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Die Hochzeit von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg (1574)

Edition und Untersuchungen zur Gattung Festbeschreibung

von Rebecca Anna (Autor)
Dissertation 408 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Vorwort zur Benutzung
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Arbeitsziele
  • 1.2 Die Verbindung zwischen Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg
  • 1.3 Der Festverlauf der Neuburger Hochzeit
  • 2 Überlieferung zur Neuburger Hochzeit
  • 2.1 Beschreibung der narrativen Quellen
  • 2.1.1 Die Münchner Handschrift
  • 2.1.2 Die Zweibrücker Handschrift
  • 2.1.3 Die Amberger Handschrift
  • 2.1.4 Der Druck zur Neuburger Hochzeit
  • 2.2 Beziehung der narrativen Quellen zueinander
  • 2.2.1 Verhältnis der Münchner Handschrift zur Zweibrücker Handschrift
  • 2.2.2 Verhältnis der Amberger Handschrift zum Druck
  • 2.3 Sonstige Quellen
  • 2.4 Übersicht über die Forschungs- und Editionslage
  • 3 Edition der narrativen Quellen zur Neuburger Hochzeit
  • 3.1 Vorbemerkungen zur Edition
  • 3.1.1 Wahl der Leithandschriften und Fußnotenapparat
  • 3.1.2 Editionsprinzipien
  • 3.2 Edition der Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit
  • 3.3 Kulturhistorischer Kommentar zur Edition
  • 3.3.1 Das Fürstentum und das Schloss Neuburg an der Donau
  • 3.3.2 Das Fest 1574 in Neuburg im Kontext der Festkultur in der Frühen Neuzeit
  • 3.3.3 Das Turnier 1574 in Neuburg im Kontext der Turnierkultur in der Frühen Neuzeit
  • 3.3.4 Die Reisebeschreibung in den Quellen im Kontext des Reisens und der Problematik des Geleitsrechts
  • 3.3.5 Die Überlieferung von Inschriften am Beispiel des Stifterbildes aus dem Kloster Maulbronn
  • 4 Gattungszuordnung der Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit
  • 4.1 Beschreibung höfischer Feste
  • 4.1.1 ‚Fest‘ im Kontext zeremonieller Handlung
  • 4.1.2 Zeremoniell und Zeichen
  • 4.1.3 Aufgaben der Festbeschreibung
  • 4.2 Gattungsmerkmale der Festbeschreibung
  • 4.2.1 Schlüsselwörter der Gattung in den Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit
  • 4.2.2 Theorie und Textmodell
  • 4.2.3 Bildausstattung
  • 4.3 Einordnung des Quellenkorpus zur Neuburger Hochzeit in die Gattungsforschung
  • 4.3.1 Zwischen Festbeschreibung und Reisebericht – die Amberger Handschrift und der Druck von 1576
  • 4.3.2 Frühe Vertreter der Gattung Festbeschreibung – die Handschriften aus München und Zweibrücken
  • 4.4 Vergleich mit zwei Hochzeitsbeschreibungen aus dem unmittelbaren familiären Umfeld der Neuburger Braut
  • 4.4.1 Die Hochzeit in Königsberg 1573 – der Druck von 1576
  • Der Bräutigam der Königsberger Hochzeit in der Beschreibung
  • Beschriebene Zwischenfälle während der Reise
  • Beschreibungscharakter der Königsberger Hochzeit im Druck 1576
  • 4.4.2 Die Hochzeit in Düsseldorf 1585 – der Druck von 1587
  • Die Nachfolge der jülich-kleve-bergischen Herrschaft
  • Das Turnier 1585
  • Das (Fest-) Programm der Düsseldorfer Hochzeit
  • 4.4.3 Zusammenstellung der gattungsbezogenen Beobachtungen aus dem Vergleich der Hochzeitsbeschreibungen 1573, 1574 und 1585
  • 4.4.4 Der Inventor der Hochzeiten – Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg
  • 4.5 Besonderheiten der frühen handschriftlichen Vertreter der Gattung Festbeschreibung – die Manuskripte zur Neuburger Hochzeit
  • 4.5.1 Adressierung und Gebrauchsfunktion
  • 4.5.2 (Zuschauer-)Raum
  • 4.5.3 Fehlendes Bildprogramm?
  • 4.5.4 Überlagerung der codierten Zeichensysteme?
  • 4.5.5 Analyse der Schlussreden
  • 5 Schlussbetrachtung
  • 6 Quellen und Literaturverzeichnis
  • 7 Anhang
  • 7.1 Personenverzeichnis zur Edition
  • 7.2 Abbildungen
  • 8 Tabellenverzeichnis
  • 9 Abbildungsverzeichnis
  • Namensregister
  • Reihenubersicht

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Vorwort

Die vorliegende Arbeit wurde im März 2019 von der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes als Dissertation angenommen und für den Druck überarbeitet.

Den Menschen, die mich durch die – nicht immer leichten – Schreibphasen begleitet, mich motiviert und unterstützt haben, möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. In besonderer Weise möchte ich Frau Prof. Dr. Nine Miedema danken, die mich zu diesem Projekt ermutigt und immer unterstützt hat. Ihre fortwährende Motivation, konstruktive Kritik und die zahlreichen Gespräche haben maßgeblich zum Entstehen dieser Arbeit beigetragen. Danken möchte ich auch Frau Prof. Dr. Brigitte Kasten, die mir als Historikerin mit ihrer Expertise und ihren Anregungen zur Seite stand. Mein Dank gilt weiterhin Herrn Prof. Dr. Wolfgang Behringer.

Für die Aufnahme in die Reihe Medieval to Early Modern Culture / Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit gilt mein Dank den Herausgebern.

Frau Dr. Sigrid Hubert-Reichling hat mich durch alle Stadien der Arbeit begleitet. Sowohl für das Vertrauen in das Gelingen dieses Projekts als auch für die zahlreichen inspirierenden Gespräche danke ich Ihr herzlich.

Dem Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz soll an dieser Stelle besonders für die Möglichkeit der Arbeit mit den Originalen gedankt werden. Darüber hinaus bedanke ich mich bei allen Archiven und Bibliotheken, die mir die Abdruckerlaubnis für die Reproduktionen aus ihren Beständen erteilt haben.

Ein großer Dank für die fachliche – und auch emotionale – Unterstützung richtet sich an meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in Saarbrücken: Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs, PD Dr. Matthias Rein, Dr. Christa Jochum-Godglück, PD Dr. Peter Godglück und Ursula Barth.

Auf den Rückhalt meiner Familie und meinen Freunden konnte ich immer bauen. Bedanken möchte ich mich insbesondere bei Dr. Teresa Cordes und Dr. Andrea Voß für die zahlreichen Stunden des Korrekturlesens ←9 | 10→und der motivierenden, mitunter aufbauenden Gespräche. Meinen Eltern danke ich von Herzen für Ihre Geduld und ihre unermüdliche Unterstützung.

Widmen möchte ich diese Arbeit meinem Ehemann und meinem Sohn.

Rebecca Anna

Juli 2020

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Vorwort zur Benutzung

Diese Arbeit besteht zum einen aus einer Edition der zugrunde gelegten Quellen und zum anderen aus einem Forschungsteil. Die Edition der Quellen (Kapitel 3.2) steht ergänzend zu diesem Buch als durchsuchbare pdf-Datei zum kostenfreien Download zur Verfügung. Bitte hierzu den Freischaltcode auf der letzten Seite beachten. Zur korrekten Benutzung der Edition sind die Kapitel zur Beschreibung der Handschriften (Kapitel 2.1) sowie zu den Editionsprinzipien (Kapitel 3.1) dem vorliegenden Band zu entnehmen.

Ergänzend zur Edition ist in Kapitel 7.1 ein Personenverzeichnis angehängt. Dieses beinhaltet die wichtigsten Lebensdaten zu den adligen Personen, die im Editionstext genannt werden. Die genauen Benutzungsbedingungen sind der Einführung zum Verzeichnis zu entnehmen.

Das Namensregister in diesem Band verweist auf die Namen im Forschungsteil. Der Editionstext ist durchsuchbar und deswegen nicht mit einem eigenen Register versehen.

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1 Einleitung

1.1 Arbeitsziele

Gegenstand dieser Arbeit sind die narrativen Beschreibungen zur Neuburger Hochzeitsfeier 1574, die bislang weder editorisch noch gattungsanalytisch erschlossen wurden.1 Ziel der Untersuchung ist es in einem ersten Schritt, eine Edition der Quellen zu erstellen und diese inhaltlich zu kommentieren (Kapitel 3). In einem zweiten Schritt wird auf der Quellengrundlage eine Gattungsbeschreibung für die frühen handschriftlichen Festbeschreibungen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu leisten sein (Kapitel 4). Die leitende Fragestellung geht dabei von dem bisherigen Forschungsstand zu den gedruckten Festbeschreibungen aus und richtet von da aus den Blick auf die frühen Vertreter dieser Gattung. Die Forschungsperspektiven sollen so erweitert werden: Zum einen wird nicht nur gefragt, wie eine frühneuzeitliche Hochzeit beschrieben wird, sondern vor allem, inwieweit die Grenzen der zu dieser Zeit entstehenden Gattung noch unfest waren. Zum anderen wird erstmals der Versuch einer Gattungstheorie zu frühen handschriftlichen Festbeschreibungen unternommen.

Das Zustandekommen der politischen Verbindung zwischen den Familien Zweibrücken-Neuburg und Jülich-Kleve-Berg soll in einem hinführenden ersten Kapitel knapp umrissen werden (Kapitel 1.2). Im Mittelpunkt stehen dabei neben den Brautleuten Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg ←13 | 14→und Anna von Jülich-Kleve-Berg auch deren Familien sowie die gezielte Vernetzung innerhalb der Adelsschicht. Um die Dimension und das Spektrum dieser Feier hervorheben zu können, folgt eine Zusammenstellung des Festablaufs anhand der Berichte aus dem Quellenkorpus (Kapitel 1.3).

Die aufgrund des definierten Untersuchungsziels ermittelten Quellen werden in Kapitel 2 vorgestellt. Diese vier Textzeugen werden in der Edition abgebildet, weswegen die Darstellung der Beziehungen der Beschreibungen zueinander ein wesentlicher Bestandteil dieser Teilanalyse darstellt (Kapitel 2.2). Es schließt sich eine Zusammenstellung an, in der die Forschungs- und Editionslagelage der Schriftzeugen zur Vermählungsfeier in Neuburg dargestellt und diskutiert wird (Kapitel 2.4). Teilziel dieses Kapitels ist es, die bestehende Lücke einer fehlenden Erschließung der erzählenden Quellen aufzuzeigen.

Darauf aufbauend folgt in Kapitel 3 die Edition der Festbeschreibungen. Grundsätzlich gilt es, die Handschriften nach den modernen textwissenschaftlichen Standards editorisch aufzubereiten und der Forschung zur Verfügung zu stellen. In einem anschließenden Kommentar soll der kulturhistorische Kontext dieser Feier dargestellt und sollen Spezifika der einzelnen Berichte herausgegriffen werden.

Auf der Grundlage der edierten Quellen folgt der gattungstheoretische Ansatz der Arbeit in Kapitel 4. Vor dem Hintergrund fehlender vergleichbarer Studien zu frühen handschriftlichen Festbeschreibungen muss der methodische Zugriff von den definierten Gattungskonventionen aus der Blütezeit der gedruckten Vertreter dieses Genres aus gewählt werden. Mit der Einführung der Analyseparameter werden zugleich die vorliegenden Quellen innerhalb dieser Gattungstheorie verortet (Kapitel 4.3). Zusätzliche Textvergleiche mit zwei weiteren Festbeschreibungen aus dem nahen zeitlichen sowie familiären Umfeld des Brautpaars sollen dazu beitragen, die Besonderheiten der handschriftlichen Berichte zur Neuburger Feier umfassend darzustellen (Kapitel 4.4).

Am Ende des Analysekapitels werden zur Ergebnissicherung die wichtigsten gattungsbezogenen Kriterien zusammengefasst (Kapitel 4.5). In der Schlussbetrachtung, Kapitel 5, gilt es darüber hinaus, weiterführende Diskussionskontexte aufzuzeigen, die sich aus den Quellen wie auch aus der Gattungsuntersuchung der Arbeit eröffnet haben.

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1.2 Die Verbindung zwischen Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg

Bei der Neuburger Hochzeit (1574) vermählten sich Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Herzogin Anna von Jülich-Kleve-Berg (vgl. Abbildung 1). Philipp Ludwig war der älteste Sohn von Herzog Wolfgang von Zweibrücken und Pfalz-Neuburg und Anna von Hessen (vgl. Abbildung 14) und wurde 1547 in Zweibrücken geboren. Sein Vater Wolfgang trat als einziger Sohn Herzog Ludwigs II. von Pfalz-Zweibrücken die Nachfolge über Pfalz-Zweibrücken an. Wolfgang hatte seine Ausbildung am Hof des Pfalzgrafen Friedrich II. in Heidelberg erhalten. Ebenso wie Ottheinrich von Pfalz-Neuburg, der 1557 Pfalz-Neuburg an Wolfgang abtrat, war Wolfgang dem protestantischen Bekenntnis zugetan und dessen eifriger Verfechter. Er war in einem solchen Ausmaß von der protestantischen Glaubensreformation eingenommen, dass er sich 1569 entschloss, den Hugenotten in Frankreich hilfreich beiseite zu stehen. Im gleichen Jahr erlag er in Frankreich aufgrund der Anstrengung des Feldzuges einem Fieber. Mit seiner Gemahlin hatte Wolfgang fünf Söhne und acht Töchter, jedoch erreichten nicht alle Mädchen das Erwachsenenalter. Seine Landesteile vererbte Wolfgang seinen fünf Söhnen wie folgt unterteilt: Philipp Ludwig erhielt Pfalz-Neuburg, Ottheinrich erhielt Sulzbach, Johann übernahm die Regierung in Zweibrücken, Friedrich bekam die Grafschaft Vohenstrauß und der jüngste Sohn Karl erhielt das Herzogtum Birkenfeld mit der Grafschaft Sponheim. In seinem Testament ermahnte Wolfgang seine Söhne zu frommer Religiosität, Regenten-Weisheit und festem Zusammenhalt untereinander.2

Gemäß der testamentarischen Regelung erbte Philipp Ludwig mit 21 Jahren nach dem Tod seines Vaters 1569 das hochverschuldete Herzogtum Neuburg.3 Zum einen gingen die Schulden noch auf den Kauf Neuburgs ←15 | 16→zurück, zum anderen stammten sie aus Werbungen um Truppen durch Pfalzgraf Wolfgang.4 Die Tilgung der Schuldenlast war eines der Hauptanliegen des noch jungen Pfalzgrafen Philipp Ludwig. Die Lösung der Finanzprobleme sah er in einer günstigen Heirat, zudem versprach er sich dadurch den inneren Ausbau seines Territoriums und die Förderung der Macht der Dynastie.5 Während Philipp Ludwig in militärischen Angelegenheiten weniger offensiv vorging wie sein Vater, war er in seiner religiösen Gesinnung ein ebenso strenger Lutheraner, wie es Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken war,6 ein Umstand, der die Wahl einer geeigneten Ehekandidatin beeinflussen sollte.

Mit der Unterstützung der Stände und äußerster Sparsamkeit gelang es Philipp Ludwig, die Schulden seines Vaters abzutragen. Bezieht man die wirtschaftliche Krise des 16. Jahrhunderts in diese Entwicklung mit ein, kann dies als eine große Leistung bewertet werden.7 Die bei der Gründung Pfalz-Neuburgs festgesetzten Einnahmen von 24.000 Gulden konnte Philipp Ludwig zudem erheblich steigern. Er erließ wirtschaftliche, polizeiliche sowie kirchliche Ordnungen, durch die er das junge Territorium stabilisieren und lebensfähiger machen konnte. Von Anfang an verfolgte Philipp Ludwig zudem eine Erweiterungspolitik, bei der er auf die Unterstützung der Stände zählen konnte. Anlässlich seiner Hochzeit im Jahr 1574 schenkten ihm die Stände die Reichsherrschaft Ehrenfels, die sie durch Kauf erworben hatten. Diese Schenkung findet sich in den handschriftlichen Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit (1574) verzeichnet: Darin heißt es, dass die Neuburgische Landschaft durch die Landstände seiner fürstlichen Gnaden die Herrschaft „Ernfelßs“ (M Bl. 110r) geschenkt habe.8 In einem größeren reichspolitischen Rahmen waren die Landkäufe durch Philipp Ludwig gewiss bescheiden; zu großem Landerwerb reichten seine finanziellen Mittel nicht aus. Der günstige Fall, dass eine Erbtochter ganze Territorien mit in die Ehe einbrachte, war selten geworden.

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Bereits 1571 hegte der junge Fürst Heiratsabsichten. Sein Bestreben richtete sich auf die älteste Tochter Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, Marie Eleonore. Diese Pläne unterbreitete Philipp Ludwig einem verwandten und zugleich vertrauten Fürsten, Pfalzgraf Reichart von Pfalz-Simmern. Dieser hatte Beziehungen zum Düsseldorfer Hof und nahm Kontakt mit dem Hofrat Heinrich Rudolf von Weeze auf, jedoch ohne das Wissen, dass bereits Brandenburg und Württemberg um Marie Eleonore warben. Gleichzeitig äußerten die Räte um Philipp Ludwig10 Bedenken über eine baldige Hochzeitsfeier, da die Schuldenlast noch zu hoch sei. 1572 wurde dann verkündet, dass die älteste Tochter bereits an Herzog Albrecht Friedrich von Preußen versprochen sei, die zweitälteste Tochter aber noch frei wäre. Philipp Ludwig ließ daraufhin Informationen über Anna von Jülich-Kleve-Berg einholen.11

Energisch suchte er die Verbindung mit dem angesehenen Fürstenhaus Jülich, sei es, um sein persönliches Ansehen durch die Heirat mit einer Enkelin des Kaisers zu steigern oder auch um eine vermögende Frau zu bekommen. Denn Herzog Wilhelm trug als Herrscher über ein fruchtbares Territorium am Niederrhein nicht ohne Grund den Beinamen „der Reiche“.12

Der Brautvater Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg hatte in der Nachfolge seines Vaters Herzog Johann III. von Jülich-Kleve-Berg, Graf von Mark und Ravensberg ein reiches Erbe antreten können:

Es umfaßte die Herzogtümer Jülich, Berg und Kleve, die Grafschaften Mark und Ravensberg, die Herrschaft Ravenstein sowie Streubesitz in anderen Territorien, vor allem im Erzstift Köln. Von Kurköln unterbrochen – und abgesehen von der Grafschaft Mark – erstreckte sich die Landmasse dieses Territoriums von Sinzig bis Emmerich. Die beiden Hauptteile, Jülich und Berg einerseits, Kleve und Mark ←17 | 18→andererseits, hatten eine eigene Regierung in Düsseldorf und Kleve sowie eigene Landtage.13

Um die fehlende Landverbindung zwischen Jülich und Kleve herzustellen, versuchte Wilhelm im großen Stil sein Territorium durch die Erwerbung Gelderns nach Norden hin zu erweitern. Kaiser Karl V. hingegen beanspruchte Geldern für das Haus Habsburg als Teil der burgundischen Erbschaft. Der Kaiser befürchtete außerdem eine antihabsburgische Koalition an der niederländischen Grenze, die es zu vermeiden galt. Die Gefahr sah er vor allem in Wilhelms „Hinneigen zum Protestantismus“.14 1543 wurde Wilhelm schließlich militärisch gezwungen, auf Geldern zu verzichten.15 Zudem musste er dem Kaiser das Versprechen geben, die katholische Lehre in seinen Ländern zu sichern (Vertrag von Venlo, siehe dazu auch Kapitel 4.4.4).16 Eine weitere Absicherung sah der Kaiser wohl in der Verbindung seiner Nichte mit dem Herzog von Jülich-Kleve-Berg, die 1546 stattfand (vgl. Abbildung 15).17 Maria von Habsburg ←18 | 19→muss sehr isoliert am Hof ihres Ehemannes gelebt haben. In den Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit wird sie nicht genannt, da sie bei der Hochzeit nicht persönlich anwesend war. Else Rümmler beschreibt Maria von Habsburg als „stille, kränkliche Frau“.18 In der Brautkutsche saß an ihrer Statt ihre Schwester Anna von Habsburg, die mit Herzog Albrecht V. von Bayern verheiratet war (vgl. M 56v).19 Für Philipp Ludwig bedeutete diese Verbindung eine gewisse verwandtschaftliche Nähe zu Kaiser Maximilian II., dem Bruder der Brautmutter, sowie auch zu den bayerischen Nachbarn.20

