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Facetten der deutschen Sprache

von Imke Lang-Groth (Band-Herausgeber:in) Martin Neef (Band-Herausgeber:in)
©2018 Sammelband 280 Seiten

Zusammenfassung

Der Band beleuchtet unterschiedliche Teilbereiche des deutschen Sprachgebrauchs. Unter sprachkritischer Perspektive betrachten die Autorinnen und Autoren vergangene und gegenwärtige Aspekte des Wandels und der sprachlichen Variation prüfend. Die Untersuchung des Sprachgebrauchs kann praktische Auswirkungen haben, wie die Bereiche forensische Linguistik, Terminologie von Fachsprachen und Namenforschung zeigen. Den Gebrauch der Sprache in literarischen Texten demonstrieren die Beiträgerinnen und Beiträger anhand der Bibel, an mittelalterlichen Handschriften des Parzival, an rhetorischen Figuren bei Lessing und für den Schulkontext an Gegenwartsliteratur. Zwei essayistische Ausblicke auf ‹Denglisch› und auf Internetkommunikation beschließen den Rundblick.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Facetten der deutschen Sprache: eine Einleitung (Imke Lang-Groth / Martin Neef)
  • Teil A: Kritische Einblicke in die Sprache
  • Sprachkritik einst und jetzt – Zum historischen Wert einiger normativer Aussagen von Wustmann und Sick (Armin Burkhardt)
  • Das Konzept des sogenannten ‚Geschlechtergerechten Sprachgebrauchs‘ aus sprachwissenschaftlicher Sicht (Martin Neef)
  • Untergangsszenarien – Zum Verhältnis von Presse- und Standardsprache (Alexander Horn)
  • ‚Gefallen für Deutschland‘ – semantischer Wandel im öffentlichen Diskurs über die Kriegstoten der Bundeswehr (Klaus Latzel)
  • Teil B: Sprache und ihre Wirkungen
  • Forensische Linguistik oder Wie verräterisch ist der individuelle Sprachgebrauch? (Isabelle Thormann)
  • Morphologisch-semantische Standardisierung einer dreisprachigen Schienenverkehrsfachsprache (Ayșe Yurdakul)
  • Der Name Johannes. Seine Varianten im deutschsprachigen Raum (Imke Lang-Groth)
  • Teil C: Sprache der Literatur
  • ‚Am Anfang war das Wort – und dann?‘ Zugänge zur Sprache der Bibel (Ingrid Wiedenroth-Gabler)
  • Vom Lesen mittelalterlicher bebilderter Handschriften. Drei Fallstudien (Wiebke Ohlendorf)
  • Anagramm, Antithese, Chiasmus, Paradox – zu einigen Figuren bei Lessing (Helmut Berthold)
  • Desautomatisierung der Sprache in ausgewählten Texten der Gegenwartsliteratur – eine Perspektive für integrativen Deutschunterricht (Sebastian Bernhardt)
  • Teil D: Ausblicke auf Sprache
  • Denglisch: ein Kuriositätenkabinett? Gedanken aus Kanada (Christina Behme)
  • Rollenkompetenz und Mittagessensfotos im Social Web – Wir erzählen die Große Transformation zur Webgesellschaft (Gerald Fricke)

Imke Lang-Groth / Martin Neef (Hrsg.)

Facetten der deutschen Sprache

Herausgeberangaben

Imke Lang-Groth studierte an der Technischen Universität Braunschweig und arbeitet dort im Institut für Germanistik als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Martin Neef studierte an der Universität zu Köln und arbeitet an der Technischen Universität Braunschweig als Professor für Germanistische Linguistik.

Über das Buch

Der Band beleuchtet unterschiedliche Teilbereiche des deutschen Sprachgebrauchs. Unter sprachkritischer Perspektive betrachten die Autorinnen und Autoren vergangene und gegenwärtige Aspekte des Wandels und der sprachlichen Variation prüfend. Die Untersuchung des Sprachgebrauchs kann praktische Auswirkungen haben, wie die Bereiche forensische Linguistik, Terminologie von Fachsprachen und Namenforschung zeigen. Den Gebrauch der Sprache in literarischen Texten demonstrieren die Beiträgerinnen und Beiträger anhand der Bibel, an mittelalterlichen Handschriften des Parzival, an rhetorischen Figuren bei Lessing und für den Schulkontext an Gegenwartsliteratur. Zwei essayistische Ausblicke auf ‚Denglisch‘ und auf Internetkommunikation beschließen den Rundblick.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Inhalt

