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Entwicklungen des Buddhismus im zwanzigsten Jahrhundert in Indonesien

Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der «Agama Buddha (di) Indonesia»

von Julia Linder (Autor:in)
Dissertation 322 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autoren-/Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Zur Verwendung fremdsprachlicher Begriffe und buddhistischer Fachtermini
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Forschungsstand
  • 1.2 Konzeptioneller Aufbau der Untersuchung
  • 1.3 Relevanz der Untersuchung
  • 1.4 Forschungsziel, Vorbemerkungen und Eingrenzung
  • 1.5 Methodisches Vorgehen: Implizite Triangulation im Rahmen einer ethnographischen Studie
  • 1.5.1 Datenanalyse und Feinjustierung: iterativer Forschungs- und Revaluierungsprozess
  • 1.5.2 Datenquellen, Datenerhebung und Datenauswertung
  • 2 Historische Entwicklung
  • 2.1 Das Goldene Zeitalter – zaman keemasan, jaman buda
  • 2.1.1 Borobudur
  • 2.1.2 Śiva-Buddhismus
  • 2.1.3 Relevanz für die Gegenwart
  • 2.2 Geschichte des Buddhismus bis 1945
  • 2.2.1 Die Theosophie
  • 2.2.2 Mahāyāna-Buddhismus als Teil der san jiao der peranakan
  • 2.2.2.1 Erster Protagonist Kwee Tek Hoay (1886–1951)
  • 2.2.3 Kejawen und kebatinan – buddhistisches Revival von innen
  • 2.2.4 Erste buddhistische Organisationen
  • 2.2.5 Zwischenergebnis
  • 2.3 Gretchenfrage: Indonesien, nun sag’, wie hast Du es eigentlich mit der Religion?
  • 2.3.1 Die Pancasila: der mittlere Weg
  • 2.3.2 Das Religionsministerium als unabwendbares Zugeständnis
  • 2.3.3 Einheit zur Beobachtung und Überwachung von Glaubensrichtungen in der Gesellschaft (Tim Pengawasan Kepercayaan Masyarakat – PAKEM)
  • 2.3.4 Relevanz für den Buddhismus
  • 2.4 Die Geschichte des Buddhismus in Indonesien seit 1945
  • 2.4.1 Maha Sthavira Ashin Jinarakkhita – ein Porträt
  • 2.4.2 Entwicklung buddhistischer Organisationen
  • 2.4.3 Ein buddhistisches Laien-Titelsystem
  • 2.4.4 Zwischenanalyse
  • 2.4.5 Die Entwicklung erster Ordensstrukturen
  • 2.4.6 Differenzen der Laienorganisationen
  • 2.5 Der Buddhismus auf dem religionspolitischen Parkett
  • 2.5.1 Regierungswechsel: von der Alten Ordnung zur Neuen Ordnung
  • 2.5.2 Die Indonesianisierung und Tuhanisierung des indonesischen Buddhismus
  • 2.5.2.1 Konsensfähigkeit des Ādi-Buddha
  • 2.5.2.2 Öffentlichkeitswirksame Implementierung des Göttlichkeitskonzepts
  • 2.5.2.3 Interne Konflikte um das Gotteskonzept Sang Hyang Ādi-Buddha
  • 2.5.2.4 Die Abwertung des Mahāyāna im Zuge der Chinesen-diskriminierenden Politik
  • 2.5.3 Fazit
  • 2.6 Entwicklungen auf Saṅgha-Ebene
  • 2.6.1 Zunehmender Einfluss des Thammayut
  • 2.6.2 Sangha Suci – Maha Sangha Indonesia – 1959 bis 1972
  • 2.6.2.1 Die erste Spaltung von 1972
  • 2.6.2.2 Rahmenbedingungen auf der politischen Ebene
  • 2.6.3 Endgültige Spaltung 1976 I: Gründung von MAPANBUDHI 1976
  • 2.6.4 Endgültige Spaltung 1976 II: Gründung des Saṅgha Theravāda Indonesia
  • 2.7 Entwicklungen auf politischer Ebene – der allmähliche Aufstieg des Buddhismus zur staatlich anerkannten Religion
  • 2.7.1 Politische Agenda der achtziger und neunziger Jahre
  • 2.7.2 WALUBI-Dachverband
  • 2.7.2.1 Die NSI-Affäre
  • 2.7.2.2 Die WALUBI-Krise
  • 2.7.2.3 Exkurs: Zu den Synkretismusvorwürfen und Kontroversen um Ashin Jinarakkhita
  • 2.7.2.4 Die WALUBI-Krise: Erklärungsmodelle
  • 2.7.2.5 Reformasi
  • 2.7.3 Große Ordenskonferenz Indonesiens (Konferensi Agung Sangha Indonesia – KASI)
  • 3 Die Saṅghas als Träger der Aushandlungsprozesse
  • 3.1 Saṅgha Theravāda Indonesia
  • 3.1.1 Die Geschichte des Saṅgha Theravāda Indonesia – historische Einordnung
  • 3.1.2 Einfluss des Thammayut
  • 3.1.3 Der Saṅgha Theravāda Indonesia: Verfassung und Organisationsstruktur
  • 3.1.4 Exkurs: Göttlichkeitskonzept und religiöse Praxis des Theravāda-Buddhismus
  • 3.1.5 Interview mit Generalsekretär Dhammakaro Mahāthera und Saṅghanayaka Bhikkhu Jotidhammo Mahāthera
  • 3.1.6 40 Jahre Saṅgha Theravāda Indonesia: Früher und Heute
  • 3.1.7 Ein Gesicht des Buddhismus: Landbuddhisten auf Java
  • 3.1.8 Profil des Saṅgha Theravāda Indonesia
  • 3.2 Sangha Agung Indonesia 1974–2002
  • 3.2.1 Eine Symbolfigur für alle drei Pfeiler
  • 3.3 Der Sangha Agung Indonesia seit 2002
  • 3.3.1 Organisationsstruktur
  • 3.3.2 Buddhayāna Values – eine Leitlinie des Sangha Agung Indonesia und der MBI von 2012
  • 3.3.2.1 Resümee des aktuellen Werteprofils
  • 3.3.3 Interview mit Ashin Kheminda
  • 3.3.4 Ein Gesicht des Buddhismus: Politische Positionierung der Agama Buddha –„Beten für den Wohlstand von Nation und Staat“
  • 3.3.5 Profil des Sangha Agung Indonesia
  • 4 Ergebnis: Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der „Agama Buddha (di) Indonesia“ – im Bett des Prokrustes
  • 4.1 Die öffentliche Positionierung der Agama Buddha in diesem Bett des Prokrustes
  • 4.2 Die Buddhismus-internen Aushandlungsprozesse
  • 4.3 Agama Buddha (di) Indonesia – Konstituiert sich hier ein Indoyāna?
  • 4.3.1 Profil und Positionierung der Agama Buddha (di) Indonesia I: Ansichten des Sangha Agung Indonesia
  • 4.3.2 Profil und Positionierung der Agama Buddha (di) Indonesia II: Ansichten des Saṅgha Theravāda Indonesia
  • 4.4 Die vielfältigen Gesichter des Buddhismus im heutigen Indonesien
  • 5 Literatur
  • Reihenübersicht