Das Erbe Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg schien zunächst durch seine Söhne gesichert: Seine Nachfolge sollte sein ältester Sohn Karl Friedrich übernehmen. Dem zweitältesten männlichen Nachkommen, Johann ←19 | 20→Wilhelm, stand der Bischofsstuhl von Münster in Aussicht. 157321 verheiratete Wilhelm seine älteste Tochter, Marie Eleonore, an den Herzog Albrecht Friedrich von Preußen (vgl. Kapitel 4.4.1). Im Heiratsvertrag musste dieser eine Verzichtserklärung zugunsten der beiden Söhne Wilhelms unterschreiben. Unter Vorbehalt stand jedoch die Situation, dass bei dem Tod beider männlicher Nachfolger ohne die Hinterlassenschaft eines Erben, die älteste Tochter sukzessionsfähig sei. Obwohl das Eintreten einer solchen Situation – der Tod beider männlicher Nachfolger – vielleicht zu dieser Zeit noch nicht absehbar war, deutete der schlechte Gesundheitszustand der Erben bereits auf eine gewisse Aussicht hin: Karl Friedrich zeigte Anlagen zur Tuberkulose, Johann Wilhelms Verhalten deutete auf eine Geisteskrankheit hin.22

Philipp Ludwig konnte sich also mit einiger Gewißheit ausrechnen, daß ihm durch die Verbindung mit dem Jülicher Hause wenigstens politische Vorteile, vielleicht eine [Regentschaft], möglicherweise aber sogar größere Gewinne zufallen könnten. Solche Überlegungen, die man bei dem immer zielstrebigen Vorgehen Philipp Ludwigs voraussetzen darf, bewogen ihn wohl, sich dem Jülicher Hause zu nähern und um die Hand Annas, der zweitältesten Tochter des Herzogs, anzuhalten.23

An dieser Stelle ist interessant zu erwähnen, dass der drei Jahre jüngere Bruder Philipp Ludwigs, Pfalzgraf Johann I. von Zweibrücken, 1579, also fünf Jahre nach der Hochzeitsfeier in Neuburg an der Donau, die jüngere Schwester Annas, Magdalena von Jülich-Kleve-Berg, ehelichte (vgl. hierzu Kapitel 2.1.2). Johann blieb nach dem Tod des Vaters aus Ersparnisgründen zunächst bei Philipp Ludwig in Neuburg. Erst 1575 übernahm Johann selbst die Regierung in Zweibrücken.24

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Nachdem die Verbindung zwischen Marie Eleonore und dem Herzog von Preußen entschieden war – Philipp Ludwigs Bestreben richteten sich, wie zuvor erwähnt, zunächst danach, eine Verbindung mit der ältesten Tochter Herzog Wilhelms einzugehen – konnte Philipp Ludwig seine Bemühungen um die Hand der fünf Jahre jüngeren Anna von Jülich-Kleve-Berg intensivieren. Nach einem Bericht seines Dieners Johann Ringelheim25 über die Jungherzogin musste lediglich noch die Religionsfrage geklärt werden. Allerdings wurden seine Absichten zuerst zurückgestellt, da der jülichsche Hof 1573 zu sehr mit der Hochzeit der ältesten Tochter in Königsberg beschäftigt war. Im Februar 1574 trat Philipp Ludwig schließlich, unter Geheimhaltung der Heiratspläne, seine Reise zum Niederrhein an. Einen Monat später wurde eine Kommission, bestehend aus gleichgewichtig 14 Hofräten, zur Ausarbeitung eines Heiratsvertrages zusammengestellt.26 Der Termin wurde auf den 30. August 1574 festgelegt und Anna sollte mit Begleitung nach Neuburg reisen.27 Die Verlobung von Philipp Ludwig mit Anna wurde am 21. März 1574 gefeiert (vgl. A Bl. 199r). Danach reiste Philipp Ludwig wieder zurück nach Neuburg.28

Der nachfolgende Abdruck der Ölgemälde aus dem Jahr 1577 zeigt das Brautpaar der Neuburger Hochzeit, Anna und Philipp Ludwig:

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Abbildung 1: Pfalzgraf Philipp Ludwig von Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg. Beide Gemälde werden heute im Haus der Bayerischen Geschichte aufbewahrt. Brauner 1968, S. 125.

1.3 Der Festverlauf der Neuburger Hochzeit

Anhand der Münchner Handschrift soll überblickartig der Festverlauf der Hochzeit 1574 in Neuburg skizziert werden. Der genaue Festverlauf, wie ihn die erzählenden Quellen beschreiben, ist der Edition (Kapitel 3.2, Band 2) zu entnehmen. Zwischen der Vereinbarung zur Eheschließung zwischen Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg und dem Hochzeitsfest in Neuburg an der Donau lagen nur wenige Monate: von April bis September 1574. Lediglich die Münchner Handschrift beinhaltet einige Informationen über die Vorbereitung der Verpflegung. Zu den sonstigen Vorbereitungsmaßnahmen, wie der Beschaffung und Anfertigung der Kleider29 oder der Herrichtung des Schlosses, ←22 | 23→überliefern die Handschriften keine Informationen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass mit der Festsetzung des Termins für die Hochzeit an dem gastgebenden Hof eine fieberhafte Aktivität ausbrach.30 Die Bühne für das Turnierspektakel und der Festsaal mussten hergerichtet werden. Kostbare Kleider und Schmuckstücke wurden besorgt und die Kanzlei war mit der Anfertigung und Übersendung der Einladungen beschäftigt.31 Auch wird in der Aufzeichnung nicht für alle adligen Gäste berichtet, wo diese untergebracht waren, ob im Schloss selbst Zimmer hergerichtet wurden oder ob ein Teil der Geladenen außerhalb des Schlosses Quartier beziehen musste.32 Kurt Schöndorf konnte anhand überlieferter Korrespondenzen zu den Vorbereitungen dieser Hochzeitsfeier herausarbeiten, dass

[z]um Gelingen des Festes […] es der Mitwirkung des gesamten Amts- und Landadels [bedurfte], der vor allem zur Bedienung der Gäste vom Fürsten bestellt wurde. Die Beschaffung der Victualien, einschließlich der Getränke und des Pferdefutters, lag in den Händen der Hofmeister und des Marschalks Heinrich von Stein, sowie deren Gehilfen, Lorenz Nockel und Hans Öfelin. Höchste Anforderungen wurden an die fürstliche Verwaltung gestellt. Die Versorgung der Gäste samt ihrem Tross mit Unterkünften verlangte das Mitwirken nicht nur der städtischen Bürgerschaft, sondern auch der Bewohner des Umlandes. Listen zur Einlosierung mit Angabe der Zimmer und Betten, sowie der Stellplätze für Pferde in der Stadt und den beiden Vorstädten wurden erstellt.33

Heinrich von Stein wird in den Quellen zur Neuburger Hochzeit im Futterzettel des Bräutigams Philipp Ludwig aufgeführt: „Hainrich vom Stain zue Niderstotzingen, Obrister unnd diser Zeit verordneter Hofmarschalckh“ (M Bl. 15r). Er wird weiterhin in Ausübung seiner Funktion „alls verordneter Marschalckh“ (M Bl. 47v, siehe außerdem M Bl. 54v) beschrieben. ←23 | 24→In der Münchner Handschrift wird die Ankunft der ersten Gäste auf den 22. September 1574 (Mittwoch) datiert (vgl. M Bl. 23r). Das eigentliche Festprogramm beginnt jedoch erst mit dem Eintreffen der Braut am 26. September. Diese traditionelle Brauteinholung findet an einem Sonntag statt, gemäß dem spezifischen Festmuster im Spätmittelalter, nach dem sonntags das Fest begann und das auch noch bis in die Frühe Neuzeit hinein maßgeblich den Ablauf der Feste bestimmte.34 Das Entgegenreiten ist das übliche Zeremoniell und ein Zeichen der Ehrerweisung.35 Zudem kam dieses Verfahren dem Repräsentationsbedürfnis entgegen, da man einen pompösen Einzug in den Festort zelebrieren konnte. Im Gegensatz zu den räumlich festgelegten Feiern, konnten bei dem dahinziehenden Tross der Braut weit mehr Menschen an der Zurschaustellung des Reichtums teilhaben.36

Um der Braut entgegenzureiten, versammeln sich der Bräutigam und seine Delegation auf den Wiesen vor der Stadt Neuburg, um in vorbestimmter Formation die Braut an dem vereinbarten Ort Stepperg zu begrüßen. Den Quellen zufolge gab es kein überschwängliches Begrüßungszeremoniell der beiden aufeinandertreffenden Gruppen. Die Begrüßung der Fürsten findet zu Pferd statt,37 worauf sich die Gruppen neu zu einer Delegation formieren, die erst spät abends Neuburg erreicht.

An dem folgenden Montag (27. September 1574) findet die Trauungszeremonie in dem großen Saal des Neuburger Schlosses statt. Die Vermählung wird durch den Hofprediger Philipp Ludwigs durchgeführt, wonach die Trauung der reformierten Kirche gemäß abgehalten wurde. Zu vermissen bei der Aufzeichnung ist eine ausführliche Beschreibung der Kleidung des Brautpaares, insbesondere der Braut. „[Dabei war] [e]ine prunkvoll geschmückte Braut […] nicht nur für das Prestige des Elternhauses ←24 | 25→maßgebend, sondern auch für die Familie des Bräutigams“.38 Anschließend kommt die Festgesellschaft zum fürstlichen Festmahl zusammen. Die Gäste sitzen an einer langen Tafel. An der Stirnseite des langen Tisches nimmt das Brautpaar Platz: Anna auf der rechten Seite, zu ihrer Linken Philipp Ludwig. Die Sitzordnung der Gäste war üblicherweise auf ihre soziale Stellung hin ausgerichtet. Eine besondere Wertschätzung des Gastes war es, wenn er den Platz direkt neben dem Gastgeber zugewiesen bekam.39 Nach dem Essen findet der traditionelle Tanz des Brautpaares statt. Zusätzlich inszeniert wird dieser Akt durch die Herzöge Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und Albrecht V. von Bayern, die mit Fackeln dem Paar vor- und nachtanzen.40 Nach den Tänzen werden Braut und Bräutigam aus dem großen Saal in das Schlafgemach geführt. Charakteristisch werden die Eheleute nur von einem exklusiven Kreis der Gäste in das Gemach begleitet. Der weltliche Akt des Beilagers bestand meist in einem symbolischen Zudecken des in einem Bett liegenden, voll bekleideten Brautpaars. Mit dieser Zeremonie werden zum einen der Ehevollzug und zum anderen der Übergang der Braut aus der Verantwortung des Vaters in die des Ehemannes markiert.41

Dienstags beginnt der Tag mit der Morgengabe und dem traditionellen Gottesdienst am Morgen nach der Trauung. Danach erfolgt die Übergabe der Hochzeitsgeschenke durch die Gäste in rangmäßiger Abstufung. Der Höhepunkt des anschließenden Festessens sind die dreizehn Schaugerichte, die Szenen aus der Bibel und der griechischen Mythologie zeigen.

