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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

von Florian Gassner (Band-Herausgeber:in) Nikola Roßbach (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 258 Seiten

Zusammenfassung

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Einführung (Florian Gassner / Nikola Roßbach)
  • Eine ‚vorsichtige Durchsehung‘, die Schriftsteller ‚schüchtern‘ macht? Zu Wort und Begriff der Zensur in deutschsprachigen Quellen der Frühen Neuzeit (Simone Loleit)
  • Geister aus Papier. Magisches Schrifttum im Visier der Zensur (Stefan Laube)
  • Zensur Macht Zukunft. Überlegungen zum herrscherlichen Planungswillen in der Frühen Neuzeit (Nikola Roßbach)
  • Sebastian Franck und die lutherische Orthodoxie (Jessica Bauer)
  • Verzeichnisse imaginärer Bücher: Eine die Zensur unterlaufende Publikationsstrategie im 17. Jahrhundert am Beispiel der anonymen Flugschrift Aus des nach dem Parnassus eilenden MERCURII Fell-Eisen communicirte Curiositäten (1697) (Antonius Baehr / Frédérique Renno)
  • Extempore und Ratio Status. Begründungspraktiken der Theaterzensur im frühen 18. Jahrhundert (Christian Meierhofer)
  • Heimliche Angriffe auf die christliche Religion: Johann Lorenz Mosheims Bestandsaufnahme subversiver Textstrategien (Magdalena Fricke)
  • Vom Index zum Algorithmus – Medienkontrolle in Zeiten medialer Revolutionen (Ursula Paintner)
  • Reihenübersicht

cover

Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de› abrufbar.

Diese Publikation wurde mit Mitteln aus dem Scholarly Publishing Fund der University
of British Columbia großzügig gefördert.

ISSN 0171-8320 br. DOI 10.3726/b17014
ISBN 978-3-0343-3954-4 br. ISBN 978-3-0343-4077-9 eBook
ISBN 978-3-0343-4078-6 EPUB ISBN 978-3-0343-4079-3 MOBI

Über das Buch

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Dis-kursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systema-tisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feuda-ler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwer-punkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu ver-schiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Einführung

Florian Gassner und Nikola Roßbach

Zensur ist in der Frühen Neuzeit der Normalfall. Das Erwünschte, das Gute, das Notwendige. Sie schafft Ordnung, Sicherheit und Frieden, so lauten jedenfalls die Argumente ihrer Befürworter. Dass es eines Regulierungsinstrumentes bedürfe, das gesellschaftliche Ordnung, außen- und innenpolitische Sicherheit, Religions- und Konfessionsfrieden sowie politischen Frieden, gedeihliches Zusammenleben und persönliches Seelenheil gewährleisten soll, wird nicht in Frage gestellt.

Der Gedanke, dass Literatur ein Sicherheitsrisiko für Individuum und Gesellschaft darstellen könnte, das zu regulieren und zu unterbinden sei, ist ohne Zweifel so alt wie die Literatur selbst. Verschärft stellte sich die Frage nach der Zensur dann mit der Medienrevolution des ausgehenden 15. Jahrhunderts.1 Die Verbreitung des Drucks mit beweglichen Lettern ermöglichte eine Distribution von Texten, von Ideen und Wissen in zuvor ungekannten und ungeahnten Dimensionen. Geistliche und säkulare Herrscher versuchten die entfesselte Rede zu bändigen – mit den Mitteln der Zensur, die über die Jahrhunderte zunehmend systematischer und professioneller wurde.

