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Internationalismen

Eine Methodik zur Erfassung graphematischer Kongruenz

von Claudia Gath (Autor:in)
Dissertation 272 Seiten

Zusammenfassung

Internationalismen sind in mindestens drei Sprachen formal und inhaltlich ähnliche sprachliche Einheiten. Die Untersuchung vergleicht potentielle Internationalismen in zehn Sprachen im Hinblick auf die Ähnlichkeit (Kongruenz) ihrer Schreibung. Der Vergleich findet dabei nicht nur mit dem deutschen Lexem statt, sondern auch mit den Lexemen der anderen Sprachen untereinander. Die vorgestellten Kriterien zur Bestimmung von Kongruenz erlauben die Berechnung von Kongruenzwerten. So ist es möglich, graphematische Ähnlichkeiten auf einer Skala anzuordnen und die Lexempaare dadurch präzise vergleichbar zu machen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Abstract
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Eine Annäherung an den Untersuchungsgegenstand
  • 1.2 Erkenntnisinteresse und Fragestellung der Untersuchung
  • TEIL I: Forschungsüberblick und theoretische Grundlegung
  • 2 Forschungsüberblick – Zum bisherigen Stand der Internationalismenforschung und verwandter Forschungsbereiche
  • 2.1 Internationalismen und angrenzende Forschungsbereiche der Lexikologie – eine Auswahl
  • 2.2 Das Verhältnis von Internationalismenforschung und Entlehnungstypologien
  • 2.3 Das Verhältnis von Internationalismenforschung und dem psycholinguistischen Konzept der Kognaten
  • 2.4 Das Verhältnis von Internationalismenforschung und Kontrastiver Linguistik
  • 2.5 Das Verhältnis der Internationalismenforschung zur Eurolinguistik und dem Konzept der Sprachbünde
  • 2.6 Einordnung der Internationalismenforschung nach Braun/Schaeder und Volmert (1990/2003) in die bestehenden Theorien
  • 2.7 Differenzierung des Terminus Internationalismus
  • 2.8 Zwischenfazit: Eingrenzung der Fragestellung und Methodik der Internationalismenforschung mit besonderem Fokus auf der Analyse der Schreibung
  • 3 Theorie der Interlexikologie
  • 3.1 Das Intersystem und seine Einheiten
  • 3.2 Kriterien zur Klassifikation von (lexikalischen) Einheiten als Internationalismen
  • 3.3 Zwischenfazit: Terminologie der Interlexikologie
  • TEIL II: Entwicklung einer Theorie zur interlexikologischen Analyse von Schreibungen
  • 4 Schriftlinguistische Grundlegung der Analyse der Schreibung von Internationalismen
  • 4.1 Das Sprachsystem des Deutschen und seine Einheiten
  • 4.2 Das Schriftsystem des Deutschen und seine Einheiten
  • 4.2.1 Graphematik und Orthographie
  • 4.2.2 Graphematik und Graphetik
  • 4.2.3 Rekodierungsprinzip und Phonologie
  • 4.2.4 Graphem-Phonem-Korrespondenzen
  • 4.3 Zwischenfazit: Analyse der Schreibung von potentiellen Internationalismen auf Grundlage der Graphematik nach Neef (2005a)
  • 4.3.1 Ableitung der Analyseschritte aus den bisherigen Erkenntnissen
  • 4.3.2 Kriterien für die Kongruenz der Schreibung von Internationalismen auf graphematischer Ebene
  • 4.3.3 Das Format der Analyse
  • TEIL III: Eine interlexikologische Methodik zur Analyse von Schreibungen
  • 5 Interlexikologische Analyse der Schreibung auf der graphematischen Ebene
  • 5.1 Auswahl an Vergleichssprachen
  • 5.2 Monolinguale Analyse der deutschen Lexeme
  • 5.3 Multilinguale Analyse der Lexeme L1-L10
  • 5.3.1 Vergleich der Schreibungen Gruppe Deutsch
  • 5.3.2 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Dänisch
  • 5.3.3 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Schwedisch
  • 5.3.4 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Niederländisch
  • 5.3.5 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Englisch
  • 5.3.6 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Französisch
  • 5.3.7 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Spanisch
  • 5.3.8 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Italienisch
  • 5.3.9 Vergleich der Schreibungen der Gruppe Rumänisch
  • 5.4 Quantifizierung der Ergebnisse
  • 5.5 Zwischenfazit: Auswertung der Ergebnisse der quantifizierenden Paaranalysen
  • 6 Analyse auf der Intersystemebene
  • 6.1 Ergebnis der multilingualen Analyse und Bezug zum Intersystem
  • 6.2 Visualisierung der Ergebnisse auf Intersystemebene
  • 6.3 Diskussion und Modifikation bisheriger Konzepte der Stufung von Kongruenz
  • 6.4 Ableitung der Kongruenzklassen aus den quantifizierenden Analysen
  • 6.5 Zwischenfazit: Übertragbarkeit der Methodik auf andere Lexeme
  • 7 Fazit
  • Anhänge
  • Wörterbuchbelege für die Vergleichslexeme aus Kap. 5
  • Bereinigte Beispielanalyse für ORANGE
  • 0) Auswahl der Vergleichslexeme
  • 1) Monolinguale Analyse der Schreibung der Nennform des deutschen Vergleichslexems
  • 2) Multilinguale Analyse der Schreibung der Nennform der Vergleichslexeme L1-L10
  • 3) Analyse auf Intersystemebene
  • Liste der Korrespondenzregeln nach Neef (2005a)
  • Verzeichnisse
  • Literaturverzeichnis
  • Wörterbücher:
  • Online-Quellen:
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis

←12 | 13→

1 Einleitung

1.1 Eine Annäherung an den Untersuchungsgegenstand

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Wer jemals in Kontakt mit einer unbekannten Sprache gekommen ist, wird vermutlich zuerst erstaunt gewesen sein, ob all dem Fremden und Andersartigen und vermutlich Schwierigkeiten gehabt haben, Bekanntes und Vertrautes zu erkennen und zu interpretieren. Auffällig sind zunächst eher die Unterschiede zwischen den Sprachen, sei es beim zufälligen Kontakt mit einer unbekannten Sprache, beim gesteuerten Fremdsprachenlernen oder auch beim bilingualen Spracherwerb. Die Mannigfaltigkeit der Bezeichnungen für bestimmte Dinge in verschiedenen Sprachen ist faszinierend und führt deutlich vor Augen, wie wenig naturgegeben diese Bezeichnungen sein können, wenn sie sich in den Sprachen derart unterscheiden. Aus dieser Perspektive erscheinen Ähnlichkeiten in verschiedenen Sprachen prinzipiell weniger auffällig oder verwunderlich, sprachübergreifend betrachtet sind sie jedoch erstaunlich. Die Frage nach den Gründen für solche Ähnlichkeiten ist in der Geschichte der Linguistik auf unterschiedliche Weise beantwortet worden: So ist die Ähnlichkeit von Sprachen von der Warte der Sprachverwandtschaft aus untersucht worden oder im Hinblick auf bestimmte Sprachbünde. Im letzten Fall sind die Ähnlichkeiten nicht durch eine gemeinsame Entwicklung der Sprachen aufgrund einer Verwandtschaft begründet, sondern durch den Sprachkontakt in einem bestimmten Großareal, beispielsweise dem Balkan. Auch an (National-) Grenzen kann solcher Sprachkontakt Ähnlichkeiten bewirken, indem sprachliche Einheiten durch den engen kulturellen Austausch von einer Sprache in die andere entlehnt werden. Im Vordergrund solcher Überlegungen steht meist die Etymologie der sprachlichen Einheiten. In der Volksetymologie zeigt sich sogar ein sprachliches Interesse von Laien, die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung solcher sprachlicher Einheiten zu ergründen, die entweder besonders fremd wirken oder eine ähnliche Entsprechung in einer anderen Sprache haben.

Diese laienhaften, aber auch viele linguistische Überlegungen sind diachron, also auf die Betrachtung des Wandels der sprachlichen Einheiten bezogen. Eine weitere Perspektive bietet die synchrone Betrachtung sprachlicher Einheiten, wie sie in der Auflistung oben zu finden ist. Der Vergleich der ←13 | 14→lexikalischen Einheiten aus dem Deutschen, Englischen, Italienischen, Französischen, Polnischen, Finnischen und dem Nahuatl kann sowohl diachron angestellt werden, indem die Entwicklung und der Wandel der Sprachen im Lichte ihrer Verwandtschaft oder der Wandel im Lichte ihrer Entlehnungsgeschichte betrachtet wird. Die lexikalischen Einheiten können aber auch synchron im Hinblick auf Ähnlichkeiten und Unterschiede ihrer aktuellen Form verglichen werden.

