Lade Inhalt...

Unterwegs mit und für Deutsch

50 Jahre DaF und Germanistik in Ostafrika

von William Wagaba (Band-Herausgeber) Steven Heimlich (Band-Herausgeber)
Andere 178 Seiten

Inhaltsverzeichnis


Manuel Muranga (Kabale)

Das Geheimnis vom Kuckuckshof: 50 Jahre als Lernender und Lehrender der deutschen Sprache in Ostafrika

Abstract: The author narrates his fortuitous encounter with the German language as a sixteen-year-old African schoolboy in Anglophone Uganda, his curiosity for books and encounter in 1967 with a book written in a strange language. Words such as „Mann“, „Vater“, „Mutter“ and „Name“ produce an echo of distant, yet near, resemblance to English. Even before he discovers that the language is German, the fascination generates within him the energy to explore the strange language without a teacher. After seven months of self-immersion into the new language, he begins to seek external help from German expatriates in Uganda. This turns out to be the beginning of a fifty-year long career through school and university in Uganda, further training at the Goethe-Institut in Munich, and eventually doctoral studies in German literature at the University of Bayreuth. He becomes the first Ugandan to teach German at Makerere University, and eventually gets promoted to the rank of professor. He collaborates with colleagues in French and English to establish mother tongue studies at Makerere University. He later introduces a Master’s degree course in translation and language development targeting the intellectualization of African languages and promotion of intercultural learning.

Keywords: Encounter with German language, self-immersion, doctoral studies, linguistic patriotism in Europe, intellectualization of African languages, degree course in translation

1 Faszinosum Deutsch: als Schüler in Westuganda

Im Dezember 1967, zum Ende meines ersten Schuljahres an der Ntare School, eines ziemlich elitären Internats im westugandischen Mbarara, verbrachten wir 15–16-jährigen Jungen noch ein paar Tage der Muße, ehe wir in die Weihnachtsferien geschickt wurden. Um mich zu beschäftigen – Bücherwurm, der ich war – ging ich, Emmanuel John Kamugisha (wie ich damals offiziell hieß), täglich in die gute alte Schulbibliothek und sah mir die Bücher eins nach dem anderen an, Regal um Regal, die Titel und die Autoren prüfend, die Seiten wendend und die Bilder betrachtend, wenn es in dem jeweiligen Buch welche gab. Ich stellte dann das Buch wieder ins Regal und nahm das nächste auf. Bei dieser Art Forschungsvergnügen entdeckte ich ein Buch, welches weder auf Englisch noch auf Französisch verfasst war. Schließlich kannte ich diese Sprachen bereits aus dem Unterricht. Dies hier war eine ganz andere Sache, eine andere Sprache. Der Titel ←13 | 14→und Untertitel lauteten so: Das Geheimnis vom Kuckuckshof. Eine Detektivgeschichte aus dem Schwarzwald.

Natürlich konnte ich diese Worte nur auf Englisch sozusagen „flüsterlesen“, wie man sich vorstellen kann. Aus Neugier blätterte ich um bis zu der Seite, auf welcher der eigentliche Text begann. Da gab es Satzgefüge wie diese: „Sein Name ist Johann. Er ist groß. Er ist stark. Er hat blaue Augen“. Diese Strukturen schienen bei mir einen nicht ganz unvertrauten Klang zu besitzen. Und als ich mir andere Einzelheiten auf dieser Seite anschaute, da fand ich Phänomene wie „Name“, „Mann“, „Vater“ und „Mutter“, deren rein physische Erscheinung mich an die englischen Wörter „name“, „man“, „father“ und „mother“ denken ließen. Aber war meine Vermutung richtig? Das Bedürfnis, die Wahrheit herauszufinden über diese fremdartige und offensichtlich selbstständige Sprache und über die einzelnen Wörter und Satzgefüge, die mich unausweichlich zum Raten verführten, war so stark, dass ich das Buch kaum wieder ins Regal zurückbringen wollte.

Ich „las“ mich ungefähr drei Tage lang in das Buch hinein, ehe Mr. William Crichton, unser schottischer Schulrektor, uns in die Ferien entließ. Ich lieh mir das Buch kurzerhand aus, da ich inzwischen vollkommen bezaubert war von dem, was ich tat, oder wie auch immer man es nennen mag. Nach zwei Wochen wusste ich noch immer nicht, wie diese Sprache hieß; immerhin, ein Glossar, welches ich eines Tages am Ende des Buches entdeckte, half mir, die Bedeutung bestimmter Einzelwörter zu erfahren, sowohl derer, die bei mir einen gewissen „englischartigen“ Nachklang hinterließen, als auch derer, die wie aus einem Buch mit sieben Siegeln erschienen, ganz und gar undurchsichtig waren. Ich saugte auf, was mir ohne Weiteres bekömmlich schien und versuchte, es zu verdauen. Endlich begegnete mir das Wort „deutsch“, welches in meinen Augen zunächst zu den undurchsichtigen zählte, mir nach einem Blick ins Glossar aber meine neue Leidenschaft bezeichnete. Von nun an, wusste ich, was ich als Nächstes wollte, nämlich jedes deutschsprachige Buch, welches sich in egal welcher Ecke der Ntare School befand, zu suchen und zu „studieren“.

Und ich tat genau das, nachdem wir aus den Weihnachtsferien zurückgekommen waren. Ich begann, aus dem „Geheimnis“-Buch herauszuwachsen und mich mit grammatikalischer Materie auseinanderzusetzen. Auch mein Wortschatz vermehrte sich. Aber ich hatte noch immer keinerlei Ahnung, wie Deutsch lautete oder klang, auch wenn ich wusste, wie es aussah. Also las ich Deutsch mit englischer Phonologie auf meinen Lippen. Bald bekam ich in der Schule den durchaus harmlosen Ruf, jener seltsame Junge zu sein, der Deutsch im Selbstunterricht lernte. Ich aber war ganz stolz darauf, dass man sich wunderte zu sehen, wie ich in gebrochener (oder gotischer) Schrift geschriebene Bücher aus ←14 | 15→den frühen 1900er Jahren las. Mithilfe eines dieser Bücher lernte ich die deutsche Grammatik. Man gab mir den Spitznamen „German“.

Eines Tages, wahrscheinlich im Juli 1968, erzählte mir ein Mitschüler aus dem dritten Jahr (Deus Kananura, heute Arzt in Ibanda, Südwestuganda), von einer deutschen Krankenschwester im staatlichen Krankenhaus Mbarara, die mir eventuell beim Deutschlernen helfen könnte. Ich suchte und fand sie. Ihr Name war Ute Homeyer. Sie sagte, sie wüsste nicht, wie sie mich unterrichten sollte. Aber ich bestand so höflich wie möglich darauf, dass ich z.B. von Zeit zu Zeit kleine Aufsätze auf Deutsch schreiben könnte und sie mich korrigieren würde. Sie war gutherzig, aber es wurde mir schnell klar, dass meine Bitte sie überforderte. Immerhin durfte ich mir bei ihr aber einmal die Sendung von Radio Deutsche Welle anhören. Ich hörte zu, kapierte aber überhaupt nichts. Auch der Empfang war schlecht und voller Seitengeräusche. FM-Sender gab es damals noch nicht.

Tatsächlich lernte ich erst zwei Jahre später, im August 1970, als ich im vierten Jahr war, wie man Deutsch richtig ausspricht. Ute Homeyer war inzwischen nach Norduganda versetzt worden. Sie schrieb mir aber ab und zu eine Postkarte auf Deutsch, manchmal auch einen kurzen echten Brief. Und ich war wirklich stolz auf mein neues Stück „Besitztum“: eine neue Sprache, in der ich einen Brief lesen und sogar schreiben konnte, so zaghaft und imperfekt dies auch zunächst geschah. Ute Homeyer verdanke ich auch meinen ersten Brieffreund, Sigurd Schuster, einen Gymnasiasten aus dem kleinen süddeutschen Ort Pöttmes bei Augsburg, von wo sie selber anscheinend gebürtig war.

Nach der ersten Phase des gegenseitigen Kennenlernens bat ich Sigurd Schuster vorsichtig, mir Exemplare der deutschsprachigen Lehrbücher, die man in deutschen Schulen für Biologie, Chemie, Physik, Geographie und Geschichte gebrauchte, zu schicken. Zu meiner Freude tat er es mithilfe seiner Eltern. Diese Bücher eröffneten mir eine neue Wirklichkeit und Perspektive. Ich stellte in meiner Unschuld fest, dass Englisch keineswegs die einzige Bildungs- und Unterrichtssprache war, die es auf der Welt gab. Vielmehr: Hier war Deutschland mit seiner eigenen Welt, seinem Wissen über die Welt und das Universum, welches adäquat, ja robust und sogar mit Stolz in seiner eigenen Sprache zum Ausdruck kommt.

Wenn ich heute, ein halbes Jahrhundert später, darüber nachdenke, so werde ich mir bewusst, dass meine Leidenschaft für die Intellektualisierung unserer eigenen ugandischen und afrikanischen Muttersprachen ihre Wurzeln in meiner Bewunderung für jene Schullehrbücher hat. In der Tat haben inzwischen mehrere von mir betreute Studenten ihre Magister-Arbeiten durch die Übersetzung eines bekannten literarischen Werkes in ihre Muttersprache und die ←15 | 16→philologische Besprechung der dabei begegnenden Schwierigkeiten bestritten. Als Beispiel dafür sei hier lediglich die Übersetzung von Lessings in gewisser Hinsicht frauenrechtlich emanzipatorischem bürgerlichem Trauerspiel „Emilia Galotti“ durch Jane Ninsiima ins Runyankore-Rukiga erwähnt, welches 2014 als Buch erschienen ist und 2018 durch das „National Curriculum Development Centre“ (NCDC) und das „Uganda Examinations Board“ (UNEB) als „set book“, als „empfohlenes literarisches Werk“ für das Schulfach Runyankore-Rukiga in der Oberstufe aufgenommen wurde. Mit solchen Übersetzungen und Veröffentlichungen ist meine Hoffnung verbunden, dass die Leser den Ansporn empfinden, eigene literarische Werke direkt in der Muttersprache zu schaffen.

Der multidisziplinäre MATLD (Master of Arts in Translation and Language Development)-Studiengang, den wir 2011 am Bishop Barham University College (BBUC) in Kabale begonnen haben, soll diesen Prozess der Intellektualisierung unserer Sprachen unterstützen und beschleunigen. Eine MATLD-Dissertation besteht z.B. aus der Übersetzung eines englischsprachigen Standard-Lehrwerks in der ursprünglichen akademischen Disziplin des Kandidaten in seine Muttersprache und soll stets in eine spätere Publikation münden. Die Voraussetzung für die Zulassung zum Studiengang ist dementsprechend nicht nur ein B.A.- oder B.Sc.-Zertifikat, sondern auch Interesse an der Verbreitung von Wissen bzw. künstlerischer Erfahrung durch Übersetzen. Ein systematischer Ansatz zur wissenschaftlichen Terminologiebildung in der Zielsprache ist fast immer ein Ergebnis aus dem Übersetzungsprozess unter MATLD. So werden nicht nur etwa die Namen der akademischen Disziplinen, sondern auch die der chemischen Elemente teilweise durch phonologische Assimilation in die Muttersprache transkribiert – also z.B. Runyankore-Rukiga „Gyogorofe“ aus Englisch „Geography“, vgl. Deutsch „Geographie“; Runyankore-Rukiga „Okusigyeni“ aus Englisch „Oxygen“, Deutsch „Sauerstoff“. Ferner werden wörterbuchartige Definitionen der transkribierten Wörter angestrebt, ähnlich etwa bei deutschen Synonymen wie „Landeskunde“ für „Geographie“, „Völkerkunde“ für „Ethnologie“, oder „Schrifttum“ für „Literatur“.