Prinzipiell in Frage gestellt wurden der Sinn der Zensur, ihre Rechtmäßigkeit und ihr Nutzen lange Zeit nicht, auch nicht von der Gelehrtenwelt, deren Rede- und Schreibfreiheit immerhin massiv durch sie beschränkt wurde. Aufklärer wie Leibniz und Wolff setzten sich „vehement für eine an ethischen Maßstäben orientierte Censur“2 ein. Auch im 18. Jahrhundert ging es den meisten am Zensurdiskurs beteiligten Akteuren immer darum, das Gute zu stärken und das Böse zu verhindern – wobei sich die Vorstellungen davon, was gute und was böse Schriften sind, nun eben gewandelt hatten. Der Reformkaiser Joseph II. ←7 | 8→hob im Bestreben nach einem „zentralistischen aufgeklärten Wohlfahrtsstaat“3 nicht nur Klöster auf und ließ ihre Bibliotheken vernichten, sondern bediente sich auch eines Zensurreglements, um nun endlich die Vernunft unter die Leute zu bringen: Seine Grundregeln zu Bestimmungen einer ordentlichen künftigen Büchercensur lockerten zwar einige zuvor bestehende Regelungen, etwa hinsichlich wissenschaftlicher oder auch satirischer Literatur, verboten jedoch ihrerseits „ungereimte Zotten […], aus welchen keine Gelehrsamkeit, keine Aufklärung jemals entstehen kann“.4 Zensur blieb lange das Mittel der Wahl. Erst zum Jahrhundertende hin wurde in den deutschsprachigen Territorien des Alten Reichs die Freiheit der Rede, der Meinung, der Presse zunehmend kontrovers diskutiert und verstärkt eingefordert.

Dass auch die Aufklärung der „unerschrockenen freien Meinungsäußerung“ mitnichten Vorschub geleistet hat, „nahezu das Gegenteil richtig“5 ist und das 18. Jahrhundert eines der Institutionalisierung und Erweiterung der Zensur war, hat schon Dieter Breuer in seinem Standardwerk zur Geschichte der literarischen Zensur in Deutschland festgestellt. Auch der Sammelband Zensur im Jahrhundert der Aufklärung. Geschichte – Theorie – Praxis will die simplifizierende Sicht auf Freiheit und Zensur im 18. Jahrhundert, die „einen Kampf zwischen Licht und Finsternis“6 suggeriere, entlarven. Er leistet diesbezüglich ebenso erhellende wie ernüchternde Forschungsarbeit. Die Kontinuität der Zensur, wenn nicht gar ihre Ausweitung in der und durch die Aufklärung (die sich des Kontrollinstrumentes nun eben für ihre eigenen Zwecke bediente) ist eine sich zunehmend durchsetzende Erkenntnis der Zensurforschung, die dem landläufigen Wissen über ‚die‘ Aufklärung hart entgegen steht – und somit wahre Aufklärungsarbeit bedeutet.

Auch der vorliegende Band zu Begriffen, Diskursen und Praktiken der Zensur des 16. bis 18. Jahrhunderts legt den Finger auf die Wunde Aufklärung, allerdings nicht nur. Gerade der Schnitt zwischen 17. und 18. Jahrhundert ist auf die unterstellte Zäsur hin zu überprüfen, auf Kontinuitäten und fließende Übergänge zu befragen. Wolfgang Wüst, einer der wenigen, der die voraufklärerische Zensur des Alten Reichs intensiv erforscht hat, insbesondere die Zensurpraxis süddeutscher Territorien und Reichsstädte, sieht hier übrigens durchaus einen klaren Schnitt bzw. will untersuchen, inwiefern sich ←8 | 9→die „Censur“ vor 1800 „durch einen stärkeren Konfessionsbezug und durch meßbare Defizite im Vollzug“, also eine schlechter gelingende praktische Wirksamkeit, von der stärker politisierten und institutionalisierten „Zensur“ des 19. und 20. Jahrhunderts unterscheide.7

Derartige Fragen nach der Verortung frühneuzeitlicher Zensur zwischen Religion und Politik müssen weiterhin als nicht abschließend geklärt gelten. Auch Fragen nach der theoretisch-begrifflichen Diskursivierung der Zensur einerseits und ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz andererseits sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden – falls dies denn überhaupt möglich ist.

Eine entscheidende, ja, die vielleicht beunruhigendste Frage der Zensurforschung ist unseres Erachtens die folgende: Hängt die Rigidität von Zensur überhaupt mit der politischen Ideologie so zusammen, wie intuitiv zu erwarten wäre? Sind feudalabsolutistische Systeme tatsächlich prinzipiell strenger in Zensurfragen als aufgeklärt-absolutistische oder gar republikanische? Erlauben Systeme, die Gedankenfreiheit wollen, wirklich mehr als totalitäre? Das sind offene, bis in die Gegenwart hinein brisante Fragen, die sich anhand widerständiger Ergebnisse der historischen Zensurforschung aufdrängen. Denn radikal-restriktive Zensurinstrumentarien erweisen sich keineswegs als Alleinstellungsmerkmal autoritärer Regimes, sondern begleiten in der Geschichte immer wieder die Neuetablierung von politischen Systemen, auch von liberalen, republikanischen – sei es die Konsolidierung der Reformation durch eine dogmatische lutherische Orthodoxie, sei es die Etablierung der Aufklärung, die radikale und vernichtende Kulturrevolutionen unter dem Banner der Säkularisierung mit sich brachte. Vom Beginn der Frühen Neuzeit an nehmen Rationalisierung und Systematisierung der Zensur stetig zu. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Konstituierung moderner Gesellschaften um 1800 eine Zäsur in der Geschichte der Zensur, ihrer Begriffe, Diskursen und Praktiken bedeutete – oder vielleicht auch nicht.