An den beiden folgenden Tagen finden die Turnierveranstaltungen statt: mittwochs das Ringrennen, donnerstags das Fußturnier. Bei der Beschreibung des Turniers zu Pferd steht weniger das eigentliche Turnieren im Vordergrund, als vielmehr der inszenierte Auftritt der Turnierteilnehmer, die diese Gelegenheit als beeindruckende Möglichkeit der Repräsentation ←25 | 26→ihres Ranges nutzen. Der Bräutigam selbst fährt verkleidet als griechische Göttin auf einem Triumphwagen auf den Turnierplatz. Der Aufzug der einzelnen Parteien zum Turnier kommt einer Choreographie gleich, bei der die Fürsten als Akteure fungierten. „[D]emnach [standen] die Fürsten im Zentrum, sie unterhielten sich selbst und feierten sich selbst in der Gemeinschaft“.42 Nach dem Fußturnier an dem 30. September 1574 wurde abends zur Unterhaltung der Gäste ein Feuerwerk arrangiert. Dieses soll bis spät in die Nacht gedauert haben und bildete den letzten Unterhaltungspunkt der fünftägigen Hochzeitsfeierlichkeit.

Franz Anton Förch weist darauf hin, dass die Vermählung in Neuburg mit fürstlicher Pracht gefeiert wurde. Auch alle Stände hätten sich dazu hinreißen lassen, ihre Freude über diese Verbindung kundzutun. Herausgehoben vom Autor wird insbesondere die Anwesenheit Herzogs Albrecht V. von Bayern.43

 

1 Amberg, Staatsarchiv, Fürstentum Pfalz-Sulzbach, Geheime Registratur 2708. Im Folgenden betitelt als Amberger Handschrift. Zitiert als: A. München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakte 72/3. Im Folgenden betitelt als: Münchner Handschrift. Zitiert als: M. Zweibrücken, LBZ / Bibliotheca Bipontina, Hs 17 B. Im Folgenden betitelt als: Zweibrücker Handschrift. Zitiert als: Z. VD16 H 2601, Exemplar München, Bayerische Staatsbibliothek, Res/L.eleg.m. 271 b. (Franckfurt am Mayn 1576, Sigmund Feyerabend.) Im Folgenden zitiert als: D. Um Zitate aus den Quellen nachzuweisen, werden die Siglen im Fließtext in runde Klammern gesetzt. Textauszüge aus den der Edition zugrunde gelegten Quellen werden den Editionsprinzipien gemäß in der Arbeit zitiert. Vgl. hierzu Kap. 3.1.2. Zitate aus anderen Quellen werden der Vorlage entsprechend übernommen. Angaben innerhalb der Zitate in eckiger Klammer entsprechen Ergänzungen der Autorin.

2 Vgl. Förch 1955, S. 59–62.

3 Vgl. Fuchs, Peter: „Philipp Ludwig“. In: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 383–384 [Onlinefassung] URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz35633.html (Zugriff: 11.06.2018). Bei der Testamentseröffnung Herzog Wolfgangs betrug die Schuldenhöhe für Zweibrücken 500.000 fl. und für Neuburg 80.000 fl. Philipp Ludwig übernahm zudem ein Drittel der Zweibrücker Schuldenlast. Vgl. Schöndorf 2009, S. 161 und Anm. 11.

4 Vgl. Kossol 1976, S. 3f.

5 Vgl. ebd., S. 6.

6 Vgl. hierzu auch Geldner 1961, S. 287.

7 Vgl. Roggendorf 1968, S. 7.

8 Vgl. hierzu auch ebd.

9 Ebd.

10 Das Gremium „bestand aus dem Statthalter Endres Fuchs von Bimbach, dem ehemaligen Kanzler in Zweibrücken D. Ulrich Sitzinger, dem Hofmeister Adam von Kreut und dem Kanzler D. Walter Drechsel“. Schöndorf 2009, S. 161.

11 Vgl. ebd., S. 160–162.

12 Ebd., S. 162. Vgl. auch Wackerbauer 1932, S. 99 und Kuhn 1993, S. 63.

13 Roggendorf 1968, S. 8.

14 Ebd. Else Rümmler verweist in ihrem Aufsatz von 1992 darauf, dass bereits der Vater Wilhelms evangelische Prediger an seinem Hof duldete. Zudem verheiratete Johann eine seiner Töchter, Sybille, mit dem Führer der protestantischen Fürsten, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Vgl. Rümmler 1992, S. 15. Kuhn gibt an, dass Wilhelm bereits durch seinen Erzieher Konrad Heresbach mit protestantischem Gedankengut sympathisierte. Vgl. Kuhn 1993, S. 66 und Anm. 11. Somit hatte Philipp Ludwig gute Aussichten auf eine Verbindung mit einer der Töchter des Hauses Jülich-Kleve-Berg, trotz des Konfessionsunterschieds.

15 Zu den kriegerischen Auseinandersetzungen 1543 und der von Herzog Wilhelm erlassenen Verordnung nach seiner Niederlage vgl. Floss 1876, S. 209f. Einen Überblick über den Konflikt zwischen Kaiser Karl V. und Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg um Geldern unter Einbezug zahlreicher zeitgenössicher Quellen bietet Crecelius 1887a. Vgl. hierzu außerdem den Beitrag von Keverling Buisman 2001 (mit einer Abbildung des Vertrags, ebd. S. 66) und die Arbeit von Böck 2013, hier S. 655–673.

16 Vgl. zum Friedensschluss von Venlo insb. Lacomblet 1858, S. 679–683, Nr. 547, außerdem Kuhn 1993, S. 68. Zum „Fußfall“ von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg vor Kaiser Karl V. zu Venlo vgl. auch das Exponat Nr. 19 in „Das Goldene Zeitalter des Herzogtums Geldern“ 2001, S. 26, Sp. 2f.

17 Vgl. Roggendorf 1568, S. 8f. und Böck 2013, S. 671. Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg hatte eine Verbindung mit der ältesten Tochter Ferdinands I. angestrebt, die jedoch bereits Herzog Albrecht V. von Bayern versprochen war, vgl. Harleß 1863, S. 15 und Hauser 1986, S. 27. Zur ersten Ehe Herzog Wilhelms V. mit der Tochter des Königs von Navarra und deren Auflösung vgl. insb. Harleß 1863, S. 4–15. Zur Vermählung von Wilhelm mit Maria von Österreich vgl. insb. Küch 1902. Die Reise der Jungherzogin an den Düsseldorfer Hof im Jahr 1546 skizziert Hauser 1986, S. 30–33.

18 Rümmler 1992, S. 16. Zu Maria von Österreich vgl. Wurzbach 1861, S. 19. Crecelius merkt an, dass die sechs Entbindungen innerhalb von zehn Jahren bei Maria zu einem kränklichen Geisteszustand geführt haben, vgl. Crecelius 1887c, S. 2 und Crecelius 1887b, S. 186, außerdem Wackerbauer 1932, S. 99, der von einer schweren Geistesstörung Marias ausgeht. Zu ihren Kindern vgl. Crecelius 1887b, S. 186–194.

19 Zu Anna von Österreich vgl. Hæutle 1870, S. 48 und Wurzbach 1860, S. 151.

20 Zu Kaiser Maximilian II. Vgl. Press, Volker: „Maximilian II.“. In: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 471–475. [Onlinefassung] URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11857938X.html (Zugriff: 15.05.2018). Zu den Verwandtschaftsverhältnissen, die sich für Philipp Ludwig durch eine Heirat ergaben, vgl. auch Schöndorf 2009, S. 162. Welche Vorteile eine politisch günstige Heirat für den Bräutigam darstellen konnte, zeigt Hufschmidt in seinem Beitrag auf, in dem er die Rolle Magdalenas von Bayern am Hof Wolfgang Wilhelms, des Sohnes Philipp Ludwigs von Pfalz-Neuburg und Annas von Jülich-Kleve-Berg, skizziert. Anhand des Briefwechsels der Eheleute arbeitet er heraus, dass Magdalena, die sich sehr für politische Belange interessierte, ihr Netzwerk vorteilhaft für ihren Ehemann einsetzte und als wichtige politische Anlaufstelle in der Residenz fungierte, vgl. Hufschmidt 2004/2005, hier insb. S. 150–165. Zu hochadeligen Frauen und Fürstinnen in der Sozial- und Kulturgeschichte vgl. insb. Rogge 2002.

21 Hermann Josef Roggendorf gibt fälschlicherweise das Jahr 1572 an, vgl. Roggendorf 1968, S. 9. Vgl. dazu die Beschreibung der Hochzeit in Königsberg: VD16 H 2601, Exemplar München, Bayerische Staatsbibliothek, Res/L.eleg.m. 271 b, Bl. 1r bis Bl. 56v.

22 Vgl. Roggendorf 1968, S. 9f. Auch Herzog Albrecht von Preußen, der Gemahl Marie Eleonores, litt unter einer Geisteskrankheit (vgl. dazu auch Kap. 4.4.1).

23 Ebd., S. 11. Vgl. dazu auch Kossol 1976, S. 6 und Schöndorf 2009, S. 162. Zur faktischen Ausübung der Regentschaft bei minderjährigen Regenten vgl. den Beitrag von Kölzer 1993, hier insb. S. 341–343 und 351f.

24 Vgl. Press, Volker: „Johann I.“. In: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 513–514 [Onlinefassung] URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122848381.html#ndbcontent (Zugriff: 7.08.2018).

25 Vgl. Schöndorf 2009, S. 163.

26 Vgl. ebd., S. 165.

27 Vgl. ebd., S. 160–166. Schöndorf stellt ausführlich die Verhandlungen um den Heiratsvertrag sowie die Religionsfrage dar. Vgl. hierzu auch die Handschriften aus München und Zweibrücken, in denen der ursprüngliche Hochzeitstermin im August 1574 angegeben wird, der jedoch aus nicht genanntem Grund um einen Monat verschoben wurde; Z Bl. 5r-5v, M Bl. 10r-10v. Zu Brautfahrten und Übergabemodellen vgl. Kap. 4.3.1.

28 Schöndorf gibt fälschlicherweise den 31. März 1574 an, vgl. Schöndorf 2009, S. 166.

29 Margaretha von der Marck-Arenberg war eine der wichtigsten Vertrauenspersonen der Töchter Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg und sie war auch mitverantwortlich für das Zusammenstellen der Aussteuer der Mädchen. Vgl. Maes 2016, insb. S. 8f., S. 33f., S. 48f. Zu Briefen adliger Frauen als Quellen der Forschung vgl. auch Rogge 2002, S. 246–248 und Buchhester 2015, S. 223–280.

