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Lampenfieber und Angst bei ausübenden Musikern

Kritische Übersicht über die Forschung. Zweite, überarbeitete Auflage

©2016 Dissertation 107 Seiten

Zusammenfassung

Ein Bühnenauftritt verlangt vom Musiker Konzentration und schöpferische Kraft statt Aufregung und Angst. Ist die optimale Konzerterfahrung eine Schimäre? Weder für Lampenfieber noch für Aufführungsangst existiert eine einheitliche Definition. Das Ergebnis ist ein Bündel von Symptombeschreibungen und Erklärungsversuchen, differierenden theoretischen Ansätzen und experimentellen Methoden. Dieser Literaturbericht umfaßt Erkenntnisse aus der Angstforschung, Sportpsychologie und klinischen Psychologie. Diese werden unter Einbeziehung der Besonderheiten des Musizierens betrachtet. Durch eine geordnete Übersicht wird Auskunft über den gegenwärtigen Wissensstand geboten. Die kritische Beurteilung der bisherigen Untersuchungen schließt Empfehlungen für die zukünftige Forschung ein.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Dank, Widmung und Hinweise zur zweiten Auflage
  • Vorwort der Herausgeberin der ersten Auflage
  • Vorwort des Herausgebers der zweiten Auflage
  • Vorwort der Autorin
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Einleitung
  • II. Das Phänomen: Lampenfieber und/oder Aufführungsangst
  • 1. Aufführungsangst
  • 2. Lampenfieber
  • 3. Fazit
  • III. Die Theorie der optimalen Leistung
  • IV. Symptome und beitragende Faktoren nach der „Drei-Komponenten-Theorie“
  • 1. Die physiologische Komponente
  • 2. Die kognitive Komponente
  • 3. Die Verhaltenskomponente
  • 4. „Angst nährt Angst“
  • V. Emotionen – die vierte Komponente
  • 1. Prinzipien der Psychoanalyse und Aufführungsangst
  • 2. Familienpathologie
  • 3. Weitere psychologische Ansätze und Persönlichkeitstheorien
  • 4. Zusammenfassung
  • VI. Untersuchungen
  • 1. Begriffsbestimmung „Behavior“
  • 2. Übersicht der Untersuchungen
  • A. Fallstudien
  • B. Statistische Erhebungen
  • C. Experimente
  • a. Veränderungen nach Einnahme von Betablockern
  • b. Einwirkung der Therapien auf die Kognition und das Verhalten allgemein
  • c. Einfluß des Angsthemmsystems
  • VII. Kritische Einschätzung der Methoden
  • 1. Testgruppen und experimentelle Bedingungen
  • 2. Subjektivität der „self-report“-Erhebungen
  • 3. „Standardized Treatment Delusion“ und andere Effekte
  • 4. Mißverständnisse über das Musizieren
  • VIII. Zusammenfassung und Empfehlungen für zukünftige Forschung
  • IX. Literaturverzeichnis
  • X. Register

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I.   Einleitung

Nothing is more devastating to a performing artist than not having the chance to be on stage and, as the pervasiveness of performance anxiety attests, nothing is more threatening than having that chance.1

Es ist nicht allzu lange her, daß fast jeder Artikel über Lampenfieber bzw. Aufführungsangst mit der Rüge begann, es gäbe keine oder viel zu wenige Untersuchungen zu diesem Thema, obwohl die Häufigkeit des Problems und die Heftigkeit der Symptome längst Aufmerksamkeit verdient hätten. Inzwischen wurde just dieses Thema Quelle für zahlreiche Magister- und Doktorarbeiten. Eine Abfrage der Datenbank „first search“ im Jahr 2000 ergab 486 Eintragungen allein unter dem Begriff „stage fright“. Aber bis auf einige Literaturberichte sind die Mehrzahl dieser Arbeiten der Öffentlichkeit vorenthalten geblieben. Die Ergebnisse wurden nicht weiter publiziert, sondern sind nur an den jeweiligen Institutionen und über Mikrofiche einzusehen. Wenn die nahezu 400 Artikel der Fachjournale und -bücher dazu gezählt werden, die die Verfasserin im Laufe ihrer Forschung las, kann also von einer Vernachlässigung des Themas nicht mehr gesprochen werden – von den Selbsthilfebüchern, die gelegentlich die Tische der Buchhandlungen zieren, ganz zu schweigen.