Wilhelm Haefs stellt in seinem 2007 erschienenen Aufsatz Zensur im Alten Reich des 18. Jahrhunderts – Konzepte, Perspektiven und Desiderata der Forschung eine imposante Agenda künftiger Forschung zur Zensur des 18. Jahrhunderts auf, die man ohne Weiteres auf die Frühneuzeitforschung allgemein übertragen könnte.8 Er proklamiert zum einen eine allgemeine, ←9 | 10→theoretisch-methodisch fundierte und multidisziplinäre Zensurforschung (für die die französische ein Modell sein könne), zum anderen eine systematische „Zensurwirkungsforschung“, die – trotz der Hürde einer schmalen Materialbasis – die tatsächliche praktische Wirkung von Zensur untersuche, die vermutlich geringer gewesen sei, als die „mediale[] Verstärkung des Themas Zensur in den zeitgenössischen Medien und in den Debatten der Aufklärer“ es suggeriere.9

Fragen zur Zensurwirkung, die sich die aktuelle Forschung zunehmend stellt, wären etwa: Profitierte die freie Rede tatsächlich von der territorialen Zersplitterung des Alten Reichs – war alles irgendwo erlaubt, was woanders verboten war? In welchem Verhältnis stehen geistliche und staatlichen Zensurinstrumentarien und ihre Funktionalität? Wie mächtig waren die Dekrete des fernen Kaisers, wie konsequent die Territorialfürsten hinsichtlich der Zensurbestimmungen? Wie effektiv war die vormoderne Zensur, wie effektiv wollte sie überhaupt sein?10 Welche Formen der Zensurumgehung gab es?11

Haefs’ Forschungsüberblick erweist, dass die Zensur des 18. Jahrhunderts inzwischen durchaus intensiv erforscht wird – wobei Zensurgeschichtsschreibung offenbar „weiterhin nur als Partikulargeschichte des Raums, der Konfession“12 etc. realisierbar zu sein scheint. Differenzierte Territorial-, Regional- und Lokalstudien, vor allem zu Bayern, Österreich, liegen vor.13 Um wirklich „die Fundamente für die noch zu schreibende Geschichte der Zensur zu schaffen“,14 ist nach Haefs’ Überzeugung eine vernetzte, multidisziplinäre Zensurforschung unabdingbar.

Wesentlich dürftiger stellt sich die Forschungslage zur voraufklärerischen Zensur im Alten Reich dar. Wüsts Feststellung aus dem Jahr 1998, das Thema Zensur sei „für die Zeit vor 1800 […] keineswegs umfassend bearbeitet“,15 ←10 | 11→gilt bis heute. Überblicksdarstellungen wie diejenigen von Breuer, Schütz, Plachta und Fuld16 berühren (mit Ausnahme von Breuer17) den Zeitraum eher oberflächlich. Spezielle Studien zur Zensur des 16. und 17. Jahrhunderts sind immer noch selten; außer Wüsts Forschungen18 gibt es einige wenige, vorwiegend ältere Arbeiten: Ulrich Eisenhardts Analyse der staatlichen Zensur im Alten Reich, Die kaiserliche Aufsicht über Buchdruck, Buchhandel und Presse im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (1496–1806),19 sowie regionalrechtsgeschichtliche Studien zu Bayern, Mainz, Württemberg oder Kursachsen.20

