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Kulturen im Dialog IV - Culture in Dialogo IV - Cultures in Dialogue IV

Viertes JungakademikerInnen-Forum in Südtirol. Quarto Forum per Neolaureati in Alto Adige. Fourth Forum for Young Graduates in South Tyrol

von Annemarie Profanter (Autor:in)
Sammelband 252 Seiten
Reihe: Interkultureller Dialog, Band 7

Zusammenfassung

JungakademikerInnen unterschiedlicher Fachgebiete haben sich mit der Idee den interdisziplinären sowie interkulturellen wissenschaftlichen Dialog zu fördern ans Werk gemacht und setzen sich in ihren Beiträgen mit internationalen Fragen beziehungsweise regionalen Themen auseinander.
Neolaureati di diverse facoltà con l’idea di promuovere il dialogo interdisciplinare come anche quello scientifico interculturale si sono dati da fare e trattano nelle loro opere questioni internazionali ossia temi regionali.
In an aim to promote an interdisciplinary and intercultural scientific dialog young graduates of diverse disciplines have tackled the task of intensive investigation into "cultures in dialogue". In their contributions they deal with questions about international and regional issues.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • About the author(s)/editor(s)
  • About the book
  • This eBook can be cited
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort (Annemarie Profanter)
  • I Languages in contact: Language learning situations and attitudes
  • Spracheinstellung und individuelle Perspektiven: Multilinguale Jugendliche in Österreich (Christina Korb)
  • Filmsequenzen im Russischunterricht – Spracherwerb mithilfe audiovisueller Medien (Magdalena Kaltseis)
  • The impact of diglossia in early language development: A case study in South Tyrol (Mara Leonardi)
  • II Minderheiten, Marginalität und Partizipation in Europa / Minorities, marginality, and participation in Europe
  • Europeanization and New Opportunities for the Participation of Minorities (Katharina Crepaz)
  • Greek Protests in the Participation Dialogue: An analysis of the representation and framing of widespread environmental protests in Greek mass media (Sarah Ertl)
  • Insights into Euroscepticism in the UK: An Analytical Approach to Individual and Country-Specific Characteristics (David Hardt)
  • Partizipation von Frauen in sozialen Bewegungen: Cumann na mBan & die Spaltung der IRA, 1968–1970 (Dieter Reinisch)
  • Prinzip Hoffnung? Überlebensstrategien von Menschen im Asylverfahren (Frauke Schacht)
  • III Spannungsfeld Identitätskonstruktion
  • Rassismus.Macht.Identität (Omor Anja)
  • Postmoderne Körperidentitäten im Modern Primitivism (Julian Kaser)
  • The Deconstruction of Identity in Half of a Yellow Sun (Silvia Lercher)
  • Begegnungen in Yunnan: Exotisierung und Kommerz (Isabel C. Schwaninger)
  • IV Migration, social disadvantage and institutions: political, cultural and educational aspects
  • Integration und die Rolle von Sprache und Bildung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Integration in Österreich (Thuy Loan Nguyen)
  • Community Interpreting: Loyalitätskonflikte und Berufsverständnis im österreichisch-mexikanischen Vergleich (Britta Walch)
  • Disabilità e migrazione: pratiche di accoglienza nei servizi socio-sanitari e strategie inclusive a scuola (Emanuela Bini)
  • Benachteiligung im Bildungswesen. Soziologische Erklärungsmodelle herkunftsbedingter Bildungsungleichheit (Isabell Pardeller)
  • Museen in der Migrationsgesellschaft: Eine Analyse der aktuellen Kontroverse um die Gestaltung von Kulturinstitutionen (Hannah Fiedler)
  • Biographien

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Annemarie Profanter

Vorwort

Il Forum “Culture in Dialogo” è una piattaforma per neolaureati col fine di promuovere giovani universitari, sostenere il lavoro scientifico e favorire una riflessione critica. Nel 2014 questo evento interdisciplinare si è tenuto per la quarta volta presso la Facoltà di Scienze della Formazione a Bressanone. Esso testimonia di una proficua collaborazione tra la Facoltà e un elevato numero di entità accademiche europee.

La commissione interdisciplinare ha discusso intensamente i lavori presentati selezionando i più interessanti, confluiti poi in questa pubblicazione, frutto pertanto dell’intenso dibattito tra i giovani accademici provenienti da contesti nazionali e internazionali sul tema “culture in dialogo”.

