Kulturelles Gedächtnis und Erinnerungsorte im hochschuldidaktischen Kontext
Perspektiven für das Fach Deutsch als Fremdsprache
Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Copyright
- Autorenangaben
- Über das Buch
- Zitierfähigkeit des eBooks
- Inhalt
- Kulturelles Gedächtnis und Erinnerungsorte im hochschuldidaktischen Kontext Deutsch als Fremdsprache. Einleitung
- Landeskunde, Geschichte und ,Erinnerungsorte‘ im Fremdsprachenunterricht
- Medialisierte Erinnerung als didaktische Chance
- Überlegungen zur Kulturvermittlung im Fach Deutsch als Fremdsprache. Linguistic Landscapes und Erinnerungsorte
- Shared and divided memory. Zu Konzeption und Anwendbarkeit des bilateralen Ansatzes der Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte
- Erinnerungen im Dialog. Globale Erinnerungsorte im Fach Deutsch als Fremdsprache
- Historical and political consciousness in the German classroom: The potential of narrative
- Bertolt Brechts An die Nachgeborenen – kulturelle Erinnerungsarbeit in Kontaktzonen
- Erinnerungsorte aus migrationspädagogischer Perspektive. Kulturreflexives Lernen mit Literatur
- Erinnerungsorte im Fremdsprachenunterricht als Arena
- Erinnerungsorte im historisch orientierten Landeskundeunterricht für Deutsch als Fremdsprache (an russischen Hochschulen)
- Erinnerungsorte in der akademischen Praxis
- Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges. Erprobung des Perspektivenwechsels in der Landeskunde für Deutsch als Fremdsprache
- Normative Vergangenheit. Die deutsche NS-Erinnerung als Desiderat landeskundlich-kulturwissenschaftlicher Forschung im Fach Deutsch als Fremdsprache
- Comics im ,Erinnerungsdiskurs DDR‘ – kursorische Anmerkungen zu einem in der kulturwissenschaftlichen Landeskunde DaF noch wenig beachteten Medium
- Schwarz-Weiß, Grau oder Bunt: Erinnern an die DDR im Film
- Erinnerungsorte im Kontext von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache: Die Berliner und Leipziger Projekte eines Freiheits- und Einheitsdenkmals
- Autorenverzeichnis
In den Geschichts- und Kulturwissenschaften ist das Thema Gedächtnis und Erinnerung ebenso wie das Konzept der Erinnerungsorte (lieux de mémoire) nach Pierre Nora nach wie vor virulent. Es gibt beständig neue Publikationen zu europäischen und globalen Erinnerungsdiskursen sowie zu (trans-)nationalen, regionalen oder auch lokalen Erinnerungsorten. Im Fach Deutsch als Fremdsprache sind nach den von Karin Schmidt und Sabine Schmidt herausgegebenen Lehrmaterialien Erinnerungsorte. Deutsche Geschichte im DaF-Unterricht (2007) unterschiedlich gewichtete Einzelbeiträge in Fachzeitschriften verschiedener Reichweite sowie ein von Jörg Roche und Jürgen Röhling herausgegebener Sammelband unter dem Titel Erinnerungsorte und Erinnerungskulturen (2014) erschienen. An diese Publikationen möchten wir anknüpfen und erneut auf das didaktische Potenzial von Erinnerung und Gedächtnis sowie Erinnerungsorten aufmerksam machen. Das Thema bietet Perspektiven, die in der einschlägigen Diskussion bisher noch wenig aufgegriffen wurden, die für das kulturbezogene Lernen und Studieren im Kontext Deutsch als Fremdsprache aber entscheidende Impulse versprechen. Dazu gehören nicht zuletzt ein dezidierter Blick aus literatur- und medienwissenschaftlicher Richtung, die konsequente Thematisierung globaler und migrationsbezogener Aspekte und der bewusste Bezug auf verschiedene, mitunter kontrastierende Erinnerungshaushalte. Hinter ihnen stehen Entwicklungen und Diskussionen, die das Fach Deutsch als Fremdsprache in den letzten Jahren deutlich geprägt haben und hinter die didaktische