Einen wichtigen Schub erhielt die frühneuzeitliche Zensurforschung durch die Öffnung der Archive der Römischen Inquisition und der Indexkongregation im Jahr 1998. Neben Peter Godmans Weltliteratur auf dem Index. Die geheimen Gutachten des Vatikans21 sind hier vor allem die verdienstvollen Arbeiten Hubert Wolfs und seiner Forschergruppe zu nennen. Doch auch diese konzentrieren sich überwiegend auf die Zeit ab 1800. Repräsentativ ist hier der wichtige Tagungsband ←11 | 12→Inquisition und Buchzensur im Zeitalter der Aufklärung,22 erschienen als 16. Band der Reihe „Römische Inquisition und Indexkongregation“. Eröffnet wurde die Reihe im Jahr 2001 mit dem Sammelband Inquisition, Index, Zensur. Wissenskulturen der Neuzeit im Widerstreit, der auch die ‚frühere‘ Neuzeit berücksichtigt (und beispielsweise einen wichtigen Beitrag zur kirchlichen Bücherzensur in Deutschland vom 16. bis zum 20. Jahrhundert enthält23). Generell konzentriert sich besagte Reihe, in der bislang 19 Bände erschienen sind, deutlich auf die Zeit nach 1800;24 auch Wolf selbst widmet der Zeit davor in seinem Überblicksbuch Index. Der Vatikan und die verbotenen Bücher nur wenige Seiten.25 Eine Indexforschung der besonderen Art – eine qualitativ und quantitative Indexanalyse zu den verbotenen Büchern und Autoren der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die außer den römisch-katholischen Indices weitere Bücherverbotslisten einbezieht – stellt Stephan Fitos’ 2000 erschienene Dissertation Zensur als Misserfolg26 dar. Das von ihm beackerte Terrain der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ist von der Zensurforschung seither kaum mehr betreten worden.

Dies leistet nun der vorliegende Band. Selbstverständlich kann auch die hier geleistete Analyse von historisch spezifischen Zensurbegriffen, -diskursen und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs keinen umfassend-systematischen Anspruch erheben. Es sind Probebohrungen, die einen Überblick über Sedimente und Ablagerungen verschaffen und damit weiteren Expeditionen den Weg weisen.

Den Auftakt bilden drei Überblicksdarstellungen, die den Gegenstand theoretisch einrahmen. Zunächst befasst sich Simone Loleit mit „Wort und Begriff der Zensur in deutschsprachigen Quellen der Frühen Neuzeit“. Dabei ←12 | 13→setzt sie sich nicht nur mit der Eindeutschung und Einbürgerung des Begriffs auseinander. Ihr Beitrag beschreibt darüber hinaus den Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung der Zensur, von einer rechtlichen Praxis hin zu einer gesellschaftlichen Institution. Stefan Laube erörtert die bisher wenig beachtete Verbindung zwischen Zensur und Magie vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in „Geister aus Papier. Magisches Schrifttum im Visier der Zensur“. Laube diskutiert einerseits die bemerkenswerte Aufwertung der Magie im Pionierzeitalter des Buchdrucks. Andererseits untersucht er, inwieweit die Zensur daran gescheitert ist, die Ausbreitung ‚magischer Texte‘ einzudämmen, da dem Medium Buch selbst etwas Magisches anhaftete. Nikola Roßbach untersucht das Verhältnis von Zensur, Macht und Zukunft in ihren „Überlegungen zum herrscherlichen Planungswillen in der Frühen Neuzeit“. Die vormoderne Zensur könnte Roßbach zufolge nahelegen, die gängige These vom statischen Geschichtsbild der Frühen Neuzeit neu zu bewerten. Denn Zensurdiskurse und -praktiken verraten einen auf die Zukunft gerichteten Gestaltungswillen und implizieren damit ein dynamisches Verständnis von Geschichte.

Biographische Angaben

Florian Gassner (Band-Herausgeber:in) Nikola Roßbach (Band-Herausgeber:in)

Florian Gassner lehrt mittel- und osteuropäische Kulturgeschichte an der University of British Columbia, Vancouver. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit den Schnittstellen zwischen Literatur, Musik und Religion. 2017 begleitete er gemeinsam mit Nikola Roßbach die Entwicklung des «Parthenon of Books», mit dem auf der documenta 14 der Geschichte und Gegenwart der Zensur gedacht wurde. Nikola Roßbach lehrt Neuere deutsche Literatur an der Universität Kassel. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Literatur-, Kultur- und Wissensgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Moderne. 2019 erhielt sie den Preis für «Das politische Buch des Jahres» der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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Titel: Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken