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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

von Stefan Keppler-Tasaki (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 496 Seiten

Zusammenfassung

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachruf auf Wulf Koepke: Ernst Ribbat
  • Nachruf auf Werner Stauffacher: Christina Althen / Alexandra Birkert
  • Massen und Medien bei Alfred Döblin: Einführung: Stefan Keppler-Tasaki
  • Poetologie der Masse
  • „Korallenstock“ Moderne: Alfred Döblins Poetologie der Masse: Sabina Becker
  • „Wie die Bienen sind sie über den Boden her“: Zu den biologischen Bezügen der Massendarstellungen in Döblins Romanen: David Midgley
  • 1. Biologisches Wissen bei Döblin
  • 2. Die biologische Grundlage des Menschenbildes bei Döblin
  • 3. Biologische Bezüge der Massendarstellungen: erzähltechnische Funktionen
  • „Dämonopathie“: Döblins poetisches Spiel mit Kollektivängsten im werkgeschichtlichen Wandel: Burkhard Meyer-Sickendiek
  • 1. Die Dämonopathie in der werkgeschichtlichen Perspektive
  • 2. Der Dämon als Wiederholungszwang: Der Einfluss der Freudschen Traumatheorie auf Berlin Alexanderplatz
  • 3. Erziehung zur Angstbereitschaft: Zur Didaktik von Döblins grotesker Ästhetik
  • 4. Fünf abschließende Thesen
  • ‚Masse Mensch‘ in Döblins Berge Meere und Giganten: Zeitkritik, Vorauswissen und Zukunftsahnung im surrealen Erzählwerk: Friedrich Wambsganz
  • 1. Phänomenologie der Massendarstellung
  • 1.1 Massen im Zivilisationsprozess der Moderne
  • 1.2 Massen in Technikeuphorie
  • 1.3 Kriegswillige und kriegsgeschädigte Massen
  • 1.4 Barbarische Massen
  • 1.5 Abergläubische und stadtflüchtige Massen
  • 1.6 Menschenmassen als Material
  • 1.7 Geläuterte Massen
  • 2. Masse und Macht
  • 3. Massenexzesse und Herrscherwillkür im Medium Sprache
  • 4. Horrorvision als Befürchtung und Warnung
  • Die Masse als Denkfigur des Imaginären in Alfred Döblins Roman Berge Meere und Giganten: Johannes Rauwald
  • 1. Masse und Magma
  • 2. Das Imaginäre nach Cornelius Castoriadis
  • 3. Die Masse als Denkfigur des Imaginären
  • 4. Das Imaginäre der Massen in Berge Meere und Giganten
  • 5. Fazit
  • Monströse Massen: Zur Ökologie in Alfred Döblins Berge Meere und Giganten: Christof Bultmann
  • 1. Ökologische Gleichgewichte
  • 2. Die Ausweitung des sozialen Feldes
  • 3. Monströse Massen
  • 4. Textmassen
  • Masse und Metanoia
  • „Mensch in Masse befrein“: Masse und Individualität in Ernst Tollers Drama Masse-Mensch und seinem Vortrag Man and the Masses: Torsten Hoffmann
  • 1. Masse und Mensch im Vortrag
  • 2. Die Massendarstellung in Masse-Mensch
  • 3. Der Massendiskurs in Masse-Mensch
  • Der Weg eines Anti-Helden von der Egozentrik zur Solidarität: Betrachtungen zum Anti-Bildungsroman Berlin Alexanderplatz: Elcio Loureiro Cornelsen
  • 1. Einleitung
  • 2. Individuum und Masse in Berlin Alexanderplatz
  • 3. Berlin Alexanderplatz als Anti-Bildungsroman
  • 4. Franz Karl Biberkopf und die Masse
  • 5. Schlussfolgerungen: Der Krieg geht weiter
  • Der ‚Neue Mann‘ zwischen Familie und Beruf: Erkundungen bei Hans Fallada und Joseph Breitbach: Claudia Albert
  • 1. Krisen der Männlichkeit in den 20er Jahren
  • 2. Johannes Pinneberg – „Der Mann als Frau“
  • 3. Der ,Kleine Mann‘ im Abwehrkampf – Kaufhaus und Kino
  • 4. Joseph Breitbach – Der Liftjunge als ,Politiker‘
  • 5. Die Angestellten und das ,falsche Bewusstsein‘
  • Massenidole versus Metanoia: Notizen zu Döblins Hamlet und der wiedergefundenen Originaldruckvorlage von 1956: Christina Althen
  • 1. Hamlet oder die Bedeutung der Familie
  • 2. Die Kraft des Zeitgeistes
  • 3. Suchgeschichte einer Druckvorlage
  • 4. Das belgische Kloster
  • Anhang
  • Stupor und Poetik: Alfred Döblin und Reinhard Jirgl: Matthias Prangel
  • 1. Einleitung
  • 2. Schockstarre und Irrlichterei: Alfred Döblins Franz Biberkopf
  • 3. Lamellensprünge: Reinhard Jirgls Georg Adam
  • 4. Weitere poetologische Auswirkungen
  • 5. Zum Schluss
  • Mediale Massenbildung
  • Maschinenmenschen: Mediale Massenbildung bei Alfred Döblin: Peter Jelavich
  • (Massen-) Medien: Intermedialität und Subjektivität bei Alfred Döblin: Sabine Kyora
  • 1. Medienkombinationen
  • 2. Intermediale Bezüge
  • Berlin Alexanderplatz: Masse, Medien und Medialität bei Alfred Döblin: Dagmar von Hoff
  • 1. Der Epiker und das Fenster zur Welt
  • 2. Die Stadt als Verkehrsknotenpunkt und Sammelpunkt menschlicher Beziehungen
  • 3. Fließende Bilderströme und Montage
  • 4. Die Masse und ihre Ornamente
  • 5. Das Kino und die Bewegung des Ornaments
  • 6. Die Lyrik der Kamera
  • 7. Ausblick
  • Restauration des Menschen: Alfred Döblin und der (Radio-) Essay: Doren Wohlleben
  • 1. Kurzer Rückblick auf die Anfänge des Essays: Michel Montaigne und Francis Bacon
  • 2. Alfred Döblins Radio-Essays vor dem Horizont der Tradition
  • 3. Porträt und Essay: Restauration des Menschen
  • 4. Zusammenfassung: Bildung von Individuen
  • Alfred Döblins Radiosendung Kritik der Zeit (1946–1951): Ein Schriftsteller auf dem schmalen Grat zwischen Massenlenkung und Massenaufklärung: Alexandra Birkert
  • 1. Zu Kontinuität, Umfang und Titel der Sendereihe
  • 2. Zum Wirkungskreis von Döblins Sendereihe
  • 3. Zu Döblins ambivalenter Stellung in Deutschland nach 1945
  • 4. Auf verlorenem Posten?
  • 5. „und bemühen sich, dieses Untiers, dieses Drachens ‚Rundfunkhörer‘ Herr zu werden“
  • Editionen
  • Alfred Döblin in der Berliner Freien Studentenschaft: Mit unbekannten Briefen und Artikeln Döblins: Christina Althen
  • Dokumentation I
  • Dokumentation II
  • Propaganda für den Pazifikkrieg: Döblins Filmerzählung Der Ausreißer / The runaway: Stefan Keppler-Tasaki / Gabriele Sander
  • 1. „Bewahre uns Gott vor den Kinos“
  • 1.1 Döblins widerwillige Verpflichtung auf den Film
  • 1.2 Datierung und Einordnung des Ausreißers
  • 2. „Ich will Chaplins nicht vergessen“
  • 2.1 Der Ausreißer als Fluchtgeschichte
  • 2.2 Der Ausreißer als Tramp-Film
  • 3. „eine Flagge, die Clinton erschreckte“
  • 3.1 Döblins Verwendung des Kojiki
  • 3.2 Das Japanische Kaiserreich im Ausreißer
  • 3.3 Anti-japanische Implikationen von Döblins Sinophilie
  • 3.4 Der Zweite Weltkrieg als Pazifikkrieg in der Sicht Döblins
  • 3.5 Japan-kritische und anti-japanische Propaganda im kalifornischen Exil
  • Anhang
  • Beschreibung des Konvoluts
  • Transkriptionsprinzipien
  • Bibliographien
  • In memoriam Wulf Koepke: Bibliographie seiner Veröffentlichungen zu Alfred Döblin: Stefan Keppler-Tasaki
  • Monographien
  • Herausgeberschaften
  • Aufsätze
  • Lexikonartikel
  • Rezensionen
  • In memoriam Werner Stauffacher: Bibliographie seiner Veröffentlichungen zu Alfred Döblin: Christina Althen
  • Herausgeberschaften
  • Editionen
  • Aufsätze
  • Rezensionen
  • Bibliographie der Neuerscheinungen zum Werk Alfred Döblins (IX): Gabriele Sander
  • Primärliteratur
  • Übersetzungen
  • Forschungsliteratur
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Siglen für Döblins Werke
  • Bildnachweis
  • Personenregister