Im Mai 1968 versuchte ich mich zum ersten Mal an einem amtlichen Brief in deutscher Sprache, adressiert an den Kulturattaché der deutschen Botschaft in Kampala. Und er antwortete mir auf Deutsch! Die Freude, die sein Brief in mir auslöste, war unvergleichlich; so etwas hatte ich noch nie erlebt. Herr Willeke interessierte sich von nun an ganz speziell für mich und schickte mir jeden Monat eine Zeitschrift namens Scala International, die deutsche Ausgabe und die englische, wobei diese eine genaue, von Profis durchgeführte Übersetzung von jener war. Das ermöglichte es mir, den deutschen Text mit seiner englischen Version zu vergleichen und auf diese Weise mehr Deutsch zu lernen und gleichzeitig ←16 | 17→sogar mein Englisch zu verbessern – eine Lernmethode, die ich heute anderswo immer noch gebrauche.

Herr Willeke verfolgte ständig meine Fortschritte und ermöglichte mir 1970 einen unverhofften einmonatigen Deutschlandaufenthalt auf Einladung des Deutschen Pädagogischen Austauschdienstes (PAD). Hinter dieser Einladung verbarg sich sicherlich auch die Hoffnung, dass ich eine „Karriere“ als Deutschlehrer oder in der wissenschaftlichen Germanistik anstreben würde. Mit der Zeit erfüllte sich die Hoffnung jener deutschen Pädagogen insoweit, als es zumindest drei von den insgesamt 30 jungen Afrikanerinnen und Afrikanern, die damals am PAD-Programm teilnahmen, tatsächlich bis zur Promotion in Germanistik und Qualifizierungen darüber hinaus geschafft haben. Es handelt sich außer mir um den kamerunischen Spezialisten für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft Prof. Dr. David Simo sowie um Prof. Dr. Houphouet Alain aus Côte d’Ivoire. Erst auf dieser Reise – die uns neben gemeinsamen ein- oder mehrtägigen Aufenthalten in Bonn-Bad Godesberg, Königswinter und dem damaligen West-Berlin zu unterschiedlichen Gastfamilien in einer jeweils anderen kleineren Stadt geführt hat – habe ich ausreichend vernehmen können, wie die deutsche Sprache richtig lautet und klingt. Vorher hatte ich weitgehend im Dunkeln getappt bzw. mich in einem lautlosen Vakuum bewegt. Diese Reise nach Deutschland trug auch dazu bei, dass ich Deutsch unbedingt als eines meiner Wahlfächer für die Abschlussprüfung am Ende der Secondary School belegen wollte. Dass ich auf meine Bitte hin tatsächlich für Deutsch registriert wurde, hatte vermutlich damit zu tun, dass unser Schuldirektor William Crichton als Förderer akademischer Originalität das Ostafrikanische Prüfungsamt in diesem Fall um eine Sondererlaubnis ersuchte. Ebenso wurden z.B. an Schulen mit einer beträchtlichen Bevölkerung asiatischer Schüler Sprachen wie Urdu bzw. Gujarat und Hindi als Wahlfächer angeboten und geprüft. Woanders konnte man wahrscheinlich auch Suaheli wählen und an einigen Schulen in der Region Buganda auch Luganda.

Meine Faszination für Deutsch hing auch mit dem Respekt zusammen, den die Deutschen und auch die demographisch kleineren Völker Europas (die Isländer, die Esten, die Letten, die Slowenen, die Tschechen, die Slowaken usw.) ihrer jeweiligen Muttersprache entgegen bringen. Diese Beobachtung hat mich zu einer anderen Disziplin geführt, die eine gute Ergänzung zu meiner Liebe zur deutschen Sprache sowie meiner Beschäftigung als Deutschlehrer geworden ist: den Muttersprachenstudien. Im Jahre 1990 haben wir – vier Kolleginnen und Kollegen im Fremdsprachenunterricht an der Makerere Universität – das Lehrfach „Runyakitara“ eingeführt. Dabei ging und geht es um die Lehre der westugandischen Bantusprachen, insbesondere des Runyoro/Rutooro, des Runyankore/Rukiga, des Ruhema an der östlichen Grenze der Demokratischen ←17 | 18→Republik Kongo entlang des Albertsees und des Ruhaya und Runyambo in Nordwesttansania, sowie um die Literaturen und Kulturen jener Völker, die diese zu 80–95% gegenseitig verständlichen Sprachen sprechen.

Heute sind viele unserer Absolventen im Runyakitara in der vielseitigen ugandischen Sprachindustrie beschäftigt. In weiterer Anerkennung dieses menschlichen Bedürfnisses und Verlangens nach einer sprachlichen – und sogar dialektalen – Identität, arbeitet heute eine Gruppe von uns Rukiga-Rukiga-Muttersprachlern an einer eigenen Fassung der Bibel. Seit 2007 haben die ugandischen Muttersprachen an den Sekundarschulen im ganzen Land Konjunktur und werden jetzt als Unterrichtsfächer ernst genommen und abgeprüft. Es gibt einen ernsthaften Enthusiasmus für diese zum Vorschein kommende (wenn man so will) „Sprachindustrie“ in Uganda, in der das in Zentraluganda gesprochene Luganda längst kein Monopol mehr genießt. Zumindest an den Schulen des Landes werden Bücher gesucht, die in den Muttersprachen geschrieben sind. Schriftsteller und Verleger sind herausgefordert, diesem Bedarf entgegenzukommen.

Meinen persönlichen Beitrag zu dieser Entwicklung sehe ich als eines der unerwarteten, näher betrachtet jedoch ganz natürlichen Ergebnisse meines Studiums der Fächer Deutsch, Französisch und anderer Fremdsprachen. Es bewahrheitete sich bei mir wirklich das, was zahlreiche Denker auf verschiedene Weisen zum Ausdruck gebracht haben, nämlich, dass die Beschäftigung mit dem Fremden ein schärferes Auge und erneuertes Interesse für das Eigene verschafft. So heißt es bei Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“ (II; Nr. 23): „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“.

2 Deutsch als Studienfach: Wanderjahre in Kampala, München und Bayreuth

Auf die oben erwähnte Abschlussprüfung „A-Level“ (vergleichbar mit dem deutschen Abitur) im Fach Deutsch bereitete ich mich bereits an der Makerere University vor, wo in den 1960er Jahren der erste germanistische Bachelor-Studiengang in ganz Ostafrika eingeführt worden war. Hier belegte ich ab Juni 1973 die Studienfächer „Französisch für Fortgeschrittene“, „Deutsch für Fortgeschrittene“ und Philosophie (nur fürs erste Studienjahr) sowie Erziehungswissenschaften; das Ziel war der Bachelor of Arts (B.A.) mit parallelem Diploma in Education (Dip. Ed.) für das Lehramt an Sekundarschulen.

Im ersten und zweiten Studienjahr habe ich auch Russisch nebenbei belegt und beide Jahresabschlussprüfungen gut bestanden. Trotzdem überlebt Russisch in mir nur noch durch mein Forschungsinteresse im Bereich vergleichende ←18 | 19→Idiomatik, Parömiologie (oder Sprichwortkunde) und Onomastik (Namenkunde) im Deutschen, Französischen, Englischen und Russischen, aber auch in meiner Muttersprache und anderen Bantusprachen unserer Region, einschließlich des Suaheli. Mein zweites Buch, welches auf dieses komparatistische Interesse zurückgeht, befasst sich mit ugandischen, genauer gesagt mit Runyankore/Rukiga Sprichwörtern in europäischem Vergleich.1

Die Zeit in Makerere war eine besonders schöne Phase meines Lebens, weil es mir hier auch gelang, spirituelle und fachliche Interessen in Einklang zu bringen: Ich pflegte sowohl aus sprachlichem Interesse als auch aus geistlichen Gründen die Bibel auf Französisch (in der Übersetzung von Louis Segond) sowie auf Deutsch (in der Zürcher Fassung) zu lesen. Und damals begann ich auch, ein Gebetstagebuch zu führen, meistens in englischer Sprache, ehrgeizigerweise aber manchmal auch auf Deutsch und Französisch.

Ich genoss den Spaß, die Freude und die Kraft, die an sprachlicher Heimlichkeit und Einmaligkeit oder Exzentrik hafteten. Seither habe ich eine ganze Reihe meiner Reflexionen und Gebete in den vielen Heften meines Tagebuches absichtlich in meiner Muttersprache bzw. Mundart Rukiga-Rukiga geschrieben. All diese Erfahrungen wären mir verwehrt geblieben, wenn ich nicht in Uganda studiert hätte. Ich bin deshalb überzeugt, dass junge ugandische oder afrikanische Abiturienten allgemein nicht sofort ins Ausland nach Europa, Amerika oder Asien zum Studium geschickt werden sollten; sie sind meiner Meinung nach noch zu jung und zu verletzbar. Sie sollten zunächst zu Hause studieren und mit den Herausforderungen des Studiums im eigenen Land fertig werden. Wenn sie nach mindestens drei Jahren Studium mental, emotional, sozial und politisch reifer sind, können sie wo nötig immer noch zum Weiterstudium ins Ausland gehen.

1976 habe ich das Studium mit dem Bachelor-Grad und dem parallelen „Diploma“ für das Lehramt an Sekundarschulen abgeschlossen. Meine Dozenten kamen aus den folgenden unterschiedlichen Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Nigeria, Kamerun, Sowjetunion, Vereinigte Staaten von Amerika, Kenia und Uganda – was uns als jungen Studierenden eine lebensbereichernde internationale Perspektive ermöglichte.

Obwohl man mich an der Französisch-Abteilung im Rahmen des Programms Staff Development der Makerere Universität gerne als Lehrassistenten rekrutieren ←19 | 20→wollte, kam ich zu dem Schluss, dass meine stärkere Berufung der deutschen Sprache galt. So kam ich im Oktober 1976 zum Deutschlehrerseminar des Goethe-Instituts in München. Diese im Wesentlichen zweijährige Ausbildung war ein wahrhaftiges Eintauchen in größere Tiefen der deutschen Sprache und Kultur und insgesamt ein Lernerlebnis ohnegleichen. In jener Zeit entwickelte sich in mir ein besonderes Interesse für Martin Luther, über den ich damals im Rahmen der im Curriculum vorgesehenen Übung „freier Vortrag“ auch ein Referat hielt. Mich interessierte bei Luther nicht nur sein Mut, fragwürdige theologische Lehren und moralisches Verhalten zu kritisieren, sondern auch der Ehrgeiz und die Entschlossenheit, das Wort Gottes in die Muttersprache des Volkes zu übersetzen. Er sah ein, dass für die hebräisch-, griechisch- und lateinunkundigen Christen der Zugang zur Quelle ihres Glaubens verschlossen bleiben würde, solange die Bibel nicht in ihrer eigenen Sprache vorhanden war. Im religiösen Bereich war Luther also in gewissem Sinne ein Aufklärer. Ich spürte in mir damals schon das Bedauern, dass etwa meine christlichen Eltern aufgrund ihrer Unfähigkeit, Englisch zu lesen, nur auf den Text der Bibel im Runyankore-Rukiga angewiesen waren, da es keine erläuternden Kommentare in der Muttersprache gab.

Ende Juli 1978 kehrte ich dann nach Uganda zurück und wurde an der Makerere University sogleich vorläufig als Lecturer (Dozent) für Deutsch angestellt. Ich war damit der erste Afrikaner, der dort in dieser Disziplin unterrichten sollte. Die Bestätigung meiner Anstellung erfolgte im November desselben Jahres. Meine ehemaligen Lehrerinnen Ingrid Hills und Brigitte Kochan waren jetzt formal meine Kolleginnen, aber ich zollte ihnen selbstverständlich den ihnen gebührenden Respekt.