Um diese lexikalischen Einheiten synchron vergleichen zu können, benötigt man entsprechende Modelle. Eine grundsätzliche linguistische Annahme ist, dass es sich bei lexikalischen Einheiten um Zeichen handelt. Das strukturalistische Zeichenmodell nach de Saussure betrachtet Zeichen als bilateral, nämlich mit einer Inhalts- und einer Ausdrucksseite. Zeichen bestehen also nach dieser Auffassung aus mehreren Ebenen, die jedoch nicht als separate kleinere Elemente interpretiert werden dürfen, die sich zum größeren Zeichen summieren, sondern vielmehr, metaphorisch gesprochen, als zwei Seiten derselben Einheit zu verstehen sind. Die Beziehung der Ebenen oder Seiten ist dabei arbiträr und konventionell (Saussure 1967: 97–103), was sich besonders im Sprachvergleich offenbart, weil der gleiche Inhalt, also eine gleiche Bedeutung, durch potentiell ganz unterschiedliche Ausdrucksseiten wiedergegeben werden kann. So lautet die deutsche Bezeichnung für ein ‚Heißgetränk aus gemahlenen Kakaobohnen‘ Kakao, im Englischen jedoch hot chocolate. Der gleiche oder vergleichbare Inhalt wird in den Sprachen mit unterschiedlichen Ausdrucksseiten verbunden, die daher als arbiträr betrachtet werden können, indem sie sich in den Sprachen ohne erkennbare inhärente Gründe unterscheiden, die aber von der Sprechergemeinschaft mit der intendierten Bedeutung in Beziehung gebracht werden können, weil dieser Zusammenhang für die entsprechenden Sprachen konventionell festgelegt ist. Die Trennung der Inhalts- und der Ausdrucksseite kann helfen, den Vergleich mehrerer lexikalischer Einheiten transparenter zu gestalten und die Konventionalität und Arbitrarität der Zeichen zu beleuchten.

Diese Grundüberlegungen lassen sich auf die hier zu untersuchenden Internationalismen beziehen: Es gibt lexikalische Einheiten, die von der Ausdrucksseite und dem Inhalt her vergleichbar sind. Beispielsweise sind folgende Bezeichnungen für ‚mit Zucker […] gemischte Kakaomasse, die meist zu Tafeln geformt oder in Figuren gegossen ist‘ (Duden Bedeutungswörterbuch 2002: 789) in verschiedenen Sprachen möglich: Deutsch Schokolade, Englisch chocolate, Italienisch cioccolata, Französisch chocolat, Polnisch czecolada (Stanisławski 1980: 147), Finnisch suklaa (Rekiaro & Klemmt 1992: 553) und Nahuatl chocolatl (Kluge 2011: 823). Diese als ähnlich wahrgenommenen lexikalischen Einheiten weisen dennoch Unterschiede auf, und das bei diesem ←14 | 15→Beispiel vor allem ausdrucksseitig1. Es stellt sich deshalb zum einen die Frage, wie sich Unterschiede in den verschiedenen Sprachen inhalts- und ausdrucksseitig manifestieren können, und zum anderen, ab welchem Grad der Abweichung Internationalismen nicht mehr ohne Weiteres als solche zu erkennen sind. Die grundlegende Idee dabei ist, dass es eine Ebene außerhalb der Einzelsprachen gibt. Mehrsprachig Aufgewachsene empfinden es mit ihren L1-Ln so, dass semantische Begriffe sprachunabhängig, quasi zwischen allen Sprachen, angesiedelt und in unterschiedlicher Weise in diesen ausdrückbar sind. Dies ist zwar in der Form intuitiv und nicht wissenschaftlich, lässt sich jedoch psycholinguistisch auswerten und mit der Annahme einer vorsprachlichen Phase bei der Sprachproduktion in Beziehung setzen, auf der der Sprechoutput ohne die Zielsprache inhaltlich konzipiert wird (Höhle 2012: 59). Diese sprachintuitiven Eindrücke sowie die Annahmen der Psycholinguistik lassen sich auf die Ebene des Vergleichs von ausdrucksseitig ähnlichen, aber womöglich nicht immer identischen lexikalischen Einheiten in verschiedenen Sprachen übertragen und nutzen. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede der lexikalischen Einheiten können auf diese Weise übereinzelsprachlich beschrieben werden, indem diese auf eine solche Ebene außerhalb der Einzelsprache bezogen werden. Dieses sogenannte Intersystem ist zu verstehen als eine solche sprachenübergreifende beziehungsweise zwischen, neben oder über allen Sprachen stehende Ebene, auf die jene lexikalischen Einheiten bezogen werden können, die einander im Rahmen dieses Systems entsprechen und damit Internationalismen konstituieren (Volmert 1999: 6f.).