30 Zu den Herausforderungen hinsichtlich Ausstattung und Ressourcen, die eine Feier mit sich brachten, vgl. auch Nolte 2002, S. 159.

31 Vgl. Spieß 2001b, S. 265.

32 Vgl. dazu die Beschreibung zur Düsseldorfer Hochzeit, bei der sich 1585 Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und Jacobe von Baden vermählten. Beschrieben durch Dietrich Graminäus (VD16 G 2797, Cölln 1587, Dietrich Graminäus). Exemplar München, Bayerische Staatsbibliothek, Res/2 Bavar. 381 m. Digitalisat verfügbar. Looz-Corswarem merkt an, dass für die Mitglieder der herzoglichen Familie im Düsseldorfer Schloss jeweils eine eingerichtete Wohnung hergerichtet wurde, vgl. Looz-Corswarem 1993, S. 199.

33 Schöndorf 2009, S. 171, Hervorhebungen im Original.

34 Siehe dazu auch Spieß 2001a, S. 348, Anm. 43.

35 Vgl. Bauer 2008, S. 112 und Spieß 1997b, S. 28.

36 Vgl. Spieß 1993, S. 124.

37 Vgl. hierzu den Brauteinzug der Landshuter Hochzeit, Bauer 2008, S. 113 sowie die Begrüßung Sibylles von Brandenburg bei ihrer Hochzeit mit Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg 1481, Redlich 1904, S. 281. In einer weiteren, nur noch als Nachdruck überlieferten Quelle zur Neuburger Hochzeit bemängelt der Verfasser, dass „[d]ie Braut in freiem Feld, doch ohne Auffschlagen einiger Zelten“ von den Landgrafen begrüßt wird, Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2. Vgl. hierzu auch Anm. 146.

38 Spieß 1993, S. 125. Vgl. dazu auch die Ausführung zu den Kleidern der Brautleute zur Düsseldorfer Hochzeit 1585 durch Graminäus. Er beschreibt detailliert zu jedem Festtag die prunkvolle Ausstaffierung von Braut und Bräutigam.

39 Vgl. Schulz 2011, S. 116. Die überlieferte Sitzordnung in den Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit ist der Edition zu entnehmen. Vgl. hierzu außerdem Kap. 3.3.2.

40 Zum Ehrentanz des Brautpaars im musikwissenschaftlichen Kontext vgl. auch Pietzsch 1960, S. 28f.

41 Vgl. Spieß 2008, S. 97, Sp. 1 und Schröter 1985, S. 125f.

42 Spieß 2001a, S. 354.

43 Vgl. Förch 1955, S. 64.

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2 Überlieferung zur Neuburger Hochzeit

Die unterschiedlichen Überlieferungen zu adligen Festen in der Frühen Neuzeit sind mannigfaltig. Von vielen Fürstenhöfen sind Korrespondenzen zu den Vorbereitungen überliefert: Einladungsschreiben wie die Zu- oder Absagen der Gäste und die Sitzordnungen an der Festtafel wurden zumeist gesondert dokumentiert, in den Rechnungsbüchern finden sich Einträge über die Ausgaben für Viktualien sowie für die Verpflegung der Zug- und Reittiere. Wurde das Fest durch ein Fürstenhaus ausgerichtet, war primär eine Kanzlei mit den Korrespondenzen und Protokollen beauftragt. Vermählungsfeiern im Besonderen, die auf eine Verbindung zwischen zwei Fürstenhäusern zielten, erforderten ein hohes Maß an zeitlich vorangehenden Verhandlungen und Vereinbarungen. Bereits die Terminfindung verlangte organisatorisches Geschick, denn das Zustellen der Einladungen und die darauf folgenden Aktivitäten nahmen geraume Zeit in Anspruch: Die eingeladenen Adligen mussten ihr Gefolge ausstatten und für die Reise aufstellen; die politische Lage im Reich musste ebenfalls berücksichtigt werden, da Reisen durchaus gefährlich waren und eigene Schwierigkeiten mit sich brachten (vgl. hierzu Kapitel 3.3.4).44 Kamen die Gäste aus entlegenen Gebieten oder sogar aus anderen Ländern, hatte nicht nur die schriftliche Einladung einen langen Weg hinter sich zu bringen, sondern auch die Geladenen selbst. Diese Schriftwechsel der Fürstenhäuser und die Einträge in den Rechnungsbüchern sind Teile eines Gefüges, die mit dem heutigen Blick die Feier in einen Gesamtkontext stellen.

Solche Einzelüberlieferungen zu Hochzeitsfeiern sind keine Seltenheit, da sie wesentlicher Bestandteil der Hofverwaltung waren. Dagegen bilden die handschriftlichen Festbeschreibungen – erzählende Texte, die den gesamten Festverlauf beschreiben und dokumentieren –, die nachträglich als ‚Erinnerungsspeicher‘ angefertigt wurden, eher eine Seltenheit. Die großen spätmittelalterlichen Vermählungsfeiern, die der Neuburger Hochzeit zeitlich vorausgehen und in Form handschriftlicher Berichte überliefert ←27 | 28→sind, fanden 1447 in Pforzheim,45 1474 in Amberg46 und Urach47 sowie 1475 in Landshut48 statt. Anhand dieser Feste wird sich zum einen darstellen lassen, dass die Überlieferungslage zum Teil fragmentarisch ist, weswegen der genaue Ablauf der Feierlichkeiten aus mehreren Einzelüberlieferungen – mit Vorsicht – rekonstruiert werden muss, und zum anderen, dass Editionen zu den Quellen mit einiger Zurückhaltung angefertigt werden, obwohl die Feste vielfach in der Forschungsliteratur genannt und einzelne Festelemente beispielhaft angeführt werden.

Bei der Fürstenhochzeit in Pforzheim 1447 vermählte sich Markgraf Karl I. von Baden mit Katharina von Österreich. Die bruchstückhafte Überlieferung lässt keine genauen Schlüsse auf die zeitliche Abfolge und die Ausgestaltung der jeweiligen Zeremonielle zu. Lediglich ein kurzer Bericht ist in einer Handschrift des 15. Jahrhunderts überliefert, jedoch keine vollständige Beschreibung des Festverlaufs. Für dessen Rekonstruktion müssen daher Einzelüberlieferungen, wie Korrespondenzen, Einladungslisten, Verzeichnisse zur personellen Zusammensetzung der Festgesellschaft sowie Tischordnungen, Quartierzuweisungen und Aufzeichnungen zur Organisation einzelner Festelemente herangezogen werden.49 Auszugsweise ist lediglich das Quellenmaterial aus den Regesten der Markgrafen von Baden im Druck zugänglich.50

Die Quellenlage zur Amberger Hochzeit 1474, bei der sich Philipp I., Pfalzgraf bei Rhein, und Margarete von Bayern-Landshut vermählten, lässt ebenfalls nur anhand Einzelüberlieferungen eine Rekonstruktion des Festablaufs zu. Einzelne Ordnungen, Teilnehmerverzeichnisse sowie Aufzeichnungen zur Vorbereitung der Feier werden von einem Bericht des kurpfälzischen Kanzlers und Speyerer Bischofs, Mathias Ramung, ergänzt.51 ←28 | 29→Die zuletzt genannte Quelle wurde für Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz angefertigt, der die Vermählung arrangierte, jedoch aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht persönlich an der Feier teilnehmen konnte.52

Noch im gleichen Jahr fand in Urach die Grafenhochzeit von Graf Eberhard V. von Württemberg und Markgräfin Barbara Gonzaga von Mantua statt, die, wie die Feiern zuvor, durch Einzelüberlieferungen dokumentiert ist. Zudem wurde im 16. Jahrhundert, 70 Jahre nach dem eigentlichen Fest, nachträglich ein Dossier zusammengestellt, das mit einiger Sicherheit eine Kompilation zuvor getrennt überlieferten Schriftguts aus der Uracher Kanzlei aus Anlass der Hochzeit darstellt.53 Transkribierte Auszüge aus der Hochzeitsbeschreibung sind der Arbeit von Gabriel Zeilinger zur Uracher Hochzeit angehängt.54

Einzig die erzählenden Quellen zur Landshuter Hochzeit 1475 sind vollständig in einer Edition erschienen. Überliefert ist die prachtvoll gefeierte Vermählung von Herzog Georg dem Reichen mit der polnischen Königstochter Hedwig in mehreren Berichten,55 die in der von Roman Deutinger und Christof Paulus erarbeiteten Edition nun im Druck zugänglich sind.56 Die Quellen repräsentieren unterschiedliche Perspektiven und lassen so einen umfassenden Blick auf das Großereignis zu.57 Anhand der tabellarischen Quellensynopse wird ersichtlich, dass die jeweiligen Beschreibungsschwerpunkte der insgesamt sieben edierten Schriftzeugen voneinander ←29 | 30→abweichen und dass keine Quelle alle Aspekte des Festablaufs vollständig beinhaltet.58 Dabei wird in der Edition auf einen Paralleldruck der einzelnen Überlieferungen verzichtet; sie folgen aufeinander, inhaltliche Überschneidungen und Ergänzungen werden erst anhand der Quellensynopse erkennbar.

Nach dem zuvor Ausgeführten ist es demnach keine Selbstverständlichkeit, dass die Forschung auf eine breite Überlieferungslage oder umfassende Festberichte zurückgreifen kann, so wie zur Neuburger Hochzeit 1574. Zudem sind handschriftliche Quellen zu Hochzeitsfeiern, ob nun erzählende oder verwaltungsrelevante – mögen diese noch so bekannt in der Forschungsliteratur sein und von dieser bevorzugt als Beispiel für Untersuchungen zur Festkultur herangezogen werden –, nur vereinzelt ediert im Druck zugänglich. Als Quellen für die Forschung ist ihre moderne Erschließung jedoch alles andere als überflüssig. Im Nachfolgenden soll nun die günstige Überlieferungslage zur Feier in Neuburg aufgezeigt werden, die unter anderem vier sich ergänzende, erzählende Berichte zum Festverlauf umfasst.