In an aim to promote an interdisciplinary and intercultural scientific dialog young graduates of diverse disciplines have tackled the task of intensive investigation into «cultures in dialogue» as it relates to issues of international as well as regional relevance. In an attempt to motivate dialogue across language barriers the different contributions are written in three languages: German, Italian or English. The descriptive part of the collected edition provides an overview of diverse aspects of the phenomenon of a multicultural society in South Tyrol, Europe and across. The constructive aspect of the volume pursues the following goal: it creates moments of encounter, of intersubjective as well as interdisciplinary dialogue and lays the basis for a theoretical foundation of practical forms of dialogic problem analysis and problem solving.

Die Autorinnen und Autoren, die ihre Werke in diesem Band vorstellen, gewähren einen kleinen Einblick in lokale Aspekte globaler Veränderungen. Mikrobereiche der Analyse beziehen sich auf die Forschungsgebiete Südtirol, Italien, Österreich, Mexiko und darüber hinaus. Die Beiträge sind in 4 Cluster organisiert und logisch untereinander verknüpft, sodass sich spannende Berührungspunkte ergeben konnten:

Languages in contact: Language learning situations and attitudes;

Minderheiten, Marginalität und Partizipation in Europa;

Spannungsfeld Identitätskonstruktion;

Migration, social disadvantage and institutions: political, cultural and educational aspects. ← 7 | 8 →

In multikulturellen Gesellschaften kommen Menschen unterschiedlicher Sprachzugehörigkeiten unweigerlich in Kontakt. Der Kontakt mit mehreren Sprachen geht häufig mit dem Kontakt zu einer anderen Kultur einher. Welche Herausforderungen dadurch in Angriff genommen werden müssen, wird im ersten Cluster dieses Bandes „Languages in contact: Language learning situations and attitudes“ diskutiert.

Christina Korb untersucht das Verhältnis von Migranten erster und zweiter Generation zu ihrem sprachlichen Repertoire und ihre eigene Positionierung in einer monolingualen Gesellschaft in Österreich. Denn obwohl die österreichische Gesellschaft ethnische und linguistische Vielfalt aufweist, werden öffentliche Diskurse von monolingualen Ideologien dominiert. Aus der Analyse der von ihr geführten narrativen Interviews gehen zwei Elemente hervor: der Gebrauch der Erst- und Zweitsprache der Migranten und deren Einstellungen.

Magdalena Kaltseis zeigt in diesem Zusammenhang auf, welche Vorteile die Verwendung von audiovisuellem Material im Fremdsprachenunterricht mit sich bringen. Filme spielen im alltäglichen Leben der Lernenden eine oft wichtige Rolle, neben sprachlichen Fähigkeiten werden auch kulturelle Eigenschaften vermittelt. Kaltseis hat sich mit Russischlehrern in Österreich auseinandergesetzt und versucht herauszufinden, welche Rolle audiovisuelle Medien in deren Unterricht einnehmen.

Mara Maya Victoria Leonardi beschäftigt sich ebenso mit dem Erwerb sprachlicher Fähigkeiten und konzentriert sich dabei auf das Erlernen der deutschen Sprache in Südtirol. Sie untersucht wie sich linguistische Unterschiede zwischen der Hochsprache, welche in Bildungseinrichtungen vermittelt wird, und dem bajuwarischen Dialekt, welcher im Alltag zu Gebrauch kommt, auf den Spracherwerb von südtiroler Volkschulkindern auswirken.

Im zweiten Cluster „Minderheiten, Marginalität, und Partizipation in Europa“ liegt der Fokus auf der Partizipation marginalisierter Minderheiten in ihrem sozialen, kulturellen Umfeld sowie in sozialen Bewegungen.

Katharina Crepaz erforscht, wie Formen der „bottom-up“ Europäisierung neue Möglichkeiten der Partizipation von Minderheiten in den EU-Mitgliedsstaaten schaffen. Dazu stellt sie Vergleiche zwischen alten und neuen Mitgliedstaaten der EU an und stellt fest, dass es in einer Vielzahl von Zusammenhängen zur Europäisierung kommt, obwohl der EU rechtliche Zuständigkeiten in der Frage des Minderheitenschutzes fehlen.

Im zweiten Beitrag von Sarah Ertl wird ein nordgriechisches Protestkollektiv beleuchtet, im Versuch die politisch-ökonomisch-mediale Hegemonie zu durchbrechen und mit öffentlichen Akteuren in Dialog zu treten. ← 8 | 9 →

David Hardt analysiert die Herausforderungen einer Europäischen Integration mit Bezug auf die Frage, wie kulturelle Heterogenität bewahrt werden kann. Als Beispiel dient der Euroskeptizismus des Vereinigten Königreichs.