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Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schaubild zu den Entwicklungen der Saghas in Indonesien

Abbildung 2: Eingangsbereich der Avalokitesvara-Pagode im Vihāra Sakyawanaram (Aufnahme: Julia Linder, 02.09.2013)

Abbildung 3: Anordnung der Figuren auf dem lotusförmigen Altar der Avalokitesvara-Pagode im Vihāra Sakyawanaram (Aufnahme: Julia Linder, 02.09.2013)

Abbildung 4: Avalokitesvara-Pagode im Vihāra Sakyawanaram (Aufnahme: Julia Linder, 02.09.2013)

Abbildung 5: Gedenkstätte Eyang Suryakencanas in der Haupthalle des Tempelkomplexes Vihāra Sakyawanaram (Aufnahme: Julia Linder, 02.09.2013)

Abbildung 6: Tempelhalle des Vihāra Vidyaloka Pakuwon, Zentraljava (Aufnahme: Julia Linder, 07.04.2014)

Abbildung 7: Gamelanunterricht in der Tempelanlage Vihāra Vidyaloka Pakuwon, Zentraljava (Aufnahme: Julia Linder, 07.04.2014)

Abbildung 8: Grundsteinlegung für den Ausbau des Vihāra Vidyaloka Pakuwon, Zentraljava (Aufnahme: Julia Linder, 07.04.2014)

