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Arbeitsmarktentwicklung und -regulierung

Zwischen Fachkräftemangel und Migration

von Stefan Kolev (Band-Herausgeber:in) Bernhard Seliger (Band-Herausgeber:in) Jüri Sepp (Band-Herausgeber:in) Ralph Michael Wrobel (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 266 Seiten

Zusammenfassung

Der Arbeitsmarkt stellt traditionell in vielen marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften einen Ausnahmebereich dar. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich auch beim Arbeitsmarkt um einen Markt handelt, bei dem die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage zustande kommt. Derzeit sind Fachkräftemangel und Migration die zentralen Themen.
Die Beiträge diskutieren die Interdependenz dieser beiden Entwicklungen sowohl aus volkswirtschaftlicher als auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive. Zusätzlich untersuchen sie sektorale Arbeitsmärkte in Europa sowie internationale Entwicklungen, sowohl im Hinblick auf die marktlichen Aspekte als auch auf die staatliche Regulierung. Damit bietet der Band einen vielseitigen Überblick über die derzeit meistdiskutierten Themen der Arbeitsmarktentwicklung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhalt
  • Fachkräftemangel und Immigration in Deutschland
  • Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland: Herausforderungen, Probleme und Strategien für Sachsen (Michael Behr)
  • Der Deutsche Arbeitsmarkt zwischen Fachkräftemangel und Immigration: Ordnungspolitische Perspektiven in der Flüchtlingskrise (Ralph Wrobel)
  • Individualism and Demographic Change (Stefan Kolev)
  • Die Offene Gesellschaft und ihre Zuwanderer: Kritische Gedanken zu einer planwirtschaftlichen Integrationspolitik (Clemens Schneider)
  • Sektorale Arbeitsmärkte in Europa
  • Key Challenges Facing the European Transport Labor Market (Monika Paradowska / Joost Platje)
  • Die Unternehmensanforderungen an die Logistikspezialisten und akademische Ausbildung der Logistiker (Sabina Kauf)
  • Green Jobs in the Renewable Energy Sector (Bartosz Bartniczak / Michał Ptak)
  • Employer Branding und Personalbedarfsdeckung
  • Employer Branding als Personalstrategie für Recruiting und Bindung von Fachkräften der Generation Y in kleinen und mittelständischen Unternehmen am Beispiel von Sachsen (Angela Walter)
  • Employer Branding for SMEs: Attracting Graduating Students in the IT Industry (Ruey Komulainen)
  • Fachkräftebedarfsdeckung heute und in der Zukunft: Handlungsempfehlung für eine erfolgreiche Personalbedarfsdeckung in Unternehmen (Sandro Freudenberg / Sandra Stephan)
  • Internationale Arbeitsmarktanalyse
  • The Development and Typology of the Employment Structure in OECD Countries (Jüri Sepp / Helje Kaldaru / Uku Varblane)
  • Der Arbeitsmarkt in Nordkorea am Beispiel des Industriekomplexes in Kaesong (Seo Byung-Chul / Bernhard Seliger)
  • Autorenverzeichnis
  • Reihenübersicht

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Fachkräftemangel und Immigration in Deutschland

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Michael Behr

Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland: Herausforderungen, Probleme und Strategien für Sachsen

1.   Problemstellung

Transformationsprozesse bringen zahlreiche Probleme mit sich. Dazu gehören Arbeitslosigkeit und Veränderungen in der Demografie. Dies konnte auch in den Neuen Bundesländern in den letzten fünfundzwanzig Jahren festgestellt werden. Sachsen ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Noch heute sind die Probleme der Transformation in Bundesländern wie Thüringen und Sachsen deutlich. Ziel dieser Arbeit ist, zu zeigen, wie man mit diesen Schwierigkeiten umgehen kann und wo Potenzial zur Verbesserung besteht. Dies soll anhand des Beispiels Sachsen als eine Erzählung in vier Akten ausgeführt werden. Dabei beschreibt der erste Akt die Tragödie zu Beginn des Transformationsprozesses, der zweite Akt die Auferstehung Sachsens als ein „Phönix aus der Asche“, der dritte Akt „Licht am Ende des Tunnels“ und der vierte Akt einen Ausblick auf die Chancen für Sachsen.