Zweieinhalb Jahre später, Anfang April 1981, war ich schon wieder unterwegs nach Deutschland, und zwar mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), um an der afrikanologisch orientierten Universität Bayreuth in Bayern Germanistik mit dem Ziel der Promotion zu studieren, und zwar in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft, obwohl ich anfangs mit Komparatistik geliebäugelt hatte. Dem deutschen doktoralen System entsprechend musste ich aber zwei Nebenfächer belegen und studieren.

Ich belegte somit Romanistik und Anglistik, in beiden Fällen unter besonderer Berücksichtigung der afrikanischen Literatur. Ich wählte auch ein sprachwissenschaftliches Seminar zum Thema französisch-deutscher faux amis oder „falscher Freunde“, das mich inspirierte, Forschungen zu ähnlichen „falschen Freundschaften“ unter historisch verwandten Wörtern innerhalb der ugandischen Bantu-Sprachen sowie in linguistisch benachbarten Ländern anzustellen. Wieso bedeutet z.B. omuntu mulala (eine einzelne Person) im Lusoga etwas ganz ←20 | 21→anderes als das scheinbar gleichbedeutende omuntu mulala (eine andere Person) im Luganda?2

3 Deutsch als Beruf: zwischen Universität und Sprachgemeinschaft

Ich verbrachte insgesamt fünf Jahre (1981–86) in Bayreuth als Student in meinem Hauptfach Neuere Deutsche Literaturwissenschaft unter einem der sprachlich und wissenschaftlich rigorosesten und anspruchsvollsten Doktorväter, die man sich vorstellen kann, nämlich Prof. Dr. Walter Gebhard, einem Nietzsche-Kenner von Ruf, der sich aber auch mit vielen anderen Autoren und unterschiedlichen literarischen Gattungen und Themen beschäftigt hat. Ein geschärftes Sprachbewußtsein und eine starke Neigung zur editorialen Akribie bei den schriftlichen Aufgaben der bei mir Studierenden, egal in welcher Sprache, verdanke ich in hohem Maße diesem großen Germanisten und Lehrer, der Strenge und Menschlichkeit in wunderbarer Weise zu kombinieren verstand. Die Analyse von ausgewählten Beispieltexten der deutschen Literatur, insbesondere der Lyrik, natürlich in deutscher Sprache unter Anwendung der angemessenen Fachterminologie und -stilistik, ist hart genug, wenn man in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Wie viel schwerer ist es dann, wenn man seinen Hintergrund in einem Dorf im Herzen Afrikas hat – oder gar, um mit Joseph Conrad zu sprechen, im „Herzen der Finsternis“, ein Topos übrigens von beträchtlichem Einfluss auf die nichtafrikanische Psyche? Obwohl dieser Nachteil durch meine 14 Schuljahre an einigen der besten Erziehungseinrichtungen des Landes, drei Studienjahre an einer der renommiertesten Universitäten des Kontinents, und zwei Jahre einer vorzüglichen Ausbildung zum Deutschlehrer am Goethe-Institut in München abgemildert wurde, war dieser Versuch, zu einer Dissertation zu gelangen, wirklich eine sehr große Herausforderung.

Es war ein langes, fünfjähriges Erlebnis einer akademischen Einsamkeit und einer sprachlich-stilistischen Bemühung, die sich der Beschreibung entziehen. Es ist zu wenig gesagt, wenn man von einer demütigenden Erfahrung spricht. Wo war die Faszination jener früheren Jahre des unschuldigen ursprünglichen Lernens der deutschen Grammatik hingegangen? Nichtsdestoweniger gelang es mir schließlich, die 389-seitige Arbeit mit dem Titel Großstadtelend in der ←21 | 22→deutschen Lyrik zwischen Arno Holz und Johannes R. Becher zu Ende zu schreiben und vorzulegen. Später wurde sie vom Peter Lang Verlag in der Reihe „Europäische Universitätsstudien, Sektion 1: Deutsche Sprache und Literatur“ als Buch Nr. 984 veröffentlicht. Das war mein allererstes Buch. Neben den beiden im Titel genannten Autoren habe ich Beispiele aus der Großstadtlyrik von Rainer Maria Rilke, Paul Zech, Georg Heym und Ernst Stadler interpretiert.

In all den Höhen und Tiefen meiner Erfahrungsgeschichte hat die deutsche Sprache meinen Horizont im geographischen wie auch im intellektuellen und spirituellen Sinne erweitert. Sie hat mir zu Stipendien verholfen sowie zu einem Lebensunterhalt, zu einer ganzen Karriere. Sie hat mir Freunde gewonnen. Ich habe viele deutsch- bzw. germanistikbezogene Reisen unternommen, nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Japan, Kamerun, Südafrika, um von Kenia erst gar nicht zu sprechen. Ich habe einige der großen deutschen Schriftsteller gelesen – natürlich mit unterschiedlichem Verständnis- und Genussniveau.

Den Höhepunkt meiner Dankbarkeit und Bereicherung erlebe ich immer dann, wenn ich geistlich-philosophische oder glaubensapologetische Essays lese, wie z.B. die Abhandlungen unterschiedlicher Autoren in dem Band Warum ich Christ bin, herausgegeben von dem verstorbenen Tübinger Literaturwissenschaftler Walter Jens. Ich erkenne eine natürliche Zuneigung zu erbauenden Schriften meiner christlichen Glaubensgeschwister, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Glück schon immer gegeben hat. Über die Jahrzehnte habe ich festgestellt, dass diese deutschsprachigen Völker ihre Sprache lieben und dass sie große Leser sind oder zumindest waren. Auch gute Schriftsteller haben sie zur Genüge, deren Werke noch mehr in unterschiedliche Sprachen einschließlich unserer eigenen hier in Afrika übersetzt bzw. übertragen werden sollten. Ferner habe ich beim Singen von manch einem poetisch ebenso wie melodisch schönen Kirchenlied mit Orgel- oder Klavierspiel im Hintergrund immer das Gefühl gehabt, hier sei ein Stück des Herzens des deutschsprachigen Genius bzw. seiner Schöpferkraft zugegen.

Rückblickend stelle ich mir vom rein menschlichen Standpunkt her Folgendes vor: Wenn ich vom Januar 1967 anstatt der Ntare-Schule eine andere Sekundarschule besucht hätte, so wäre ich höchstwahrscheinlich nicht auf jenes Buch gestoßen, welches mich zur deutschen Sprache hinführte. Was mich betrifft, bin ich durch die Bereitwilligkeit des heutigen Direktors meiner ehemaligen Schule, Deutsch unterrichten zu lassen, ermutigt und werde einen Weg finden, Exemplare des Buches Das Geheimnis vom Kuckuckshof. Eine Detektivgeschichte aus dem Schwarzwald von Jella Lepman (*15.5.1891 in Stuttgart als Jella Lehmann, †14.10.1970 in Zürich), Verlag John Murray, London (1. Ausgabe 1942, ←22 | 23→2. Ausgabe 1958) in jene hochverehrte Bibliothek der Ntare School einstellen zu lassen. Dort nämlich hat vor 50 Jahren meine Geschichte mit Deutsch begonnen, und ebendort soll zumindest vorläufig meine Erzählung darüber enden.

Die Journalistin und Autorin Jella Lepman war nach dem 2. Weltkrieg, genau: im Jahre 1949, übrigens die Begründerin der Internationalen Jugendbibliothek. Ihre Vision war die Förderung von „Toleranz, Versöhnung, und Verständnis für andere Lebensformen und Kulturen mit Hilfe von internationalen Kinder- und Jugendbüchern als einflußreiches Material“ (www.ijb.de). Jella Lepman würde es sicher freuen, dass ich, der ich als knapp 16-jähriger Jugendlicher eine ebenso geheimnisvolle wie Karriere bildende Begegnung mit ihrem Buch hatte, im Jahre 2003 die Idee konzipiert habe, Campsites for Intercultural Learning and Prayer (CILPs) zu starten, um jüngere und ältere Menschen unterschiedlicher ethnischer, kultureller und staatlicher Zugehörigkeit zusammenzuführen, um unter ihnen Verständnis, Freundschaft und Zusammenarbeit zu fördern. CILP funktioniert zurzeit als Klub am BBUC in Kabale, soll im Laufe der Zeit aber auch in andere Institutionen in Kabale und woanders eingeführt werden. Das Motto von CILP ist ein Vers aus der Bibel, der Hoffnung macht: Galaterbrief 3:28: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt ein in Christus Jesus“ (Die Bibel nach der Lutherübersetzung). Ich begrüße ferner das Angebot, den Studiengang MATLD am BBUC ab August 2019 fortzusetzen sowie die Herausforderung, einen ähnlichen Magister-Studiengang mit Schwerpunkt „kreatives Schreiben“ an der staatlich getragenen Kabale University, wo ich zurzeit tätig bin, zu beginnen. Ideell gehören die Aktivitäten, die sowohl dem CILP als auch dem MATLD inhärent sind, eigentlich zusammen: Beides hat mit Völkerverständigung und der Förderung des Friedens zu tun.

Bibliografie

Gebhard, Walter et al. (Hrsg.) (1997): Sprichwörter aus Uganda im europäischen Vergleich, Bayreuther Beiträge zur Literaturwissenschaft Nr. 18, Peter Lang: Frankfurt am Main.

Lepman, Jella (1942): Das Geheimnis vom Kuckuckshof. Eine Detektivgeschichte aus dem Schwarzwald, John Murray: London.

Muranga, Manuel (1987): Großstadtelend in der deutschen Lyrik zwischen Arno Holz und Johannes R. Becher, Peter Lang: Frankfurt am Main.

←23 | 24→←24 | 25→

1 Gebhard, Walter et al. (Hrsg.) (1997): Sprichwörter aus Uganda im europäischen Vergleich, Bayreuther Beiträge zur Literaturwissenschaft Nr. 18, Peter Lang: Frankfurt am Main.

2 Diese Forschungen, die ich zurzeit konzentriert und aus pragmatischen Gründen innerhalb der Sprachen des sog. Runyakitara-Clusters (Rukiga, Runyankore, Ruhaya, Rutooro, Runyoro, Ruhema usw.) fortsetze, werden voraussichtlich in eine Veröffentlichung mit dem vorläufigen Titel „False Friends within Runyakitara“ münden.

Hans-Rüdiger Schwab (Münster)

Kalkül und Ekstase. Bilderwelt und „innermost idea“ von Philipp Nicolais „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ als Herausforderung für Übersetzungen aus dem Deutschen

Abstract: As a translator of German literature into the Runyankore-Rukiga of his homeland, Manuel Muranga has, over the years, reflected carefully on the complex challenges that students and scholars of foreign languages face. Using the example of one of the greatest products of German hymnody, Philipp Nicolai’s chorale „Wie schoen leuchtet der Morgenstern“ (How splendid shines the morning star), this essay attempts to throw light upon some of those hermeneutical challenges and tasks. This interpretation of a text that is more than four centuries old demonstrates how the poet artistically uses a wealth of allusions to illuminate the broad range of possibilities involved in the subject of return to God and subsequent permanent union with Him. The essay thus circumscribes aspects of the „innermost idea“ – in Muranga’s sense – which need to come out in a translation of this hymn. In the final part of the essay, the author points out that a look at the history of this chorale among the speakers of Nicolai’s own language will show that its reception has not been unproblematic.