Der Beitrag von Frauke Schacht widmet sich der aktuellen Flüchtlingsdebatte und liefert eine alternative Betrachtungsweise auf Menschen im Asylverfahren als eigenständig handelnde Subjekte – ja ÜberlebenskünstlerInnen.

Die historische Analyse von Dieter Reinisch befasst sich mit dem Entscheidungs- und Partizipationsprozess der irisch-republikanischen Bewegung aus einer genderspezifischen Perspektive.

La costruzione dell’identità e della cittadinanza ha frontiere fisiche? Oppure l’immigrazione e la mobilità insieme al transnazionalismo hanno messo in piedi un nuovo paradigma di cittadinanza globale? Accettando quest’ultima ipotesi, la costruzione socio-politica e culturale d’una nuova Europa e d’una nuova cittadinanza europea dovrebbe partire dal principio di cooperazione interculturale e interregionale. Le tematiche presentate nel cluster sulla costruzione dell’identità – „Spannungsfeld Identitätskonstruktion“ – costituiscono un buon punto di partenza per discutere quest’aspetto.

Im Artikel von Anja Omor wird die Identitätskonstruktion unter der Bedingung von gesellschaftlichem Rassismus diskutiert. Dabei werden die Themen Rassismus und Identität theoretisch durchleuchtet und ausgehend von den Ergebnissen der qualitativen Studie die Idee einer rassismuskritischen und kultur- und machtsensiblen Psychologie entworfen.

Julian Kaser beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Dynamiken, welche zu der Subkultur Modern Primitives in ihrer hybriden körperorientierten Identitätsbildung führen. Dieses typische postmoderne Feld wird als Phänomen beschrieben, in welchem sich unterschiedlichste Individuen bewegen, denen jedoch mit dem Begriff des „Modern Primitives“ in Form einer Stereotypisierung nicht nachgekommen werden kann.

Silvia Lercher thematisiert in ihrem Artikel das Phänomen der Pauschalisierung des „Anderen“ in postkolonialen Kontexten. Anhand eines Werkes der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, welches das Leben der Zivilbevölkerung während der Kriegsjahre schildert. In ihrer Analyse orientiert sie sich vor allem an der hybriden Eigenschaft bzw. Besonderheit postkolonialer Identitäten.

Einen Bezug zu postkolonialen Theorien stellt auch Isabel C. Schwaninger in ihrem Artikel zu den neueren Entwicklungen des Ethnotourismus im Südwesten der Volksrepublik China her. Dabei geht sie der Frage nach, welche Indentitätskonstruktionen im Tourismus Yunnans erfolgen und mit welchen Konsequenzen ← 9 | 10 → diese einhergehen. Außerdem werden die Machtverhältnisse zwischen Reisenden und Anbietenden analysiert.

The cluster “Migration, social disadvantage and institutions: political, cultural and educational aspects” deals with European policies for integration: Given the cultural and linguistic diversity of its components and the fact that educational, cultural and political affairs are under the responsibility of every single nation, things are not as straightforward. In order to shore up that economic and industrial development and growth Europe needed to summon migrants. But as Max Frisch would have said, we did not realise that we did not summon workers, we summoned persons, individuals carrying invisible or visible cultural baggage. As long as the economic situation was acceptable nobody looked at those apparent differences. They were even softened because those individuals were working or fleshing out activities that we did not want to develop. They contributed. Those migration forces were part of our economic success. But migration, as boundaries, is not a mere physical movement from A to B. It is a psychical and imaginary trip across physical boundaries. That is why migration is unstoppable even if we apply restrictive policies. That is why migration related issues become very sensitive and emotional. As a consequence, migrants have been arriving to this fragmented Europe and they have been colouring the tiles of a heterogeneous mosaic.

Den Anfang macht Thuy Loan Nguyen und beschäftigt sich mit dem „Nationalen Aktionsplan für Integration“ in Österreich, welcher 2010 ins Leben gerufen wurde. Anhand diesem wird klar, dass der Österreichische Staat Sprache als zentrales Element zur Integration ansieht. Nguyen untersucht, wie dabei aber andere wichtige Aspekte wie der Zugang zum Arbeitsmarkt, die Möglichkeit zur politischen Partizipation und der Zugang zum Gesundheitssystem vernachlässigt werden.