1.2 Erkenntnisinteresse und Fragestellung der Untersuchung

Es stellt sich nun die Frage, wie man methodisch an den Themenbereich Internationalismen herangehen kann und welche Theorien zugrunde gelegt werden sollten. Es lässt sich ganz allgemein annehmen, dass die Untersuchung wie auch immer gearteter lexikalischer Einheiten zum Bereich Lexikologie gehört, weshalb also Modelle und Methoden aus diesem Bereich Anwendung finden sollten. Die Lexikologie als Disziplin ist nicht einheitlich definiert, vor allem im Hinblick darauf, welche Teildisziplinen sie umfasst. Eine Gleichsetzung mit lexikalischer Semantik erscheint mir allerdings aufgrund der oben festgelegten bilateralen Auffassung von Zeichen (und damit von lexikalischen Einheiten) nicht sinnvoll. ←15 | 16→Andere Interpretationen schließen die Morphologie, Phonologie und Schreibung mit ein (Wanzeck 2010: 17), womit lexikalische Einheiten auch ausdruckseitig untersucht werden könnten. Ich erachte die Untersuchung beider Seiten in der Internationalismenforschung für notwendig. Zwar ist hier keine semantische Arbeit angestrebt, doch erscheint die Sicherstellung einer ähnlichen Inhaltsseite als Kontrollinstanz unvermeidbar, um Falsche Freunde (vgl. Kap. 2 und 3) auszuschließen.

Neben lexikologischen Modellen und Methoden müssen in einer sprachvergleichenden Untersuchung auch solche der Komparativen/Kontrastiven/Konfrontativen Linguistik berücksichtigt werden. Dies wurde in den vorliegenden Untersuchungen zu Internationalismen bisher nicht oder nur am Rande reflektiert. Daher soll in Kap. 2 ein Forschungsüberblick gegeben werden, der potentiell nützliche Modelle und Methoden aus verschiedenen linguistischen Teilbereichen auf die Anwendbarkeit für die Untersuchung von Internationalismen befragt und auswertet, um den Themenbereich, die Terminologie und die theoretische und methodische Ausrichtung meiner Untersuchung einzugrenzen. Selbstverständlich müssen damit einhergehend auch einschlägige Texte der Internationalismenforschung berücksichtigt werden, um die vorhandenen theoretischen und methodischen Grundlagen zu sichten, kritisch zu diskutieren und auf Anwendbarkeit hin zu prüfen. Im Zuge dessen sollen auch Forschungsdesiderate herausgearbeitet werden. In den bisher vorliegenden empirischen Internationalismenstudien ist generell auffällig, dass einschlägige theoretische Grundlagen fehlen oder nur in geringem Maße vorhanden sind. Als theoretische Grundlage werden hauptsächlich zwei Sammelbände von Braun, Schaeder und Volmert (1990 und 2003) genutzt. Weitere Texte sind theoretisch nicht oder nur bedingt kompatibel (Bergmann (1995), Reichmann (1991), Seguì (1992).

Neben den allgemeinen Grundlagen der Internationalismenforschung werden in den empirischen Untersuchungen auf linguistische Teildisziplinen bezogene theoretische Grundlagen (beispielsweise Semantik oder Morphologie) benötigt. Diese Grundlagen basieren auf Theorien, die auf Einzelsprachen ausgelegt sind, und wenden diese modifiziert auf das jeweilige Korpus an. Die Methodik ist dabei häufig nicht unproblematisch. Die Korpora werden meist durch die Selektion von Lemmata aus Zeitungsartikeln gewonnen, gleichzeitig wird jedoch eine Beschränkung auf Fachsprache propagiert, da hier die inhaltsseitige Ähnlichkeit gewährleistet sei (Dies geht zurück auf Schaeder (1990b: 72f.)). Das ist natürlich zum einen nicht konsistent, da die Sprache in Zeitungen schwerlich als Fachsprache verstanden werden kann, und zum anderen ist es gar nicht wünschenswert, ausschließlich eine so eingeschränkte Domäne untersuchen zu können. Vielmehr sollten prinzipiell lexikalische Einheiten aus allen Varietäten ←16 | 17→einer Sprache analysiert werden können. Zudem werden in den betreffenden Untersuchungen meist mehrere linguistische Teilbereiche auf einmal abgehandelt und keine detaillierten und theoretisch gut fundierten Analysen angestellt. Es lässt sich insgesamt feststellen, dass zwar jede Einzelanalyse ihr Werkzeug zusammenstellt, jedoch die allgemeine, sprachenübergreifende theoretische und methodische Basis fehlt.