Nachruf auf Wulf Koepke

Ernst Ribbat

Noch während des Döblin-Kolloquiums in Saarbrücken im Juni 2009 hat Wulf Koepke, verstorben am 16. Mai 2010, sich mit einem Vortrag über Arnold Zweigs Erziehung vor Verdun beteiligt und damit die Diskussion der spezifischen Thematik dieser Konferenz gefördert.

Dies war der letzte Beitrag einer fast unüberschaubar langen Reihe wissenschaftlicher Publikationen zu Jean Paul und Herder, zu Goethe und Kleist, vor allem zu Feuchtwanger, Heinrich Mann und allen Autoren der deutschen Exilliteratur.

Wulf Koepke wurde am 24. September 1928 in Lübeck geboren und ging dort zur Schule, erlebte als sechzehnjähriger den Volkssturm und die Bombardierung. Er studierte unter den schwierigen Bedingungen der Nachkriegszeit Germanistik und Philosophie in Freiburg i. Br. und in Paris. Nach seiner Freiburger Promotion über das satirische Frühwerk Jean Pauls wurde er Lektor für Deutsche Sprache und Literatur in Singapur, anschließend war er beim Goethe-Institut in München tätig, ehe er in den USA seine akademische Laufbahn beginnen konnte: in Chicago, Houston und lange Zeit an der Texas A & M-University. Seinen Ruhestand verbrachte er in der Nähe von Boston bzw. während der Sommermonate in Berlin. Durch Zahl und Qualität seiner Monographien, seiner Herausgeberschaften, Aufsätze und Rezensionen, durch die unermüdliche Teilnahme an Konferenzen besonders zum 18. Jahrhundert und zur Exilliteratur war Wulf Koepke einer der bekanntesten und sehr geschätzten Germanisten der USA.

Er war zusammen mit Anthony W. Riley und Werner Stauffacher ein Anreger und gewissermaßen ein Gründer der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft. Auf so gut wie allen Tagungen der Gesellschaft war er präsent. Zwar hat er nicht die Edition von November 1918 durchgeführt, wie zeitweise geplant, aber durch eine Döblin-Monographie in Twayne’s World Authors Series sowie durch seine federführende Beteiligung am Cambridger Companion-Band und zugleich die erste Darstellung zur Wirkungsgeschichte Döblins (beide Bände 2003) hat Wulf Koepke Wegmarken für die weitere Forschung gesetzt. In seinem opus maximum zum Exil, Wartesaal-Jahre (2008), sind auf Döblin und seine Werke mannigfache Hinweise gegeben, die wirksam bleiben sollten. Denn um die Erinnerung an das Leben und Schreiben Alfred Döblins hat Wulf Koepke sich in hohem Maße verdient gemacht. Darum wird die Internationale Alfred-Döblin-Gesellschaft das Gedächtnis an ihn in Ehren halten. ← 9 | 10 → ← 10 | 11 →

Nachruf auf Werner Stauffacher

Christina Althen / Alexandra Birkert

Am 28. Oktober 2010 ist Werner Stauffacher, einer der bedeutendsten Kenner und Förderer von Alfred Döblins Werk, im Alter von 89 Jahren verstorben. Die Abdankungsfeier und Beisetzung auf dem Cimetière du Bois de Vaux in Lausanne fanden am 5. November 2010 statt.

Der am 6. März 1921 in Buchs/St. Gallen geborene Schweizer studierte nach seiner Schulzeit Germanistik in Genf; unter seinen akademischen Lehrern ist Gottfried Bohnenblust hervorzuheben. Nach Stationen an verschiedenen Universitäten in der Schweiz führte ihn seine Laufbahn 1953 nach Lausanne, wo er bis zu seiner Emeritierung 1986 Deutsche Sprache und Literatur an der Faculté des Lettres lehrte, viele Jahre auch das Amt des Dekans sowie schließlich das Amt des Vizepräsidenten der Universität innehatte.

Werner Stauffacher widmete sich schwerpunktmäßig den Werken von Carl Spitteler und Alfred Döblin. Nach seiner Dissertation über Spittelers Lyrik (1950) gab er dessen Kritische Schriften heraus (1965) und verfasste eine umfangreiche Biographie (1973).

Die persönliche Begegnung von Werner Stauffacher und Anthony W. Riley (Kingston, Kanada) erwies sich für die Döblin-Forschung und die Werkausgabe als sehr fruchtbares Wechselverhältnis. Werner Stauffacher begründete gemeinsam mit Anthony W. Riley und Wulf Köpke (Texas, USA) die Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquien; das erste fand am 23. August 1980 in Basel statt. Anfangs jährlich, dann in zweijährigem Rhythmus trafen sich Döblin-Forscher aus aller Welt an unterschiedlichen Orten, die fast immer einen Bezug zu Döblins Leben und Werk haben. Beim Kolloquium 1983 in Freiburg i. Br. begannen die Vorbereitungen zur Gründung einer Alfred-Döblin-Gesellschaft, auf deren Internationalität Werner Stauffacher als Mitglied des Gründungsvorstandes und als Präsident (bis 1987) großen Wert legte und deren Statuten beim Kolloquium in Marbach a. N. am 31. August 1984 beschlossen wurden. In seiner sachkundigen, zielgerichteten und liebenswürdigen Art leitete und prägte Werner Stauffacher die Gesellschaft von Beginn an. Er sorgte dafür, dass die Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquien seit 1986 beim Peter Lang Verlag in Bern in der Serie Jahrbuch für Internationale Germanistik, Reihe A erscheinen konnten und auf eine stattliche Reihe angewachsen sind.