Zur Neuburger Hochzeit sind, wie bei den zuvor genannten spätmittelalterlichen Feierlichkeiten, verwaltungsrelevante Einzelquellen überliefert, die in Kapitel 2.3 vorgestellt werden. Sie sind jedoch keine wesentlichen Bestandteile der vorliegenden Untersuchung. Ihr sind vielmehr die narrativen Darstellungen der Neuburger Feierlichkeiten zugrunde gelegt, deren Auswahl auf der Gattungsdefinition nach Thomas Rahn basiert59 und deren primärer Schreibanlass die Beschreibung der mehrtägigen Hochzeitsfeier ist. Die vier Schriftzeugen, drei handschriftliche Beschreibungen sowie ein Druck, lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. Die Aufteilung ergibt sich aus der Angliederung des Berichterstatters: eine Quellengruppe berichtet aus der Perspektive des gastgebenden Hofes (Münchner und Zweibrücker ←30 | 31→Handschrift), die andere fokussiert den Brautvater (Amberger Handschrift und Druck aus dem Jahr 1576). Die erzählenden Quellen zur Neuburger Hochzeit bieten also eine besondere Perspektivendifferenz, die umfassende Einblicke in die Geschehnisse 1574 erlaubt, auf die in den Unterkapiteln unter 2.1 näher eingegangen wo außerdem deren Verhältnis zueinander diskutiert wird (Kapitel 2.2).

Eine weitere Besonderheit, die bereits angeklungen ist, sind die unterschiedlichen Überlieferungsträger: Zur Neuburger Hochzeit sind sowohl handschriftliche Berichte als auch eine gedruckte Beschreibung überliefert, deren Funktionen voneinander abweichen. Während Drucke in ihrer Gebrauchsfunktion meist überindividuell angelegt sind, da sie eine sozial heterogene Leserschaft adressieren, werden Handschriften für die individuelle Familien-memoria in Auftrag gegeben, womit sie nur für ein begrenztes Lesepublikum zugänglich sind.60 Ihre Konzeption ist somit eine grundlegend andere. Anhand der besonderen Überlieferungslage zur Neuburger Hochzeit wird es zusätzlich möglich sein, diese konzeptionelle Differenz aufzuzeigen und zu analysieren.

Beide Besonderheiten, sowohl die Perspektivendifferenz als auch die konzeptionell bedingte Differenz, werden in der Edition Berücksichtigung finden.61 Die edierten narrativen Quellen zur Neuburger Hochzeit werden durch die vorliegende Arbeit somit auch für nachfolgende Untersuchungen zugänglich gemacht.

2.1 Beschreibung der narrativen Quellen

2.1.1 Die Münchner Handschrift
München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakte 72/3

In der Münchner Handschrift wird das Festgeschehen der Hochzeit in Neuburg (1574) von einem unbekannten Verfasser aus der Perspektive des Bräutigams beschrieben. Am Neuburger Hof wurden die Feierlichkeiten ausgerichtet, demnach stehen die Organisation und die Ausrichtung ←31 | 32→des Festes im Fokus. Der Bericht beginnt mit dem Aspekt der Terminfindung und -verschiebung. Ursprünglich sollte die Hochzeit bereits am 30. August 1574 stattfinden (vgl. M Bl. 10r), jedoch „seind […] bewegliche Uhrsachen fürgefallen“ (M Bl. 10v), weswegen die Eheschließung auf den 26. September desselben Jahres verschoben wurde. Konkret benannt werden die Ursachen vom Verfasser nicht. Eine solche kurzfristige Umorganisation der Feierlichkeiten bedeutete jedoch einen erheblichen Aufwand für den Neuburger Hof, mussten doch neue Einladungen verschickt (vgl. M Bl. 11r-14r) und die Vorräte in Küche und Kellern neu geplant werden. Einblicke in die Vorrats- und Speiseplanung erlauben die nachgestellten Verzeichnisse über die Ausgaben (vgl. M Bl. 166r-172v). Innerhalb des gewählten Quellenkorpus sind diese Verzeichnisse singulär in der Münchner Handschrift überliefert. Auch die Auflistung der Organisationsverantwortlichen („Statthalter Endriß Fuchs unnd Christoff Landschad, Hoffmeister“, M Bl. 174r), der bestellten Diener (M Bl. 174r-175v) sowie die Zusammenstellung der Gastgeschenke und deren Kosten (M Bl. 178r-190r) zeugen von dem Gebrauchswert der Verschriftlichung für die Auftraggeber: die Familie des Bräutigams und des Neuburger Hofes. Bedingt durch diese Nähe zur unmittelbaren Festorganisation sind die Futterzettel der ankommenden Delegationen eingeflochten in den Beschreibungstext (M Bl. 14v-78v). Dabei resultiert die Reihenfolge der Futterzettel aus der zeitlichen Ankunft der Gäste.

Nach Schöndorfs These ist diese Hochzeitsbeschreibung

Aus diesem Grund betont Schöndorf, dass die Nennung der Gesamtzahl der Pferde aus dieser Handschrift (insgesamt 2505 Tiere, vgl. M Bl. 78v) der Wahrheit am nächsten läge.63 Im Vergleich dazu werden in der Amberger Handschrift 2417 (vgl. A Bl. 252v) und in der Druckfassung 2469 Pferde (vgl. D Bl. 142v) angegeben. Die Differenz kann nach eigener Untersuchung ←32 | 33→nicht an der zahlenmäßigen Abweichung einer Delegation festgemacht werden, sondern ergibt sich durch mehrere unterschiedliche Summenangaben in den Futterzetteln.

Schöndorfs Vermutung über den Verfasser der Handschrift muss eine Mutmaßung bleiben, denn namentlich werden weder dieser noch der Adressat genannt. Sehr wahrscheinlich war diese Handschrift als binnenhöfisches Erinnerungswerk konzipiert.64 Die Textbestandteile stellen sich in der Übersicht wie folgt dar:

Insgesamt nimmt die handschriftliche Beschreibung der Feier einen Umfang von 200, beidseitig beschriebenen Blättern in Anspruch. Die jeweilige Blattnummer ist auf der Recto-Seite rechts oben mit arabischen Ziffern angegeben, wobei es sich um eine moderne und nicht um eine zeitgenössische Foliierung handelt. Die Ränder des Papiers sind großzügig eingeteilt. Zur Strukturierung des Textes arbeitet der Schreiber mit Absätzen und Überschriften. Letztere werden durch eine andere Schrift – einer Fraktur-Schrift – wie auch durch einen größeren Schriftgrad hervorgehoben. Die ersten Zeilen nach den Überschriften sowie Hervorhebungen im Fließtext markiert der Schreiber durch die Verwendung der Fraktur-Schrift. Der Haupttext dagegen ist in einer Kurrentschrift abgefasst. Als weiteres optisches Gliederungselement verwendet diese Handschrift im Quartformat Rubrizierungen. Zumeist werden Überschriften und Anfangszeilen mittels roter Tinte hervorgehoben. Innerhalb des Quellenkorpus ist sie die einzige Quelle, die überhaupt mit einem solchen farbigen Schmuck- bzw. Gliederungselement ausgestattet wurde. Trotz der tendenziell schlichten Gestaltung ist ein gewisser repräsentativer Charakter zu erkennen: Die Schrift ist gleichmäßig und mit Sorgfalt niedergeschrieben,65 die Papierbögen sind großzügig eingeteilt und zahlreiche Blätter bleiben unbeschrieben (M Bl. 1v-9v, 160v-161v, 165v, 173v, 176r-177v, 190v-191v). In dieser Handschrift sind, wie in den übrigen Textzeugen, keine Illuminationen zu den Hochzeitsfeierlichkeiten abgebildet.

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Tabelle 1: Binnengliederung der Münchner Handschrift

Handschrift M

Titela

Bl. 1r

Vorbereitung des Hochzeitsfestes (darin: Nennung der eingeladenen Gäste)

Bl. 10r-14r

Ankunft der Gäste (Futterzettel, darin: Ankunft und Begrüßung des Brautvaters und der Braut in Lauingen)

Bl. 14v-50r

Brauteinholung, 26. September 1574 (darin: Futterzettel Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg)

Bl. 50r-64v

weitere Futterzettel

Bl. 64v-78v

Sitzordnung, 26. September 1574

Bl. 79r-81r

Sitzordnung, 27. September 1574, vormittags

Bl. 81r-83v

Trauungszeremonie

Bl. 83v-89v

Sitzordnung, 27. September 1574, abends

Bl. 89v-96r

Tanz

Bl. 96r-97v

Beilager der Brautleute

Bl. 97v-98r

Morgengabe (28. September 1574)

Bl. 98r-99r

Einsegnung des Brautpaars

Bl. 99r-104r

Geschenke der Gäste

Bl. 104r-113v

Sitzordnung (morgens und abends)

Bl. 113v-117v

Ringrennen (29. September 1574)

Bl. 117v-139v

Fußturnier (30. September 1574)

Bl. 139v-156r

Feuerwerk

Bl. 156r-157r

Abreise der Gäste

Bl. 157r-160r

Beschluss

Bl. 159v

Verzeichnis Schauessen

Bl. 162r-165r

Verzeichnis der Küchen-, Kellerei- und der Futterausgaben

Bl. 166r-173r

Verzeichnis der aufwartenden Personen

Bl. 174r-175v

Verzeichnis der Ausgaben für Geschenke

Bl. 178r-182r

Verzeichnis der Namen der Beschenkten

Bl. 182v-190r

Zusammenstellung aller Ausgaben

Bl. 192r-199r

a Vgl. zum Titelblatt Abbildung 11 und Kapitel 4.2.1.

