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Der Asyldiskurs in Deutschland

Eine medienlinguistische Untersuchung von Pressetexten, Onlineforen und Polit-Talkshows

von Maria Becker (Autor:in)
Dissertation 154 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
  • 0. Abstract
  • 1. Einleitung: Untersuchungsgegenstand, Erkenntnisinteresse und Aufbau der Arbeit
  • 2. Der Asyldiskurs in Deutschland: Hintergründe und bisheriger Forschungsstand
  • 2.1 Zur Entwicklung des Asylrechts, der Asylbewerberzahlen und der diesbezüglichen medialen Berichterstattung in Deutschland
  • 2.2 Bisheriger Forschungsstand zum Asyldiskurs in Deutschland
  • 2.2.1 Politik- und sozialwissenschaftliche Arbeiten
  • 2.2.2 Sprachwissenschaftliche Arbeiten
  • 2.2.2.1 Martin Wengeler (2003): Topos und Diskurs. Begründung einer argumentationsanalytischen Methode und ihre Anwendung auf den Migrationsdiskurs
  • 2.2.2.2 Thomas Niehr (2004): Der Streit um Migration in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreich. Eine vergleichende diskursgeschichtliche Untersuchung
  • 3. Vorüberlegungen und theoretische Prämissen
  • 3.1 Sprache, Wissen und Perspektivität
  • 3.2 Sachverhaltskonstitution durch Medien
  • 4. Methodische Vorgehensweise: Linguistische Mediendiskursanalyse
  • 4.1 Zusammenspiel hermeneutischer und korpuslinguistischer Verfahren
  • 4.2 Ermittlung handlungsleitender Konzepte und agonaler Zentren
  • 5. Wissenskonstituierung in Schriftlichkeit und Mündlichkeit
  • 5.1 Geschriebene und gesprochene Sprache als Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen
  • 5.2 Geschriebene und gesprochene Sprache: Zwei getrennte Welten?
  • 5.3 Merkmale und Besonderheiten geschriebener und gesprochener Sprache
  • 5.4 Methodische Konsequenzen
  • 6. Auswahl, Erhebung und Eigenschaften der Untersuchungskorpora
  • 6.1 Annäherung an den Untersuchungsgegenstand: Verantwortung, Angst und Fremdenfeindlichkeit als Subthemen im Asyldiskurs
  • 6.2 Zusammensetzung und Eigenschaften der Untersuchungskorpora
  • 6.2.1 Pressetexte
  • 6.2.2 Onlineforen
  • 6.2.3 Polit-Talkshows
  • 7. Medienlinguistische Analyse des Asyldiskurses in Deutschland von Juli 2013 bis Juni 2014
  • 7.1 Die Konzeptualisierung von ›Verantwortung‹
  • 7.1.1 Arten der Verantwortung: Prospektive und retrospektive Verantwortung
  • 7.1.2 Träger der Verantwortung: Kollektive und individuelle Verantwortung
  • 7.1.3 Bereiche der Verantwortung: Abstrakte und konkrete Verantwortung
  • 7.1.4 Zwischenresümee
  • 7.2 Die Konzeptualisierung von ›Angst‹
  • 7.2.1 Angst als diskursprägende Emotion
  • 7.2.2 Subjekte der Angst: Empfinden und Erzeugen von Angst
  • 7.2.3 Objekte der Angst: Unspezifische und gegenstandsgerichtete Angst
  • 7.2.4 Bewertung der Angst: Unnötige und berechtigte Angst
  • 7.2.5 Zwischenresümee
  • 7.3 Die diskursive Annäherung und Abgrenzung der Konzepte ›Angst‹ und ›Fremdenfeindlichkeit‹
  • 7.3.1 Begründung der Suchsyntax
  • 7.3.2 Sprachliche Annäherungs- und Abgrenzungspraktiken bezüglich der Konzepte ›Angst‹ und ›Fremdenfeindlichkeit‹
  • 7.3.3 Exkurs: Annäherung und Abgrenzung der Konzepte ›Angst‹ und ›Fremdenfeindlichkeit‹ im Mediendiskurs über die Pegida-Bewegung
  • 7.3.4 Zwischenresümee
  • 8. Fazit
  • 8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
  • 8.2 Reflexion der methodischen Vorgehensweise
  • 8.3 Diskussion und Ausblick
  • 9. Literatur
  • 10. Anhang
  • 10.1 Weiterführende Informationen zu der Zusammenstellung der Korpora
  • 10.1.1 Zusammensetzung des Pressetextkorpus
  • 10.1.2 Zusammensetzung des Forenkorpus
  • 10.1.3 Zusammensetzung des Talkshowkorpus
  • 10.2 Konventionen zur Erstellung eines erweiterten Minimaltranskripts nach GAT 2

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Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

