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Zur Strafbarkeit der Trennung siamesischer Zwillinge

von Kerstin Gräbner (Autor:in)
Dissertation XVI, 248 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • § 1 Einführung
  • A. Einleitende Gedanken und zentrale Problemstellung
  • B. Gang der Untersuchung
  • § 2 Fallkonstellationen bei siamesischen Zwillingen
  • A. Grundlagen – Epidemiologie und Embryologie
  • I. Begriffsbestimmung und medizinische Einordnung
  • II. Erscheinungsformen und Häufigkeit
  • III. Ätiologie der Doppelmissbildungen
  • IV. Ursachen
  • 1. Früher vorherrschende Ursachentheorien
  • 2. Medizinisch belegbare Ursachen
  • V. Pränatale und postnatale Besonderheiten
  • B. Fallgruppen
  • I. Grundlagen
  • II. Elektive Trennungsoperation im Interesse beider Zwillinge
  • III. Elektive Trennungsoperation unter Opferung eines Zwillings
  • IV. Notoperation unter Opferung eines Zwillings
  • C. Bekannte Fälle
  • I. Chang und Eng Bunker aus Thailand
  • 1. Medizinische Fallkonstellation
  • 2. Rechtliche Entscheidung und Ergebnis
  • II. Ladan und Laleh Bijani aus dem Iran
  • 1. Medizinische Fallkonstellation
  • 2. Rechtliche Entscheidung
  • 3. Ergebnis
  • III. Jodie und Mary aus Malta
  • 1. Medizinische Fallkonstellation
  • 2. Rechtliche Entscheidung
  • 3. Ergebnis
  • § 3 Rechtliche Wertung
  • A. Vorfragen
  • I. Siamesische Zwillinge als zwei geborene Individuen
  • 1. Beginn und Ende des Lebensschutzes
  • a. Grundlagen
  • b. Lebensfähigkeit
  • 2. Siamesische Zwillinge als eine Person?
  • a. Das Gehirn als Lebenszentrum
  • b. Eigenständigkeit
  • II. Exkurs: Trennung von erwachsenen siamesischen Zwillingen
  • 1. Grundsätzliches
  • 2. Einwilligungsfähigkeit und Willensfreiheit
  • 3. Dispositionsbefugnis und Sittenwidrigkeit
  • 4. Vergleich zum „Body-Identity-Integrity-Disorder-Syndrom“
  • 5. Strafbarkeit nach Tötungsdelikten
  • B. Rechtsdogmatische Beurteilung
  • I. Strafbarkeit der Trennung
  • 1. Symmetrische Gefahrengemeinschaft
  • a. Elektive Trennungsoperation im Interesse beider Zwillinge
  • aa. Tatbestand
  • bb. Rechtswidrigkeit
  • (1) Rechtfertigungsgründe
  • (a) Einwilligung durch die Eltern?
  • (b) Zusätzlich Einwilligung des Familiengerichts?
  • (c) Verfahrensrechtliche Besonderheiten
  • (d) Andere Rechtfertigungsgründe
  • (2) Problemkreis Organzuteilung
  • b. Elektive Trennungsoperation unter Opferung eines Zwillings
  • aa. Tatbestandsfragen
  • (1) Tötungstatbestand
  • (2) Tatbestandliche Ausschlussgründe
  • (a) Tatbestandlicher „Sonderausschluss“
  • (b) Objektiver Zurechnungsausschluss
  • bb. Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründe
  • (1) Rechtfertigungsgründe
  • (2) Entschuldigungsgründe
  • cc. Verschiedene Lösungsansätze
  • (1) Bekannte Fälle
  • (a) Bahnwärterfall
  • (b) Flugabschussfall
  • (aa) Darstellung und Behandlung
  • (bb) Sonderregelung des § 14 III LuftSiG
  • (cc) Ergebnis
  • (c) Früheuthanasie
  • (d) Perforation
  • (e) Fährmannfall
  • (f) NS-Anstaltstötungen
  • (2) Andere Lösungsansätze
  • (a) Warten auf akute Gefahrenlage
  • (b) Organtransplantation / Anschließen an Apparatur
  • (c) Sinn und Zweck
  • (d) Auswahlverfahren
  • (e) Verbotsirrtum
  • dd. Stellungnahme
  • c. Nottrennung unter Opferung eines Zwillings
  • aa. Indirekte Tötung
  • bb. Nothilfe gem. § 32 StGB
  • cc. Notstand gem. § 34 StGB
  • dd. § 34 StGB analog
  • ee. Pflichtenkollision
  • ff. Entschuldigender Notstand gem. § 35 StGB
  • gg. Übergesetzlicher entschuldigender Notstand
  • 2. Asymmetrische Gefahrengemeinschaft
  • a. Elektive Trennungsoperation im Interesse beider Zwillinge
  • b. Elektive Trennungsoperation unter Opferung eines Zwillings
  • c. Nottrennung unter Opferung eines Zwillings
  • aa. Mutmaßliche Einwilligung
  • bb. Nothilfe gem. § 32 StGB
  • cc. Notstand gem. § 34 StGB
  • dd. Defensivnotstand
  • II. Strafbarkeit der Nichttrennung
  • 1. Strafbarkeit der Ärzte
  • 2. Strafbarkeit der Eltern
  • C. Rechtsethische Wertung
  • I. Vorüberlegungen
  • 1. Was bedeutet lebenslange, unlösbare Verbindung mit einem anderen Menschen?
  • 2. Menschenwürdiges Sterben des nicht mehr zu rettenden siamesischen Zwillings
  • 3. Glaubensaspekte
  • 4. Elternrechte
  • II. Rechtsethische Untersuchung der gefundenen Ergebnisse
  • 1. Elektive Trennungsoperation im Interesse beider Zwillinge
  • 2. Elektive Trennungsoperation unter Opferung eines Zwillings
  • 3. Nottrennung unter Opferung eines Zwillings
  • 4. Auswahlverfahren
  • § 4 Kritische Analyse und zusammenfassende Gedanken
  • § 5 Schluss
  • Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

