), der Salzburger Gruppe des Österreichischen Frauenforums Feministische Theologie. Bunt und lebendig war diese „Frauenszene“ damals: feministisch-theologische Lesekreise, eine Bibelgruppe, eine „Frauenfrühstück-Gruppe“. Theologische Themen und Fragestellungen aus der Perspektive feministischer Theologie gemeinsam zu bearbeiten und zur Sprache bringen, was ansonsten im regulären Studienbetrieb nicht thematisiert wurde, das stand im Zentrum dieser Gruppen. Und: Akte der Selbstermächtigung: sich selbst als aktiv Gestaltende zu verstehen (obwohl noch Studierende) und bewusst im öffentlichen Raum der Fakultät und darüberhinaus in die Kirche einzubringen war für die beteiligten Frauen nicht selbstverständlich und erforderte auch eine gehörige Portion Mut. Über die Katharinafeier sollten diese Anliegen, Perspektiven, Fragen, Kontroversen und Themen auch in den „öffentlichen Lehrbetrieb“ eingebracht werden.

Auch die zweite Katharinafeier war sehr gut besucht, der größte Hörsaal an der Fakultät war übervoll – nicht so die Thomasfeier, eine eigens eingesetzte Kommission sollte über deren Fortbestand entscheiden. Der Vorschlag der Professoren, die beiden Feiern zusammenzulegen, wurde von den Studentinnen abgelehnt – die Katharinafeier sollte weiterhin eine Feier von Studentinnen ← 14 | 15 → bleiben. Die Fakultätsleitung gab auch eine grundsätzliche Unterstützungserklärung ab: jährlich Mittel für Gastvortrag für die Katharinafeier vorzusehen.4

Diese Zustimmung erfolgte auch auf dem Hintergrund der Debatten um einen „Strukturplan“ der Fakultät, der (für den Senat) Schwerpunkte für den Ausbau der Fakultät formulieren sollte. „Theologie aus der Sicht von Frauen“ wurde als ein möglicher Schwerpunkt diskutiert – und als „zukunftsträchtiger Bereich der Theologie“ und „institutsübergreifendes Anliegen“ gesehen.5 Die Errichtung einer eigenen Professur dafür wurde abgelehnt – da das Anliegen eine Querschnittmaterie sei. Die Einrichtung einer eigenen Kommission dafür mit einer wissenschaftlichen Beamtin und einer halbbeschäftigten Sekretärin wurde beschlossen. Allerdings wurde dies nicht umgesetzt.

Details

Seiten
248
Jahr
2015
ISBN (PDF)
9783653055290
ISBN (ePUB)
9783653967203
ISBN (MOBI)
9783653967197
ISBN (Hardcover)
9783631662946
DOI
10.3726/978-3-653-05529-0
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (April)
Schlagworte
Feminismus Gender Frauenkirche
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 248 S., 19 s/w Abb.

Biographische Angaben

Anna Steinpatz (Band-Herausgeber:in) Silvia Arzt (Band-Herausgeber:in) Dominik Elmer (Band-Herausgeber:in)

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Titel: KATHARINAfeier