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0. Abstract

Ausgehend von der Prämisse, dass das entscheidende Medium unserer Wissenskonstitution die natürliche Sprache ist, beschäftigt sich diese Arbeit mit dem in Deutschland geführten Asyldiskurs in den Jahren 2013 und 2014. Mithilfe diskurs- und korpuslinguistischer Verfahren werden dabei sprachliche Strategien der Konstituierung von Wissen und der Durchsetzung von Geltungsansprüchen erarbeitet, die wiederum Aufschluss über Einstellungen, Denkweisen und Wissensformationen der Diskursteilnehmer bezüglich der Asylthematik geben. Um den Anspruch der Diskurslinguistik, den Einfluss von Sprache auf Wissen offenzulegen, hinsichtlich geschriebener und gesprochener Sprache umzusetzen, umfasst die Datengrundlage dabei sowohl Pressetexte und Diskussionen in Onlineforen als auch Polit-Talkshows. Durch die Kombination qualitativer, hermeneutischer sowie quantitativer, korpuslinguistischer Verfahren werden die verschiedenen Dimensionen und Perspektivierungsversuche der im Asyldiskurs zentralen Konzepte ›Verantwortung‹, ›Angst‹ und ›Fremdenfeindlichkeit‹ und die damit verbundenen agonalen Zentren aufgespürt und analysiert. Dabei zeigt sich, dass die auf diese Konzepte verweisenden Ausdrücke durch ihren häufigen Gebrauch ganz eigene Spezifika der Verwendung im Asyldiskurs entwickeln und im Sinne eines Wettstreits diskursiv geprägter Weltausschnitte von den Diskursakteuren in unterschiedlichen Ko- und Kontexten eingesetzt werden, um verschiedene, miteinander konfligierende Konzepte zu etablieren, dominant zu setzen und auf diese Weise Prozesse der Wissensgenerierung und kollektive Einstellungen zu instruieren.

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1. Einleitung: Untersuchungsgegenstand, Erkenntnisinteresse und Aufbau der Arbeit1

Die gesellschaftlich diskutierten Themen zu Fragen von Migration und multikultureller Gesellschaft, Asyl und Einwanderungsgesetzgebung sind, wie sich immer wieder feststellen lässt, auffallend stark mit Emotionen, Verunsicherungen und Ängsten verbunden. […] Es gibt, und das über Jahre hinweg, kaum ein gesellschaftliches Thema über das so emotionalisiert diskutiert wird. (Nick 2003: 13–14)

Die seit dem Jahr 2009 ansteigenden Zahlen von Asylbewerbern2 in Deutschland scheinen oftmals eine regelrechte Hysterie auszulösen, die sich auch in der medialen Berichterstattung widerspiegelt: So ist von einer Masseneinwanderung bzw. von Massen von Ausländern die Rede, die man nicht stemmen könne (SÜDWEST PRESSE, 26. Februar 2014), es wird von einem großen Exodus der Flüchtlinge nach Europa berichtet (ZEIT, 28. Mai 2014) und vor einem großen Alarm gewarnt, den die riesigen Zahlen von Asylbewerbern in Deutschland auslösen würden (FRANKFURTER RUNDSCHAU, 23. August 2013). Jedoch ist sicherlich nicht nur davon auszugehen, dass Medien wie Zeitungen die Einstellungen und Überzeugungen der Menschen reflektieren, sondern vielmehr auch davon, dass unsere Weltbilder maßgeblich durch die medialen Berichterstattungen geprägt werden. Die Produzenten und auch die Rezipienten bedienen sich dabei des Mediums Sprache, weshalb zu Recht postuliert werden kann, dass unser Wissen „in erheblichem Umfang auf der Wahrnehmung sprachlicher […] Zeichen in Medienangeboten“ beruht (Felder 2011: 4). Die daraus abzuleitende Schlussfolgerung, dass das entscheidende Medium unserer Wissenskonstitution die natürliche Sprache ist (ebd.), möchte ich deshalb auch zum Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit machen, die sich mit dem in Deutschland geführten Asyldiskurs in den Jahren 2013 und 2014 und dem darin zum Ausdruck kommenden Spannungsfeld von Verantwortungsbewusstsein, Angst und Fremdenfeindlichkeit beschäftigt. ← 19 | 20 → Mithilfe diskurs- und korpuslinguistischer Verfahren sollen dabei sprachliche Strategien der Konstituierung von Wissen und der Durchsetzung von Geltungsansprüchen aufgedeckt werden, die Aufschluss über Einstellungen, Denkweisen und Wissensformationen der Diskursteilnehmer bezüglich der Asylthematik geben (vgl. Felder 2009: 3).

Zusammenfassung

Das Buch beschäftigt sich mit dem in den Jahren 2013 und 2014 in Deutschland geführten Asyldiskurs. Obwohl nur wenige Menschen in Deutschland direkten Kontakt zu Asylbewerbern haben, haben die meisten eine dezidierte Meinung zu Asylbewerberheimen, Asylbewerberzahlen oder dem Asylrecht. Dies lässt sich in erster Linie auf die Rezeption von Medieninhalten als meinungsprägende Instanzen zurückführen. Diesen sich in den Medien konstituierenden Asyldiskurs nimmt das Werk in den Blick. Durch die Kombination korpuslinguistischer und hermeneutischer Verfahren werden die Versuche der Diskursakteure, die im Asyldiskurs zentralen Konzepte Verantwortung, Angst und Fremdenfeindlichkeit verschiedentlich zu prägen und dominant zu setzen, analysiert. Dabei zeigt sich, dass die auf diese Konzepte verweisenden Ausdrücke durch ihren häufigen Gebrauch im Asyldiskurs ganz eigene Spezifika der Verwendung entwickeln und eingesetzt werden, um Prozesse der Wissensgenerierung und kollektive Einstellungen zu instruieren.

Details

Seiten
154
ISBN (PDF)
9783653060331
ISBN (ePUB)
9783653961454
ISBN (MOBI)
9783653961447
ISBN (Buch)
9783631666524
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (September)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 154 S., 5 Tab., 5 Graf.

Biographische Angaben

Maria Becker (Autor:in)

Maria Becker studierte Germanistik, Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Philosophie an den Universitäten Heidelberg und Mannheim. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg.

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Titel: Der Asyldiskurs in Deutschland