Keywords: Manuel Muranga, Translation Theory and Practice, Philipp Nicolai, Hymnology, the Bible and Literature, 16th Century mystical literature about Christ, Reception of Hymnody

1 Manuel Murangas Arbeit am kulturellen Transfer

Manuel Muranga, dem das Fach und seine praktischen Belange in Ostafrika so viel verdanken, hat seine Tätigkeit als Germanist stets als Arbeit an kulturellem Transfer begriffen, im Dienst interkontinentaler Verständigung, wechselseitigen Austauschs des Eigenen und des Fremden. Diese Fragestellungen wurden auch von der Präsenz und Mitwirkung zahlreicher ugandischer, ostafrikanischer und deutscher Kolleginnen und Kollegen vor Ort getragen, welche die Gestaltung und Durchführung seiner Forschungsprojekte begleitet haben. „[S]ehr geeigneter Ausgangspunkt“ (Muranga 1997: 15) hierfür sind für ihn zunächst kleine Formen verbreiteter Gebrauchsliteratur. „Sprichwörter aus Uganda im europäischen Vergleich“ lautet der Titel einer Untersuchung, die er 1997 vorlegte. Im Spannungsfeld zwischen der Universalität von „Grunderfahrungen“ und ←25 | 26→ethnischer Spezifik zeigt er auf, wie sich hermeneutische Fragestellungen von „besonderem Reiz“ (ebd.: 27f.) entwickeln lassen.

Über einen Spracherwerb hinaus, der sich auf funktionale Einfachheit beschränkt, besteht für Muranga die Herausforderung des Fremdsprachenphilologen mit Recht nicht zuletzt darin, seinen Landsleuten in deren Idiom wichtige künstlerische Begegnungen zu ermöglichen. Eigene Erfahrungen deuten darauf hin, dass es sich tatsächlich „lohnt […], potenziellen afrikanischen Lesern“ etwa „auch inhaltlich und womöglich sogar formal interessante deutsche Gedichte […] in ihren eigenen Sprachen“ vorzulegen (Muranga 2014: 154).

Bei der Erläuterung selbst verfertigter Übersetzungen solcher Texte in das Runyankore-Rukiga, redet Muranga anschaulich von einer Fortbewegung, dem „Reisen“: „the shades of vision and meaning that come into being as the words and images of the German […] – or rather the realities they represent or symbolise – travel into non-German, and then also into non-European language and culture“ (Muranga 1991: 34f.). Damit berührt er sich eng mit der etymologischen Analyse des Begründers der deutschen Sprachwissenschaft.1 In einer Schrift von 1847 („Über das Pedantische in der deutschen Sprache“) zielt Jacob Grimm zur Kennzeichnung dessen, was Über-Setzung – lateinisch „traductio“ – wesentlich bedeutet, auf den Bildbereich des „traducere navem“, die Fahrt mit dem Schiff an ein gegenüberliegendes Ufer, um dort zu „landen, wo andrer [B]oden ist und andre [L]uft streicht“. Die Metapher impliziert etwas Paradoxes: eine Identität, die sich während der Anverwandlung von Unbekanntem verändert und doch wiedererkennbar bleibt. Entscheidend ist das Ankommen in einer anderen Wirklichkeit, in welcher die des Ausgangs gleichwohl bewahrt ist.

Zumal dann, wenn es sich um literarische Texte aus der Vergangenheit handelt, versuchen solche intellektuellen Seefahrer sich an der Überbrückung zeitlicher und kultureller Abstände sowie solchen der Denkweise. Gelingende Übersetzungen lassen uns ahnen, dass Distanzen überwunden und Räume der Annäherung hergestellt werden können. Systematisieren lässt sich das Durchdringen eines Textes im Akt der Nach-, die zugleich eine Neuschöpfung ist, freilich höchst unzureichend, braucht es dafür doch, was George Steiner „spekulative Instrumente“ genannt hat. Geistige Mobilität, Empathie, Fingerspitzengefühl und Erfahrung zählen in jedem Falle hinzu, eigene künstlerische Sensibilität ebenfalls.

Manuel Muranga ist dies wohlbewusst. Im seit jeher Grundsatz-Dilemma, welches Verhältnis Textvorlage und Übersetzungstext zueinander einnehmen ←26 | 27→sollten, ob besser wortgetreu oder sinngemäß zu verfahren, ob dem Gehalt oder der Form Vorzug zu geben wäre, plädiert er – Roman Jakobsons Optimismus teilend, dass prinzipiell alle Sprachen „dynamische Äquivalente“ einer Aussage hervorzubringen vermögen – für „pragmatische Antwort[en]“. Indes könne das Ergebnis „selbstverständlich dem Original nie ganz entsprechen – eine Tatsache, die besonders in der literarischen Übersetzung, und dort ganz besonders in der Übersetzung von Lyrik zum Tragen kommt“ (Muranga 1997: 45f.), wo es nie bloß um die rein semantische Dimension einer Aussage geht, sondern sich im Zusammenspiel von Wortlaut, Klang und Rhythmik eine Breite von Assoziationen eröffnet. „Um die kultur- und kommunikationsbedingten Transformationen, die übersetzungstechnisch notwendig waren, ein wenig aufzuzeigen“ (Muranga 2005: 118), hat Muranga seine Übertragungen in Runyankore-Rukiga gelegentlich wortgetreu ins Deutsche rückübersetzt.

„Das Ziel“, führt er in einem Aufsatz über Brechts Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ aus, „ist eine glückliche Rezeption, wobei einiges zwar verloren gehen mag, aber durch die Möglichkeiten der Zielsprache schöpferisch kompensiert werden kann. Dies geschieht vermittels eines Prozesses, der besonders bei der Übersetzung z.B. von Kirchenliedern augenscheinlich ist: Um der Erhaltung der Liedmelodie willen muß die unmittelbare Semantik des Liedes umge- oder gar verändert werden […]. Es kommen neue, wiewohl gedanklich nahe theologische Elemente in den entstehenden Liedtext der Zielsprache hinein […]. Inhaltlich sowie dichterisch interessante zielsprachliche Texte resultieren allerdings aus solchen übersetzerischen Bemühungen, da der Übersetzer ja bestrebt sein muss, seinen Lesern in ihrer Sprache etwas von der Kraft des Originals zu vermitteln.“ (Muranga 2005: 118f.)

Nicht ohne Grund exemplifiziert Muranga solche Gedanken ausgerechnet am Beispiel des Kirchenlieds als einem Medium, über das sich einerseits Zugang zur fremden Sprache und ihren poetischen Mitteln gewinnen lässt und das auf der anderen Seite, mit potenziellen Bezügen auf das Buch, welches den christlichen Glauben weltweit begründet, auch in der Zielsprache vorhandene Vorstellungen berührt. „Die Schriftlichkeit begann bei den meisten afrikanischen wie europäischen Sprachen durch eine besondere Übersetzung, nämlich die der Bibel“ (Muranga 2014: 161). Im Falle Afrikas reicht diese Zäsur noch nicht sehr weit zurück, bei Runyakitara etwa mit der christlichen Mission kaum mehr als hundert Jahre. Die Anverwandlung der gleichen Bildersprache einer Religion aber, zu der sich in Uganda „etwa 80% der Bevölkerung zumindest namentlich bekennen“ und die doch vielfach „synkretistische“ Züge enthält (Muranga 1997: 91, vgl. 84ff.), geschieht in unterschiedlichen geschichtlichen und kulturellen Räumen.

←27 |
 28→

Hinzu kommt, dass Kirchenlieder durch Zeiten wie Generationen weitergegebenes Gebrauchsgut repräsentieren und nicht wenige von ihnen, gerade die „klassisch“ gewordenen, zugleich einen ästhetischen Eigenwert besitzen, was in jüngster Zeit eine viel beachtete neue Forschung herausgearbeitet hat (vgl. Kurzke 2010). Je älter, desto mehr Bearbeitungen liegen vor, Anpassungen an gewandelte Verständnishorizonte und/oder Glaubenswelten, wenn sie unvermindert gesungen werden – eine Art diachrone Übersetzung innerhalb derselben Sprachgemeinschaft sozusagen.

Welch anspruchsvolle Aufgabe die Reise der Worte gerade bei diesem Genre darstellt, macht Muranga in seinem Aufsatz über Paul Gerhardts „O Haupt voll Blut und Wunden“ deutlich, einem Lied aus der Barockzeit, das seinerseits auf eine mittelalterlich-lateinische Vorlage zurückgeht. Unter Wahrung des formalen Charakters, führt er dort aus, gerate das Buchstäblichkeits-Prinzip schnell an seine Grenzen: es ergebe sich „the need for a new poetic creation, singable to the same rhythm as the original“, deren Gehalt freilich nicht ins Belieben des Übersetzers gestellt sei. Muranga fordert von ihm „the great need for creativity and mental alterness […]. The translator must be sympathetic and even ‘synoptic’ with the hymnist.“ Über alle kulturellen und geschichtlichen Grenzen hinweg müsse er zumal des Dichters „innermost idea“ zu erfassen versuchen (Muranga 1991: 38f.), um sie für ein bestimmtes Publikum mit bestimmten Dispositionen aufzubereiten.

Aus diesen Gründen komme es in der Runyankore-Rukiga-Version des Lieds tatsächlich zu einem „shift of focus“ (ebd.: 36). „Functional and theologically didactic“ und „deconstruction of aesthetic word resources“ seien das Resultat „for a relatively untheologised language and audience“ (ebd.: 40). Eine Neuschöpfung dieser Art aber wirkt wie ein Ferment. „The Runyakore-Rukiga language is, by means of hymn translation, being challenged to yield words with which to express Christian theological concepts – a task never before required of it; it is being developed, being made more literary; its potential for greater and other poetry than hithero […] is being tapped“ (ebd.: 38). Gerade Übersetzungen komplexer Texte eröffnen eine Möglichkeit, die Zielsprache zu bereichern und weiterzuentwickeln: „The untapped lexical, metaphorical and symbolist resources of the target language and culture are harnessed and developed to make them equal to a novel task […]. Thereby, the target language grows and expands.“ (Ebd.: 41)

An einem berühmten Beispiel soll im Folgenden jene produktive „challenge“ angedeutet werden, die hymnologische Übersetzungen in sich zu bergen vermögen, einem vierhundertzwanzig Jahre alten Text, der zum Kernbestand des ←28 | 29→deutschen Kirchenlieds wie zu seinen künstlerischen Gipfelleistungen zählt:2 Philipp Nicolais Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.

2 Die kunstvolle Komplexität des „Morgenstern“-Chorals

Ein geistlich Braut-Lied der gläubigen Seelen / von Jesu Christo ihrem himmlischen Bräutigam: Gestellt über den 45. Psalm des Propheten Davids

Wie schön leuchtet der Morgenstern/

Voll Gnad und Wahrheit von dem HERRN/

Die süße Wurzel Jesse/

Du Sohn Davids / aus Jakobs Stamm/

Mein König und mein Bräutigam/

Hast mir mein Herz besessen/

Lieblich/

Freundlich/

Schön und herrlich/

Groß und ehrlich/

Reich von Gaben/

Hoch und sehr prächtig erhaben.

Ei meine Perle / du werte Kron/

Wahr Gottes und Marien Sohn/

Ein hochgeborner König/

Mein Herz heißt dich ein lilium,

Dein süßes Evangelium,

Ist lauter Milch und Honig.

Ei mein

Blümlein/

Hosianna/

Himmlisch Manna/

Das wir essen/

Deiner kann ich nicht vergessen.

Geuß sehr tief in mein Herz hinein/

Du heller Jaspis und Rubin/

Die Flamme deiner Liebe.

Und erfreu mich / dass ich doch bleib

An deinem auserwählten Leib

Ein lebendige Rippe.