Es war ein Glücksfall für die Döblin-Ausgabe Ausgewählte Werke in Einzelbänden, die von Anthony W. Riley seit 1978 in Verbindung mit den ← 11 | 12 → Söhnen des Dichters im Walter-Verlag Olten, später Düsseldorf, mit wissenschaftlichem Anspruch weitergeführt wurde, dass Werner Stauffacher die kritische Neuausgabe der großen Romanzyklen Amazonas (1988) und November 1918 (1991) sowie schließlich Berlin Alexanderplatz (1996) herausgeberisch bewerkstelligte. Für Döblins Werk, dessen Rechte nun wieder der Verlag S. Fischer innehat, haben Werner Stauffachers Editionen und Forschungen herausragenden Stellenwert.

Werner Stauffacher bleibt in Erinnerung als ein außergewöhnlicher Wissenschaftler, der Kontakte pflegte und hilfsbereit im Umgang auch mit jüngeren Forschern war, die er gerne beriet und unterstützte. ← 12 | 13 →

Massen und Medien bei Alfred Döblin

Einführung

Stefan Keppler-Tasaki

„Wir wiederholen: es handelt sich in der Kunst […] um spontane Ansätze zur Überwindung der Individuation […], nämlich in der Art der Gestaltung, wobei nun Überindividuelles massenhaft einströmt.“1 In der über dreißigjährigen Geschichte der Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquien steht die Auslegung dieser Maxime aus Unser Dasein an frühester Stelle. Wulf Koepke, 2010 verstorbener Mitbegründer der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft, widmete sich ihr in Anwendung auf Döblins vierbändigen Deutschland- und Revolutionsroman November 1918, den die ersten beiden Kolloquien, in Basel 1980 und New York 1981, vorwiegend behandelten.2 Die jüngeren Veranstaltungen wie zu Döblins Wissenspoetik einschließlich seiner soziologischen und medientheoretischen Positionierung (Emmendingen 2007)3 sowie besonders zu seinem Engagement hinsichtlich des Ersten Weltkriegs, dessen Massenmobilisierung und Massensterben (Saarbrücken 2009),4 näherten sich der Medienanthropologie dieses Autors erneut an. Im vorliegend dokumentierten 18. Döblin-Kolloquium, das vom 9. bis 11. Juni 2011 an der Akademie der Künste und der Freien Universität Berlin unter dem Titel Massen und Medien bei Alfred Döblin tagte, wurden Döblins Explorationen der menschlichen Basiskonzepte von Individualität und Überindividualität sowie deren Verhältnis zu Künsten bzw. Medien (zum ‚Beziehungsweisen‘ s. u.) ins Zentrum gestellt. ← 13 | 14 →

Literatur, als die Kunst, für die Döblin spricht, generiert nicht nur – auf der produzierenden wie der rezipierenden Seite – Individualität,5 sondern immer zugleich auch Überindividualität. Einerseits fordert und fördert sie Konzentration, Einsamkeit und, wie Döblin sich ausdrückt, eine „Selbsthypnose“,6 bei der der lesend und schreibend Vereinzelte über den Schreibtisch- und Buchrand hinauszublicken vergisst. Andererseits gilt, dass „Kunst […] nicht frei, sondern wirksam“ ist: ein Satz, den Döblin der Streitbare im Zweifelsfall auch gegen bürgerliche, für die politische Klasse bequeme Exklusivitätsansprüche von Künstlern und Publikum „hart durchzukämpfen“ bereit ist.7 Den Künstler bewegt, gerade in seiner Isolation als Heimarbeiter, der „Trieb […] nach Weitergabe dessen, was er produziert“.8 Für das Publikum findet „bei Aufführungen, Tänzen, vor Bildern […] ein Massengenuß“ statt, der den „Gemeinschaftswert der Kunst“ begründet.9 Döblin hält es nicht für unmöglich, sondern für notwendig, vom Individuum auf die Masse und vom Problembegriff Masse auf den Wertbegriff Gemeinschaft zu kommen. Individuation gibt es nur unvollständig und ergänzungsbedürftig: „Neben die Vereinzelung aller Wesen stellt sich die Verbundenheit aller, neben das Prinzip der Individuation das Prinzip der Kommunikation.“10 Das Problem der Individualität, heißt das, ist das Problem der Masse und ist das Problem ← 14 | 15 → der Kommunikation. Dafür existiert die Spezies als „Sinnen-“ und „Kollektivwesen Mensch“.11

Döblins späte und gesprächsweise Selbstauskunft von 1948, in einem Radiointerview mit dem Leiter der Literatur-Abteilung des SWF, Herbert Bahlinger, ist deshalb mit Vorsicht zu genießen, wo es heißt, dass „ich im Laufe der Jahrzehnte, also von 1912, als ich anfing, bis jetzt, bis 1948, immer mehr eine Neigung habe und hatte, zum Ich und zur Bedeutung des Ichs, über das Kollektive hinweg zu dringen“.12 Döblin führt seinen letzten Roman, Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende, zum Beweis an, da dieser „überhaupt nur drei, vier Personen“ hinstelle13 – eine Eigenschaft, die freilich auch das Frühwerk Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine auszeichnet, wobei Wadzek unter den Anonymitätsbedingungen Berlins spielt und Hamlet von der Konfrontation mit dem japanischen Kriegsgegner als einem gesichtslosen Kollektiv ausgeht. Es gibt keine Entwicklung in Döblins Gesamtwerk, die einseitig etwa vom Ausgangsproblem der Masse zum Zielpunkt des Ich führen würde. Beide sind Relationen voneinander, die man drehen und wenden, aber nicht trennen kann.

Sicherlich, ob in den anthropologischen Schriften wie Das Ich über der Natur (1927), Die Gesellschaft, das Ich, das Kollektivum (1931) und Unser Dasein (1933), in den ästhetischen Abhandlungen wie Von der Freiheit eines Dichtermenschen (1918), Kunst, Dämon und Gemeinschaft (1926) und Literatur und Rundfunk (1928) oder in den politischen Publikationen wie Republik (1920) und Wissen und Verändern! (1931), ob unter ‚blutrot‘ avantgardistischen oder christlich-humanistischen Argumentationsbedingungen, ergreift Döblin stets zuerst die Partei des Individuums: „Ja, an das großartige Faktum, das Urfaktum der Welt, das Ich, das diesen Charakter der Einzigkeit und des Privaten hat, wollen wir uns halten und wollen es nicht vergessen.“14 Kunst ist in diesem Zusammenhang Ausdruck und Mittel der aristokratischen Persönlichkeit: Sie begründet die „Freiheit eines Dichtermenschen“, zu der, mit der gehörigen Ironie des Allround-Skeptikers Döblin, die „Fanfaren zu blasen“ ← 15 | 16 → sind.15 Neben der „Massenerscheinung“ und „Erscheinung an Massen“, zu denen auch Kunststile (wie der Expressionismus) werden können, gibt es – „noch“, wie Döblin in der Perspektive eines historischen Prozesses bemerkt – den „Aristokraten“, die Persönlichkeit, die sich ihrer Haut zu erwehren hat.16 Sie wird vom Schriftsteller dazu ermutigt und bemittelt: „Du mußt dich vor diesen Massen hüten. Sie sind das Übel von heute und die wirklichen Verhinderer eines menschlichen Daseins. […] laß dich nicht betrügen, sie meinen alle dasselbe, sie wollen dich schlucken.“17