Initiativen nicht zurückgehen dürfen. Dazu gehören die Überlegungen zu einer Neubestimmung der Rolle von Literatur im kulturbezogenen fremdsprachlichen Lernen in den Bänden Deutsch als Fremdsprache und Literaturwissenschaft (herausgegeben von Michael Ewert, Renate Riedner und Simone Schiedermair, 2011) und Literatur in Deutsch als Fremdsprache und internationaler Germanistik (herausgegeben von Claus Altmayer, Michael Dobstadt, Renate Riedner und Carmen Schier, 2014) ebenso wie die zunehmend differenzierte Blickrichtung, die Deutsch als Fremdsprache im Kontext von Mehrsprachigkeit und globalen Fragestellungen einnehmen muss (vgl. zum Beispiel den Band Mehrsprachigkeitstheorie. Erwerb – Kognition – Transkulturation – Ökologie von Jörg Roche, 2013, und Globalisierung – Natur – Zukunft erzählen, herausgegeben von Almut Hille, ← 7 | 8 → Sabine Jambon und Marita Meyer, 2015). Dazu gehören neue interdisziplinäre Schwerpunktsetzungen (z.B. im Bereich Medienlinguistik und Mediendidaktik), nicht zuletzt aber auch die vielfältigen Bemühungen, das Verhältnis von Deutsch als Fremd- und Deutsch als Zweitsprache insbesondere im Bereich des kulturellen Lernens stärker auszudifferenzieren. Bisher zu wenig beachtet erscheint auch die multiplikatorische Dimension des Themenkomplexes Kulturelles Gedächtnis – ein Aspekt, der insbesondere die oft genug vernachlässigte Hochschuldidaktik neu in den Blick nimmt. Didaktische Initiativen müssen aus unserer Sicht hier ansetzen, wenn kulturelles und historisches Lernen nachhaltig den ihnen gebührenden Platz im Kontext sprachübergreifender Lehr- und Lernprozesse erhalten sollen. Entsprechend liegt der Schwerpunkt dieses Bandes auf Erfahrungen und Perspektiven, die sich aus der Konzeption des kulturellen Gedächtnisses und der Arbeit mit Erinnerungsorten im akademischen Kontext des Faches Deutsch als Fremdsprache ergeben, wobei sowohl der deutschsprachige Raum (im Kontext Deutsch als Fremdsprache wie auch Deutsch als Zweitsprache) als auch andere sprachliche und kulturelle Konstellationen Berücksichtigung finden, darunter im US-amerikanischen, nord- und mittelosteuropäischen Kontext. Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Diskussion um das didaktische Potenzial des kulturellen Gedächtnisses damit möglichst weit zu öffnen und auf die Elastizität des Ansatzes aufmerksam zu machen. Fachübergreifende Schritte hin zu anderen Sprachen, z.B. Englisch, Französisch, Spanisch als Fremdsprache, könnten sich ebenso anschließen wie zu weniger sprachbezogenen Fachdidaktiken, wie z.B. der Geschichtsdidaktik.
Kulturelle Gedächtnisinhalte können sowohl in großer Entfernung vom zielsprachigen Raum als auch gleichsam aus seiner Mitte heraus sinnvoll in Sprachlernprozesse einbezogen werden und gerade Studierenden scheint hier eine Schlüsselrolle zuzukommen: Was sie in jeweils auf sie zugeschnittenen Lehr- und Lernprozessen erkennen, erfahren und erarbeiten können, hat eine besondere Chance auf Nachhaltigkeit. Eine Herausforderung liegt auch hier darin, das Verhältnis zwischen inhaltlichem Anspruch und sprachlichem Vermögen, zwischen sprach-, kultur- und geschichtsbezogenen Inhalten in Balance zu halten und ggf. immer neu zu bestimmen. Gelingt es, Studierenden die Augen für die Chancen zu öffnen, sprachliches und kulturelles Lernen im Kontext des kulturellen Gedächtnisses sinnvoll miteinander zu verbinden, so kann es auch gelingen, die Forderungen nach culture, language und media awarenesses mit Leben zu füllen und eine ,symbolische Kompetenz‘ (Claire Kramsch) in Bezug auf eigene und fremde Welten aufzubauen und einzuüben.