Nach dir

←29 | 30→

Ist mir/

Gratiosa coeli rosa,/

Krank und glümmet

Mein Herz / durch Liebe verwundet.

Von Gott kommt mir ein Freudenschein/

Wenn du mit deinen Äugelein/

Mich freundlich tust anblicken/

O HERR Jesu mein trautes Gut/

Dein Wort / dein Geist / dein Leib und Blut/

Mich innerlich erquicken.

Nimm mich/

Freundlich/

In dein Arme/

Daß ich warme

Wird von Gnaden/

Auf dein Wort komm ich geladen.

HERR Gott Vater / mein starker Held/

Du hast mich ewig / für der Welt/

In deinem Sohn geliebet/

Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut/

Er ist mein Schatz / ich bin sein Braut/

Sehr hoch in ihm erfreuet.

Eia/

Eia/

Himmlisch Leben

Wird er geben

Mir dort oben/

Ewig soll mein Herz ihn loben.

Zwingt die Saiten in Cithara,

Und laßt die süße Musica,

Ganz freudenreich erschallen:

Daß ich möge mit Jesulein/

Dem wunder schönen Bräutgam mein/

In steter Liebe wallen.

Singet/

Springet/

Jubilieret/

Triumphieret/

Dankt dem HERREN/

Groß ist der König der Ehren.

Wie bin ich doch so herzlich froh/

Daß mein Schatz ist das A und O/

←30 |
 31→

Der Anfang und das Ende:

Er wird mich doch zu seinem Preis/

Aufnehmen in das Paradeis/

Des klopf ich in die Hände.

Amen/

Amen/

Komm du schöne/

Freuden-Krone

Bleib nicht lange / Deiner wart ich mit Verlangen.3

Ein erster Anreiz, sich mit diesem Gedicht zu beschäftigen, mag aus dem Rhythmus- und Klang-Erlebnis seines Vortrags erwachsen. Unter Rückgriff auf vorhandene Melodiebruchstücke stammt von Nicolai selbst ein (gleichwohl innovatives) Klanggewand des Textes, das zum Grundstein oder Teilstück vieler nachfolgender Werke bis heute geworden ist. Berühmte Namen sind unter den Komponisten, die sich, für den liturgischen wie den konzertanten Gebrauch, in unterschiedlichen Instrumentierungen dadurch inspirieren ließen, angefangen mit David Scheidemann (1604) und Michael Praetorius (1618/19), über Dietrich Buxtehude, Johann Pachelbel oder Samuel Scheidt, Johann Sebastian Bach sodann mit jener Choralkantate, die sein Werkverzeichnis eröffnet, über Bachs Sohn Wilhelm Friedemann, weiter mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Niels Wilhelm Gade, Peter Cornelius und Max Reger, bis hin zu Hugo Distler oder Hans Werner Henze, unter den Zeitgenossen Gloria Coates („Phantasie für Viola und Orgel“, 1973), Graham Waterhouse (mit seinem Stück für Streichorchester, „Hale Bopp“, 1997) oder Naji Hakim („Variationen für Oboe und Orgel“, 2008).4

Von artistischem Gestaltungswillen zeugt der Strophenbau: eine zwölfzeilige Kanzone, in deren Aufgesang zwei je dreizeilige Stollen durch einen Schweifreim verbunden sind und deren aus sechs Zeilen bestehender Abgesang sich im dynamischen Stakkato von zwei auf vier Silben steigert, um im Schlussvers dann achtsilbig auszuschwingen. Die graphische Form der Strophen, die bei Anordnung um ihre Mittelachse zum (Abendmahls-)Kelch werden (und damit auf das zentrale Mysterium des christlichen Kults verweisen), verstärkt die Züge konstruktiver Mehrdimensionalität. Ein weiteres (in fremden Sprachen kaum ←31 | 32→nachahmbares) Merkmal kunstvoller Komplexität ist das Akrostichon, in dem die Anfangsbuchstaben der einzelnen Strophen – WEGU[= V]HZW – den Namen Wilhelm Ernst Graf und Herr zu Waldeck ergeben, des ein Jahr vor der Entstehung des Textes früh verstorbenen Fürstensohns, dessen Erzieher Nicolai zeitweilig war. Welchen Eindruck dieses Lied von Anfang an hinterlassen hat, indiziert schließlich die Vielzahl von Kontrafakturen, Neubearbeitungen und sonstigen Anklängen mit ganz unterschiedlicher Thematik (vgl. Korth/ Wissmann-Garbe 1997: 76f. und Rößler 1990: 140).

Der Text stammt aus einer auch in seiner Sprachgemeinschaft nicht mehr vertrauten Welt, ist aber durch regelmäßige Praxis weiter präsent. Obwohl gegenwärtiger Glaubenspraxis nur schwer zugänglich, zählt er zu den bekanntesten Liedern der Gesangbücher. Eingängig ist hier nichts. Das beginnt bei Spuren älteren Wortgebrauchs – „besessen“ (I/6) etwa für „in Besitz genommen“; „ehrlich“, was voller Ehre meint (I/10); das von „Glut“ abgeleitete „glümmet“ (III/11); „für“ (V/2) statt vor; „zwingen“ (VI/1) für das Stimmen eines Instruments; oder „wallen“, das „einherschreiten“ bedeutet (VI/6) –, setzt sich fort in alten Flexionen wie „Geuß“ (III/1), statt „gieße“; „Wird“ (V/11) statt „werde“, und endet mit (nicht nur) lateinischen Einsprengseln. Warum sollte die Arbeit an einer Sprache diese nicht auch als eine sich entwickelnde, verändernde behandeln?

Die (von den Gesangbüchern nicht mehr aufgeführte) Überschrift gibt den Gattungstyp eines Rollenlieds vor, in dem ein weibliches Ich, die „gläubige Seele“, sich auf emphatische Weise artikuliert. Angesprochen wird ein männliches „Du“, das teils mit dem besitzanzeigenden Fürwort versehen wird (I/4). Auch in der dritten Person redet das Ich über dieses Du, zu dem es in einem wechselseitigen Besitzverhältnis steht: als sein „trautes Gut“ (IV/4) ist dieses Gegenüber – „Bräutigam“, der sich ihr „vertrauen“ (V/4), d.h. vermählen will zugleich und ein „König“ (I/5) – der Braut indes übergeordnet, die von ihm erhöht wird. In unterschiedener (innertrinitarisch doch ungesonderter) Personalität wird das Du ferner angeredet, als Sohn und Vater (V).

Der Blick des „wunder schönen“ (VI/5) Bräutigams, im zärtlichen Diminutiv beschrieben, löst in der Sprecherin einen „von Gott“ herrührenden „Freudenschein“ aus (IV/1). Überhaupt kann sie ihn „nicht vergessen“ (II/12), der (auch ihr) Alles in Allem ist, Alpha und Omega (wie in Offenbarung 1, 8; 22, 13), „der Anfang und das Ende“ (VII/3). Um eine „liebliche“ (I/7), eine Liebesbeziehung handelt es sich, die hier beschrieben wird, eine der leidenschaftlichsten Art. Den Wesenskern des Ich wühlt sie über alles Begreifbare hinaus auf (vgl. IV/6). Gemeinsam mit Begriffen aus dem semantischen Umfeld der „Freude“ (III/4; IV/1; V/6; VI/6; VII.1.11), die stimmigerweise gegen Ende anwachsen, ist „Herz“ das meistgebrauchte Wort des Gedichts: Allein sechsmal kommt es vor ←32 | 33→(I/6; II/4; III/1.12; V/12; VII/1), in wechselnden Bezügen. Einerseits wurde es der Sprecherin durch ihr großes Du weggenommen, gleichsam geraubt ([I/6, vgl. Hohelied 4, 9] eine aus der mittelalterlichen Minnelyrik ins Geistliche gewendete Formel [Sauer-Geppert 1984: 112]). Andererseits ist es „durch Liebe verwundet“ (III/12), „krank“ und glühend (III/11) sich nach ihm verzehrend. Diese (durch eine in der europäischen Literatur weit zurückreichende Tradition [bei Ovid etwa oder Petrarca] als intensive Steigerung des Erlebens bekannte) Liebesversehrtheit nimmt nicht vom Ich seinen Ausgang: Das Du in seinem puren Sosein ist es, welches das Herz getroffen und eine lodernde Sehnsucht geweckt hat. Wiewohl bereits in diesem Zustand, bittet die Sprecherin darum, „die Flamme deiner Liebe“ in ihr „Herz“ auszugießen (III/1.3), mit einer weiteren räumlichen Bestimmung: „sehr tief“, damit es völlig erfüllt werde (vgl. Sauer-Geppert 1984: 114). Im Bildbereich des Fließens (für die Emanation des Heiligen Geistes [vgl. V/5 – der auch über die Siebenzahl der Strophen anwesend ist]) durchdringen die Elemente einander in paradoxer Weise, Feuer und Wasser zugleich.

Doch selbst das Eingießen brennender Liebe ist dem innigen Begehren („Verlangen“ [VII/12]) der Sprecherin noch nicht genug. Sie erstrebt die körperliche Aufhebung von Geschiedenheit, in Form der Umarmung zunächst, um immer weiter erwärmt zu werden, durch etwas Spirituelles freilich, „Gnade“ (IV/7ff.), die ihre Bedürftigkeit tilgt. Mehr noch, möchte das Ich dem Leib, welchen ihr Liebster sich „auserwählt“ hat, verschmolzen bleiben, „ein lebendige Rippe“ darin (III/5f.), wie Adam und Eva ursprünglich in der Schöpfungsgeschichte, die auf einer völlig neuen Ebene ihr definitives Ziel findet. Über Genesis 2, 21ff. wird auf Epheserbrief 5, 23.30ff. und Offenbarung 19, 7; 21, 2. 9 angespielt. Das so subjektiv sich aussprechende Individuum begreift sich als Teil eines Ganzen, des „corpus Christi mysticum“, der Kirche. Während diese biblischem Zeugnis gemäß in ihrer Gesamtheit als Christi Braut bezeichnet wird, gilt dies hier auch für jedes ihrer Glieder. Zwischen „wir“ und ich“, einmal direkt aufeinander folgend (II/11f.), oszilliert die „gläubige Seele“ in diesem Lied, welches dem Einssein mit Christus durch Bilder und Wendungen wie für dasjenige von Frau und Mann Ausdruck verleiht (vgl. Jenny 1964: 230f.). Neben dem in der Überschrift erwähnten Psalm 45, einem „Lied zur Hochzeit des Königs“, stellen zumal das alttestamentliche Hohelied und die Offenbarung des Johannes Stichworte hierfür bereit.

Zwar illustriert Nicolais Text keine Lehre, sondern stellt einen Zustand dar, doch sind seiner anschaulich-kühnen Bilderfülle kirchlich korrekt teils dogmatische Aussagen einverwoben. „Wort“ und „Geist“ des Geliebten, sein „Leib und Blut“ laben die Sprecherin „innerlich“ (IV/5f.) als zusammengehörig wirksame Weisen seiner Anwesenheit. Das „Manna“ (II/10), die jeden Mangel stillende ←33 | 34→Speise während der Wüstenwanderung des auserwählten Volkes (vgl. Exodus 16), ist auf das Abendmahl durchlässig. Mit ihm und dem Evangelium hat sich das Land der Verheißung bereits aufgetan. Der Annahme aus „Gnade“ in diesem Beziehungsgeschehen antwortet der Glaube mit einer an Lukas 5, 5 angelehnten Formulierung „auf dein Wort“, das die Seele jener Einladung folgen lässt (IV/12), deren Bezug auf das Gleichnis vom großen Abendmahl (Lukas 14, 15ff.) naheliegt (vgl. Sauer-Geppert 1984: 178, 183).

