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inklings – Jahrbuch für Literatur und Ästhetik

Faszination Harry Potter / The Allure of Harry Potter. Symposium 2017 in Aachen

von Dieter Petzold (Band-Herausgeber) Klaudia Seibel (Band-Herausgeber)
Dissertation 218 Seiten
Reihe: inklings , Band 35

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Beiträge zur Tagung “Faszination Harry Potter”
  • “Mudblood, and proud of it!”: Analysing the Politics of Race in the Harry Potter Novels (Carsten Kullmann)
  • “Now, I consider myself to be a feminist”: Protagonistinnen und Antagonistinnen bei J.K. Rowling (Isabel Busch)
  • “You can do magic!”: Zur Entwicklung des Magiesystems in Harry Potter (Dana Steglich)
  • “I belong in your world”: (Re-)Negotiating the Notion of Home in the First Harry Potter Novels (Denise Burkhard)
  • Family, Contexts and Myths: An Analytical Study of Character Development in the Harry Potter Novels (Mattia Colombu)
  • Literary World-building in Tolkien’s The Hobbit and Rowling’s Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Patrick Schmitz)
  • Religion und Ethik in Hogwarts, Narnia und Mittelerde: Ähnlichkeiten und Unterschiede in den drei Weltentwürfen (Friedhelm Schneidewind)
  • Their Heroes’ Children: How the Fanfic Community learned to embrace ‘Harry Potter – The Next Generation’ (Susanne Kroner)
  • The Wizarding World of Capitalism: Harry Potter and the Magic of Consumption (Franziska Burstyn)
  • J K Rowling, Warner Bros. Entertainment, and Transmedial Fan Practices (Maria Fleischhack)
  • Varia
  • Out of this World: Tom Bombadil in Middle-earth (Martin Simonson)
  • A Tale of Tenderness: Revisiting Peter S. Beagle’s The Last Unicorn (Rabanus Mitterecker)
  • The Poet’s Eye
  • Sarah Kirschs Märchengedicht “Schneelied”: Betrachtungen zu einer prekären Kleingattung (Werner Bies)
  • Besprechungen
  • Friedman, Lester D., and Allison B. Kavey. Monstrous Progeny: A History of the Frankenstein Narratives (Dieter Petzold)
  • Eilmann, Julian. J. R. R. Tolkien: Romantiker und Lyriker (Thomas Fornet-Ponse)
  • Honegger, Thomas, and Maureen F. Mann, eds. Laughter in Middle-earth (Thomas Fornet-Ponse)
  • Drout, Michael D. C., et al., eds. Tolkien Studies: Volume XIII (Thomas Fornet-Ponse)
  • White, Roger, et al., eds. C.S. Lewis and His Circle (Thomas Gerold)
  • Lewis, James R., and Kjersti Hellesøy, eds. Handbook of Scientology (Johannes Rüster)
  • Die Beiträger
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Vor gut zwanzig Jahren, am 26. Juni 1997, erschien der erste Band der insgesamt sieben Teile umfassenden Geschichte von dem zauberhaften Jungen Harry Potter und seinem langen Kampf gegen seinen Widersacher, Lord Voldemort – in ihrer Gesamtheit ganz gewiss die erfolg- und einflussreichste Publikation auf dem Gebiet der Fantasy Fiction seit Tolkiens The Lord of the Rings. Die Inklings-Gesellschaft nahm dieses Jubiläum zum Anlass, sich in ihrem Jahressymposium, das am 9. und 10. September in der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen stattfand, mit dem ‘Phänomen Harry Potter’, seiner Faszinationskraft und seinen vielfältigen Erscheinungsformen – Verfilmungen, Dramatisierungen, Fan-Kultur, Vergnügungsparks usw. – auseinanderzusetzen.