Abbildung 9: Szene der Veranstaltung „Awaken the Diamond in you: Fenomenal Dhamma Talk 2014 Bersama Khema – Khemi“ Selecta Royal Ballroom, Medan, Nordsumatra (Aufnahme: Julia Linder, 12.04.2014)

Tabelle 1: Makro-, Meso und Mikroebene des Settings der Studie

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Abkürzungsverzeichnis

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Zur Verwendung fremdsprachlicher Begriffe und buddhistischer Fachtermini

Buddhistische Fachtermini und die Verwendung von Diakritika

Die Theravāda-Tradition, die sich ausschließlich auf den Pālikanon stützt, die Mahāyāna-Tradition, die sich auf die Sanskrit-Überlieferungen bezieht sowie das Konzept des Buddhayāna, in dem die drei buddhistischen Schulrichtungen des Theravāda, Mahāyāna und Vajrayāna im Verbund gemeinsam praktiziert werden, erschweren eine einheitliche Verwendung buddhistischer Fachtermini.

In den indonesischen Quellen sowie in den Eigenbezeichnungen der buddhistischen Akteure, der Ordensgemeinschaften und der dazugehörigen Laienorganisationen, werden „indonesianisierte“ Formen der Pāli- und Sanskritbegriffe verwendet, dabei wird größtenteils auf diakritische Zeichen verzichtet. Eine Ausnahme bildet hier der Theravāda-Orden Indonesiens – Sagha Theravāda Indonesia – der mittlerweile in seiner offiziellen Eigenbezeichnung Diakritika verwendet. In dieser Arbeit sind diese in Indonesien üblichen Schreibweisen beibehalten worden: d. h. taucht der Begriff Sagha für sich als Fachterminus auf, so wird er in seiner Pāliform (d. h.: Sagha) wiedergegeben, bildet er jedoch den Namensbestandteil einer der buddhistischen Orden in Indonesien, so ist er in der Form wiedergegeben, die der jeweilige Orden in seiner Eigenbezeichnung verwendet: Sagha Theravāda Indonesia aber Sangha Agung Indonesia.

Bilden buddhistische (Ordens-)Titel (bspw. bei den Titeln der Mönche sowie in Bezug auf das Laien-Titelsystem) den Bestandteil eines Namens, nutze ich in dieser Arbeit ebenfalls die in Indonesien gängigen „indonesianisierten“ Pāli- oder Sanskrittermini: z. B. Samanera, Bhikkhu, Bhante, Upasaka.

Zitate und Übersetzungen

In den direkten deutschen oder englischen Zitaten wird jeweils die Originalschreibweise des Autors beibehalten; in den Übersetzungen von indonesischen Zitaten ins Deutsche hingegen wird die hier erläuterte Begriffssystematik angewandt. Bei umfangreicheren indonesischen Zitaten steht lediglich die deutsche Übersetzung im Haupttext, die Originale sind an der jeweiligen Stelle kursiviert in einer Fußnote angefügt. Alle Übersetzungen aus dem Indonesischen stammen von der Verfasserin, Ausnahmen sind im Text kenntlich gemacht.

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1 Einleitung

Der Buddhismus kam über den „maritimen Kulturtransfer“ im Zuge der sogenannten „Indisierung“1 bzw. „Hinduisierung“2 Südostasiens nach Indonesien. Zwischen dem 5. und dem 15. Jh. florierte der Buddhismus in einer Verflechtung mit hinduistischen-śivaitischen Elementen und deren Akkulturation entlang altindonesischer indigener Religionskonzepte auf Sumatra und Java. Nach dem Niedergang des letzten Reiches dieser hindu-buddhistischen Epoche (Majapahit im 15. Jh.) und der flächendeckenden Etablierung des Islams, erhalten sich Formen des Buddhismus in verschiedenen Enklaven über den Archipel verteilt3. Der Einfluss hinduistischer und buddhistischer Kultur in dieser Region ist für die frühe Religionsgeschichte und spezifische Entwicklung des heutigen Indonesiens bedeutsam. „Diese Bedingungen haben zu spezifisch indonesischen Ausprägungen nicht nur des Islam […] geführt. Auch der Buddhismus zeigt – je nach regionaler Verortung – unterschiedliche Gesichter.“4