←34 | 35→

Aufbewahrt wird die Handschrift in Folio Format in dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv in der Abteilung Geheimes Hausarchiv. Kontext der Überlieferung sind die Korrespondenzakten der Pfälzer und Pfalz-Neuburg Akten. In dem Archivkarton mit der Signatur 72/3 werden insgesamt vier Korrespondenzakten verwahrt. Drei dieser vier Manuskripte sind zusammengebundene, aus wenigen Lagen bestehende Hefte, die sich thematisch auf die Hochzeit in Neuburg an der Donau beziehen. Als viertes Manuskript befindet sich die Münchner Festhandschrift in dem Archivkarton. Sie ist in einen einfachen Koperteinband eingebunden, wobei der vordere Deckel des Einbands fehlt. Die Lagenstruktur ist nicht regelmäßig, die einzelnen Lagen bestehen aus zwischen drei und acht Doppelblättern pro Lage. Es ergibt sich folgende Lagenstruktur: (III+1)7+VIII157+IV161+II165+VI177+IV185+III191+IV203.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Münchner Handschrift innerhalb des Quellenkorpus die Festaktivitäten in Neuburg an der Donau am detail- und umfangreichsten schildert. Ihren Beschreibungsfokus legt sie auf den Bräutigam und seine Familie, weswegen ein Schreibauftrag seitens dieser Familie vermutet werden kann. Konkrete Verfasserangaben, Provenienzvermerke, Widmungen oder Vergleichbares fehlen.66

2.1.2 Die Zweibrücker Handschrift
Zweibrücken, LBZ / Bibliotheca Bipontina, Hs 17 B

Wie bereits für die Münchner Handschrift existieren für die Zweibrücker Handschrift keine Provenienzvermerke. Jedoch existiert zu dieser Handschrift ein Katalogeintrag, der Karl I. von Pfalz-Birkenfeld als ersten greifbaren Besitzer benennt. Ob er tatsächlich der erste Besitzer und zugleich Auftraggeber war, ist jedoch zweifelhaft. Karl wurde 1560 als jüngster Bruder Philipp Ludwigs in Neuburg geboren und war zum Zeitpunkt der Hochzeit gerade 14 Jahre alt. Da sein Vater schon neun Jahre später verstarb, übernahmen Ludwig VI. von der Pfalz und Wilhelm IV. von Hessen ←35 | 36→die Vormundschaft und bis 1584 auch die Regierung. Erzogen wurde der junge Karl an den Höfen von Heidelberg und Dresden. Womöglich wurde er in Heidelberg durch das kulturelle Erbe Ottheinrichs von Pfalz-Neuburg beeinflusst, denn Karl galt, wie Ottheinrich, als gelehrt und ließ auf seinem Schloss Birkenfeld eine bedeutende Bibliothek anlegen. Seine Sammlung ist es auch, die den Grundstock der fürstlichen Sammlung der Bibliothek in Zweibrücken ausmacht.67

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Abbildung 2: Nennung der Zweibrücker Handschrift im Nachlasskatalog Herzog Karls I. von Pfalz-Birkenfeld aus dem Jahr 1602. München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Pfalz-Neuburg Akten 170, Katalog der Bibliothek Karls I. zu Birkenfeld, Bl. 47v.

Da Karl schon früh eine Liebe zu Büchern entwickelte,68 ist es nicht ausgeschlossen, dass die Aufzeichnung der Hochzeitsfeierlichkeiten ein Geschenk zur Erweiterung seiner Bibliothek war, auch wenn sie nicht explizit für ihn in Auftrag gegeben worden sein sollte. Sicher gesagt werden kann, dass die Zweibrücker Handschrift vor 1602 in den Besitz Karls gelangte, da sie in dem Bestandskatalog aus dem Jahr 1602 nachgewiesen ist:

„Beschreibung[en] der fürstlichen Hochzeit Hertzogs Philips Ludwigen Pfaltz Graffen e[tc.], mit Henden gethan. In Braun Copert gebunden.“ Damit kann für diese Handschrift die Zeitspanne ihrer Entstehung eingegrenzt werden: Der terminus post quem ist die Hochzeitsfeier 1574, der ←36 | 37→terminus ante quem ist der Bestandskatalog aus dem Jahr 1602, sodass sich eine Zeitspanne von weniger als 30 Jahren ergibt.

Die Handschrift könnte aber auch für den jüngeren Bruder Herzog Philipp Ludwigs von Pfalz-Neuburg, Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, angefertigt worden sein. Johann heiratete 1579 in Bergzabern die jüngere Schwester Annas von Jülich-Kleve-Berg, Magdalena von Jülich-Kleve-Berg. Diese Hochzeit sollte nach dem Vorbild der Neuburger Hochzeit ausgerichtet werden.69 Da hierzu keine eigenständige Hochzeitsbeschreibung überliefert ist, stützen sich die Untersuchungen auf die erhaltenen Verwaltungsschriften.70

Johann wurde im Jahr 1550 als zweitältester Sohn Herzog Wolfgangs von Pfalz-Zweibrücken und Pfalz-Neuburg geboren. Wolfgang legte testamentarisch fest, dass seinem Zweitgeborenen im Alter von 24 Jahren das Herzogtum Zweibrücken zufallen sollte. Da Johann beim Tod seines Vaters 1569 jedoch erst 19 Jahre alt war, wurde die Verwaltung des Herzogtums von seinen Räten Christoph Landschad, Philipp von Gemmingen, Johann Stieber und Heinrich Schwebel übernommen. 1575 übernahm Johann selbst die Regentschaft und damit auch eine immense Schuldenlast, die noch aus der Regierungszeit seines Vaters und dessen Kriegszug nach Frankreich stammte,71 ähnlich der Situation bei der Regierungsübernahme Pfalz-Neuburgs durch Philipp Ludwig (vgl. Kapitel 1.2).

Die Verhandlungen über die Eheschließung in Bergzabern hat August Brauner aufgearbeitet.72 Zunächst sollte die Hochzeit in Düsseldorf stattfinden, wodurch Johann einige Unkosten erspart geblieben wären. Jedoch sollte dies nur unter der Bedingung geschehen, dass das Brautpaar durch den Hofkaplan getraut wird. Damit waren die Zweibrücker jedoch nicht ←37 | 38→einverstanden. Aus diesem Grund einigte man sich darauf, die Feier im Herzogtum Zweibrücken auf des Bräutigams Kosten, dafür aber nach dem Neuburger Vorbild und der Zweibrücker Kirchenordnung gemäß auszurichten.73 In diesem Kontext ist es interessant herauszustellen, dass nur in der Zweibrücker Handschrift ausdrücklich formuliert wird, dass die Trauung gemäß der protestantischen Kirchenordnung stattfand:

Nach dem gesang seindt die fürstliche Newe Eheleut herfur gedretten unnd durch den Vorgedachten Pfarrer, vermög des Herrn breutigams Kirchenordnung, die wort sambt dem gebett, wie mans bei zusamengebung der Eheleut zuhalten pflegt, verlesen (Z Bl. 45v).

In der Münchner Handschrift wird lediglich verzeichnet, dass „der Pfarrer die wortt auß der Kirchenordnung, wie mans bey zuesamen gebung der eheleut zuehalten pflegt, sambt dem hernach volgenden gebeth“ (M Bl. 102r-102v) gesprochen habe. Dieses Indiz spricht für die Vermutung, dass die Handschrift aus Zweibrücken als Vorlage für die Hochzeit in Bergzabern 1579 abgeschrieben wurde, denn dann liegt das explizite Hinweisen des Verfassers auf die protestantische Trauungszeremonie nahe.

Weiterhin sind zu den Vorbereitungen zum Bergzabener Hochzeitsfest und zu den Verhandlungen Korrespondenzen überliefert, aus denen hervorgeht, dass der Brautvater Herzog Wilhelm mehrfach darauf hinwies, es solle alles wie zu Neuburg geschehen.74 Der Bräutigam Johann befahl seinem Kanzler Johann Stiber seinerseits, dass er für seine Rede zur Morgengabe die Rede der Neuburger Hochzeit kopieren solle (selbstverständlich mit geänderten Personennamen). Selbst für die Gesamtorganisation des Festes beauftragte Johann den Hofmeister Christoph Landschad, der bereits für die Organisation der Hochzeit seines ältesten Bruders in Neuburg mitverantwortlich war75 – weitere Indizien dafür, dass die Zweibrücker Handschrift als Vorlage für die Festlichkeiten in Bergzabern angefertigt worden sein könnte. Auch Schöndorf äußert diese Vermutung:

←38 | 39→

Lars G. Svensson dagegen gibt im Katalog zu den Handschriften der Bibliotheca Bipontina an, dass es sich um eine Abschrift für den Pfalzgrafen Friedrich von Vohenstrauß – auch einen Bruder Philipp Ludwigs – handelt.77 Dieser wurde, wie auch Karl, nach dem Tod des Vaters am Hof seines ältesten Bruders in Neuburg erzogen. Svensson bleibt jedoch eine Quellenangabe schuldig. Auch datiert er die Zweibrücker Handschrift auf das Jahr 1574, wofür ebenfalls keine weiteren Hinweise oder Erklärungen gegeben werden.78 Ob das Manuskript tatsächlich noch im Jahr der Hochzeit entstand, kann anhand der gesichteten Quellen nicht bestätigt werden. Aufgrund fehlender Angaben zum möglichen Schreibauftrag muss es eine Vermutung bleiben, von wem dieser ausging und zu welchem Zweck.

Vertritt man die These, dass der Zweibrücker Handschrift die Funktion einer Vorlage für die Festausrichtung in Bergzabern zukommt, muss die Frage nach der Quelle dieser Abschrift gestellt werden, da sie in diesem Fall nicht im unmittelbaren Festkontext der Neuburger Hochzeit entstanden wäre. Auffallend ist die inhaltliche Nähe zur Münchner Handschrift, wodurch die Vermutung einer gleichen Vorlage der beiden Quellen formuliert werden könnte. Denkbar wäre auch, dass dem Schreiber der Zweibrücker Handschrift das Münchner Manuskript vorlag. Die Binnengliederung der Handschrift aus Zweibrücken stellt sich wie folgt dar:

Mit einem Umfang von 84 Blättern – die jeweilige Blattnummer ist auf der Recto-Seite rechts oben mit nicht zeitgenössischen, arabischen Ziffern angegeben – kürzt und strafft der Verfasser der Zweibrücker Handschrift im direkten Vergleich mit dem Münchner Manuskript Segmente dieser Quelle. Der inhaltliche Aufbau und die Chronologie sind in beiden ←39 | 40→Schriftzeugen identisch.79 Das Zweibrücker Manuskript setzt zwei inhaltliche Schwerpunkte: die Darstellung der Futterzettel sowie der beiden Turniertage. Dagegen fehlen die Verzeichnisse der Ausgaben, die dem Münchner Exemplar nachgestellt sind.

Tabelle 2: Binnengliederung der Zweibrücker Handschrift

Handschrift Z

Titela

Bl. 1r

Vorbereitung des Hochzeitsfestes

Bl. 5r-6r

Ankunft der Gäste (Futterzettel)

Bl. 6r-23v

Brauteinholung, 26. September 1574 (darin: Futterzettel Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg)

Bl. 23v-30v

weitere Futterzettel

Bl. 30v-41r

Trauungszeremonie, 27. September 1574

Bl. 41r-42r

Sitzordnung, 27. September 1574, abends

Bl. 42r-44v

Tanz

Bl. 44v-45r

Beilager der Brautleute

Bl. 45r

Morgengabe, 28. September 1574

Bl. 45v

Einsegnung des Brautpaars

Bl. 45v-46r

Geschenke der Gäste

Bl. 46r-46v

Ringrennen, 29. September 1574

Bl. 47r-65v

Fußturnier, 30. September 1574

Bl. 65v-79v

Feuerwerk

Bl. 79v-80v

Abreise der Gäste

Bl. 81r-82v

Beschluss

Bl. 82v

a Vgl. zum Titelblatt Abbildung 12 und Kapitel 4.2.1.