a. A. anderer Ansicht

a. a. O. am angeführten, angegebenen Ort

abl. ablehnend

a.F. alte Fassung

AG Amtsgericht

allg. allgemein

Alt. Alternative

Anm. Anmerkung

Art. /Artt. Artikel

ARSP Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie

AT Allgemeiner Teil

AöR Archiv für öffentliches Recht

BAG Bundesarbeitsgericht

BayObLG Bayerisches Oberstes Landesgericht

BayVBl Bayrische Verwaltungsblätter

BÄO Bundesärzteordnung

BB Betriebsberater

BBG Bundesbeamtengesetz

Bd. Band

BeckOGK Beck’scher Grosskommentar

BeckOK Beck’scher Online-Kommentar

BeckRS Beck online Rechtsprechung

BGB Bürgerliches Gesetzbuch

BGBl Bundesgesetzblatt

BGH Bundesgerichtshof

BGHSt. Entscheidungssammlung des Bundesgerichtshofs in Strafsachen

BGHZ Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen

BIID Body Identity Integrity Disorder

Brit. Z. Britische Zone

bspw. Beispielsweise

BT Besonderer Teil

BT – Drucks. Drucksache des Deutschen Bundestages

BtG Betreuungsgesetz←xi | xii→

BVE Bundesgesetz über die verdeckte Ermittlung

BVerfG Bundesverfassungsgericht

BverfGE Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

BVerfGG Bundesverfassungsgerichtsgesetz

BvR Registerzeichen bzw. Aktenzeichen des Bundesverfassungsgerichts

bzgl. bezüglich

bzw. beziehungsweise

C. D. Board. Charlie Dunbar Broad

Childs Nerv Syst Child’s Nervous System

DÄBl. Deutsches Ärzteblatt

d. h. das heißt

ders. derselbe

diesbzgl. diesbezüglich

Dig. Digesten

DR Deutsches Recht

Ebda Ebenda

E.D. Pennsylvania Eastern District of Pennsylvania

EGMR Europäische Gerichtshof für Menschenrechte

EMRK Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten

etc. et cetera

et al. et alii / und andere

EuGRZ Europäische Grundrechte

EUV Vertrag über die Europäische Union

evtl. eventuell

FamFG Gesetz zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit

FamG Familiengericht

FamGerMKindwG Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls

FamRZ Zeitschrift für das gesamte Familienrecht

f. / ff. folgend(e)