Imke Lang-Groth & Martin Neef

Facetten der deutschen Sprache: eine Einleitung

Teil A: Kritische Einblicke in die Sprache

Armin Burkhardt

Sprachkritik einst und jetzt – Zum historischen Wert einiger normativer Aussagen von Wustmann und Sick

Martin Neef

Das Konzept des sogenannten ‚Geschlechtergerechten Sprachgebrauchs‘ aus sprachwissenschaftlicher Sicht

Alexander Horn

Untergangsszenarien – Zum Verhältnis von Presse- und Standardsprache

Klaus Latzel

‚Gefallen für Deutschland‘ – semantischer Wandel im öffentlichen Diskurs über die Kriegstoten der Bundeswehr

Teil B: Sprache und ihre Wirkungen

Isabelle Thormann

Forensische Linguistik oder Wie verräterisch ist der individuelle Sprachgebrauch?

Ayșe Yurdakul

Morphologisch-semantische Standardisierung einer dreisprachigen Schienenverkehrsfachsprache

Imke Lang-Groth

Der Name Johannes. Seine Varianten im deutschsprachigen Raum←5 | 6→

Teil C: Sprache der Literatur

Ingrid Wiedenroth-Gabler

‚Am Anfang war das Wort – und dann?‘ Zugänge zur Sprache der Bibel

Wiebke Ohlendorf

Vom Lesen mittelalterlicher bebilderter Handschriften. Drei Fallstudien

Helmut Berthold

Anagramm, Antithese, Chiasmus, Paradox – zu einigen Figuren bei Lessing

Sebastian Bernhardt

Desautomatisierung der Sprache in ausgewählten Texten der Gegenwartsliteratur – eine Perspektive für integrativen Deutschunterricht

Teil D: Ausblicke auf Sprache

Christina Behme

Denglisch: ein Kuriositätenkabinett? Gedanken aus Kanada

Gerald Fricke

Rollenkompetenz und Mittagessensfotos im Social Web – Wir erzählen die Große Transformation zur Webgesellschaft←6 | 7→

Imke Lang-Groth & Martin Neef

Facetten der deutschen Sprache: eine Einleitung

„Die Erfahrung muß aber doch sich aus allen Anschauungen ergänzen, wenn sie nicht fehl gehen, sondern billig und gerecht machen soll und die Anlagen der Menschheit fördern! – Man könnt sie mit einem Diamant vergleichen, der in jeder Facette denselben Gegenstand in einer andern Umgebung spiegelt, weil von allen Seiten eine andere Weltgegend mit hineinleuchtet“ (Bettina von Arnim 1843).

1. Facetten und Sprache

Facetten sind ursprünglich Schleifflächen an Edelsteinen, und davon hat ein Edelstein gewöhnlich viele, die das Licht in eigentümlicher Weise brechen. ‚Ursprünglich‘ ist in dieser Formulierung allerdings ein problematischer und sogleich zurückzunehmender Ausdruck, denn ‚Ursprünge‘ lassen sich in Bezug auf die Sprache eher selten entdecken, weitaus seltener jedenfalls, als gemeinhin angenommen wird. Wenn wir aber einem etymologischen Wörterbuch vertrauen dürfen – und das ist bei uns der Kluge (2011), dem einige Autorität zuzuschreiben ist – so ist das Wort Facette im 18. Jahrhundert in die deutsche Sprache gekommen mit eben der genannten Bedeutung, und zwar entlehnt aus dem Französischen, von wo aus sich das Wort auf das Lateinische zurückführen lässt (ohne dass damit ein regelrechter ‚Ursprung‘ benannt sein soll – was vor dem Lateinischen war, liegt weitgehend im Dunkeln). Im Französischen ist facette eine Diminutivbildung zu face, das die Bedeutung ‚Seite, Vorderseite, Außenfläche‘ hat. Von dort ist es vielleicht ein nur kurzer Weg der Bedeutungsverengung zur Außenfläche von Diamanten.