In Anbetracht der Energien, die in aller Welt in dieses Thema investiert wurden – die vielen Stunden des Recherchierens, Experimentierens und Schreibens – sind die Resultate überhaupt nicht zufriedenstellend. Das Phänomen des Lampenfiebers bzw. der Aufführungsangst bleibt ein Geheimnis: es fehlt eine einheitliche Terminologie, die Ursachen sind noch nicht eindeutig identifiziert, eine Bestätigung der experimentellen Ergebnisse durch Wiederholung oder Nachfolgeuntersuchung fand nicht statt, und erfolgreiche, langfristige Behandlungsmethoden wurden bisher ebenfalls nicht verifiziert. Der Konzertsaal bleibt also weiterhin eine Arena für das „Überleben des Tüchtigen“.

Während diese Zeilen geschrieben werden, unternehmen aufführende Musiker überall auf dem Planeten unkontrollierte Selbstversuche. Damit ← 17 | 18 → hoffen sie, sich selbst erfolgreich gegen das Gespenst „Lampenfieber“ therapieren zu können – mit viel Aberglauben und wenig wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Bandbreite ihrer Methoden reicht vom Einsatz positiven Denkens und Meditation bis hin zum Gebrauch von Alkohol und Arzneimitteln. Währenddessen läuft der Musikunterricht vom Privatlehrer bis zur Musikhochschule unverändert weiter, so daß auch die nächsten Generationen unter Lampenfieber leiden werden. Anstatt alternative Bewältigungsstrategien vorzuschlagen und auszuprobieren, halten die meisten Lehrenden an der „guten, alten“ Tradition fest – weiterhin wird gepredigt: üben, üben, üben.

Bisher scheint also den Musikern effektive, professionelle Hilfe versagt zu bleiben. Daher ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, die vorhandenen Informationen und die bisherigen Untersuchungen so aufzubereiten, daß das Material Aufschluß über die möglichen Gründe dieser Mißstände bietet.

Zuerst werden Hauptbegriffe wie „Lampenfieber“ und „Angst“ in Bezug auf ausübende Musiker vorgestellt. Im Rahmen der „Theorie der optimalen Leistung“ werden die Konzepte „state-trait anxiety“, „facilitating-debilitating anxiety“ und „task-mastery“ präsentiert. Darauf folgt eine Beschreibung der Symptome, die bei Musikern in Verbindung mit Aufführungsvorbereitungen und Aufführungen auftreten, geordnet nach der „Drei-Komponenten-Theorie“. Hinweise auf einen vierten Faktor „Emotionen“ werden anhand verschiedener psychotherapeutischer Theorien präsentiert. Danach folgt die Begriffsbestimmung des Worts „behavior“ in Zusammenhang mit der Vorstellung der in den Fachzeitschriften publizierten wissenschaftlichen Untersuchungen. Diese wurden nach drei Methodenkategorien – Fallstudien, statistische Erhebungen, Experimente – geordnet. Den Schluß der Arbeit bilden die kritische Betrachtung der Untersuchungsmethoden, eine Zusammenfassung mit einigen Empfehlungen für zukünftige Forschungsprojekte sowie das Literaturverzeichnis.


1 Plaut, 1990, S. 59.

Details

Seiten
107
Jahr
2016
ISBN (PDF)
9783653065374
ISBN (ePUB)
9783653951677
ISBN (MOBI)
9783653951660
ISBN (Paperback)
9783631671566
DOI
10.3726/978-3-653-06537-4
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikwissenschaft Musikpädagogik Psychologie Aufführungsangst
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Titel: Lampenfieber und Angst bei ausübenden Musikern