2.   Erster Akt: Die Tragödie zu Beginn

Keine Frage: am Anfang stand der Transformationsschock. Während das Institut der deutschen Wirtschaft (zitiert nach Handelsblatt vom 27. Februar 1990) noch im Februar 1990 davon ausging, dass es in der (damaligen) DDR keine nennenswerte Arbeitslosigkeit geben würde, weil man, am westdeutschen Wirtschaftswunder der 50er Jahre orientiert, mit jährlichen Wachstumsraten von 7,5 % rechnete, und der Strukturwandel der Wirtschaft durch neue Arbeitsplätze kompensiert werden würde, wurden die Menschen in den neuen Ländern zu Zeugen einer beispiellosen Deindustrialisierung. Durch den massiven Arbeitsplatzabbau im verarbeitenden Gewerbe, aber auch im Staatssektor und in der Landwirtschaft, gingen zwischen 1990 und 1994 etwa 40 % der Arbeitsplätze verloren. Obwohl insbesondere im Dienstleistungssektor, dem Handel, der Bauwirtschaft, dem Handwerk und dem KFZ-Gewerbe zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden, konnte der immense Arbeitsplatzverlust nicht kompensiert werden.

Trotz starker Interventionsmaßnahmen des Staates in den Arbeitsmarkt, dem massiven Einsatzes arbeitsmarktpolitischer Instrumente (insbesondere ABM, ← 15 | 16 → Strukturanpassungsmaßnahmen und „Kurzarbeit 0“) sowie einer beispiellosen Frühverrentung älterer Arbeitnehmer, verharrte die Arbeitslosigkeit auf einem sehr hohen Niveau. Mitte der 90er Jahre schien sich die Lage zu verbessern, hier verzeichnen die neuen Länder sogar positive Zuwanderungssalden. Mit dem Einbruch der Bauwirtschaft, die in einigen Regionen zwischenzeitlich die Zahl der verbliebenen Industriearbeitsplätze erreichte, und einem steten, wenn auch gegenüber den unmittelbaren Nachwendejahren verlangsamten, Rückgang, insbesondere an SV-pflichtig Beschäftigten, verblieb die Arbeitslosenquote, mit teilweise mehr als 20 %, auch zwischen 1995 und 2005 auf einem sehr hohen Niveau. Die Erfahrung von Arbeitslosigkeit wurde in dieser Zeit zu einem Massenphänomen und zugleich, was Stigmatisierungseffekte ausbremste, als Kollektivschicksal empfunden.

Im Jahresdurchschnitt 2005 sind beispielsweise in Sachsen 402.000 Menschen arbeitslos (das sind 20%). Ostdeutschland – auch Sachsen – entwickelt sich in dieser Zeit zu einer gekränkten, ausgrenzenden, unzufriedenen und gespaltenen „Überlebensgesellschaft“. Es etabliert sich eine verständliche, aber doch eigentümliche „rette sich wer kann“ – Mentalität, in der auch viele Unternehmenslenker nur bestrebt sind, irgendwie auch morgen noch auf dem Markt zu sein. Dies kann auch als eine „Ein-Generationen-Überlebensgesellschaft mit eingeschränkter Zukunftsfähigkeit“ bezeichnet werden (Behr 2003). 40-jährige Beschäftigte sprachen in Interviews davon, dass ihr Ziel darin bestehe, sich bis zur Rente „durchzubärmeln“ und 50-jährige Unternehmenslenker sahen im Interview ihre Zukunftsherausforderung darin, auch morgen noch schlicht zu existieren und am Markt einigermaßen bestehen zu können. Betriebskollektive richteten sich gleichsam in einem Normalitätsrefugium ein und bildeten nach außen hin geschlossene Überlebensgemeinschaften (Behr 2000b).