Fn. Fußnote

FS Festschrift

FuR Familie und Recht←xii | xiii→

GA Goltdammer’s Archiv für Strafrecht

gem. gemäß

GG Grundgesetz

ggf gegebenenfalls

ggü. gegenüber

grds. grundsätzlich

GRC Charta der Grundrechte der Europäischen Union

GVG Gerichtsverfassungsgesetz

Halbs. Halbsatz

HCR Juramagazin

h. L. herrschende Lehre

h. M. herrschende Meinung

Hrsg. Herausgeber

hrsg. herausgegeben

iErg im Ergebnis

insb. insbesondere

INI International Neuroscience Institute® Hannover

i.S.d. im Sinne des

i. V. m. in Verbindung mit

JA Juristische Arbeitsblätter

J. Ped. Surg. Journal of Pediatric Surgery

JuS Juristische Schulung (Zeitschrift)

juris Juristisches Informationssystem für die Bundesrepublik Deutschland

jurisPK juris PraxisKommentar

JMP Journal of Medicine and Phylosophy

JME Journal of Medical Ethics

JR Juristische Rundschau

JZ Juristenzeitung

Kap. Kapitel

KKG Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz

krit. kritisch

LG Landgericht

lit. litera

L. Rev. Law Review

LuftSiG Luftsicherheitsgesetz←xiii | xiv→

m. Anm. mit Anmerkung

MDR Monatsschrift für Deutsches Recht

m. E. meines Erachtens

MedR Medizinrecht

Med J Medical Journal

mind. mindestens

MüKo Münchner Kommentar

Nachw. Nachweis

n.F. neue Fassung

NHS National Health Service

NK-BGB Nomos-Kommentar zum BGB

NK-GG Nomos-Kommentar zum GG

NK-StGB Nomos-Kommentar zum StGB

NJW Neue Juristische Wochenschrift

Nr. Nummer

NS Nationalsozialismus

NStZ Neue Zeitschrift für Strafrecht

NZWehrr Deutsches Wehrrecht

OGHSt Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes für die Britische Zone in Strafsachen

OLG Oberlandesgericht

PStV Personenstandsverordnung

Rdnr. Randnummer

Re A Entscheidung des Court of Appeal

RG Reichsgericht

RGRK Reichsgerichtsräte-Kommentar BGB

RGSt amtliche Sammlung der Rechtsprechung des Reichsgerichts in Strafsachen

Rn. Randnummer

RPflG Rechtspflegergesetz

Rpfleger Rechtspfleger

Rspr. Rechtsprechung

RuP Recht und Politik

S. Satz / Seite

SchKG Schwangerschaftskonfliktgesetz

SGB Sozialgesetzbuch←xiv | xv→

SJZ Süddeutsche Juristenzeitung

SK-StGB Systematischer Kommentar zum Strafgesetzbuch

sog. sogenannte

Sp. Spalte

StGB Strafgesetzbuch

StGBL Staatsgesetzblatt

StS Strafsenat

TPG Transplantationsgesetz

UN Vereinte Nationen

Urt. Urteil

u. ö. und öfter

v. vom

v. a. vor allem

WHO World Health Organization

z. B. zum Beispiel

ZfL Zeitschrift für Lebensrecht

ZIS Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik

Ziff. Ziffer

ZPO Zivilprozessordnung

ZStW Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft←xv | xvi→ ←xvi | 1→

§ 1 Einführung

A. Einleitende Gedanken und zentrale Problemstellung

„Das Ziel heißt Leben!“ Diesen Titel wählte der bekannte Neurochirurg Dr. Ben Carson für sein Buch1 über die Trennung des siamesischen Zwillingspaares Tabea und Lea aus Lemgo. Doch wie soll man diesen Titel verstehen? Bei der Trennung von siamesischen Zwillingen besteht für beide Zwillinge immer eine große Lebensgefahr. Im ungetrennten Zustand hingegen würden beide jedoch nie ein „normales“ Leben führen können. Teilweise ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass beide im ungetrennten Zustand noch nicht einmal ihr erstes Lebensjahr überstehen.

Häufig ist die Trennung die einzige lebensrettende Variante, allerdings in vielen Fällen nur für einen der beiden siamesischen Zwillinge. Die Ausgangslage zeigt also ein ethisches Dilemma. Wie muss bzw. sollte man sich in einer solchen Situation „richtig“ verhalten? Wer soll diese Entscheidung hinsichtlich der Tatsache, dass der optimale Trennungszeitpunkt laut Medizinern innerhalb des ersten Lebensjahres liegt,2 treffen? Und gibt es überhaupt eine „richtige“ Entscheidung? Diese äußerst problematischen medizinischen, rechtsdogmatischen und rechtsethischen Fragestellungen, welche die Trennung oder Nicht-Trennung von siamesischen Zwillingen betreffen, sollen in dieser Arbeit näher betrachtet, diskutiert und reflektiert werden.

Nicht nur angesichts der Vielzahl der Formen und Konstellationen von siamesischen Zwillingen ist die Problematik sehr vielseitig. Die erste dokumentierte Trennung stammt bereits aus dem Jahr 1495 aus Deutschland.3 Diese Trennungsoperation konnte dem Zitat von Dr. Carson jedoch nicht genügen, da das Zwillingspaar damals starb. Die erste erfolgreiche Trennung konnte knapp 200 Jahre später im Jahr 1689 durchgeführt werden.4 Umso erstaunlicher erscheint es, dass das Erscheinungsbild siamesischer Zwillinge schon deutlich früher dokumentiert wurde. In der römischen Mythologie gab es den Gott Janus, von dem auch der Ausdruck Janusköpfigkeit und der Monat Januar←1 | 2→ stammt.5 Janus war der Gott des Anfangs und des Endes, der Türen und Tore und stand stets für Neuanfänge.6 Dargestellt wurde er mit zwei in entgegengesetzte Richtungen blickenden Gesichtern als Symbol für Zwiespältiges und Widersprüchliches.7

Doch was hat dies mit der zu besprechenden Problematik der siamesischen Zwillinge zu tun? Zum einen wird der Gott Janus als eine besonders selten8 vorkommende Form eines siamesischen Zwillings, nämlich als Cephalopage dargestellt,9 zum anderen ist es jedoch die angeführte Bedeutung, die hinter dem Wort Janus steckt, die an siamesische Zwillinge erinnert.

Zwischen dem Bild sowie der Symbolik des Janus und der realen Fallproblematik von siamesischen Zwillingen besteht demzufolge eine historisch-mythologisch/metaphorische Analogie: Bei den Lösungsversuchen der Problematik, die sich bei der Trennung von siamesischen Zwillingen ergibt, befinden sich Eltern, Mediziner, Juristen, Ethiker etc. im äußersten Zwiespalt. Zum einen besteht im Falle einer Trennung eine große Lebensgefahr für beide Zwillinge, zum anderen kann die Nichttrennung aber ebenfalls zum Tod der Zwillinge führen, da es beispielsweise nur ein Herz gibt und dieses auf Dauer nicht zwei Körper am Leben erhalten kann. Zudem kann das dauerhafte ununterbrochene Zusammensein mit einem anderen Menschen in allen Lebenslagen einen unerträglichen Zustand darstellen.

Hier könnte man ferner eine Bedeutungsanalogie zwischen Janus und siamesischen Zwillingen annehmen: Auch die Bedeutung „Gott des Anfangs und des Endes“ ist sehr zutreffend, da die Trennung von siamesischen Zwillingen, oft – z. B. für den Fall, dass Organe nur einmal vorhanden sind oder es nur einen Körper gibt – für den überlebenden Zwilling der Anfang eines neuen eigenständigen Lebens bedeuten kann, für den anderen Zwilling führt die Trennung dann jedoch zum Ende seines Lebens. Es können durch die Trennung von siamesischen Zwillingen – um bei der Bedeutung des Wortes Janus zu bleiben – Türen und Tore für einen oder beide siamesische Zwillinge in ein neues eigenständiges Leben geöffnet werden, allerdings können diese ebenso durch den Tod von einem oder beiden für immer verschlossen werden. Leben und Tod, Neubeginn und Ende←2 | 3→ liegen in diesem Fall sehr nahe beieinander und produzieren schließlich die äußerst zwiespältige Entscheidungssituation.