Aller Emphase ihres Begehrens ungeachtet, ermächtigt die Sprecherin sich nicht selbst. In der wunderbaren Vereinigung mit ihm erkennt sie den Abstand an, welchen der König durch ihre Annahme als Braut überbrückt, die „zu seinem Preis“ (VII/4) geschieht. Sie lobt (V/12) ihn und animiert zu seinem Dank (VI/11) für ihr zuteilwerdende Vollendung. Es ist eine umgekehrte Bewegung zu Gottes Annahme der menschlichen Natur. Mit deren geschichtlicher Einwurzelung (I/3f.; vgl. Jesaja 11, 10) weist das Lied auf diesen doppelten Ursprung des Bräutigams hin. „Wahr Gottes und Marien Sohn“ (II/2) ist er. Weihnachtliche Assoziationen mögen auch durch den Namen in kindlich-naiver (inniger) Koseform mit geweckt werden: „Jesulein“ (VI/4). Wie im von Nicolai sehr geschätzten Weihnachtslied „In dulci jubilo“ (vgl. Nicolai 1963: 193) ist es vielleicht zugleich ein Kind, das die Liebesschmerzen auslöst. Zu diesem intertextuellen Unterton würde u.a. auch die zweimalige Interjektion „Eia“ (V/7f.) passen.5

Eheliche Vereinigung bildet die Hintergrundfolie, um ein Gottesverhältnis zu beschreiben. Ihr entsprechen Bilder eines Festes, das in der geistigen Beglückung zugleich alle Sinne mobilisiert. Die Gegenwart Christi reißt den ganzen Menschen hin. Ein wichtiges semantisches Feld machen „prächtig“ (I/12) strahlende optische Effekte aus: „Perle“ und „Kron“ (II/1; vgl. VII/10), die Edelsteine (III/2), der „Freudenschein“ (IV/1). All diese kostbaren Zierden sind dem „hochgebornen“ (II/3) Du zugeordnet, ja mit ihm identisch, das buchstäblich ein „Schatz“ ist (VII/2), nicht nur im übertragenen Sinne der Liebe. Auch der emphatische Ausruf gleich zu Beginn (I/1) gehört dazu. Beim Morgenstern handelt es sich um das spektakulär hellste, vor Sonnenaufgang (den er, noch während der Dunkelheit, ankündigt) hervortretende Gestirn. Mit ihm identifiziert sich Jesus, „die Wurzel und das Geschlecht Davids“, in Offenbarung 22, 16. Diese Er-Scheinung, ein kosmisches (und endzeitliches) Phänomen, geht im Inneren auf (vgl. Nicolai 1963: 20), voll göttlicher „Gnad und Wahrheit“ (I/2 [vgl. Johannes 1, 14]) als den Quellen des Glanzes.

←34 | 35→

Visuelle Reize kommen aus der belebten wie der unbelebten Natur. In den „Blümlein“ (II/8) verbinden sie sich mit solchen olfaktorischer Art. Rose (III/9) und Lilie (II/4), die stellvertretend genannt werden, stammen aus dem Hohenlied (2, 1f; 5, 10) und spielen mit ihren Farben, rot und weiß, auf Christi verklärtes Leiden, sein Blut, seine Liebe und seine Herrlichkeit an, ebenso wie „Rubin“ und „Jaspis“, jener Grundstein zugleich der Mauer des himmlischen Jerusalem (Offenbarung 21, 19). Zeitgenössisch symbolisiert die Lilie, im Munde des Weltenrichters, außerdem „Gnade“ (vgl. Jenny 1964: 225), und die „liebliche“ Rose entsprießt einem himmlischen Garten.

Akustische Wahrnehmungen sind in der „süßen Musica“ (VI/2) gegenwärtig. Die „Cithara“, d.h. Harfe, ist das erste Instrument, mit dem in Psalm 98, 5 Gott gelobt wird. Liebende Erregung kann nicht stumm bleiben. In der Sprechsituation ergehen daher nun Aufforderungen an Dritte, Angehörige der Gemeinschaft des Ich, sich angesichts der dauerhaften Liebesbeziehung – „mögen“ (VI/4) hier im Sinne von „etwas tun“, nicht im Konjunktiv I als Wunsch! – feiernd zu verhalten. Nicolai denkt womöglich an eine hochzeitliche Tanzsuite, in deren Takt Braut und Bräutigam einherschreiten. Übergänge zur Motorik setzen sich fort (VI/6.8), wenn die Gäste dazu einen Reigen tanzen (vgl. Jenny 1964: 223) und ausgelassen unter Jubelrufen (vgl. auch II/9) in die Hände klatschen sollen (VII/6).

Mit der Umarmung ist auch Haptisches einbezogen. Die gustatorische Apperzeption schließlich der Speisen eines Festmahls im Überfluss („Milch und Honig“: II/6 [vgl. Exodus 3, 8; Hohelied 4, 11] oder „Manna“ [II/10f.]) gipfelt im wiederholten Begriff der „Süßigkeit“ (I/3; II/5; 6/2), dem mystischen Topos der „fruitio Dei“, des Genießens oder einer Schau Gottes, als real spürbare Erfahrung (vgl. Sauer-Geppert 1984: 35–50). Wenn das Adjektiv „süß“ unmittelbar auf das „Evangelium“ bezogen wird (II/5f.), verschmelzen Hören und Schmecken miteinander, ein weiterer Zusammenfall von Gegensätzen im Text.

Dass Gottes Handeln an ihr diese Sprecherin außer sich bringt, zeigt die Erregtheit des Stils durchgehend an. Aller Lust an der Konkretion des Wahrgenommenen ungeachtet, beginnen die Worte schließlich gleichsam selbst zu tanzen. So unvergleichlich, unbegreiflich und unbeschreiblich verzückend ist die Liebe Gottes, dass sie wie bei der geisterfüllten Zungenrede in einer fremden Sprache teils zu stammeln („Gratiosa coeli rosa“ [III/9]), ja zu lallen beginnen (V/7f.) und teils keinen gehörigen Reim mehr finden. „Wie soll ich“, schreibt Nicolai an anderer Stelle, „von der Freude des ewigen Lebens vollkömmlich reden und schreiben / da ich sie nicht kann vollkömmlich verstehen / noch mit Gedanken vollkömmlich erreichen?“ (Nicolai 1963: 6).

←35 |
 36→

Fast jedes semantische Element hat mehr als nur eine Bedeutung. Gesteigert durch ihr Zusammenspiel wird ein dichtes Geflecht von Überlagerungen und Ineinander-Schichtungen arrangiert, das sich sukzessive kaum auseinanderhalten lässt. Der reiche Beziehungsraum dieser komprimierten Collage vielfältiger Schriftbezüge (welche mit Anklängen der zeitgenössisch auch im Protestantismus wiederauflebenden Hohelied-Auslegung der augustinisch-bernhardinischen Christus-Mystik versetzt sind), findet allenthalben in der großen Verheißung des christlichen Glaubens seine Mitte. Heftigster konfessioneller Gegensätze und Polemiken ungeachtet (die Nicolai, einen strengen Lutheraner, der als gelehrter Kontroverstheologe Streitschriften am laufenden Band ausgehen ließ, besonders umtrieben), bildete sich unter dem Vorzeichen eben solch ewigkeitlicher Orientierung bemerkenswerterweise „ökumenische Gemeinsamkeiten in der Frömmigkeit“ heraus (Brecht 1997: 31).

Wohlkalkuliert spiegelt die Raffinesse der am Lied zutage tretenden „Kunstarbeit“ (Kurzke 2001: 150), eine heilige Ekstase (aus der ein späterer Bericht es dann auch entstehen ließ), „entirely absorbed in […] holy exaltation“ (Julian 1907: 807). Bei der Fülle einander wie atemlos ablösender Bilder handelt es sich jedenfalls nicht um ein bewusstlos irrlichterndes Spiel. Sorgfältig aufeinander abgestimmt runden sie sich zum stringent durchdachten Sinnzusammenhang – wobei keines zureicht, das zu bezeichnen, was ausgedrückt werden soll und sich doch jedem Ausdruck entzieht (vgl. Sauer-Geppert 1984: 114, 184).

Die im Text sich ereignende Zeit schlägt einen Bogen von erwählender Liebe, die der Erschaffung der Welt vorausliegt (V/2 [vgl. Epheserbrief 1, 3f.]) bis nach dem Ende ihres Äons im „Paradeis“ (VII/5). Was als Wirklichkeit wahrgenommen wird, läuft in der Gegenwart ab, hat aber eine noch ausstehende, zukünftige Dimension: „Himmlisch Leben / Wird er geben / Mir dort oben“ (V/9ff.). Der Schluss zeigt die Sprecherin im Zustand sehnsüchtig drängender Erwartung, die (wie sie hofft) „nicht lange“ mehr dauert (VII/11). Eine Vorwegnahme der eschatologischen Erfüllung im Glauben ist das also, ein „noch nicht“, das mit verbürgter Zuversicht gestaltet wird. Diese gläubig zu imaginieren jedoch wirkt, in einer Art Aufhebung der Zeit, die Kennzeichen aller Mystik ist, bereits gegenwärtig. Wenigstens am Vorschein jenes Zustands, den der Choral besingt (dessen Sänger sozusagen in die dargestellten Vorgänge hineingenommen werden), ist Teilhabe bereits möglich. Auch wenn Nicolai die biblische Ereignisfolge der letzten Dinge keineswegs aufhebt, gilt sein Interesse doch vielleicht gerade diesem „proleptisch“ verinnerlichten Ausschnitt der Ewigkeit (Lorbeer 2016: 18f.). Die doppelpolige Spannweite der Heimkehr zu Gott, welcher auf den Menschen zukommt, um ihm innezuwohnen: Darin besteht jene „innermost idea“ in Murangas Sinne, die ein Übersetzer des Chorals erkennen muss.

←36 |
 37→

Von hoher Bedeutung ist, dass der Text negativen Aspekten keinerlei Raum gibt, der Befreiung von herrschender Bedrängnis etwa, sondern völlig die bevorstehende Herrlichkeit im Blick behält. Die Glücksempfindung darüber erfüllt alles so sehr, dass Verstörendem, Schwerem, Bösem jegliche Macht genommen ist und nicht einmal mehr als überwunden ausgesprochen wird (vgl. Sauer-Geppert 1984: 184). Tatsächlich aber entsteht die Vision dieses Freudenfestes vor dem Hintergrund grauenvoller Wirklichkeit. In Unna, wo Nicolai 1599 Pfarrer war, grassierte eine Pestepidemie, mit bis zu dreißig vorzunehmenden Beerdigungen täglich, wie er seinem Bruder mitteilt: „Während der ganzen Zeit […] habe ich aber unter Hintansetzung aller Streitigkeiten [!] mit Gebeten hingebracht und mit dem löblichen Nachdenken über das ewige Leben und den Zustand der teuren Seelen im himmlischen Paradiese vor dem Jüngsten Tage“ (zit. n. Rößler 1990: 124). „Freudenspiegel des ewigen Lebens“ heißt das Buch, das er schreibt, in dessen Anhang, als Konzentrat seiner Gedanken, das „Morgenstern“-Lied erstmals veröffentlicht wird. Der vollständige Titel endet mit einer Nutzanweisung, die sich heute womöglich verdächtig macht: „Allen betrübten Christen / so in diesem Jammertal / das Elend auf mancherlei Wege bauen [= sich in ihm befinden] müssen / zu seligem und lebendigem Trost zusammen gefasset“ (Nicolai 1963: Titelblatt).