Aber auch zum „Lobe der Massen“ will Döblin die „Fanfaren“ erklingen hören.18 Und auch vom Individuum sagt er, das es etwas „schlucken“ will, nämlich, durch die Kunst, „soviel ‚Welt‘ als möglich“.19 Döblin denkt die Masse nicht allein von der „Zeit der Massenherrschaft“20, von der geschichtlichen Situation der Industriegesellschaft mit ihren Deprivationen und Zwängen, Anmaßungen und Friedlosigkeiten her, sondern als Erscheinung der „Urgewalt Welt“21, als Ausprägung der Natur und von dieser Seite ebenso legitimiert wie das Individuum: „das Kollektiv ist wirklich, immer und überall auf dem Marsch, wo Menschen sind; mit dem richtigen, spontan sich gliedernden Kollektiv ist die Ordnung, die Disziplin, welche das Gegenteil von Zwang und Gewalt sind.“22 In der in jüngerer Zeit mehrfach aufgeblätterten Diskurs- und Mediengeschichte der Masse steht Döblin, wie in Vielem, zwischen expressionistischer und neusachlicher Auffassung, zwischen dem Bild der Masse als Ort des Ausnahmezustands, des Unkalkulierbaren und Erschreckenden einerseits, des Alltäglichen, Erschließbaren und (Mit-) Geschöpflichen andererseits.23 Die ← 16 | 17 → „Massen der Zeitgenossen“ sind dem Berliner Flaneur und Kassenarzt nicht farblos und einförmig, sondern „ein vielgestaltiges Gebilde“, lebendig wie das Individuum, weil wie dieses „von hundert […] Strömungen durchwogt“.24 Kunst individualisiert und geht zugleich „auf ‚Vollendung‘, auf die Ergänzung unserer unvollständigen Individualität“.25 Kultur definiert sich entsprechend als „die Äußerung und Ausstrahlung seelischer Inhalte, Durchdringung des gesamten Lebens mit dem seelischen Gehalt“.26 Die Masse muss weder Moloch werden noch bleiben, sondern kann, jenseits parteilicher „Massenorganisiererei“, 27 beseelt werden. Massenkommunikation besitzt die Chance auf Massenbeseelung.

Der Verteidigungsfall, den Döblin für das Ich der Moderne ausgerufen hat, wird damit noch nicht widerrufen. Im Gegenteil erhält das ironisch eingeführte Bild der Fanfare eine bedenkliche, dezidiert militärische Umdeutung: Die Masse ist „tief gestaffelt wie ein römisches Karree und eine spanische Armada“, d. h. aber zugleich machtvoll und (angesichts dieser spezifischen historischen Beispiele) verwundbar, bedrohlich und bedroht.28 Literatur macht in diesem Zusammenhang nicht frei, sondern verpflichtet: zur „richtige[n] Einstellung auf die Masse“.29 ‚Richtig‘ kann es für den Intellektuellen, den geistig Arbeitenden dabei nie sein, sich einer Massenerscheinung auf Dauer anzuschließen, und wenn sie sich auch in der relativen Minderheit befindet (wie die USPD und SPD, mit denen Döblin vom Ende der 1910er Jahre bis zu seinem Parteiaustritt 1928 sympathisierte).30 ‚Richtige Einstellung‘ heißt – im ethischen Sinn – eine den Massen zugewandte innere Haltung und die Bereitschaft zur massenwirksamen Adressierung, heißt aber ebenso – im ästhetischen Sinn – die Einstellung im Sinne der Justierung der literarischen Mittel hinsichtlich der Kommunikation der Masse und der Kommunikation mit der Masse. ← 17 | 18 →

Alfred Döblin, der für viele Autoren von Brecht über Grass bis zu Ingo Schulze und Reinhard Jirgl ein Lehrer war und ist,31 zeigt sich seit dem Debütroman Die drei Sprünge des Wang-lun zunächst als Meister der Kommunikation der Masse, verstanden als narrative Bewältigung und repräsentationale Vermittlung des Massenphänomens. Die Menschenmenge gilt ihm nicht als Sonderfall, vielmehr als Element des Erzählens: Sie ist die „eigentliche wie natürliche so epische Person“.32 Bertolt Brecht, der als junger Mann im Jahr 1920 sowohl den Wang-lun als auch Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine euphorisch gelesen hat, bescheinigt Döblin 1938 brieflich, hierbei auch die Interdependenz von Masse und Individuum berührend,

die vielfachen Neuerungen, die Sie in die Betrachtungs- und Beschreibungsweise unserer Umwelt und des Zusammenlebens der Menschen eingebracht haben […]. Ich kann mir kaum vorstellen, wie jemand, der an die Beschreibung von Bewegungen großer Menschenmassen gehen will, ohne Studium Ihrer auf diesem Feld bahnbrechenden Beschreibungstechnik auskommen könnte. Auch für die Beschreibung der Stellung des Individuums in Massenvorgängen und seiner Entwicklung haben Sie der Epik völlig neuartige Gesichtspunkte überliefert.33

Was Brecht dabei genau im Sinn hatte, lässt sich an werkgeschichtlich früher Stelle mit der Episode des ‚chinesischen Romans‘ erklären, in der Wang-luns Banditenhaufen einen ersten Überfall begeht, nämlich ein Bauerndorf plündert. Es gehört zu den Begleitumständen, dass die Angreiferschaft zunächst aus „über fünfzig“, dann unversehens aus „hundert“ Männern besteht,34 auch dass es in der Aktion selbst kein führendes Haupt gibt und Wang-lun die „Rolle des Bandenführers“35 erst nachträglich aufgenötigt wird. ← 18 | 19 →

Von den Hügeln her kam das Trappen, das ungleichmäßige Knistern und Knarren, weitausgreifendes Bewegen, das nicht einmal zu atmen schien. Gebleichte Gesichter mit reglosen Zügen, Hände, die im Schwung wie Keulen hin und her schaukelten. Körper, die empfindungslos liefen. Rümpfe, die steif auf Schenkeln saßen, welche wie Pferde ritten. Hinter der langen Linie der Einzelläufer schwammen schwarze Gruppen, Hand an Hand gefaßt. Aufgelöste Nachzügler schleuderten die Arme wie Hämmer, um vor sich Löcher in die Luftmauer zu schlagen. […]
Die ersten Räuber warfen sich mit Steingewicht gegen die Tore. Sie prallten hintereinander auf, drangen ein. Die nächsten an die folgenden Tore. Sie überrannten einander. Das Kreischen ließ nach; die Bergläufer in den Häusern strömten Eiskälte aus und das Grauen von Sterbenden; sie konnten ihre Kiefer nicht öffnen; ihre Augen zwinkerten nicht. Die letzten Häuser waren verrammelt. Ein Heulen entstand draußen, ein Gebrüll verwundeter Tiere, daß sich die Frauen verkrochen. Die Lebenden draußen hoben die Körper der Hinstürzenden auf, rannten mit den kopfschüttelnden Rümpfen gegen die Holzpfosten.36