Erst Ende des 19. Jh. findet die Geschichte des Buddhismus in Indonesien ihre Fortsetzung. Wobei man auch das nur mit gewissen Einschränkungen sagen kann. Chinesische Migranten brachten bereits Jahrhunderte zuvor ihre san jiao – ihre drei Lehren (Daoismus, Konfuzianismus und Mahāyāna-Buddhismus) – nach Indonesien. Neben dem Konfuzianismus und Daoismus wurde somit die chinesische Tradition des Buddhismus, d. h. des Mahāyāna, in der peranakan-Bevölkerung5 und unter den so genannten totok6 seit Jahrhunderten praktiziert. Der Buddhismus hat jedoch bis Ende des 19. Jh. nicht auf die anderen Teile der Bevölkerung übergegriffen. Eine Wieder(er)findung oder Revitalisierung eines indonesischen Buddhismus, BECHERT7 und FRANKE8 sprechen von einer ← 19 | 20 → Renaissance, BROWN9 von einem Revival10, findet seinen Ursprung somit erst mehrere Jahrhunderte nach der Verdrängung des Buddhismus von Java11.

Ein wichtiger Motor der Buddhismusbewegung ist die Theosophische Gesellschaft. Die herausragenden buddhistischen Führungspersönlichkeiten im frühen 20. Jh. erhalten gerade über die Theosophische Gesellschaft Zugang zu buddhistischen Lehren und verbreiten ihr Wissen, indem sie auf Indonesisch publizieren. So auch Kwee Tek Hoay, einer der Protagonisten der ersten Revitalisierungsphase des Buddhismus in Indonesien12. Er agiert auf der Grundlage des Mahāyāna-Buddhismus in den san jiao der peranakan und totok sowie seiner Rezeption buddhistischer Lehren in der Theosophischen Gesellschaft. Das buddhistische Revival entsteht zu einem erheblichen Teil aus dem Engagement europäischer und chinesisch-indonesischer Akteure sowie den mystischen Strömungen, die u. a. über die theosophische Bewegung zum Buddhismus finden.

In den 1930er Jahren werden die ersten buddhistischen Organisationen gegründet. Die Buddhismusbewegung wird jedoch fast ausschließlich von den chinesischen und europäischen Gruppen in Indonesien getragen. Die pribumi13 spielen zu diesem Zeitpunkt noch eine eher geringe Rolle. Mit der japanischen Okkupation Indonesiens 1942 findet die erste Phase des Revivals ihr Ende.

Zusammenfassung

Dieses Buch untersucht den schwierigen Prozess, den der Buddhismus in Indonesien bis zu seiner staatlichen Anerkennung als Religion (Agama) durchlaufen hat. Dabei illustriert die Autorin die Verknüpfungen von Religions- und Minderheitenpolitik am Anpassungsprozess des Buddhismus an den Rahmen einer theistisch ausgerichteten Verfassung. Seine Positionierung in der religiösen Landschaft Indonesiens erfolgte dabei vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen, einer geforderten Pancasila-Konformität und den Bedingungen des Religionsministeriums. Auch der Buddhismus muss, wie alle Religionen in Indonesien, einen Gott vorweisen. Die Protagonisten des Buddhismus haben innovativ auf diese Umstände reagiert. So entwickelte sich aus einer religionspolitischen Notwendigkeit eine facettenreiche Eigendynamik. Am Ende konfliktbehafteter Aushandlungsprozesse steht nun die Frage, ob es sich bei der «Agama Buddha (di) Indonesia» um den «Buddhismus in Indonesien» oder um einen «Indonesischen Buddhismus» handelt.

Details

Seiten
322
ISBN (PDF)
9783631727072
ISBN (ePUB)
9783631727089
ISBN (MOBI)
9783631727096
ISBN (Buch)
9783631726426
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (August)
Schlagworte
Religionspolitik Minderheiten Kommunistenverfolgung Synkretismus Außereuropäische Religionsforschung Religionen der Gegenwart
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 322 S., 9 farb. Abb., 1 s/w Tab.

Biographische Angaben

Julia Linder (Autor:in)

Julia Linder studierte Religionswissenschaft an der Universität Bonn mit einem Fokus auf religiösen Pluralismus in Asien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Entwicklungen und Dynamiken religiöser Minderheiten im insularen Südostasien im Kontext von Religionspolitik. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn.

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Titel: Entwicklungen des Buddhismus im zwanzigsten Jahrhundert in Indonesien