Es bleibt festzuhalten, dass ein Bedarf an theoretischer Fundierung und Systematisierung der Analysemethode von Internationalismen besteht. Die vorliegende Studie hat zum Ziel, diesen Bedarf zu bedienen, indem eine theoretisch fundierte Methodik zur Analyse von lexikalischen Einheiten, die potentiell Internationalismen sind, erarbeitet wird. Dabei soll die Ausdrucksseite und dort besonders die Schreibung fokussiert werden. Dazu wird in Kap. 3 das interlexikologische Modell nach Schaeder (1990a und 2003) als Grundlage für die vorliegende Untersuchung vorgestellt, diskutiert und modifiziert. Theoretische Überlegungen zur Schriftlinguistik werden in Kap. 4 angestellt, in dem mit Neef (2005a) ein schriftlinguistisches Modell zugrunde gelegt wird, das auf das Schriftsystem des Deutschen zugeschnitten ist. Das Deutsche ist nicht nur die Untersuchungssprache dieser Studie, sondern auch meine L1. Ich gehe nicht davon aus, dass eine völlig von der eigenen Sprachwahrnehmung losgelöste Untersuchung von lexikalischen Einheiten möglich ist, und nehme daher einen besonderen Bezug zum Deutschen (sowie zu meinen weiteren Sprachkenntnissen) an. Dies steht der Intention, die lexikalischen Einheiten auf eine sprachübergreifende Ebene (nämlich das Intersystem) zu beziehen, nicht entgegen, sondern trägt lediglich dem Umstand Rechnung, dass solche Untersuchungen nicht völlig objektiv sein können. Vielmehr soll durch transparente Darstellung der zugrunde gelegten Theorie und der angewandten Methodik die Nachvollziehbarkeit der Analyse und intersubjektive Überprüfbarkeit der Ergebnisse angestrebt werden. Die Erarbeitung der Analysemethode der Ausdrucksseite von potentiellen Internationalismen findet in Kap. 5 und 6 an einem Beispiel statt.

Trotz des Fokus auf der Ausdrucksseite kann die Inhaltsseite (Semantik) der zu untersuchenden lexikalischen Einheiten natürlich nicht völlig außen vor gelassen werden (s. o.), doch soll keine detaillierte Analyse auf dieser Ebene stattfinden. Daher soll eine möglichst einfache lexikalische Einheit als illustratives Beispiel in der Analyse gewählt werden. Ich nehme an, dass Substantive dafür besonders geeignet sind und Konkreta dabei besser als Abstrakta. Es soll keine Begrenzung auf Fachsprache gelten (s. o.), daher soll eine gemeinsprachliche lexikalische Einheit gewählt werden. Aufgrund dieser Überlegungen wähle ich Orange bzw. Apfelsine aus. Trotz der Analyse des Beispiels liegt mit dieser Studie ausdrücklich keine empirische Untersuchung vor, sondern eine theoretische. ←17 | 18→Zwar werde ich in der Analyse eine relativ große Auswahl an Sprachen einbeziehen, jedoch nur diese eine lexikalische Einheit. Somit können die Kriterien und lexembezogenen Ergebnisse der Analyse nur als exemplarisch verstanden werden, da beispielsweise nicht alle Buchstaben (des Deutschen oder der weiteren zu vergleichenden Sprachen) auftreten. Die theoretische Fundierung, die entwickelte Methode und die aus der Analyse abgeleiteten Kongruenzklassen (Kap. 6) sollen jedoch auf andere lexikalische Einheiten und Sprachen übertragbar sein. Meine Überlegungen sind dabei rein sprachsystematisch und lassen pragma- und soziolinguistische Aspekte weitgehend außen vor.

1Für die lexikalische Einheit im Nahuatl kann allerdings angenommen werden, dass sie sich nicht auf die Süßigkeit, also die Tafel Schokolade bezieht, sondern auf den Rohstoff oder ein Getränk.

Details

Seiten
272
ISBN (PDF)
9783631773796
ISBN (ePUB)
9783631773802
ISBN (MOBI)
9783631773819
ISBN (Hardcover)
9783631763384
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
Kontrastive Linguistik Lexikologie Entlehnung Internationalismen Graphematik Orthographie
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2018. 269 S., 1 farb. Abb., 27 s/w Abb., 144 Tab.

Biographische Angaben

Claudia Gath (Autor:in)

Claudia Gath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik, Abteilung Linguistik und Mediävistik der Technischen Universität Braunschweig. Sie forscht und lehrt dort zum Sprachvergleich, zur Lexikologie und zur Soziolinguistik.

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