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Der lutherische Rosenkranz

Konfessionelle und sinnliche Aspekte von Gebetszählgeräten in Porträts der Frühen Neuzeit

von Luisa Coscarelli-Larkin (Autor:in)
©2020 Dissertation 384 Seiten
Reihe: Vestigia Bibliae, Band 37/38

Zusammenfassung

Heutzutage ruft der Rosenkranz Assoziationen mit dem römisch-katholischen Glauben auf und wird generell von Protestanten abgelehnt. Der Band zeigt hingegen, dass die christliche Gebetskette im 16. Jahrhundert keineswegs konfessionsspezifisch war. Katholiken ließen sich genauso mit den Gebetszählgeräten in den Händen darstellen wie prominente Mitglieder der lutherischen Konfession. Eine Besonderheit der ›lutherischen Rosenkränze‹ ist der duftende Bisamapfel, der der Mehrheit dieser Objekte als Anhänger hinzugefügt wurde. Damit wird deutlich, dass das Luthertum nicht als eine entsinnlichte Konfession zu sehen ist. Die olfaktorischen Schmuckstücke verdeutlichen besonders, wie wichtig der aus dem späten Mittelalter herrührende Bezug zwischen göttlicher Präsenz und süßem Geruch war.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Danksagung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung
  • I. Ein lutherischer Rosenkranz?
  • II. Gebet – Imagination – Sensorik
  • III. Struktur und methodisches Vorgehen
  • Kapitel 1 Religiöse Bilder und sensorische Reihen. Eine spätmittelalterliche Bisamapfelhülle aus dem Kunstgewerbemuseum Berlin
  • I. Einleitung
  • I.1 Der Bisamapfel
  • I.2 Schriftliche Quellen: Pestregimente und Kräuterbücher
  • I.3 Olfaktorische Assoziationen des Göttlichen oder Der Ruch der Heiligkeit
  • II. Die Bilder der Berliner Bisamapfelhülle
  • II.1 Anna Selbdritt – Christophorus – Veronika mit Schweißtuch
  • II.2 Schmerzensmann – Pietà – Strahlenkranzmadonna
  • III. Die Herstellung der Hülle
  • III.1 Die Vorlagen
  • III.2 Entwürfe für Goldschmiedearbeiten
  • IV. Die Funktion der Bilder
  • IV.1 Schutzfunktion
  • IV.2 Bilder zur Imaginationsanregung
  • IV.2.1 Die Wunden Christi
  • V. Die Gebetskette, der Rosenkranz und die Bilder der Bisamapfelhülle
  • VI. Das sensorische Gebetserlebnis
  • VI.1 Ein olfaktorischer Vorgeschmack auf das Paradies
  • VI.1.1 Totenkopfanhänger
  • VI.2 Berührung und Gebet – Die Gebetskette des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg
  • VII. Fazit
  • Kapitel 2 In Luthers Haut – Konfessionelle Markierungen und Verschiebungen anhand des Bildnisses Christoph Erings von Lucas Cranach d.Ä., 1532
  • I. Einleitung
  • I.1 Forschungsstand
  • II. Bildbeschreibung
  • III. In Luthers Haut
  • III.1 Martin Luther im Porträt
  • III.2 Die Pendantbildnisse
  • IV. Konfessionelle Markierung und Individualität
  • IV.1 Der Ring
  • IV.2 Gebetskette und Bisamapfelhülle
  • IV.2.1 Beschreibung Gebetskette und Bisamapfelhülle
  • IV.2.2 Die Putten – Fühlende Geister
  • IV.2.3 Der spiritello, die Spirituslehre und ihre Gültigkeit im 16. Jahrhundert
  • IV.2.4 Konfessionelle Aspekte und künstlerischer Kontext
  • IV.2.4.1 Die Cranach-Döring Druckerei
  • IV.2.4.2 Altgläubige Anfänge – Das Wittenberger Heiltumsbuch
  • V. Fazit
  • Kapitel 3 Frömmigkeit – Alter – Fruchtbarkeit. Die Pendantporträts der Eheleute Salsburg von Bartholomäus Bruyn d.Ä., 1549
  • I. Einleitung
  • I. 2 Die schriftlichen Quellen
  • I.2.1 Das Gedenkboich Hermann von Weinsbergs
  • I.2.2 Die medizinischen Quellen
  • II. Die Beschreibung der Pendantporträts
  • II.1 Kleidung und Schmuck Heinrich Salsburgs
  • II.2 Das Bildnis Drutgin Salsburgs
  • II.2.1 Die Gebetskette mit Bisamapfelhülle
  • II.2.2 Der Gürtel im Vergleich
  • II.2.2.1 Woensams Vorlagen
  • II.2.2.2 Drutgins Gürtelkette
  • II.2.2.3 Trachtenbücher und europäische Frauenbildnisse
  • III. Das Alter(n) in der Frühen Neuzeit
  • III.1 Die weiblichen Lebensaltersstufen
  • III.2 Karikatur und Belustigung: Das altersungleiche Paar
  • III.3 Die Heirat der Salsburgs: Beweggründe und Lebensumstände
  • IV. Menstruation, Menopause, Fruchtbarkeit
  • IV.1 Die Ehe, das Ehewerk und die Nachkommen
  • IV.2 Die Gebärmutter: Gebrechen und Heilmittel
  • IV.3 Die Bedeutung der Blume
  • V. Fazit
  • Kapitel 4 Die Gebetskette als Medium lutherischer konfessioneller Markierung – Die Pendantporträts Martin und Anna Chemnitz’ von Ludger tom Ring d.J., 1569
  • I. Einleitung
  • II. Die Bildnisse
  • II.1 Biografisches
  • II.2 Bildbeschreibungen
  • III. Einschreibungen – Zu den Bedeutungen der Inschriften im Stein
  • IV. Die Kleidung der Anna Chemnitz im Kontext regionaler Tracht
  • V. Die Kleidung des Martin Chemnitz
  • VI. Einschreibungen – Zu der Bedeutung von beschriebenem Papier
  • VII. Konfessionelle Markierungen
  • VII.1 Die Inschrift Christus lere
  • VII.2 Der christozentrische Rosenkranz
  • VIII. Claritas und obscuritas – Zum Schriftverständnis und der Bedeutung der Elfenbeinperlen
  • IX. Das Epitaph des Martin Chemnitz, 1580/1587
  • X. Das Material Elfenbein und seine konfessionellen Bezüge
  • XI. Olfaktorische konfessionelle Markierung
  • XII. Die konfessionelle Markierung im Porträt der Anna Chemnitz
  • XIII. Fazit
  • Schlussbemerkungen
  • Abbildungsverzeichnis
  • Literaturverzeichnis

