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Fachsprache

Ausdrucksformen der fachlichen Funktion in romanischen Sprachen

von Werner Forner (Autor:in)
Sammelband 358 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhalt
  • Einführung
  • Nachweis der Herkunft der Texte
  • Erster Teil: Fachstil: Explikation – Lehre – Anwendung
  • I – 1 Überblick
  • 1. Fachsprache als Sprachprodukt: Planung – Fertigung – Marketing
  • I - 2 Zwei kognitionsorientierte Unterrichtsprojekte für Leistungskurse
  • 2. Stilistische Kriterien zur Textsortendifferenzierung: Die Nominaleinbettung
  • 3. Strutture equivalenti e equivalenza funzionale
  • I – 3 Fachsprachenlehre an der Hochschule: Linguistische Analyse und Sprachpraxis
  • 4. Fachsprachliche Strukturen und ihre Didaktik
  • 5. Der Ausdruck adverbialer Relationen in französischer Fachsprache
  • 6. Pour une pédagogie de l’argumentation de spécialité à l’usage des ingénieurs
  • 7. Vom Sinn zum Text
  • I – 4 Kreativer Umgang mit fachsprachlichen Markierungen
  • 8. Fremdsprache zweiten Grades – Schreiben in der Fachfremdsprache
  • 9. Staunen und MachenFachsprachliche Textkonstruktion anhand eines spanischen Werbetextes
  • Zweiter Teil:Nomination und Status
  • 10. Fachsprachliche Nominationstechniken:Informationsverwertung und Informationsbewertung
  • 11. RocinanteÜber „nombres altos y significativos“ in aktuellen Diskurswelten
  • Dritter Teil:Sprachkontrast
  • 12. Stilkontrast – Sprachkontrast – Übersetzung
  • 13. Syntax der Quantifikation Französisch-Deutsch
  • Reihenübersicht

Werner Forner

Fachsprache

Ausdrucksformen der fachlichen Funktion
in romanischen Sprachen

Autorenangaben

Werner Forner war in Siegen Professor für romanische Fachsprache. Zuvor sammelte er umfangreiche Lehrerfahrung in Linguistik und Sprachpraxis an diversen Universitäten und im Schuldienst. Er forscht zur Sprachvariation nach Raum, Zeit oder Elaborationsgrad.

Über das Buch

Fachsprache definiert sich als Sprachvarietät: Sie divergiert systematisch von anderen markierten Sprachstilen sowie von dem unmarkierten Neutralstil. Vor diesem Hintergrund ermittelt der Autor die fachsprachlichen Markierungen durch einen innersprachlichen Vergleich. Er arbeitet als Subsystem vier textsyntaktische Umstrukturierungen heraus. Mit dieser Analyse werden das fachsprachliche Outfit und seine Wirkung systematisch erklär-, plan- sowie machbar und fachsprachliches Redigieren, Textoptimierung und auch Fachübersetzung werden lehrbar. Zusätzlich zu den vier Umstrukturierungen ist Fachsprache konstituiert durch zwei spezifische Nominationstechniken. Dies sind die Ergebnisse der zahlreichen Textanalysen und kognitiven Unterrichtsmodelle, die hier vorgelegt werden.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Vorwort

Das Buch enthält Aufsätze aus vier Jahrzehnten zum Thema „Fachsprache“. Alle Aufsätze folgen einem variationslinguistischen, d. h. Stil-vergleichenden Ansatz, auf den der Mainstream der Fachsprachenforschung verzichtet – ein Grund mehr, die alten Erkenntnisse erneut vorzulegen.

Eine Neu-Veröffentlichung ist eine Form von Rückblick. Ich blicke zurück, und zwar gerne, auf ausgiebige nicht nur sprachtheoretische, sondern auch insbesondere sprachpraktische Erfahrungen. Im Anschluss an eine dialektologische Dissertation hatte ich immer wieder Gelegenheit, auch sprachpraktische Fertigkeiten zu lehren: Übersetzungskurse für Kölner Romanisten (1973/74), 1977–79 für Duisburger Fachwissenschaftler (Wirtschaft bzw. Geschichte), 1975–1979 für fortgeschrittene Schüler (in Bonn und in Moers, die natürlich die ‘Fachsprache’ von z. B. Le Monde verstehen mussten), ab 1979 Fachsprachenkurse (Praxis und Theorie) für integrierte Studiengänge an den Universitäten Gießen bzw. Siegen. Ich beobachtete mit Interesse die Lernschwierigkeiten: immer wieder dieselben Probleme. Mir kam in den 70er Jahren der Gedanke, diese systematischen Probleme durch einen systematischen Kurs zu minimieren, der die fachsprachenspezifischen Strukturen erklären und einüben sollte. Ein erstes Teilkonzept konnte ich schon 1975 im Rahmen meiner Referendarausbildung realisieren, ein Gesamtkonzept stand 1980 im Prinzip bereit und wurde immer weiter optimiert und mit linguistischen Konzepten korreliert. Die Ergebnisse präsentiere ich nun erneut in diesem Buch.

Natürlich gilt rückblickend mein Dank – noch einmal – den vielen Freunden, Kollegen, Mitarbeitern, die mein Unterfangen unterstützt und gefördert haben, insbesondere natürlich den Generationen von Lernenden, deren Probleme mir eine Quelle der Inspiration waren und deren Erfolge mein Vorhaben zu bestätigen schienen. Dankbar denke ich auch an zwei interdisziplinäre Projekte (finanziert von deutschen Forschungsministerien bzw. von der Europäischen Kommission), die am Siegener Institut für Sprachen im Beruf Anfang der 90er Jahre durchgeführt wurden: In diesem Rahmen war es möglich, mein Konzept durch ein umfangreiches Text-Korpus zu untermauern, das dann in eine Grammatik speziell des fachsprachlichen „Aufbaus“ und in umfangreiches Übungsmaterial einmündete.

Mit Blick auf die vorliegende Veröffentlichung danke ich dem Lang-Verlag für die Aufnahme des Bandes in sein Programm und für die Betreuung. Ferner danke←5 | 6→ ich den betroffenen Verlagen (AKS, Egert, Narr), die für die Neuveröffentlichung die Lizenzen erteilt haben.

Und meinen Lesern rufe ich zu: PROFICIAT!

Werner Forner←6 | 7→

Einführung

1. Fachsprache

Im Grunde ist die Sache einfach: Jeder Sprecher hat eine intuitive Vorstellung von dem, was „Fachsprache“ ist, jedenfalls im Gegensatz zu „Nicht-Fachsprache“. Es reicht, zwei Texte gleichen Inhalts zu präsentieren; dann ist jeder Sprecher in der Lage, die „eher fachsprachliche“ Variante von der „weniger fachsprachlichen“ Variante zu unterscheiden; z. B. in dem folgenden Satzpaar (aus Littmann 1981:240):

(1) Das Fahrzeug fuhr sehr schnell; es war daher sehr wahrscheinlich, dass es zu einem Unfall kommen würde.

(1’) Die Unfallwahrscheinlichkeit war wegen der hohen Fahrgeschwindigkeit hoch.

Natürlich ist (1’) die „fachsprachlichere“ Variante: Niemand wird anders entscheiden. „Fachsprachlicher“ bedeutet: Der Text (1’) passt eher als Text (1) in ein offizielles Statement, in den Mund bzw. ins Ohr eines Amtsträgers, in eine analytische Situation (z. B. Schuldfrage), in eine schriftliche Form (z. B. Bericht). Derartige pragmatische Zuweisungen sind bei Text (1) weniger zwingend: Text (1) passt z. B. auch in eine Erzählung.

Woher weiß unser native speaker das? Er weiß es nicht aus dem Inhalt; denn beide Texte enthalten dieselben Sachverhalte (nämlich: Geschwindigkeit; Unfall) und denselben Zusammenhang zwischen den Sachverhalten (nämlich: Ursache ~ Folge). Er weiß es auch nicht aufgrund der oben genannten pragmatischen Zuordnungen (Gesprächspartner, Situation, Medium, etc.); denn diese sind ja nicht Teil der Befragung. Die Befragung beschränkt sich auf die beiden Texte; nur deren unterschiedliche Gestaltung kann dem Urteil unserer Gewährsperson zugrunde liegen: Dieses Urteil ist ein sprachliches, nicht ein pragmatisches Urteil. Wenn wir über „Fachsprache“ reden, muss es zunächst um Sprache gehen; und zwar um diejenigen sprachlichen Merkmale, die die beiden Stile (1 vs. 1’) unterscheiden: Die Analyse muss vergleichend und differenziell sein. Darauf komme ich in § 3 zurück.

Unsere Gewährsperson wird vielleicht den folgenden Satz als „noch fachsprachlicher“ beurteilen:

(1’a) Hohe Fahrgeschwindigkeit erhöht die Unfallwahrscheinlichkeit.

Dieser Satz divergiert von Satz (1’) jedoch nicht nur in der Gestaltung, sondern auch inhaltlich: Er analysiert nicht die Ursache eines speziellen Unfalls, sondern er enthält eine generelle Diagnose. Dieser inhaltliche Unterschied könnte der Grund←9 | 10→ für das zitierte Urteil (erhöhte Fachsprachlichkeit) sein. Aber jedenfalls gehört auch (1’a) deutlich in das Repertoire „fachsprachlicher“ Äußerungen.

Ganz anders verhält es sich mit dem folgenden Satz:

(1b) Die Karre hatte vielleicht einen Affenzahn drauf; und dann: ein Mordskrach! Kein Wunder, bei dem Tempo!

(1b) reproduziert zwar ebenfalls den Inhalt von Satz (1) (dieselben zwei Sachverhalte, dieselbe Kausalrelation); aber (1b) passt gerade nicht in dieselben pragmatischen Rahmen wie die beiden Varianten: (1b) passt nicht in den Polizeibericht (wie 1’), nicht in eine wissenschaftliche Analyse (wie 1’a), es passt nicht (wie 1) in beliebige Konstellationen: (1b) ist deutlich auf familiäres Sprechen eingeschränkt, es ist für den familiären Stil markiert, so wie (1’) bzw. (1’a) fachsprachlich markiert sind. Die Markierung ist hier wie zuvor durch sprachliche Merkmale signalisiert. Die pragmatischen Parameter betreffen die Anwendung oder das Motiv der Markierungen, sie betreffen nicht die Art der sprachlichen Realisierungen selbst.

Gegenstand des vorliegenden Buches sind die sprachlichen Merkmale der fachsprachlichen Variante (nicht die Merkmale anderer Stile wie familiäre oder ludische („poetische“) , etc., Sprache). Es sind die fachsprachlichen Merkmale, die den Begriff Fachsprache definieren, nicht pragmatische Akzidenzien (s. dazu § 3). Gegenbegriff zu Fachsprache ist Nicht-Fachsprache, also diejenige Variante, die durch das Fehlen dieser und anderer Markierungen charakterisiert ist; das ist die Variante mit dem Markierungsgrad Null („Neutralstil“). Gegenbegriff ist nicht der große melting pot aller Sprachstile, die sogenannte Gemeinsprache. In diesem Konzept ist Fachsprache somit – endlich! – definiert und daher beschreibbar.

Erkennbar und beschreibbar sind die Merkmale mit Hilfe von variationslinguistischen Verfahren, d. h. durch Vergleich mit der neutralstilistischen Variante bzw. mit alternativen Varianten gleichen Inhalts. Erkenntnis durch Vergleich der Varianten ist der Variationslinguistik (bzw. der Romanistik tout court) vertraut: In der Dialektologie z. B. werden diatopische Varianten verglichen, hier sind es diaphasische Varianten; Fachsprache ist ein „scientific functional dialect“, schrieb seinerzeit Havránek (1932:15). Einen variationell-vergleichenden Ansatz hatte die eingangs zitierte Arbeit von Littmann (1981) schon in die Diskussion gebracht – leider ohne den wünschenswerten Widerhall.

Ziel dieser Sprach-Analyse ist eine erklärende Beschreibung der fachsprachlichen Variation; d. h. einerseits desjenigen Ausschnitts der Sprachkompetenz, der es erlaubt, fachsprachliche Texte zu erzeugen, zu verstehen und variationell einzuordnen; andererseits der noch zu erwerbenden Fähigkeiten, sofern die fachsprachliche Kompetenz Lernziel ist. Diese beiden Ziele – das linguistische und←10 | 11→ das didaktische – sind kongruent: In beiden Fällen geht es um das ‚Machen’ von Texten unterschiedlicher Gestalt.

Texte sind etwas ‚Gemachtes’; das ‚Machen’ folgt bestimmten Regeln. Unterschiedliche Sprachvarianten (oder auch: Sprachvarietäten, oder: Sprachstile, oder: Register, etc. – peu importe!) folgen unterschiedlichen Teilmengen von sprachlichen Regeln. Wir werden sehen (in § 3 „Ausdruck“), dass die fachsprachliche Variante – zusätzlich zu den Regeln der jeweiligen Sprache – durch eine schmale Menge fachsprachlicher Regeln erzeugt wird; deren Produkte zeugen vom fachsprachlichen Charakter des Textes. Die fachsprachlichen Regeln sind der Grund, warum Texte als fachsprachlich diagnostiziert werden können. Andere Sprachvarianten verdanken sich anderen Teilmengen von markierenden Regeln. Sprachvariation (als prozedurale Kompetenz des Sprechens bzw. Verstehens) bedeutet demnach die Fähigkeit, diese stilspezifischen Teilmengen funktional in die Sprachproduktion (in das „Machen“ des Textes) einzubringen bzw. im Sprachprodukt zu rezipieren.

2. Sprachfunktion

Sprache ist nicht nur Mitteilung von Inhalten. Sprache bietet zusätzlich die Möglichkeit, den Ausdruck der Inhalte bestimmten kommunikativen Funktionen zuzuordnen. Die zitierten Varianten von (1) liefern dafür Beispiele: Derselbe Inhalt (geschwindigkeitsbedingter Unfall) wird dort mal familiär, mal fachsprachlich, mal neutral ausgedrückt. Offenbar ist die Funktion nicht vom Inhalt abhängig.

Eine Zuordnung zu den o. g. pragmatischen Faktoren mag zunächst sinnvoller erscheinen: Denn die familiäre Variante ‚passt’ nicht in den Polizeibericht, oder in die Urteilsverkündung durch den Richter, oder in eine wissenschaftliche Analyse; umgekehrt ‚passen’ die fachsprachlichen Varianten nicht an den Biertisch; die neutrale Variante (1) hingegen ist in keiner dieser pragmatischen Konstellationen unangemessen. Man könnte folglich argumentieren, dass die Funktion keine eigenständige – vom Pragma distinkte – Kategorie darstellt.

Dem ist nicht so. Die Unangemessenheit kann vom Sprecher angestrebt sein (um zu amüsieren, um zu provozieren, um zu verführen, etc.). Wichtiger: Pragmatische Grenzüberschreitungen sind nicht automatisch unangemessen; denn die Funktion vehikuliert bestimmte Sichtweisen:

Zusammenfassung

Fachsprache definiert sich als Sprachvarietät: Sie divergiert systematisch von anderen markierten Sprachstilen sowie von dem unmarkierten Neutralstil. Vor diesem Hintergrund ermittelt der Autor die fachsprachlichen Markierungen durch einen innersprachlichen Vergleich. Er arbeitet als Subsystem vier textsyntaktische Umstrukturierungen heraus. Mit dieser Analyse werden das fachsprachliche Outfit und seine Wirkung systematisch erklär-, plan- sowie machbar und fachsprachliches Redigieren, Textoptimierung und auch Fachübersetzung werden lehrbar. Zusätzlich zu den vier Umstrukturierungen ist Fachsprache konstituiert durch zwei spezifische Nominationstechniken. Dies sind die Ergebnisse der zahlreichen Textanalysen und kognitiven Unterrichtsmodelle, die hier vorgelegt werden.

Biographische Angaben

Werner Forner (Autor:in)

Werner Forner war in Siegen Professor für romanische Fachsprache. Zuvor sammelte er umfangreiche Lehrerfahrung in Linguistik und Sprachpraxis an diversen Universitäten und im Schuldienst. Er forscht zur Sprachvariation nach Raum, Zeit oder Elaborationsgrad.

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Titel: Fachsprache