So fantastisch die fiktive Welt des Harry Potter – das ‘Potterverse’ in der Sprache der Fans – auch erscheinen mag, sie ist doch auf vielfältige Weise mit der uns vertrauten Welt verbunden: ein Spiegel, der ganz konkrete Merkmale unserer Zeit abbildet – mal mehr, mal weniger verfremdet, oft auch ironisch-kritisch – und zugleich ein moralischer Kompass, der durchaus zur Orientierung auch im Hier und Jetzt dienen kann, da er zum Nachdenken über das Wesen des Guten wie auch des Bösen anregt, ohne sich auf vorschnelle Vereinfachungen einzulassen.

Wie aktuell die dabei aufgeworfenen Probleme sind, wird bereits im ersten der hier versammelten Vorträge des Symposiums deutlich. Carsten Kullmann zeigt, dass rassistisches Denken auch in der nur auf den ersten Blick ideal erscheinenden Zauberer-Gesellschaft der Harry-Potter-Romane grassiert und Parallelen zur Ideologie des Dritten Reiches und ähnlichen Ausformungen rechten Gedankenguts aufweist. Nicht weniger aktuell ist das Diskussionsfeld, auf das sich Isabel Busch begibt, wenn sie das Geschlechterkonzept in den Harry-Potter-Romanen untersucht und die Frage aufwirft, ob bzw. inwieweit Rowlings Darstellungen von Protagonistinnen und Antagonistinnen aus feministischer Sicht als Vorbilder bzw. Negativbeispiele dienen können.

Die Vermittlung moralischer Prinzipien steht auch im Zentrum von Dana Steglichs Betrachtung des “Magiesystems in Harry Potter” – schließlich ← 7 | 8 → implizieren magische Fähigkeiten ein enormes Machtpotenzial, doch zeigt Steglich, dass das magische Können der Figuren von ihrer emotionalen, und damit auch moralischen, Beschaffenheit abhängt: “Letztendlich erweist sich die Liebe als Kern von Rowlings Magiesystem”. Die An- bzw. Abwesenheit von Liebe wiederum – konkreter: eines liebevollen, Geborgenheit vermittelnden Heimes – ist auch das entscheidende Moment, das die Entwicklung der Hauptfigur prägt, stellt Denise Burkhard in ihrem Beitrag fest, und Mattia Colombu erweitert diesen Befund noch in seiner Gegenüberstellung der Entwicklung Harry Potters und seines Widersachers Lord Voldemort, diesmal mit den Werkzeugen der psychoanalytischen Literaturbetrachtung, die auch den Blick auf die dahinter stehenden klassischen Mythen von Kronos, Laios und Ödipus öffnet.

Grundsätzlicher wird das Verhältnis von fiktiver Welt und Erfahrungsrealität, von Fremdheit und Vertrautheit, in dem Beitrag von Patrick Schmitz angegangen, wobei ein Vergleich mit dem Hobbit Tolkiens – und der diesbezüglichen Theorie seines Schöpfers – hilft, die Besonderheiten von Rowlings Fantasiewelt herauszuheben. Auch Friedhelm Schneidewind bindet die Harry-Potter-Bücher in die klassische Tradition der Fantasy Fiction ein, wenn er speziell die Vermittlung von Religion und Ethik bei C.S. Lewis, J.R.R. Tolkien und J.K. Rowling untersucht.

Die letzten drei Beiträge beschäftigen sich mit einem besonders interessanten Aspekt der “Faszination Harry Potter”: dem Fanwesen und den ökonomischen Implikationen des Harry Potter franchise. Susanne Kroner führt in einen speziellen Teilbereich der schier unermesslich weiten fan fiction ein: next gen fics, also Geschichten, welche das Leben der Kinder der Rowlingschen Hauptfiguren aus- oder weiterspinnen und sich dabei oft weit von den in den Büchern und Filmen vorgegebenen Parametern entfernen. Franziska Burstyn zeigt, wie sich die Konsumorientiertheit unserer Gesellschaft besonders in den frühen Harry-Potter-Büchern niederschlägt, um dann insbesondere in dem Erlebnispark The Wizarding World of Harry Potter in Orlando, Florida potenziert Ausdruck zu finden: “Konsumerismus als eine Form der Wiederverzauberung”. Und Maria Fleischhack gewährt einen Einblick in die Rechtsstreitigkeiten zwischen Rowling und Warner Bros. als Wahrer ihrer Copyrights auf der einen und den kreativen Fans auf der anderen Seite, der erneut erkennen lässt, dass finanzielle Interessen keinen geringen Teil der “Faszination Harry Potter” ausmachen. ← 8 | 9 →