Zentrales Problem der Trennung von siamesischen Zwillingen ist also das Spannungsverhältnis zwischen der Rettung eines eigenständigen „normalen“ Lebens von mindestens einem siamesischen Zwilling und der großen Lebensgefahr durch den Eingriff sowohl für beide Zwillinge als auch die teilweise bestehende Gewissheit, dass durch diese Trennungsoperation mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der Zwillinge stirbt.

Es geht hier stets um das Rechtsgut „Leben“ von zwei Personen. Nicht in jeder Konstellation kann aber das Leben beider siamesischer Zwillinge geschützt werden.

Trotz dieser komplexen Problematik und der weiten Verbreitung dieser biologischen Anomalie bzw. Anomalie der Natur in allen Bereichen10 kam es diesbezüglich in Deutschland noch nie zu einer höchstrichterlichen Entscheidung. Aufgrund des medizinischen Fortschritts sind seit 1950 jedoch schon über 100 Trennungsoperationen durchgeführt worden,11 obwohl in Deutschland keine klare Rechtslage vorliegt. Denn auch in der deutschen Literatur wurden die strafrechtlichen Aspekte der Trennung von siamesischen Zwillingen trotz der praktischen Relevanz bislang nur sehr wenig diskutiert.12 Daher erscheint die Kritik der Medizinerin Bockenheimer-Lucius berechtigt, dass die rechtliche Debatte in Deutschland auf diese Problematik nicht vorbereitet sei.13 Weishäupl beschreibt in ihrer Dissertation die Trennungsoperation von zwölf siamesischen Zwillingspaaren in München, wobei einige Zwillinge bzw. Zwillingsteile während←3 | 4→ dieser Eingriffe starben.14 Dass bislang in Deutschland noch keine strafrechtlichen Verfahren gegen Ärzte bezüglich solcher Trennungsoperationen eingeleitet wurden,15 stellt keinerlei Ergebnis hinsichtlich der strafrechtlichen Erlaubnis solcher Trennungsoperationen dar, weshalb es dringend einer strafrechtlich-medizinisch-ethischen Auseinandersetzung bedarf.

Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, sich mit der Problematik über die Trennung von siamesischen Zwillingen in verschiedenen Bereichen auseinanderzusetzen, um fundierte Kenntnisse zu erlangen und Einschätzungen vornehmen zu können, damit aus der Perspektive des deutschen Rechts sämtliche aufgeworfene medizinische, rechtsdogmatische, rechtsethische und rechtspolitische Fragestellungen möglichst umfassend erörtert werden.

B. Gang der Untersuchung

Die Untersuchung dieser Arbeit geht in fünf Schritten vor: Im ersten Kapitel werden zunächst medizinische Tatsachen (Epidemiologie und Embryologie) über siamesische Zwillinge und die sich daraus ergebenden Fallkonstellationen für die weitere rechtliche Untersuchung aufgezeigt.

Details

Seiten
XVI, 248
ISBN (PDF)
9783631743591
ISBN (ePUB)
9783631743607
ISBN (MOBI)
9783631743614
ISBN (Buch)
9783631743171
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
Einwilligung in ärztliche Eingriffe Familienrechtliche Genehmigung Elternrecht Strafbarkeit Arzt Jodie und Mary
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien. 2018. 264 S.

Biographische Angaben

Kerstin Gräbner (Autor:in)

Kerstin Gräbner studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bayreuth, wo sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studienberaterin am Dekanat der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät arbeitete.

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Titel: Zur Strafbarkeit der Trennung siamesischer Zwillinge