Diese sozialen Brennstoffzellen bilden eine personalpolitisch selbstgenügsame Einheit mit dem Ziel, keine Mitglieder zu verlieren, aber auch keine Arbeitskräfte von außen mehr hereinzulassen. Ein Unternehmer äußert zu dieser Zeit:

„Ich möchte nie wieder jemand entlassen müssen, ich stelle nur im äußersten Notfall neues Personal ein, wenn ich ganz sicher bin, den Auslastungsstand zu halten. Meine jetzigen Leute kenne ich alle persönlich, oft auch die Familien, ich tue alles um die zu halten.“

Umgekehrt tun die Bleiberbelegschaften alles, um dabei zu bleiben: harter Arbeitseinsatz, lange Arbeitszeiten, spontane Überstunden, Wochenendarbeit, niedrige Entlohnung. Dieser Träger eines spezifischen, robusten und aufopferungsbereiten Leistungscharakters der Arbeit kann zugespitzt als „ostdeutscher Arbeitsspartaner“ (Behr 2000a und 2014) bezeichnet werden: Verzicht auf Mitbestimmung, Gewerkschaften und Partizipation inklusive. ← 16 | 17 →

Das Ergebnis waren hoch effektive Leistungsgemeinschaften mit zunehmend besserer Performance auf den Zuliefermärkten. Aber die Schließungsmechanismen auf dem Arbeitsmarkt waren unerbittlich: „Wer drin ist, bleibt drin, wer draußen ist, bleibt draußen“, so hat es Burkart Lutz einmal formuliert. Und das galt für ältere Arbeitnehmer, zum falschen Zeitpunkt Entlassene, genauso wie für junge Menschen, die auch mit einer guten Ausbildung keinen Zugang in die ostdeutsche Arbeitswelt bekamen. Besonders hart ist der Arbeitsmarkt für Frauen in diesen Jahren. Frauen waren noch häufiger und länger arbeitslos als Männer. Nach einer – meist schulischen – Ausbildung fanden sie noch deutlich seltener eine Beschäftigung als junge Männer, die häufiger von der positiven Übernahmebilanz der dualen Ausbildung profitierten.

In dieser Zeit geht die Einwohnerzahl Sachsens von 4,9 Mio. im Jahr 1990 auf etwa 4,05 Millionen Ende 2012 zurück. Nach den aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen wird die Einwohnerzahl im Freistaat bis 2025 auf 3,6 bis 3,8 Mio. zurückgehen, was einem Gesamtverlust von fast ¼ der Einwohner oder mehr als 1,1 Mio. seit der Wende entspricht (Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2015).

Das Durchschnittsalter der Sachsen stieg in diesem Zeitraum von 39,4 Jahren (1990) auf 46,6 Jahre (2012). Allein durch Wanderungsverluste verlor Sachsen 445.000 Einwohner. Fast 60 % der Wanderungsverluste gehen auf das Konto der 18- bis 35-Jährigen. Der Schatz der geburtenstarken Jahrgänge aus den 80er Jahren wird von der Wirtschaft Sachsens überwiegend nicht geborgen und trägt schließlich in Westdeutschland zu einer veritablen Verjüngung und einem Anstieg des Anteils junger Frauen bei, sowie dazu, dass Fachkräfteengpässe in zahlreichen Branchen geschlossen werden. 1990 lebten 885.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Sachsen, 2005 waren es nur noch 436.000 (inzwischen sind es 496.000). Heute sind eine halbe Million Sachsen (504.000 bzw. 12,4%) älter als 75 Jahre, 2013 waren es erst 369.000 bzw. 7,7% (Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 2015). Die Prozesse, die hier beschrieben wurden, sind in folgender Tabelle zusammengefasst:

Tabelle 1: Planungsparadoxien im gesellschaftlichen Transformationsprozess

ProzesseKurzfristeffekteSpätfolgen
Kinderverzicht Erhalt der (weiblichen) Erwerbsfähigkeit Demografische Lücke
Frühverrentung Arbeitsmarktentlastung Blockierter Generationenaustausch
Ausländerrücksendung Arbeitsmarktentlastung Ethnische Homogenität ← 17 | 18 →
Abwanderung Arbeitsmarktentlastung Nachwuchs- und Fachkräftemangel
Reduzierung eigener F&E Kosteneinsparung Verlust der Fähigkeit zu radikaler Innovation
Inkrementelle Innovation im KundenauftragSchnelle Integration in gesamtdeutsche Wertschöpfungsketten
Stärkung von Akzeptanztugenden in Überlebensgemeinschaften Durchsetzungsstarke Geschäftsführer, loyale Mitarbeiter („Arbeitsspartaner“) Demokratiedefizite im Unternehmen, blockierte Modernisierung

Quelle: Behr (2009, Planungsparadoxien) S. 78.