Das ist auch schon fast das Ende einer Beschreibung, in der sich Döblin für seine späteren Verhältnisse ungewöhnlich kurz fasst. Das kleine, in dörflichen Maßstäben gehaltene Exempel, eine Fingerübung des Epikers, eröffnet den Spielraum nach oben – für Prozesse, in denen sich der Unterschied zwischen Menschen, Landschaft, Tieren und Werkzeugen (Arme werden zu Hämmern, Körper zu Rammböcken) immer mehr auflöst, in denen Figuren auftauchen und wieder verschwinden, mit denen wir nicht oder kaum bekannt gemacht werden. China, das „ungeheure Reich“ bietet dem Debütanten Döblin den tatsächlich-phantastischen Raum, in dem sich die „Menschenwellen“ bis zu den höchsten Wogen entfesseln lassen.37 Wie Döblin in den späteren anthropologischen Schriften von den ‚hundert Strömungen‘ spricht, die durch die Masse gehen, legt er den Räuberhaufen penibel in Motivgruppen und deren Untergruppen auseinander. „Manche“, so beginnt dieser lange Katalog, „waren die Opfer eines starken Triebes geworden“, darunter am „schlimmsten […] die Hitzköpfe, die Rachsüchtigen, die Zügellosen“. „Dann kamen viele, die warteten“, darunter „entlassene Soldaten, die […] auf neue Anwerbung hofften“, „ernste Menschen, die ihre Familien […] verloren hatten“. Dann auch, wie Wang-lun, verfehlte Intellektuelle, „unruhige Geister“. Schließlich der harte Kern der „vier, fünf alten Verbrecher“, die uns wiederum als Einzelpersonen mit ihren meist vollkommen widersprüchlichen Eigenschaften vorgestellt werden, z. B. ein Phlegmatiker, der im Verbrechen eine eigenartige Agilität entwickelt, und ein Gelehrter, dessen geistige Fortschritte sich in Schüben von sinnloser Kriminalität vollziehen.38 Die Führungsfiguren sind trotzdem ← 19 | 20 → nicht viel mehr als die Marionetten, mit denen die Massen ihre präexistente Eigendynamik rationalisieren. Die Ideen, die sie synkretisieren und ventilieren, kommen wie bei Wang-lun und dessen „nicht ganz klaren Gedanken“,39 aus dem Un-, Halb- und Missverstandenen älterer, ganz anders kontextualisierter Quellen. Diese Ideen erweisen sich als stark, wirken etwa auf Wang-luns Anhang wie „Bogenschüsse in ihre Masse hinein“,40 sind zugleich aber auch austauschbar.

Dem Präzedenzfall aus Döblins erstem publiziertem Roman sei zur Gegenprobe eine zentrale Episode aus dem großen Alterswerk, November 1918, an die Seite gestellt. Das Szenario der Heimkehr der Fronttruppen präsentiert sich in seinem offiziellen Teil, dem Empfang auf dem Pariser Platz am 10. Dezember 1918, wie folgt auf historischen Fotografien: die Rednerbühne auf der Südseite des Platzes mit Friedrich Ebert, Kriegsminister Heinrich Scheuch, General Lequis und Oberbürgermeister Adolf Wermuth, weithin und bis auf die kahlen Bäume hinauf die Schaulustigen, nahezu unsichtbar gerade diejenigen, die von allen angesehen werden: das Militär, das sich als schmales Rinnsal durch die Zuschauermassen zieht. (Abb. 1 bis 2) Das Gelände war, so entwirft Döblin die Situation,

schwarz von Menschen. Eine große Erregung lag auf ihnen. Die Spannung wuchs. Man glaube ferne Paukenschläge zu hören. Eine Welle von Rufen wogte über die Straßen. Die Schutzleute bildeten eine Kette, um die Masse zurückzuhalten. Jetzt näherten sich wirklich Trompeten.
Und nun das Schauspiel, bei dem viele in der Masse weinten, Männer wie Frauen, im Gefühl des menschlichen Schicksals, eingedenk des langen Krieges und aller Toten.
[…] Ein unendliches Hochrufen schlug um den Zug.
[…] Die Truppen waren trotz ihrer vielen Fahnen in diesem Menschenmeer kaum sichtbar.41

Die weitläufige, für unsere Zwecke nur intermittierend wiederzugebende Beschreibung berührt zunächst mehrfach das Repräsentationsproblem, das sich mit der Masse stellt. Bereits im Massebild des Wang-lun konnte auffallen, dass die Gruppen, die im Räuberangriff auf das Dorf im Zentrum des Pulks ‚schwammen‘, als ‚schwarz‘ erschienen. Nachdem Wang-luns Anhang auf tausende Menschen angewachsen ist, spricht der Erzähler von der „schwarzen Masse“42. So erzeugt auch die Berliner Menschenmenge zuvörderst Schwarz ← 20 | 21 → bild. Der Versuch, eine Kette von Schutzleuten um sie zu bilden wie einen Rahmen um ein Bild, ist zum Scheitern verurteilt. Die „dunklen Scharen“43, wie sie schon zu Beginn des November-Romans heißen, lassen sich nicht ins Bild rücken. Sie stellen der Zeichenordnung ihre nicht mehr asiatische, sondern „Berliner Unordnung“44 entgegen, zu deren Bewältigung Döblins Exilepos seine eigene Sprachmasse von über 2000 Seiten benötigt. Nicht genug mit der ihr eigenen Ausuferung gebiert die Masse Unendliches: an Hochrufen, an Wellen, die sich im „schäumenden Menschenmeer“45 unbestimmt ausbreiten. Sie ist eine moderne Erscheinungsform des Erhabenen und beerbt deren klassischen Bildwortschatz: das Meer, die Welle, den Sturm, aber auch deren Thema, die Bedrohung und Behauptung des Individuums.

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Abb. 1: Heimkehr der Fronttruppen 1918: Rednerbühne

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Abb. 2: Heimkehr der Fronttruppen 1918: Pariser Platz ← 21 | 22 →

Auf den ersten Blick scheint es sich hier nicht, wie vorrangig bei der Horde des Wang-lun, um eine gewalttätige Menschenmenge zu handeln. Aber das Zerstörerische der Masse bleibt nicht aus:

Es schien, als wollte man den Zuschauern – an hunderttausend Menschen, sie füllten Kopf an Kopf den Platz und drängten von den Linden nach – den Aufenthalt auf dem Platz so unangenehm wie möglich machen […]. Es waren viel zu wenig Schutzleute da. Furchtbar waren die Menschen eingekeilt. Viele kämpften und schlugen um sich, um aus dem erstickenden Gedränge herauszukommen. Kinder wurden über die Köpfe hinweggehoben. Man hörte Hilferufe, kreischende Frauen. Mit Gewalt mußten sich Sanitäter zu Ohnmächtigen durchdrängen.46

Das „fürchterliche Menschenknäuel“47 droht die Einzelnen zu verschlingen. Rettung finden sie nicht, wie in der idealistischen Bestimmung des Erhabenen, in der eigenen inneren Freiheit, sondern bei Massenorganisationen wie dem Roten Kreuz. Der energetische Zustand der Vielzuvielen ist – nach wie vor dem Krieg – die ‚große Erregung‘, das ‚Gefühl des menschlichen Schicksals‘, mithin Weinen und Jubel, die sich auch im Wang-lun ausbreiteten. Die Masse, macht Döblin deutlich, kann und lässt sich vor Gefühlen nicht halten. Ihre innere, emotionale Bewegung befreit in einer rätselhaften Form von Energieumwandlung eine äußere, motorische Bewegung. Die Massenmenschen strömen, bilden eine Flut, überschreiten Eindämmungen. In der chinesischen Episode nahmen sie die Eigenschaften von Werkzeugen an, in der Berliner Episode verlebendigen sie das Anorganische: „Die Häuser, voller winkender Menschen und mit wehenden Fahnen überschüttet, hatten ihre Starre verloren.“48 ← 22 | 23 →