Der vorliegende Band vereint Beiträge von Autorinnen und Autoren, die im Umkreis des seit 2012 bestehenden Netzwerks MEMODICS© zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, in bi- und multilateralen Konstellationen das Potenzial ← 8 | 9 → aktueller Konzepte von kulturellem Gedächtnis und Erinnerungsorten für den Kontext der Fremdsprachendidaktik nutzbar zu machen. Besonderes Interesse gilt den Fragestellungen, die sich aus diesen Konzeptionen für die Sprach-, Landeskunde-, Literatur- und Kulturdidaktik im Kontext Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache ergeben, was jedoch den Bezug auf andere (Fremd)Sprach(didaktik)en nicht ausschließt. Das Netzwerk hat neben regelmäßigen Arbeitstagungen bereits auch mehrere Projektinitiativen hervorgebracht.
Die 16 Beiträge verbinden Aspekte, die uns für die skizzierte Diskussion besonders wichtig scheinen. Sie alle sind theoretisch und empirisch im akademischen Kontext verankert, die konzeptionell, hochschuldidaktisch und inhaltlich ausgerichteten Anteile sind dabei jeweils unterschiedlich gewichtet. So werden in einigen Texten konzeptionelle Überlegungen aus den Erfahrungen der akademischen Praxis abgeleitet, andere Autoren wiederum illustrieren ihre Überlegungen mit Beispielen aus der Lehre. Diese Wechselwirkung zeigt unserer Meinung nach auf überzeugende Weise, dass eine enge Verzahnung beider Bereiche besonders wichtig ist, wenn es darum geht, einem so komplexen und inhaltlich wie sprachlich anspruchsvollen kulturwissenschaftlichen Konzept wie dem des kulturellen Gedächtnisses zu einer breiten und nachhaltigen Rezeption zu verhelfen, auch über Sprachgrenzen hinweg. Theoretische Reflexion und konkrete inhaltliche Arbeit müssen hier Hand in Hand gehen, unterschiedliche historische Phänomene und verschiedene Textsorten und Medien müssen herangezogen und vielfältige kulturelle Konstellationen berücksichtigt werden, wenn die Diskussion auch über geschichtstheoretische Seminare hinaus eine Breitenwirkung erreichen und ihr multiplikatorisches Potenzial entfalten soll. Alle Autorinnen und Autoren rekurrieren auf Medien als Träger von Erinnerung und als Felder für gedächtnisbezogene Diskurse, sie beziehen sich auf die einschlägige kultur- und geschichtswissenschaftliche Literatur, öffnen den Blick für angrenzende wissenschaftliche Diskurse und geben Impulse für die Praxis. Eine strenge Grenzziehung zwischen den einzelnen Beiträgen des Bandes ist daher kaum möglich und die angebotene Reihung ist sicher nur eine unter mehreren möglichen.
Details
- Seiten
- 316
- Erscheinungsjahr
- 2016
- ISBN (Hardcover)
- 9783631657461
- ISBN (PDF)
- 9783653050363
- ISBN (MOBI)
- 9783653975857
- ISBN (ePUB)
- 9783653975864
- DOI
- 10.3726/978-3-653-05036-3
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2015 (Oktober)
- Schlagworte
- Hochschuldidaktik Gedächtnisdiskurs Kulturelles Lernen
- Erschienen
- Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 316 S., 14 s/w Abb.
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