Will der Dichter mit seiner biblisch-poetischen Himmelskunde also vertrösten (und sei es auch in therapeutischer Absicht)? Immerhin wäre doch zu beachten, dass seine so grandios entworfene endzeitliche Erwartung schon die aktuelle Befindlichkeit verändert. Weltüberfliegend wird gegen jede mögliche Zerstörung und Trauer eine Kontrast-Ansicht aufgerichtet, welches das Prinzip Hoffnung als Widerstandskraft zur Daseinsbewältigung und -überwindung stärkt (vgl. Stalmann 2002: 44f.). Was man jetzt noch erlebt, ist nicht alles. Leid und Vergänglichkeit werden nicht das letzte Wort behalten. Es kommt eine Zeit, in der dies alles definitiv überstrahlt sein wird.

Gleichwohl begründet der Mentalitätswandel der westlichen Moderne eine von dem Text ausgehende Fremdheit. In seiner auf suggestive Leser-/Hörer-Lenkung angelegten Szene einer radikalen, unerhörten Verwandlung – „Alles ist [noch] nicht es selbst“, um einen Vers aus Rilkes vierter Duineser Elegie zu modifizieren – denkt Nicolai über die Welt hinaus. Vor dem Hintergrund radikaler Diesseitszugewandtheit der Gegenwart unter Stilllegung jeden öffnenden Ausgangs (vgl. Schwab 2018: 143) mag seine demonstrative Weltvergessenheit durchaus eine wichtige Provokation bereithalten. Für das Christentum wäre diese Weiterung der Perspektive ohnehin nur bei Strafe seiner Selbstauflösung verzichtbar.

←37 |
 38→

3 Aspekte der Wirkungsgeschichte

Binnen kürzester Zeit verbreitete sich das Lied in zahlreiche evangelische und (seit Mitte des 17. Jahrhunderts auch) katholische Gesangbücher (vgl. Bäumker 1883: 282f.). Damit beginnt eine Rezeption, die fortdauernde Probleme im Umgang mit ihm spiegelt. Während bei seiner Entstehung der Gedanke an eine liturgische Verwendung wohl überhaupt keine Rolle spielte (Jenny 1964: 214), herrscht bis heute Dissens, bei welchen Anlässen man es singen soll. Die Vielfalt der Metaphorik und ihre Missverständnisse mach(t)en stark wechselnde Zuordnungen annehmbar. Zunächst vornehmlich unter den Rubriken „Lob und Dank“ oder „Trost und Lehre“ wird das „Himmlische Liebeslied“ später eines zur realen Trauung (vgl. Korth/Wissmann-Garbe 1997: 74f. und Sauer-Geppert 1984: 208f.), auch zur Beerdigung. Sowohl christologisch als auch ekklesiologisch oder eschatologisch hat man es verstanden (Kurzke 2001: 150). Heute findet es sich im Evangelischen Gesangbuch als Graduallied zu Epiphanias, katholischerseits unter den Christusliedern, gesungen aber auch an Marienfesten (wie schon Bachs Kantate von 1725 für das Fest Mariä Verkündigung bestimmt war).

Mit der Inbrunst seiner Ausdrucksweise steht der Choral gerade in aufgeklärten und bürgerlichen Zeiten quer zur doch wohl weniger enthusiastischen als gemäßigten Befindlichkeit deutscher Gemeinden (vgl. Jenny 1964: 232). Der praktischen Verwertbarkeit bereitete dieses Lied, auf das man einerseits letztlich nie verzichten wollte und es auf der anderen Seite ohne (teils gravierende) Eingriffe für die Gläubigen unzumutbar fand, wie kein anderes wahrscheinlich (Sauer-Geppert 1984: 170), dabei erhebliche Kalamitäten. „Dieser Text stellt eines der schwierigsten Probleme dar, die Gesangbuch-Bearbeitern begegnen“ (zit. n. Grub 2012: 136), hält ein Redaktionsbericht zum (bis 2008 gültigen) katholischen Einheitsgesangbuch „Gotteslob“ von 1975 unumwunden fest.

Durch Anpassung an vermeintliche Erfordernisse zeitgemäßer Nachvollziehbarkeit wurde er „castigiert“, wie Goethe schrieb (Kurzke 2001: 152), gezüchtigt, eben gleichsam in das, was man für zeitgemäß hielt, übersetzt. Die teils glättenden, teils grob verändernden Retuschen rührten immer wieder an die Substanz des Liedes, führten zu Unstimmigkeiten, wo nicht gar zur Umwidmung von dessen Bezügen. So fielen dem Wunsch nach Verständlichkeit nicht nur die lateinischen Vokabeln zum Opfer. Anschauliches wurde durch Abstraktionen oder kirchlich-theologische Konventionalität ersetzt. Hemmungen dem allzu Sinnenhaften gegenüber bestanden zumal die Wendungen und Bilder aus der Sprache der Liebenden betreffend, welche man gern ins Moralische verlagerte.

Wenige exemplarisch traditionsbildende Fälle seien wenigstens angedeutet. Johann Adolf Schlegels Version von 1766 eliminiert in I/4ff. den leidenschaftlich ←38 | 39→geliebten Bräutigam völlig. Stattdessen heißt es: „Glanz Gottes, der die Nacht durchbricht! / Stern Jakobs! Sieh nach deinem Licht / Mein Auge sehnlich schmachten.“ (Zit. n. Sauer-Geppert 1984: 194) Albert Knapp, Pfarrer und Lyriker auch er, macht 1832 aus dem „Bräutigam“ (I/5): „Mein König auf dem Himmelsthron“. (Zit. n. Sauer-Geppert 1984: 204) Wie früher schon eine Nachdichtung Klopstocks (1757) – „befehl ich meinen Geist / Herr, Herr! in deine Hände“ (zit. n. Sauer-Geppert 1984: 202) – scheint ihm das ausgelassene Klatschen aus VII/6 emotional unschicklich: „Drauf fass’ ich deine Hände“, lesen wir bei ihm. Dafür gerät das Ende von Strophe 3 an die Grenze des Sentimentalen: „All mein Sehnen / Suchet dich mit stillen Tränen.“ (Zit. n. Sauer-Geppert 1984: 205f.)

Ähnliche Beobachtungen ließen sich auch aus den von John Julian schon vor über hundert Jahren aufgeführten fünfzehn englischen Anverwandlungen seit 1722 beibringen. In den verbreiteten von William Mercer oder Catherine Winkworth Mitte des 19. Jahrhunderts fehlen mehrere Strophen, die von Francis Elizabeth Cox aus der gleichen Zeit hat eine völlig andere Ausrichtung: „How lovely now the morning-star / In twilight sky bright gleams afar, / While Night her curtain raiseth; / Each creature hails with ravished sight, / The glories of returning light, / And God its Maker praiseth: / Both far, / And near / All things living / Thanks are giving, / There high soaring, / Here through earth’s wide field adoring.“ In dieser frommen Abendmeditation, zu der Nicolais kunstvoll ekstatischer Blick in die Ewigkeit hier mutiert, ist die „innermost idea“ der Vorlage völlig preisgegeben worden. Einer neueren Übersetzung von Hugh Keyte und Andrew Parrot (1992: 233–237) gelingt hingegen die engste Wörtlichkeit der Übersetzung unter Wahrung der Metrik.6

„Stärkere“ Eingriffe hatte die Redaktion zum „Gotteslob“ 1975 in den ersten beiden Strophen für unabdingbar gehalten, „und in Str. 3 sind nur zwei Zeilen und die Aussage nach ihrem Inhalt von Nicolai“ (Zit. n. Grub 2012: 137). Trotzdem, war man sich (in Fortführung einer schon über zweieinhalb Jahrhunderte früher einsetzenden Praxis [vgl. Sauer-Geppert 1984: 179]) einig, müsse das Lied noch „versehen werden mit einem kurzen erklärenden Kommentar“ (zit. n. Grub 2012: 137). Bei den jetzt geltenden Einheitsgesangbüchern beider Konfessionen besteht immerhin eine allgemeine Tendenz, sich wieder stärker ←39 | 40→an den Originalen zu orientieren. Wie sehr ein Argwohn gerade diesem Lied gegenüber gleichwohl fortbesteht, zeigen die immer noch veränderten Strophen 3 und 4, wo die Leidenschaft im Text einen Höhepunkt erreicht. „Daß ich warme / Wird von Gnaden“ (IV/9ff.) gar ist ersetzt durch „erbarme dich in Gnaden“. „Aus dem freudetrunkenen Liebeslied“, bilanziert Hermann Kurzke, „wird so ein Sünden-, Not- und Elendslied – ein krasser Eingriff in die Sinnstruktur.“ (Kurzke 2001: 153)

4 Bereicherung des Eigenen

Deutsche Kirchenlieder zählen zum aktuellen Forschungsprogramm Manuel Murangas. Angesichts von deren Rang mag er auch eine Übersetzung ihrer „Königin“ für die afrikanische Praxis erwägen. Das von ihm einmal diskutierte Beispiel der Verschiebungen beim verwandten Einzelmotiv des himmlischen Jerusalems aus der Offenbarung des Johannes zeigt an, dass das im eigenen Idiom „schlecht Beschreibbare zu beschreiben“ (Muranga 2014: 156f.) hier gewiss keine einfache Aufgabe darstellen würde. Seiner Muttersprache aber, davon ist er überzeugt, wachsen gerade in der Auseinandersetzung mit solcher Komplexität neue Möglichkeiten zu.

Bibliografie

Bäumker, Wilhelm (1883): Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen von den frühesten Zeiten bis gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts. Bd. 2. Herder: Freiburg i. Br.

Blankenburg, Walter (1956): Die Kirchenliedweisen von Philipp Nicolai. In: Musik und Kirche 26, S. 172–176.

Brecht, Martin (1997): Der „Freudenspiegel“ und sein geistiger Hintergrund. In: „Die Pest, der Tod, das Leben – Philipp Nicolai – Spuren der Zeit“. Beiträge zum Philipp-Nicolai-Jahr 1997. Evangelische Kirchengemeinde/Evangelischer Kirchenkreis: Unna, S. 27–41.

Grub, Udo (2012): Evangelische Spuren im katholischen Einheitsgesangbuch „Gotteslob“ von 1975. Lit: Münster.

Jenny, Markus (1964): „Wie schön leuchtet der Morgenstern …“ Zur Textfassung des Liedes in neueren Gesangbüchern. In: Monatsschrift für Pastoraltheologie 53, S. 214–233.

Julian, John (Ed.) (1907): A Dictionary of Hymnology, setting forth the Origin and History of Christian Hymns of all Ages and Nations. Rev. Ed., with new Suppl. Murray: London.

←40 |
 41→

Keyte, Hugh/Parrot, Andrew (Eds.) (1992): The New Oxford Book of Carols. Oxford University Press: Oxford/New York.

Korth, Hans-Otto/Wissmann-Garbe, Daniela (1997): Philipp Nicolai und seine Lieder. In: „Die Pest, der Tod, das Leben – Philipp Nicolai – Spuren der Zeit“. Beiträge zum Philipp-Nicolai-Jahr 1997. Evangelische Kirchengemeinde/Evangelischer Kirchenkreis: Unna, S. 59–80.

Kurzke, Hermann (2001): Wie schön leuchtet der Morgenstern. In: Hansjakob Becker u. a. (Hrsg.): Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. Beck: München, S. 146–153.

Kurzke, Hermann (2010): Kirchenlied und Kultur. Francke: Tübingen.

Lorbeer, Lukas (2016): „Er wird uns fröhlich leiten ins ewig Paradeis“. Ewigkeitslieder im Liedgut von Paul Gerhardt. In: Günter Balders/Christian Bunners (Hg.): „… dort im andern Leben“. Das Paradies bei Paul Gerhardt, in seiner Zeit und heute. Frank & Timme: Berlin.