In gewisser Weise haftet der Entwicklung in den neuen Ländern oft etwas Tragisches an, weil viele Probleme gerade dadurch entstanden sind, dass man sie zu vermeiden suchte. Unterschiedlich schnell wirkende Spätfolgen sind oft das Ergebnis von rationalen Kriseninterventionen und zwar von Individuen, Wirtschaftsakteuren und politisch Verantwortlichen. Ein besonders interessanter – und sofort wirkender – Problemvermeidungsmechanismus ist der Kinderverzicht. In allen postsozialistischen Gesellschaften brechen die Geburtenzahlen ein. Aber nirgendwo wirkt die „demografische Vollbremsung“ so massiv wie in Ostdeutschland. Die Zahlen sind bekannt. Nur so viel: Der letzte intakte DDR-Jahrgang 1988 ist fast drei Mal so stark wie der schwächste Geburtsjahrgang aller Zeiten, der 1993er Jahrgang.

Dabei verhalten sich junge Paare wie kluge Unternehmer, die in Umbruchzeiten auf ein zentrales Handicap verzichten: auf Kinder. Tatsächlich können Frauen über 40, die ihre Kinder aus dem Gröbsten heraushaben, genauso erfolgreich sein wie junge Frauen, die ganz auf Kinder verzichten. Schwierig sind die Zeiten für diejenigen, die in einem ungünstigen Moment Mütter geworden sind. Junge Frauen mit Kindern geraten in eine arbeitsmarktkritische Sandwich-Position zwischen diesen beiden begünstigteren Familienkonstellationen – die ohne Kleinkinder und die Kinderlosen. Ebenso erweist sich die Frühverrentung (etwa 1,4 Mio. Vorruheständler bis 1994 in ganz Ostdeutschland) mit einem starken Entlastungseffekt auf dem Arbeitsmarkt relativ schnell als Chancenkiller für junge Leute, weil der Generationenaustausch über fast 10 Jahre zum Erliegen kommt und damit eine wichtige Säule des Personalbedarfs, nämlich der Ersatzbedarf, ausbleibt. Schließlich bleibt das Renteneintrittsalter nicht bei 56 Jahren stehen. Ebenso wird die Abwanderung zunächst begrüßt und von den Arbeitsagenturen, damals noch Arbeitsamt genannt, sogar finanziell unterstützt, dann aber als ← 18 | 19 → Problem erkannt. Die Rücksendung von Ausländern hat natürlich auch zur Entlastung auf dem Arbeitsmarkt beigetragen, aber eben nicht zur Verbesserung der Integrationsfähigkeit. Perspektivisch könnte der Arbeitskräftemangel durch die geringe Attraktivität des Ostens für Ausländer verschärft werden.

Die Bilanz des ersten Aktes lässt sich wie folgt zusammenfassen: Sachsen weist eine unverändert hohe Arbeitslosenquote auf und besitzt einen negativen Wanderungssaldo. Neben den niedrigen Geburtenraten verliert Sachsen ständig an Einwohnern. Die alternde Bevölkerung des Bundeslandes, ebenso wie ein drohender Fachkräftemangel, könnte zu einer „chronischen Schrumpfungsrezession“ führen. Die unzufriedenen Arbeitnehmer in Sachen hindern zunehmend die Entwicklung des Freistaates, welche gegenüber der Westdeutschlands nicht wächst. Würde man den Freistaat als eine Aktiengesellschaft betrachten, wäre die Empfehlung der Analysten in dieser Zeit sicher diese gewesen: Keine Sachsen-Aktien kaufen!