cover

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de› abrufbar.

Zugl.: Hamburg, Univ., Diss., 2018

ISSN 0939-6233 (Print) ISSN 2235-7173 (E-PDF)

ISBN 978-3-0343-3917-9 (Print) ISBN 978-3-0343-3984-1 (E-PDF)

ISBN 978-3-0343-3985-8 (EPUB) ISBN 978-3-0343-4057-1 (MOBI)

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Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

  I. Ein lutherischer Rosenkranz?

 II. Gebet – Imagination – Sensorik

III. Struktur und methodisches Vorgehen

Kapitel 1 Religiöse Bilder und sensorische Reihen. Eine spätmittelalterliche Bisamapfelhülle aus dem Kunstgewerbemuseum Berlin

  I. Einleitung

I.1 Der Bisamapfel

I.2 Schriftliche Quellen: Pestregimente und Kräuterbücher

I.3 Olfaktorische Assoziationen des Göttlichen oder Der Ruch der Heiligkeit

 II. Die Bilder der Berliner Bisamapfelhülle

II.1 Anna Selbdritt – Christophorus – Veronika mit Schweißtuch

II.2 Schmerzensmann – Pietà – Strahlenkranzmadonna

III. Die Herstellung der Hülle

III.1 Die Vorlagen

III.2 Entwürfe für Goldschmiedearbeiten

IV. Die Funktion der Bilder

IV.1 Schutzfunktion

IV.2 Bilder zur Imaginationsanregung

IV.2.1 Die Wunden Christi

  V. Die Gebetskette, der Rosenkranz und die Bilder der Bisamapfelhülle

VI. Das sensorische Gebetserlebnis

VI.1 Ein olfaktorischer Vorgeschmack auf das Paradies

VI.1.1 Totenkopfanhänger

VI.2 Berührung und Gebet – Die Gebetskette des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg

VII. Fazit

Kapitel 2 In Luthers Haut – Konfessionelle Markierungen und Verschiebungen anhand des Bildnisses Christoph Erings von Lucas Cranach d.Ä., 1532

  I. Einleitung

I.1 Forschungsstand

 II. Bildbeschreibung

III. In Luthers Haut

III.1 Martin Luther im Porträt

III.2 Die Pendantbildnisse

IV. Konfessionelle Markierung und Individualität

IV.1 Der Ring

IV.2 Gebetskette und Bisamapfelhülle

IV.2.1 Beschreibung Gebetskette und Bisamapfelhülle

IV.2.2 Die Putten – Fühlende Geister

IV.2.3 Der spiritello, die Spirituslehre und ihre Gültigkeit im 16. Jahrhundert

IV.2.4 Konfessionelle Aspekte und künstlerischer Kontext

IV.2.4.1 Die Cranach-Döring Druckerei

IV.2.4.2 Altgläubige Anfänge – Das Wittenberger Heiltumsbuch

  V. Fazit

Kapitel 3 Frömmigkeit – Alter – Fruchtbarkeit. Die Pendantporträts der Eheleute Salsburg von Bartholomäus Bruyn d.Ä., 1549

  I. Einleitung

I.2 Die schriftlichen Quellen

I.2.1 Das Gedenkboich Hermann von Weinsbergs

I.2.2 Die medizinischen Quellen

 II. Die Beschreibung der Pendantporträts

II.1 Kleidung und Schmuck Heinrich Salsburgs

II.2 Das Bildnis Drutgin Salsburgs

II.2.1 Die Gebetskette mit Bisamapfelhülle

II.2.2 Der Gürtel im Vergleich

II.2.2.1 Woensams Vorlagen

II.2.2.2 Drutgins Gürtelkette

II.2.2.3 Trachtenbücher und europäische Frauenbildnisse

III. Das Alter(n) in der Frühen Neuzeit

III.1 Die weiblichen Lebensaltersstufen

III.2 Karikatur und Belustigung: Das altersungleiche Paar

III.3 Die Heirat der Salsburgs: Beweggründe und Lebensumstände

IV. Menstruation, Menopause, Fruchtbarkeit

IV.1 Die Ehe, das Ehewerk und die Nachkommen

IV.2 Die Gebärmutter: Gebrechen und Heilmittel

IV.3 Die Bedeutung der Blume

  V. Fazit

Kapitel 4 Die Gebetskette als Medium lutherischer konfessioneller Markierung – Die Pendantporträts Martin und Anna Chemnitz’ von Ludger tom Ring d.J., 1569

     I. Einleitung

   II. Die Bildnisse

II.1 Biografisches

II.2 Bildbeschreibungen

  III. Einschreibungen – Zu den Bedeutungen der Inschriften im Stein

  IV. Die Kleidung der Anna Chemnitz im Kontext regionaler Tracht

    V. Die Kleidung des Martin Chemnitz

  VI. Einschreibungen – Zu der Bedeutung von beschriebenem Papier

 VII. Konfessionelle Markierungen

VII.1 Die Inschrift Christus lere

VII.2 Der christozentrische Rosenkranz

VIII. Claritas und obscuritas – Zum Schriftverständnis und der Bedeutung der Elfenbeinperlen

  IX. Das Epitaph des Martin Chemnitz, 1580/1587

   X. Das Material Elfenbein und seine konfessionellen Bezüge

  XI. Olfaktorische konfessionelle Markierung

 XII. Die konfessionelle Markierung im Porträt der Anna Chemnitz

XIII. Fazit

Schlussbemerkungen

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

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Einleitung

I. Ein lutherischer Rosenkranz?

„Während der Rosenkranz aus Sicht der protestantischen Propaganda zum prioritären Identifikationssymbol für die altgläubige Frömmigkeit wird, tritt auf evangelischer Seite die Heilige Schrift an die Stelle des Rosenkranzes.“1 So lautet eine Feststellung zur Position der christlichen Gebetskette innerhalb der protestantischen Konfession nach Beginn der Reformation. Diese Aussage des Theologen und Kirchenhistorikers Harry Oelke ist Teil seiner Interpretation einer Druckgrafik des Nürnberger Malers, Kupferstechers und Holzschneiders Georg Pencz (um 1500–1550), der in dem materialreichen Ausstellungskatalog Der Rosenkranz. Andacht – Geschichte – Kunst von 2003 abgebildet ist (Abb. 1).2 Dabei handelt es sich um einen Holzschnitt aus dem Jahr 1529, der als Teil eines Einblattdrucks mit einem Text des Nürnberger Meistersingers Hans Sachs (1493–1576) versehen wurde.3 Betitelt ist das querrechteckige Blatt mit den Worten Inhalt zweierley predig yede in einer kurtzen summ begriffen. Darunter sind vier Textblöcke zu sehen und darüber der Holzschnitt. Die Grafik zeigt zwei Kircheninterieurs, die durch eine Säule in der Mitte und die angedeutete Deckenarchitektur voneinander getrennt sind. Im Vordergrund werden beide Szenen von sitzenden sowie stehenden Personen bevölkert, während der Hintergrund keine weitere Ausgestaltung erhielt. ←15 | 16→Einzig durch die Kanzeln werden die Räume in ihrer Funktion als sakrale Gebäude identifiziert. In dem ornamentierten Kanzelkorb in der rechten Bildhälfte steht ein korpulenter Mann, dessen weit ausladender Bauch exakt in die Wölbung der Kanzel eingepasst wurde. Anhand seiner Tonsur, die durch die abgelegte Kopfbedeckung sichtbar ist, wird er als Mönch ausgewiesen. Mit leicht in Richtung der Gläubigen geneigtem Haupt und über den Anwesenden ausgebreiteten Händen scheint der Priester sich im Moment des Sprechens der Predigt zu befinden. Auch auf der gegenüberliegenden Seite hat der wesentlich schlankere Prediger die Hand erhoben, er blickt jedoch nicht zu den Menschen hinab, sondern hat seine Aufmerksamkeit dem aufgeschlagenen Buch vor sich gewidmet. Durch das Fehlen der Tonsur wird verdeutlicht, dass hier ein protestantischer Geistlicher dargestellt ist. Außerdem wird durch die Präsenz des Buches, es kann sich nur um die Bibel handeln, auf die schriftbasierte Predigt verwiesen, die hier als Konfessionsmerkmal der Protestanten gewählt wurde.

Details

Seiten
384
Jahr
2020
ISBN (PDF)
9783034339841
ISBN (ePUB)
9783034339858
ISBN (MOBI)
9783034340571
ISBN (Hardcover)
9783034339179
DOI
10.3726/b16917
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (September)
Schlagworte
Sinne Gebetserlebnis Lucas Cranach d.Ä. Martin Luther Reformation Bisamapfel Bartholomäus Bruyn d.Ä. Ludger tom Ring d.J.
Erschienen
Bern, Berlin, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 384 S., 10 farb. Abb., 60 s/w Abb.

Biographische Angaben

Luisa Coscarelli-Larkin (Autor:in)

Luisa Coscarelli-Larkin studierte Kunst- und Bildgeschichte in Berlin und History of Design am Londoner Royal College of Art und Victoria and Albert Museum. Nach einem Forschungsaufenthalt am Wadsworth Atheneum Museum of Art in Hartford, Connecticut war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg, wo auch ihre Promotion erfolgte.

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Titel: Der lutherische Rosenkranz