Muranga, Manuel (1991): „O Sacred Head Surrounded“: Paul Gerhardt’s Easter Hymn and its Fortunes Outside ist Home and Time in 17th Century Germany: An Essay on Gains and Losses in Hymn Translation. In: Journal of African Religion and Philosophy 2, S. 34–42.

Muranga, Manuel John Kamugisha (1997): Sprichwörter aus Uganda im europäischen Vergleich. Lang: Frankfurt a. M.

Muranga, Manuel (2005): Fragen eines lesenden Arbeiters: Biographischer Zusammenhang einer ostafrikanischen Rezeption des Brechtschen Gedichts mit Überlegungen zu seiner Übersetzung. In: Communications from the International Brecht Society 34, S. 114–121.

Muranga, Manuel J. K. (2014): Fremdsprachenphilologien als Faktor in der Entwicklung von Muttersprachenphilologien. Einige Thesen am Beispiel des Übersetzens in der ugandischen (und afrikanischen) Germanistik. In: Deutsche Sprache und Kultur im afrikanischen Kontext. Beiträge der DAAD-Germanistentagung 2012 mit Partnerländern in der Region Subsahara-Afrika. Hg. vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Wallstein: Göttingen, S. 151–161.

Nicolai, Philipp (1963): Freudenspiegel des ewigen Lebens. Facsimilie-Neudruck der Ur-Auflage von 1599. Mocker & Jahn: Soest.

Rößler, Martin (1990): Philipp Nicolai. 1556–1608. In: Rößler, Martin: Liedermacher im Gesangbuch. Bd. 1: Martin Luther, Ambrosius Blarer, Nikolaus Herman, Philipp Nicolai, Johann Heermann. Calwer: Stuttgart, S. 117–143.

Sauer-Geppert, Waldtraut Ingeborg (1984): Sprache und Frömmigkeit im deutschen Kirchenlied. Vorüberlegungen zur Darstellung seiner Geschichte. Stauda: Kassel.

←41 |
 42→

Schwab, Hans-Rüdiger (2008): Laudatio auf Hartmut Köhler anlässlich der Cotta-Preisverleihung. Online abrufbar unter: https://www.stuttgart.de/item/show/295874 [letzter Zugriff: 29.06.2019]

Schwab, Hans-Rüdiger (2018): Über die Welt hinaus denken. In: Johannes Röser (Hg.): Gott? Die religiöse Frage heute. Herder: Freiburg i. Br., S. 143–146.

Stalmann, Joachim (2002): Wie schön leuchtet der Morgenstern. In: Gerhard Hahn/Jürgen Henkys (Hg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Ausgabe in Einzelheften. H. 4. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, S. 42–52.

Zimmerling, Peter (2015): Evangelische Mystik. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, S. 58–66.

←42 | 43→

1 Zu den folgenden beiden Abschnitten vgl. Schwab 2008.

2 Als „Königin der Choräle“ bezeichnet ihn ein weit zurückreichender Topos: vgl. Rößler 1990: 117, 126.

3 Nach der orthographisch geringfügig modernisierten Druckvorlage von Kurzke 2001: 146f.

4 Eine auf die Orgel zentrierte Auswahl von Scheidemann bis zu Distler bietet die CD von Torsten Laux, Mainz 2000 (mit einem Themenheft der Zeitschrift „organ“). Untersuchungen, die auch nur annähernd vollständig die musikalischen Bezugnahmen einbezögen, sind mir nicht bekannt.

5 Das Kind in der Krippe wird auch dort als „A und O“ bezeichnet und im „hohen Himmelssaal“ gleichfalls musiziert.

6 Eingeordnet wird das Lied dort unter die Rubrik „Christmas; General“ (Keyte/Parrot 1992: 237). Auch in der (um drei Strophen gekürzten) französischen Übersetzung von L. Roehrich von 1866 („Brilliante étoile du matin“) jedoch ersetzen Abstraktionen Nicolais Anschaulichkeit. Nicht anders im Holländischen, wo der Bräutigam verabschiedet wird.

Jacob Emmanuel Mabe (Berlin)

Das Problem der Sprachen Afrikas

Abstract: The problem of languages in the African context focuses primarily on the role and function of indigenous languages which are systematically marginalized, especially in science and administration. This article examines the conditions under which these languages can be used in all areas of life and fields of knowledge. Despite the relatively successful coexistence of African and European languages, from which mixed languages have emerged, all measures must be taken to ensure that the native languages of Africa are used in the future as a means of expressing and documenting Africa’s identities and worldviews.

Keywords: Indigenous languages, African identity, European languages, mixed languages

1 Einführung

Im afrikanischen Kontext bezieht sich das Sprachenproblem in erster Linie auf die ungelöste und immer wieder auftretende Frage, welche einheimischen Sprachen gefördert werden sollten, um in naher Zukunft insbesondere in Wissenschaft, Bildung, Verwaltung und in modernen Berufen verwendet zu werden. Gemeint sind die mehr als 2000 einheimischen Idiome, zu denen weitere, hunderte von Dialekten und Mundarten kommen1, die in den Ländern südlich der Sahara zwar im Alltag gesprochen, doch im öffentlichen Leben weiter marginalisiert werden.

Diese Marginalisierung offenbart das Dilemma der politischen Entscheider: Fast alle bekunden einerseits stets den Willen, die einheimischen Sprachen zu schützen und zu fördern. Andererseits aber fehlt ihnen der Mut zu einer Entscheidung zuungunsten der seit der jeweiligen Unabhängigkeit bevorzugten europäischen Sprachen – nicht etwa weil sie vor den unvorhersehbaren, möglicherweise dramatischen Konsequenzen für die wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung Angst haben, sondern womöglich eher aus grundsätzlicher Passivität.

Das Nebeneinander afrikanischer und europäischer Sprachen, aus dem längst verschiedene Mischsprachen hervorgegangen sind, wird in vielen Ländern als Glücksfall betrachtet, da Französisch, Englisch, Portugiesisch oder Spanisch ←43 | 44→so ohne politische Einflussnahme afrikanisiert worden sind und mittlerweile zu unverzichtbaren Vehikeln der Kommunikation zwischen Nachbarn und Bekannten, auf den Märkten sogar zwischen Händlern und Kunden aus verschiedenen ethnischen Gruppen geworden sind.2 Durch ihre Afrikanisierung haben die europäischen Idiome die einheimischen Muttersprachen in manchen Bereichen zwar verdrängt; doch sind sie weit davon entfernt, diese komplett zu ersetzen, da sich die meisten Afrikaner kulturell mit ihnen identifizieren.

Um dieser ungeregelten Situation nicht weiter tatenlos zuzusehen, versuchen afrikanische Linguisten und Philosophen seit Jahrzehnten, den Gebrauch einiger Idiome Afrikas – beispielsweise im sogenannten Bantu-Raum3 – durch Übersetzungen von Sprichwörtern, literarischen Werken und philosophischen Begriffen mit Blick auf Bildungssprachlichkeit zu befördern. Dabei hat sich Manuel Muranga eine besondere Kompetenz erworben.4 Ihm ist bewusst, dass die Vernachlässigung afrikanischer Muttersprachen Folgen in spiritueller, emotionaler und intellektueller, auch politischer und wirtschaftlicher Hinsicht hat, die an dieser Stelle im Einzelnen nicht ausgeführt werden können. Sein Hauptanliegen ist, durch den Erhalt der Muttersprachen von der Primarschule an einen Beitrag zur Pflege der kulturellen und ethnischen Identität zu leisten (vgl. Mushengyezi 2013).

Zur Unterstützung dieser Idee sollen im vorliegenden Beitrag zwei allgemeine methodische Optionen eingeführt werden, die Übersetzungen abstrakter philosophischer Termini in afrikanische Sprachen vereinfachen könnten: Die erste Methode ist die der Transkription. Sie besteht darin, abstrakte Termini zu „bassaisieren“, zu „zulusieren“, zu „akanisieren“, zu „hausaisieren“, zu „yorubaisieren“, zu „wolofisieren“, zu „amharaisieren“ etc. – ähnlich, wie auch die Europäer seinerzeit Elemente aus dem Lateinischen oder Altgriechischen anglisiert, französiert, germanisiert (oder verdeutscht), hispanisiert, slawisiert, dänisiert etc. hatten. Die zweite Methode ist die der semantischen und wörtlichen Übertragung. Sie zielt darauf ab, in jeder afrikanischen Zielsprache völlig neue Terminologien zu kreieren, die dem Sinn oder der Bedeutung abstrakter Begriffe aus ←44 | 45→der Ausgangssprache entsprechen. Für philosophische und linguistische Übersetzungen scheinen jedenfalls beide nicht nur umsetzbar, sondern auch gut miteinander kombinierbar.

2 Das Problem der Klassifikation afrikanischer Sprachen und die Identitätsfrage

Die Forderung nach der Rehabilitierung der afrikanischen Sprachen ist nicht neu. Seit 1960 finden jedes Jahr verschiedene Konferenzen und Workshops auf nationaler und kontinentaler Ebene statt, um eine Lösung für dieses Problem zu finden. 2006 wurde die Afrikanische Akademie für Sprachen (Académie Africaine des Langues, ACALAN)5 mit dem Auftrag gegründet, eine koordinierte Strategie zu erarbeiten und den Regierungen eine leicht implementierbare Sprachpolitik zu empfehlen. Letztere hat beispielsweise vorgeschlagen, eine Arbeitssprache für jedes afrikanische Land politisch durchzusetzen. Als Beispiele hat sie Fufulde, Hausa und Mandenka für die Staaten der ECOWAS (Economic Community of West African States) empfohlen, ohne allerdings ein pädagogisches Konzept zur Eingewöhnung in diese Sprachen insbesondere in der Verwaltung zu erarbeiten. Im Unterschied zur sprachlichen Klassifikation der afrikanistischen Linguistik6 teilt die ACALAN die Sprachen Afrikas in folgende drei Gruppen ein7:

Grenzsprachen (Langues frontalières), wie Swahili, Hausa, Fulfulde, Mande, Lingala, Kinyarwanda etc.

Weniger verbreitete Sprachen (Langues de moindre diffusion)

Von der Kolonisation übernommene Sprachen, die den Status von Amtssprachen besitzen (Langues héritées de la colonisation avec statut de langues officielles).

Bedauerlicherweise hat die ACALAN versäumt, drei weitere Gruppen hinzuzufügen:←45 | 46→

Details

Seiten
178
ISBN (PDF)
9783631807699
ISBN (ePUB)
9783631807705
ISBN (MOBI)
9783631807712
ISBN (Buch)
9783631800829
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (März)
Schlagworte
Übersetzung Interkulturalität Ostafrika Verbleibstudie Motivationsstudie Legitimationsfrage Literaturrezeption Unterrichstmethodik
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 178 S., 4 farb. Abb., 2 Tab.

Biographische Angaben

William Wagaba (Band-Herausgeber) Steven Heimlich (Band-Herausgeber)

William Wagaba ist Interkultureller Germanist und Leiter der Deutschabteilung an der Makerere University. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die deutsche Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, DaF-Lehrmaterialien, Deutsch für den Beruf und kreatives Schreiben. <B> Steven Heimlich</B> ist Dozent für DaF/Germanistik und DAAD-Lektor an der Makerere University. Seine Schwerpunkte sind Literaturdidaktik sowie die Vermittlung von historischen Themen und das Konzept der Erinnerungsorte im kulturwissenschaftlich orientierten Landeskundeunterricht.

Zurück

Titel: Unterwegs mit und für Deutsch