3.   Zweiter Akt: Phönix aus der Asche

Zu den erfreulichen Effekten des hartnäckigen Kämpfens um Marktanteile gehört, dass die Industrie in den Freistaaten Thüringen und Sachsen – entgegen dem gesamtdeutschen Trend – wieder wächst. Waren in Sachsen in den Betrieben > 50 Mitarbeiter im Jahr 2003 noch 224.000 Menschen beschäftigt, waren es im Jahr 2014 bereits wieder 270.600. Das ist ein Anstieg um 21 %. Nimmt man alle Beschäftigten des Bergbaus und des verarbeitenden Gewerbes sind es sogar 337.000 Beschäftigte. Das sind 17 % der Beschäftigten, was dem Durchschnitt der Bundesrepublik entspricht. Der Anteil der sächsischen Industriebeschäftigten an allen deutschen Industriebeschäftigten steigt in den letzten 10 Jahren von 4,1 % auf 4,7 % (IHK Leipzig 2015, S. 9). Seit 2005 wirkt diese späte Ernte der Transformationserfolge belebend auf den Arbeitsmarkt. Denn mit der Reindustrialisierung und dem entsprechenden Aufbau von Arbeitsplätzen steigt auch die beschäftigungsrelevante Nachfrage nach Personal in den unternehmensnahen Dienstleistungen. Man kann sagen, dass inzwischen alle Wirtschaftsbereiche stabile Nachfrager nach Beschäftigung sind, das gilt für den Wertschöpfungskern, zu dem man auch Forschungseinrichtungen zählen kann, ebenso wie für das Handwerk, den Handel, die sonstigen Dienstleistungen und die Gesundheits- und Sozialwirtschaft.

Die Arbeitslosigkeit geht in Sachsen stark zurück. Aktuell sind in Sachsen eben nicht mehr 300.000 Menschen arbeitslos, sondern mit Stand Juni 2015 nur noch 161.648 Menschen – Tendenz sinkend. Dabei geht die Arbeitslosigkeit in Sachsen, wie in den anderen ostdeutschen Bundesländern, seit Jahren doppelt so stark ← 19 | 20 → zurück wie in den alten Bundesländern. Eine robuste Fachkräftenachfrage aus den Unternehmen und die demografische Entlastung bewirken diesen schnellen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen noch über dem Bundesdurchschnitt liegt, befindet sich Sachsen inzwischen im Mittelfeld aller Bundesländer und besitzt eine niedrigere Arbeitslosenquote als Länder wie Bremen und Nordrhein-Westfalen (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Arbeitslosenquote nach Bundesländern im September 2015

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Quelle: eigene Darstellung, Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Nicht selbstverständlich ist, dass mit zurückgehender Arbeitslosigkeit auch die Erwerbstätigen- und die Beschäftigtenquoten zunehmen. Genau dies aber ist der Fall. Sachsen gelingt es, sein Beschäftigungspotenzial immer besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, so dass das Delta zwischen Nachfrage und Angebot immer geringer wird.

Inzwischen liegen Sachsens Männer bei der Beschäftigungsquote, also dem Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Altersgruppe der 15- bis 65-Jährigen, auf Platz 4 unter allen Bundesländern; bei den Frauen belegt Sachsen sogar Platz 1. Nirgendwo ist die Beschäftigungsquote höher als in Sachsen. Und auf Platz zwei und drei stehen nicht etwa Bayern und Baden-Württemberg, sondern Thüringen und Brandenburg (vgl. Abb. 2 und 3). ← 20 | 21 →

Abbildung 2: Beschäftigungsquoten der Männer nach Bundesländern

Biographische Angaben

Stefan Kolev (Band-Herausgeber:in) Bernhard Seliger (Band-Herausgeber:in) Jüri Sepp (Band-Herausgeber:in) Ralph Michael Wrobel (Band-Herausgeber:in)

Stefan Kolev ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Bernhard Seliger ist Repräsentant der Hanns-Seidel-Stiftung in Seoul (Südkorea) und Privatdozent an der Universität Witten/Herdecke. Jüri Sepp ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Tartu (Estland). Ralph Wrobel ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, an der Westsächsischen Hochschule Zwickau.

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Titel: Arbeitsmarktentwicklung und -regulierung