Der erste Beitrag in der Varia-Abteilung bewegt sich auf dem ‘Heimatgrund’ der Inklings-Gesellschaft: Tolkiens Lord of the Rings. Martin Simonson widerlegt die Ansicht mancher Kritiker, dass die Figur der Tom-Bombadil-Episode einen Fremdkörper im Handlungsverlauf des Romans darstelle, und verweist auf die Tradition der mittelalterlichen Romanze mit ihrem charakteristischen Geflecht von ‘Abschweifungen’, auf die Tolkien zurückgreife, um so “einen Dialog zwischen verschiedenen narrativen Paradigmen zu etablieren”. Einem neueren ‘Klassiker’ der Fantasy Fiction wendet sich Rabanus Mitterecker zu: The Last Unicorn (1968), in dem der Autor Peter S. Beagle zwar auf postmoderne Weise mit Märchenkonventionen spiele, letztendlich aber doch den Leser auch emotional gefangenzunehmen verstehe. Und Werner Bies beendet seine in den letzten Inklings-Jahrbüchern etablierte Reihe von Analysen lyrischer Märchen-Umgestaltungen mit einer Interpretation von Sara Kirschs Gedicht “Schneelied”, die er mit einer resümierenden Betrachtung der “prekären Kleingattung” Märchengedicht abschließt.

Die Herausgeber widmen sich auch in diesem Jahr schließlich wieder der angenehmen Pflicht der Danksagung: an die Organisatoren des Symposiums, insbesondere Josef Schreier, Julian Eilmann und Maria Fleischhack, sowie an Professor Peter Wenzel von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen für die Bereitstellung von Tagungsräumen und das große Interesse an der Tagung. Und natürlich an die Beiträger und Rezensenten des Jahrbuchs und die Mitarbeiter des Peter Lang Verlags für ihre geduldige Kooperation.

D.P. ← 9 | 10 →

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Beiträge zur Tagung “Faszination Harry Potter”

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Carsten Kullmann

“Mudblood, and proud of it!”

Analysing the Politics of Race in the Harry Potter Novels

Details

Seiten
218
ISBN (PDF)
9783631759356
ISBN (ePUB)
9783631759363
ISBN (MOBI)
9783631759370
ISBN (Buch)
9783631749340
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
Fantasyliteratur Fankultur Märchengedicht JRR Tolkien Peter S. Beagle Sarah Kirsch
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2018., 218 S.

Biographische Angaben

Dieter Petzold (Band-Herausgeber) Klaudia Seibel (Band-Herausgeber)

Dieter Petzold lehrte englische Literatur an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist seit 1996 Herausgeber des Inklings-Jahrbuchs und hat Bücher über die englische Nonsensliteratur, das englische Kunstmärchen im 19. Jahrhundert, Robinson Crusoe und J.R.R. Tolkien sowie zahlreiche Fachartikel veröffentlicht, vor allem zu verschiedenen Gattungen der fantastischen Literatur und zur Kinderliteratur. Dieter Petzold has taught English literature at the University of Erlangen-Nuremberg. He has been the editor of the Inklings Yearbook since 1996 and has published books on English nonsense literature, on 19th-century English literary fairy tales, on Robinson Crusoe and on J.R.R. Tolkien as well as numerous articles, mainly on various types of fantastic fiction and on children’s literature. Klaudia Seibel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Phantastischen Bibliothek Wetzlar. Sie ist seit 2016 Herausgeberin des Inklings-Jahrbuchs und hat u.a. Artikel zu phantastischer Literatur, Erzähl- und Gattungstheorie veröffentlicht. Klaudia Seibel is a research assistant at the Wetzlar Library of the Fantastic. She has been the editor of the Inklings Yearbook since 2016 and has published articles on speculative fiction, narratology and genre theory.

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