Heimkehr und Empfang der Fronttruppen bilden zuletzt deshalb ein dankbares Exerzierfeld der Massenbeschreibung, weil sich Döblins Forderung nach der ‚richtigen Einstellung auf die Masse‘ hier auch seitens der Kommunikation mit der Masse geltend macht. Das Ensemble umfasst als historische Gegebenheit, die der Roman seinem umfassenden Symbolisierungsprozess unterwirft, eine Rednerbühne, auf die ein „kleiner rundlicher Mann“ steigt, einen „Zettel in der Hand“, um „offenbar etwas Rednerisches von sich [zu] geben“: „Dies war der Volksbeauftragte Ebert, der erstaunt auf die ungeheure Masse blickte und sich fragte, wie er hier mit seiner Stimme durchdringen sollte.“49 Friedrich Ebert, zum damaligen Zeitpunkt faktischer Regierungschef und Sitzungsleiter des provisorischen Rates der Volksbeauftragten, strengt sich zunächst noch gewaltig an, resigniert sich dann aber auf seinen engeren Umkreis. Die Worte politischer Vernunft und Führung, vom Einzelnen mit dessen „gewöhnlicher Stimme“50 gesprochen, sind wie eine Flaschenpost ins Meer geworfen. Sie enthalten keine Botschaft, die die Menschen im Aggregatzustand der Masse auf sich beziehen würden. Indes stehen, wie Döblin hervorhebt, Journalisten um die kleine Rednerbühne herum, die die Worte verzeichnen und massenhaft vervielfältigen, darunter Eberts Parteiblatt Vorwärts mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Massenmedien sollen die Kommunikation in der Massengesellschaft organisieren, scheinen dabei aber ihrerseits bestimmte Eigenschaften der Masse anzunehmen, so die Emotionalität und die Bedrohung des Individuums. „Unglückselig“ nennt Döblin den Vorwärts, der am 8. Januar 1919 zur „Stunde der Abrechnung“ mit den Kommunistenführern aufrief.51 Der dritte Teil des November-Romans, unter dem Titel Karl und Rosa, analysiert angelegentlich den mörderischen Parteienhass im Blätterwald und die militärische Besetzung des Berliner Zeitungsviertels um die Kochstraße. In der Episode des Truppenempfangs auf dem Pariser Platz reüssieren unmittelbar aber weder der politische Redner Ebert noch die Partei- und Boulevardpresse. Eine Art direkter Steuerung scheint die Emotion und Lokomotion der Masse vielmehr durch musikalische Impulse zu erhalten. Im Rhythmus eines Soldatenliedes, Nun geht’s ans Abschiednehmen mit dem Refrain „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn“ findet die Masse zu dem ihr möglichen Einklang.52

In den vergangenen Jahren haben viele Literarische Gesellschaften ihren Autor, ihre Autorin ins Verhältnis zu den ‚Medien‘ gesetzt, worunter gewöhnlich die ‚neuen‘ oder ‚technischen Medien‘ verstanden wurden. Auf ← 23 | 24 → den Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquien lief das Thema, zwangsläufig bei einem Schriftsteller, der für sich das Arbeitsprofil des ‚Sprachstellers‘ erfand,53 fast von den Anfängen mit. Dafür stehen Beiträge zu Döblins zahlreichen Radiosendungen seit der Berliner Funkstunde,54 zu seinen Fotografie-Reflexionen wie im Vorwort für August Sanders epochalen Bildatlas Menschen des 20. Jahrhunderts,55 zum von Döblin so getauften „Kinostil“ und dessen Verhältnis zu den Alexanderplatz-Adaptionen,56 schließlich zu den Texten für Filme, die sich auf das vielseitigste und gewaltigste der neuen Medien einlassen und sowohl die Auseinandersetzung mit Populärliteratur als auch mit politischer Propaganda einschließen.57

Döblin kennt und benutzt den Begriff des Mediums, ist mit ihm – spätestens seit Ende der 20er Jahre – soweit im Reinen, dass er unter ihm das „Instrument“, das „technische Mittel“ für „Verbreitungszwecke“ versteht, dafür Buch, Theater, Rundfunk und Kino nennt, die verbreiten, vermitteln, übermitteln.58 Von der Literatur, von Musik, Tanz, Malerei und bedingt auch vom Film spricht er als Künsten, die formen, gestalten, ausdrücken. Döblin sieht ebenso klar, dass die solchermaßen technisch definierten Medien jeweils mehrere Künste (und nicht nur Künste), wenn auch in unterschiedlicher Häufigkeit transportieren können, z. B. das Buch Literatur und ferner Malerei, der Rund ← 24 | 25 → funk Literatur und vor allem Musik. Näherhin zeigt Döblin ein Verständnis davon, dass Medien nicht etwa nur passive Transmitter oder neutrale Durchgangswege bedeuten, sondern an der Semiose von Kunstwerken teilhaben und Dispositive in dem Sinn darstellen, dass sie Künste disponieren: zum Gesprochenwerden und Tönen im Falle des Rundfunks, zur Gedrängtheit, Bildpräzision und Kinese im Falle des Kinos. Medien sind der Kunst nichts Äußeres, sondern aktive Verwandler, Katalysatoren für Entwicklungen und mit dem Leitbegriff der Veränderung verbunden: „Veränderungen bis in die Substanz des Werkes hinein“.59 Döblin variiert und wiederholt den Satz für das Radio: „Für die Literatur aber ist der Rundfunk ein veränderndes Medium“,60 und ebenso für den Film: „Nur der veränderte Autor kann den Film verändern.“61

Mit Döblin und den Medien begegnen sich keine Fremden. Daher dramatisiert dieser Autor in der Regel auch nicht das Neue der ‚neuen Medien‘. Mit der Wirkung der alten chinesischen Weisheitsbücher vertraut, war er nicht leicht zu beeindrucken. Die „stolzen Kung-fu-tseanhänger“ besetzen im Wang-lun den gesamten Beamtenapparat des ausgreifenden Kaiserstaates, und dies über Jahrtausende und Dynastien hinweg.62 Wang-luns Vater, ein Fischer in der Ostprovinz Schantung, ist vom „Buch der tausendachtundsechzig Worte des Tscheou-hing-tse“ bis zur Verrücktheit besessen.63 Zu schweigen davon, dass die diversen rebellischen Volksbewegungen, die der Roman beschreibt, mit der öffentlichen Lesung „aus einem alten Buche“ beginnen, offenbar dem Koran, da es sich zunächst um einen Aufstand chinesischer Mohammedaner handelt.64 Dass das ältere asiatische und das jüngere europäische Buchzeitalter zur medialen Massenmobilisierung sehr gut in der Lage waren, bildet die Voraussetzung für denjenigen Roman Döblins, der 1920 auf Wang-lun und Wadzek folgt: Wallenstein, in dem sich Lutheraner und „Jesusgesellschaft“ publizistische Schlachten um das „heilige süße Wort Christi“ liefern.65 Die beiden historischen Romane sind darin und gegenüber dem Berlin-Roman ← 25 | 26 → des Wadzek, der das Kino in den Vordergrund rückt,66 nicht nur Schlüsselromane von Döblins massenmedialer Gegenwart. Trotzdem hat sich Döblin, bekanntlich eine reizbare Persönlichkeit, die Provozierbarkeit durch die neuen Medien voll erhalten. Mit dem „riesigen Umfang der Hörermasse“ sieht er einen „Aktionsradius“ gekommen, den er „ungeheuer“ nennt.67 Mit den neuen Mediendispositiven realisiert er den Veränderungsbedarf, der sich daraus für die Arbeit des Schriftstellers ergibt.