Um Edelsteine soll es in diesem Sammelband aber nicht gehen, und dies ist selbstverständlich so, trägt der Band im Titel doch die Worte ‚die deutsche Sprache‘. Edelsteine sind konkrete Gegenstände, die man berühren und wegtragen kann, und von dieser Art ist die deutsche Sprache nicht, genauso wenig wie es irgendeine Sprache oder Sprache generell ist. Wie kann sich der Ausdruck Facette dann auf eine Sprache beziehen? Hier hilft ein Blick in ein erklärendes Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, etwa in den leicht greifbaren Online-Duden. Dort erfahren wir, dass dem Wort Facette gegenwärtig drei Bedeutungen zukommen, dass wir es also mit einem polysemen Lexem (oder vielleicht auch mit drei unterschiedliche Lexemen, die untereinander homonym sind) zu tun haben,←7 | 8→ wobei neben der hier schon angesprochenen Bedeutung eine weitere in die Fachsprache der Zahnmedizin fällt, die für uns ebenso wenig einschlägig ist, aber eine dritte der Allgemeinsprache zuzuordnen ist: In dieser sprachlichen Varietät heißt Facette ‚Teilaspekt‘, und dies ist eine Bedeutung, die für unseren Kontext passend und natürlich auch gemeint ist, und das ist so naheliegend, dass der gewählte Titel des Buchs diesbezüglich wohl zu keinerlei Missverständnissen einlädt.

Um Teilaspekte von Sprache soll es also gehen – das ist noch recht allgemein – um ‚Gesichter einer Sprache‘ vielleicht; das wäre eine metaphorische Umdeutung der Edelsteinbegrifflichkeit und näher an der französischen wie auch der lateinischen Basis der Entlehnung (soweit jene überhaupt verlässlich rekonstruierbar sind). Welche ‚Gesichter‘ kann eine Sprache, kann die deutsche Sprache zeigen? Zur Beantwortung dieser Frage wäre eine Verständigung darüber hilfreich, von welcher Art der Gegenstand ‚Sprache‘ (oder ‚deutsche Sprache‘) ist. Vorschläge hierzu finden sich in der Sprachwissenschaft und deutlicher noch in der Sprachphilosophie zuhauf und danach kann unter dem Ausdruck Sprache dreierlei verstanden werden: Häufig ist mit Sprache der Gebrauch gemeint, den ein Individuum von einer bestimmten Sprache (in einer bestimmten Situation) macht. Ferdinand de Saussure (1916) nennt dies parole, und eine exemplarische Veranschaulichung dieser Bedeutungsnuance findet man in einem alltagssprachlichen Satz wie In so einer Sprache redet man nicht mit seinen Eltern! (Vater 2002: 13). Wenn Individuen eine bestimmte Sprache gebrauchen können, müssen sie auch etwas wissen über diese Sprache, und so wird der Ausdruck Sprache ebenfalls gebraucht, nämlich für das sprachliche Wissen eines Individuums; Noam Chomsky (1965) nennt dies Kompetenz. Wenn Individuen etwas über eine bestimmte Sprache wissen können, muss es diesen Gegenstand ‚Sprache‘ vorgängig als Objekt eigener Art geben, so sagt es der amerikanische Sprachphilosoph Jerrold J. Katz (1981), der Sprache in diesem Sinne als abstraktes Objekt ansieht. Linguisten verfolgen nach diesem Verständnis in ihren Grammatiken das Ziel, das abstrakte Objekt einer bestimmten Sprache als System zu rekonstruieren. Diesen Begriff von Sprache kann man weniger in der Alltagssprache, aber doch in der Fachsprache der Linguistik durchaus als Kernbedeutung ansehen (vgl. Behme & Neef 2018), woraus aber nicht abzuleiten ist, dass die anderen Aspekte nicht gleichermaßen untersuchenswert wären.

Details

Seiten
280
Jahr
2018
ISBN (PDF)
9783631758960
ISBN (ePUB)
9783631758977
ISBN (MOBI)
9783631758984
ISBN (Hardcover)
9783631756195
DOI
10.3726/b14260
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Februar)
Schlagworte
Sprachkritik Literatursprache Forensische Linguistik Fachsprachenlinguistik Namenforschung Kommunikationswissenschaft
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien. 2018, 280 S., 4 farb. Abb., 20 s/w Abb., 20 Tab.

Biographische Angaben

Imke Lang-Groth (Band-Herausgeber:in) Martin Neef (Band-Herausgeber:in)

Imke Lang-Groth studierte an der Technischen Universität Braunschweig und arbeitet dort im Institut für Germanistik als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Martin Neef studierte an der Universität zu Köln und arbeitet an der Technischen Universität Braunschweig als Professor für Germanistische Linguistik.

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Titel: Facetten der deutschen Sprache