Die Gleichberechtigung aller Bürger kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn alle dieselbe Chance auf einen Zugang zu Dienstleitungen haben. Viele Migranten, Asylbewerber und andere Minderheiten werden aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten benachteiligt. Wenn Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden, welche diese Minderheiten nicht mitbringen, führt dies zu einer institutionellen Diskriminierung der Betroffenen. Um die Rechte dieser Minderheiten zu garantieren, ist eine unparteiische und professionelle Dolmetschleistung in den verschiedenen Institutionen notwendig. Britta Walch widmet sich dieser Thematik des Berufsverständnisses von Dolmetschern, indem sie einen mexikanischen-österreichischen Vergleich vollzieht. Ziel ihres Artikels ist es, die Notwendigkeit der Professionalisierung in beiden Ländern aufzuzeigen.

Die zentrale Rolle der sprachlichen und kulturellen Mediation zeigt sich besonders dann, wenn Migrantenfamilien mit Kindern mit Behinderung ihr Recht auf ← 10 | 11 → Zugang zum Gesundheits- und Schulsystem wahrnehmen möchten. Emanuela Bini analysiert in ihrem Artikel die Ergebnisse von Studien in der Emilia Romagna und bringt Vorschläge zur Verbesserung der Aufnahme und der Integration von Migranten mit Kindern mit Behinderung ein.

Allgemein spielt Bildung bei der Integration und Partizipation von Migranten eine zentrale Rolle, doch diese begegnen im Bildungssystem verschiedenen Benachteiligungen. Isabell Pardeller befasst sich mit dieser Thematik und analysiert zwei Erklärungsmodelle dieses Phänomens, ausgehend von der ungleichen Verteilung kulturellen Kapitals und institutionalisierter Diskriminierung.

Benachteiligungen für Individuen, die als Migranten wahrgenommen werden, zeigen sich nicht nur im Bildungs- und Gesundheitssystem, sondern auch in kulturellen Institutionen. Hannah Fiedler befasst sich im letzten Kapitel dieses Clusters mit der Herausforderung, der sich Kulturinstitutionen stellen müssen. Sie fokussiert dabei im Besonderen Museen, welche ein wichtiges Instrument bei der Reproduktion und Dekonstruktion von nationalem Selbstverständnis und sozialen Hierarchien darstellen.

In their different approaches and from their various perspectives all the contributions to this book shed new light on key issues of “cultures in dialogue”. The development of a culture of dialogue, of migration and transnational identities which has been explored in this book will retain its significance. Given the cultural permeability of boundaries migrants are able to maintain a cultural identity which is linked to their homelands while at the same time creating new cultural modes and expressions in the receiving countries. Although there is increasingly talk of global citizenship it remains the case that it is states which allow rights to their citizens and so the notion of transnational citizenship in which people gain rights in two states maybe more significant. The contributions in this book primarily contribute to the discussion of issues associated with the integration of new citizens. The image below shows the five candidates that were invited to publically present their research at the Forum in 2014. The prize went to an outstanding young scientist: The scientific committee selected the work of Giulia Cordin on “Narrative Design. The designer as an instigator of changes”. ← 11 | 12 →

Biographische Angaben

Annemarie Profanter (Autor:in)

Annemarie Profanter absolvierte ihr erstes Doktoratsstudium in Erziehungswissenschaften, ihr zweites in Psychologie und erwarb einen Master in Psychology of Education an der University of London. Sie ist Professorin für Erziehungswissenschaften an der Fakultät für Bildungswissenschaft der Freien Universität Bozen und ist zahlreichen Rufen als Gastdozentin an Universitäten in Pakistan, Oman und Saudi Arabien gefolgt. Annemarie Profanter ha conseguito il suo primo dottorato di ricerca in Scienze della Formazione e il secondo in Psicologia. Inoltre le è stato assegnato un master degree in Psychology of Education dall’Università di Londra. Essa è professoressa di Pedagogia generale e sociale presso la Facoltà di Scienze della Formazione della Libera Università di Bolzano e come docente ospite ha accettato gli inviti di diverse università in Pakistan, Oman e Arabia Saudita. Annemarie Profanter holds doctorates in both Education and Psychology and a master’s degree in Psychology of Education from the University of London. She is an associate professor of the Faculty of Education at the Free University of Bolzano and has done visiting lectureships at universities in Pakistan, Oman, and Saudi Arabia.

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