Massen und Medien sind Döblin zufolge notwendig aufeinander bezogen. Nicht als ob Medien zur Entstehung von Massen notwendig wären. Aber Medien generieren kollektive Bewusstseinsinhalte, lassen sich als Massenmedien der Masse auf den Leib schneidern und geben ihr Richtungen, die verantwortet werden müssen. Die Massen, wie Döblin sie fasst, sind so empfänglich für Medien, lassen sich von ihnen ‚in Fluss bringen‘,68 weil sie ‚proletarische‘ Massen sind: ‚Proletarier‘ nicht im sozialständischen Sinne, sondern als eine „neue Rasse, eine neue Lebendigkeit“ jenseits bürgerlich-individualistischer Distinktionskultur.69 Die Masse versteht sich – das setzt die berühmte Parole „Weg von den Gebildeten, heran an die Massen“70 voraus – im Unterschied zu den ‚Gebildeten‘. Wo die Masse möglich ist, ist daher auch die „Massenlüge“ möglich, von der Döblin meint, dass sie einen „große[n] Teil des heutigen Kollektivbewußtseins der großen Völker erfüllt“ und für die er auch Flugblätter, Plakate und Hetzschriften als Medien anführt.71 Mit dem Willen zur Massenwirksamkeit – „das ganze Deutschland soll es sein“72 – hat Döblin am Ende, wie selbst der wesentlich pragmatischere „Medienarbeiter“ Brecht,73 faktisch wohl weniger Publikum erreicht als etwa Thomas Mann, der die Massen so nicht im Programm führt, sich aber das breite Bürgertum gewonnen hat. Erreicht hat Döblin damit jedoch neue Themen, Sichtweisen und poetische Verfahren. ← 26 | 27 →

Soviel ist sicher, dass das „große ernste Massenwesen“74 Döblin faszinierte, seine Imagination anregte und sein intellektuelles Verantwortungsbewusstsein herausforderte. Dieser menschliche Aggregatzustand, der sich geschichtlich zu verfestigen schien, wurde ihm thematisch und darstellerisch zu Problem und Aufgabe. Formen und Lebensgesetze der „großen Kollektivkräfte“75 waren ihm ein aufgegebenes Rätsel. Wie lässt sich der Natur- und Kulturfaktor Masse, wie lassen sich kollektive Bewusstseinslagen durch die soziale Intelligenz des Schriftstellers wahrnehmen, verstehen und repräsentierten? Wie sich die Lebensform im Massenhaften mit einem authentischen Leben des Einzelnen vereinbaren? Wie können Medien die Kommunikationsfähigkeit einer (demokratischen) Massengesellschaft unterstützen? Wie können Schriftsteller für die massenmediale Kommunikation – in Tagespresse, Radio und Film – Verantwortung übernehmen? Welche legitimen und illegitimen Wege gehen Propaganda und Demagogie? Der vorliegende Band rekonstruiert diese Fragehorizonte Döblins, sammelt und deutet seine Reaktionen und Antworten darauf.

Die sechs Beiträge der ersten Sektion, „Poetologie der Masse“, eröffnen mit einem Grundsatzreferat von Sabina Becker (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), das die poetologische Programmatik des Antiindividualismus und Antipsychologismus anhand eines Großteils von Döblins ästhetischen Schriften nachvollzieht und in Verschränkung mit einer Literaturauffassung betrachtet, die das technisch-industrielle Umfeld der Mediengesellschaft mitbedenkt. Es folgen Nachforschungen David Midgleys (University of Cambridge) zu Döblins biologischem Wissen und seiner Anthropologie – in Das Ich über der Natur und Unser Dasein – einschließlich deren erzähltechnischer Funktionalisierung im Wang-lun, in Berge Meere und Giganten sowie Berlin Alexanderplatz. Im werkgeschichtlichen Durchgang, mit Schwerpunkten auf Döblins Essayistik – darunter Kunst, Dämon und Gemeinschaft sowie Der deutsche Maskenball – und Folgerungen insbesondere für Berlin Alexanderplatz widmet sich Burkhard Meyer-Sickendiek (Freie Universität Berlin) Döblins Metapsychologie der Kollektivängste. Drei Fallstudien widmen sich darauf dem für alle Facetten des Massenhaften sicherlich auffälligsten, weil hyperbolisch verfahrenden Roman Döblins, Berge Meere und Giganten, in den Friedrich Wambsganz (Ludwig-Maximilians-Universität München) historisch einführt, den Johannes Rauwald (Universität zu Köln) mit der rezenten Gesellschaftstheorie von Cornelius Castoriadis und Christof Bultmann (ebenfalls Universität zu Köln) vorrangig mit historischen Theorien der Ökologie lesen. ← 27 | 28 →

Unter dem Sektionstitel „Masse und Metanoia“ sind fünf Beiträge versammelt, die das Motiv verbindet, welche Bekehrungs-, Umkehr- und Wandlungsvorgänge eines Individuums gegenüber der Masse stattfinden bzw. ausbleiben. Den Anfang macht hier Torsten Hoffmann (Goethe-Universität Frankfurt), der mit Ernst Toller einen der wichtigsten Referenzautoren des literarischen Massendiskurses vorstellt und dafür auch auf die Rezension des Dramas Masse-Mensch zurückgreifen kann, die Döblin als eine seiner ersten Theater- und Filmbesprechungen für das Prager Tagblatt im November 1921 verfasst hat. Elcio Loureiro Cornelsen (Universidade Federal de Minas Gerais, Brasilien) widmet sich Berlin Alexanderplatz (1929) als Anti-Bildungsroman, der seinen Protagonisten durch abrupte Änderung statt durch langsame Bildung in ein verantwortliches Verhältnis zur Masse bringt. Claudia Albert (Freie Universität Berlin) behandelt vor allem mit Hans Falladas Kleiner Mann – was nun? (1932) einen Berlin Alexanderplatz in der sozialen Position benachbarten Roman, dessen Protagonist einen absteigenden Weg in die proletarischen Massen geht, ohne allerdings sein Selbstbild als männliches Familienoberhaupt den neuen Gegebenheiten anpassen zu können. Christina Althen (Frankfurt a. M.) legt ihre Entdeckung des Originaltyposkripts von Döblins Hamlet-Roman (1956) vor, an dessen Schluss der Protagonist ins Kloster eintreten sollte: eine Abkehr Edward Allisons von den ihn bedrängenden Massenidolen des Erfolgs und Besitzes hin zum Symbol der Entsagung. Döblins Option für Radikalkuren, um Menschen zur Ein- und Umkehr zu bewegen, nimmt sich zuletzt Matthias Prangel (Universität Leiden) anhand einer Poetik des Stupors vor: Mit Reinhard Jirgl und dessen Roman Die Stille (2009) behandelt er zugleich das jüngste Beispiel für die zahlreiche Nachfolgerschaft Döblins, in diesem Fall der Nachfolge von Berlin Alexanderplatz.

Die dritte Sektion umfasst unter dem Titel „Mediale Massenbildung“ fünf Beiträge, die sich dem Verhältnis von Massen und Medien bei Döblin stärker von der Seite der Medien nähern. Die Grundlage dafür schafft Peter Jelavich (Johns Hopkins University), Historiker und Autor des in unserem Zusammenhang sehr maßgeblichen Buches Berlin Alexanderplatz. Radio, Film and the Death of Weimar Culture (2006), der in seiner neuen Studie dem Zusammenwachsen von Maschinen und Menschen, mit Medien als Prothesen, sowie der medialen Verantwortung für Demokratie und politische Volksbildung nachgeht. Sabine Kyora (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) unternimmt den wichtigen Schritt, die intermediale Verfassung der Massenkommunikation und die subjektive Rezeption von Medien in Döblins epischen und autobiographischen Texte auszumessen. Dagmar von Hoff (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) gewinnt Berlin Alexanderplatz neue Aspekte ab, indem sie unter wiederholtem Rückgriff auf das Originalmanuskript verfolgt, wie dieses Grundbuch der modernen Kultur die Masse zum Subjekt und die Medien zu ← 28 | 29 → dessen Sprechorganen erhebt. Die beiden abschließenden Aufsätze gelten Döblins Rundfunkarbeiten, wobei Doren Wohlleben (Universität Augsburg /Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) die Gattungsfrage stellt und hinsichtlich des (Radio-) Essays beantwortet, während Alexandra Birkert (Stuttgart) in Fortführung ihrer grundlegenden Arbeiten zum Thema Döblins SWF-Sendung Kritik der Zeit (1946−1951) und die Probleme des damit verbundenen politischen ‚Aufklärungsfeldzugs‘ behandelt.

Der Dokumentation der Berliner Kolloquiumsverhandlungen folgt eine Abteilung mit Editionen: zunächst Döblins früher Briefwechsel mit Richard Dehmel und seine damit zum Teil zusammenhängenden Artikel in der Berliner Hochschul-Zeitung (1904), beides Neuentdeckungen Christina Althens, dann Döblins unvollendeter Text für einen Film Der Ausreißer/The runaway (1941), den Gabriele Sander (Bergische Universität Wuppertal) der berüchtigten ‚Unlesbarkeit‘ des betreffenden Manuskripts entrissen hat und von mir (The University of Tokyo) hinsichtlich der darin verfolgten Propaganda für den Pazifikkrieg eingeleitet wurde.

Für die freundliche Zusammenarbeit bei der Organisation des 18. Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquiums danke ich sehr herzlich der damaligen Präsidentin der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft, Sabine Kyora, sowie dem Sekretär der Literatur-Klasse der Berliner Akademie der Künste, Jörg Feßmann. Bei der Durchführung der Veranstaltung hat mich Sophie Annette Kranen unterstützt. Bei der Vorbereitung der Drucklegung hat Nadine Ebert umfangreiche redaktionelle Mitarbeit geleistet. Der Satz ging durch die bewährten Hände von Martin Janz. An der Vorlagenbeschaffung für die Bildausstattung des Bandes haben Hosung Lee und Thomas von Pluto-Prondzinski dankenswert mitgewirkt. Eine Videodokumentation der Konferenz mit zusätzlichen Interviews über Alfred Döblin wurde von der Freien Universität Berlin produziert und ist unter anderem auf der Webpräsenz der Friedrich Schlegel Graduiertenschule abrufbar.76 Die finanzielle Förderung verdankt sich der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften. ← 29 | 30 → ← 30 | 31 →

1Alfred Döblin: Unser Dasein. Hrsg. von Walter Muschg. München 1988, 242.

2Wulf Koepke: „Spontane Ansätze zur Überwindung der Individuation“. Zur Struktur von Döblins Bürger und Soldaten 1918. In: Internationale Alfred Döblin-Kolloquien Basel 1980, New York 1981, Freiburg i. Br. 1983. Hrsg. von Werner Stauffacher. Bern/Frankfurt a. M. u. a. 1986, 20–33.

3Exemplarisch Matthias Prangel: Zwischen monologischer Schriftkultur und vernetzter Technoimagination. Alfred Döblins Poetik. In: Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Emmendingen 2007. Hrsg. von Sabina Becker/Robert Krause. Bern/Frankfurt a. M. u. a. 2008, 195–211.

4Exemplarisch Liselotte Grevel: Spuren des Ersten Weltkriegs in Alfred Döblins Feuilletons der 1920er Jahre. In: Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Saarbrücken 2009. Hrsg. von Ralf Bogner. Bern/Frankfurt a. M. u. a. 2010, 159–175.

5Dazu in besonderer Zuspitzung Russell A. Berman: Fiction Sets You Free. Literature, Liberty, and Western Culture. Iowa City 2007; zur Diskussion Dirk Kemper/Stefan Keppler-Tasaki: Einleitung. Germanistische Individualitätsforschung in interkultureller Perspektive. In: Akten des XII. Internationalen Germanistenkongresses Warschau 2010. Hrsg. von Franciszek Grucza. Bd. 6: Nationale und transnationale Identitäten in der Literatur. Ich, Individualität, Individuum: Kulturelle Selbst-Vergewisserung in der Literatur. Bern/Frankfurt a. M. u. a. 2013, 165–174.

6Alfred Döblin: Literatur und Rundfunk. In: Ders.: Schriften zu Ästhetik, Poetik und Literatur. Hrsg. von Erich Kleinschmidt. Olten/Freiburg i. Br. 1989, 251–261, hier 259.

7Alfred Döblin: Kunst ist nicht frei, sondern wirksam: ars militans. In: Ders.: Schriften zu Ästhetik, Poetik und Literatur. Hrsg. von Erich Kleinschmidt. Olten/Freiburg i. Br. 1989, 245–251, hier 251.

8Alfred Döblin: Kunst, Dämon und Gemeinschaft. In: Ders.: Schriften zu Ästhetik, Poetik und Literatur. Hrsg. von Erich Kleinschmidt. Olten/Freiburg i. Br. 1989, 192–196, hier 193.

9Döblin: Unser Dasein (wie Anm. 1), 244. Vgl. dazu Thomas Keil: Alfred Döblins Unser Dasein. Quellenphilologische Untersuchungen. Würzburg 2005, 43–58, sowie Torsten Hahn: Fluchtlinien des Politischen. Das Ende des Staates bei Alfred Döblin. Köln 2003, 287–304.

Details

Seiten
496
ISBN (PDF)
9783035106985
ISBN (ePUB)
9783035199772
ISBN (MOBI)
9783035199765
ISBN (Paperback)
9783034310895
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (März)
Erschienen
Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien, 2014. 496 S.

Biographische Angaben

Stefan Keppler-Tasaki (Band-Herausgeber:in)

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Titel: Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011