Eingebunden ist die Zweibrücker Handschrift in einen zeitgenössischen Koperteinband, der keine Verzierungen aufweist. Die Handschrift in Folio weist eine regelmäßige Lagenstruktur auf. Die erste Lage besteht aus einer Binio, darauf folgen zehn Quaternionen. Daraus ergibt sich folgende Lagenformel für diese Handschrift:80 II8+IV84. Auch diese Papierhandschrift blieb ←40 | 41→unbebildert. Analog zur Textgliederung des Münchner Exemplars gliedert sich der Haupttext in Absätze und Überschriften. Mit einer Fraktur-Schrift werden sowohl die Überschriften, die ersten Zeilen nach einem neuen Abschnitt als auch prägnante Begriffe im Haupttext hervorgehoben. Letzterer ist in Kurrentschrift verfasst.

2.1.3 Die Amberger Handschrift
Amberg, Staatsarchiv, Fürstentum Pfalz-Sulzbach, Geheime Registratur 2708

Der Text der Amberger Handschrift nimmt eine andere Perspektive ein: Er beschreibt die Reise des Brautvaters Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seiner zweitältesten Tochter Anna von Düsseldorf bis nach Neuburg an der Donau, die dortigen Feierlichkeiten sowie die Rückreise des Herzogs. Doch nicht nur die Perspektive ändert sich, auch der Charakter dieser Handschrift ist innerhalb des Quellenkorpus einmalig: Während der Münchner sowie der Zweibrücker Handschrift eine repräsentative Funktion im Rahmen der innerfamiliären memoria zugesprochen werden kann, zeichnet sich das Amberger Exemplar durch einen Protokollstil aus. Namentlich ist kein Verfasser bekannt. Koch vermutet, dass es sich bei ihm um einen Mitreisenden des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg handelt.81

Auf den insgesamt 58 Blättern wird ein nur sehr schmaler Rand gelassen. Engzeilig und mit schneller Hand wurden die Geschehnisse im Zeitraum vom 20. August bis zum 3. November 1574 dokumentiert. Die Binnengliederung stellt sich wie folgt dar:

Zur optischen Gliederung werden wie in den anderen Handschriften Überschriften gesetzt, die sich während der Reise aus dem jeweiligen Datum und während des Festes aus dem jeweiligen Divertissement ergeben. Zahlreiche Korrekturen durch Streichung lassen auf eine zügige Niederschrift und auf mehrere Bearbeitungsstufen schließen. Bedingt durch den protokollartigen Stil, sowohl in Sprache wie auch im Schriftbild, läge es nahe, dass diesem Manuskript ein Entwurfscharakter zukommt. Mögliche Hinweise auf die Absicht, auf Grundlage der Amberger Handschrift eine ←41 | 42→repräsentative Beschreibung herzustellen – handschriftlich oder gedruckt –, fehlen jedoch. Wie bei den beiden Textzeugen zuvor wird der Schreibauftrag nicht thematisiert. Ebenso ist keine Datierung der Niederschrift überliefert. Jedoch können – ähnlich der Zweibrücker Handschrift – ein terminus post quem, nämlich die Hochzeit 1574, und ein terminus ante quem festgesetzt werden, welcher sich aus dem 1576 erschienenen Druck ergibt, dem die Amberger Handschrift vermutlich als Vorlage diente.82 Daraus kann geschlussfolgert werden, dass diese Handschrift in zeitlicher Nähe zur Neuburger Hochzeit verfasst wurde.

Tabelle 3: Binnengliederung der Amberger Handschrift

Handschrift A

Titela

Bl. 199r

Verabredung der Eheschließung

Bl. 199r

Beschreibung der Reise, 20. August bis 25. September 1574

Bl. 199r-203r

Brauteinholung, 26. September 1574

Bl. 203r-204r

Sitzordnung, 27. September 1574, vormittags

Bl. 204r

Trauungszeremonie, 27. September 1574

Bl. 204r-205r

Sitzordnung, 27. September 1574, abends

Bl. 205v

Tanz

Bl. 206r-206v

Beilager der Brautleute

Bl. 206v

Morgengabe, 28. September 1574

Bl. 207r

Einsegnung des Brautpaars

Bl. 207r

Sitzordnung während der Einsegnung, 28. September 1574

Bl. 207r-207v

Geschenke der Gäste

Bl. 207v-210v

Verzeichnis der Schauessen

Bl. 211r

Ringrennen, 29. September 1574

Bl. 211r-214v

Fußturnier, 30. September 1574

Bl. 214v-219r

Feuerwerk

Bl. 219r

Rückreise Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, 1. Oktober bis 3. November 1574

Bl. 219r-222v

Futterzettel

Bl. 224r-252v

a Vgl. zum Titel Abbildung 13 und Kapitel 4.2.1.

←42 | 43→

Strukturell ergeben sich, neben der Perspektivendifferenz, weitere Unterschiede zur Münchner sowie zur Zweibrücker Handschrift. Während bei den zuletzt genannten Beschreibungen die Futterzettel in den Haupttext als Listen eingeflochten sind, werden sie in der Amberger Handschrift nachgestellt. Folgt der Verfasser inhaltlich in seinem Bericht der zeitlichen Chronologie, so bildet er die Futterzettel nicht nach der Reihenfolge der Ankunft der Delegationen ab – wie die Münchner und die Zweibrücker Handschrift –, sondern nach einer Hierarchie: Der Futterzettel Philipp Ludwigs von Pfalz-Neuburg führt die Auflistung an, gefolgt von Herzog Albrecht V. von Bayern.83 Die im Amberger Manuskript nachgestellten Futterzettel dokumentieren – vor dem Hintergrund der veränderten Perspektive – die anwesenden Gäste, die wiederum als Zeugen für das beschriebene Ereignis fungieren (vgl. Kapitel 4.2.2).

Überliefert ist diese Beschreibung der Neuburger Hochzeit in einem Konvolut verschiedener Handschriften mit modernem Einband im Oktav-Format. Auf den Buchrücken sind die darin enthaltenen Kapitel geprägt: „Neoburgica Sammlung Uebersicht 1. Bayrischer Handvesten 2. Löbler Gesellschaft 3. Theilungen Bayerns 1329. 1392. 4. Wolfgangs Pfalzgr. Leben 5. desselben Philipp Ludwig Wolfgang Hochzeit u. Kinder.“ Die nicht zeitgenössische Nummerierung jeweils auf der Recto-Seite rechts oben ist nicht fortlaufend, was auf eine nachträgliche Bindung des Konvoluts von ursprünglich nicht zusammengehörenden Handschriften hinweist (Buchbindersynthese). Nummerierungen beginnen mit der Ziffer 100 und enden abrupt, während auf dem nächsten Blatt eine neue Foliierung beginnt. Demnach kann zusätzlich davon ausgegangen werden, dass die im Konvolut überlieferten Handschriften aus ihrem originären Kontext gerissen sind. Auch ist die Beschreibung zur Neuburger Hochzeit nicht durchgehend foliiert, lediglich das Titelblatt trägt eine Blattnummer. Die Lagenformel der Hochzeitsbeschreibung stellt sich wie folgt dar, beginnend mit Bl. 199r: IV16+V26+IV59.

Mit welcher Motivation der Schreibauftrag für diese Handschrift vergeben wurde, kann anhand der Quelle nicht festgemacht werden. Sie könnte ←43 | 44→als Protokoll für eine spätere Reinschrift konzipiert worden sein, jedoch muss dies aufgrund fehlender Hinweise eine Vermutung bleiben.

2.1.4 Der Druck zur Neuburger Hochzeit
VD16 H 2601, Exemplar München, Bayerische Staatsbibliothek, Res/L.eleg.m. 271 b

In der Druckfassung von 1576 sind zwei hochzeitliche Beschreibungen überliefert: Von Bl. 1r bis Bl. 56v wird die Hochzeit von Marie Eleonore, der ältesten Tochter Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, in Königsberg beschrieben. Auf Bl. 57r bis Bl. 142v folgt die Beschreibung der Neuburger Hochzeit.84 Gedruckt wurde dieses Werk von Sigmund Feyerabend, dem bedeutendsten Verleger in der Blütezeit des Frankfurters Buchhandels.85 Im Vorwort des nicht illustrierten Drucks zu den Hochzeiten der beiden ältesten Töchter Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg – u. a. überliefert in einem in Leder gebundenen Exemplar –86 legt Feyerabend dar, dass ihm ein „Summarisches Verzeichnis“ (D Bl. [ij]v) zugekommen sei – gemeint sind wohl die beiden Beschreibungen der Reisen und der Vermählungen 1573 in Königsberg und 1574 in Neuburg – welches ihm für einen Druck geeignet erschien (vgl. D Bl. [ij]v-[iij]r). Die Motivation zur Fertigung des Druckes begründet Feyerabend zum einen damit, dass alle, die nicht dabei gewesen sind, die Geschehnisse nachlesen können. Zum andern sei „deß Mensche[n] gedechtnuß schwach […] / daß auch die selbst, so der gleichen ding gesehen / dieselbigen desto baß behalten [könne]“ (D Bl. [ij]v). Diese Begründung verbirgt einen gewissen Anspruch: Jeder könne nachlesen, was sich auf der Feier zugetragen habe, wodurch unzutreffende Behauptungen darüber falsifiziert werden könnten. Außerdem könne man mittels seines Drucks bestimmte Reden über das Ereignis verifizieren. Somit klassifiziert er sein Werk als unfehlbare Wahrheit. Er spricht nicht seiner handschriftlichen ←44 | 45→Vorlage diesen Anspruch zu, da er diese verändert, sondern räumt diesen Wahrheitsanspruch einzig seinem Druck ein.

Feyerabends Ansprache richtet sich nicht explizit an die Höfe, sondern ist als Verlegervorrede konzipiert. Er weist explizit darauf hin, dass dieses Werk nicht ausschließlich den Adel adressiert, sondern zugleich den niederen Stand (vgl. D Bl. [j]r). Eben darin liegt die Besonderheit der Vorrede Feyerabends: die ausdrückliche Adressierung an den niederen Adel. Solch eine Formulierung kann innerhalb der Literatur der Höfe als Unikat gewertet werden.87

Wider Erwarten ist der Druck nicht dem Brautvater Herzog Wilhelm gewidmet, sondern dem Grafen Hermann von Manderscheid-Blankenberg, der bei beiden Hochzeiten (in Königsberg und Neuburg) in den Futterzetteln Wilhelms mit der größten Anzahl an Pferden aufgelistet wird (vgl. D Bl. 41r und Bl. 128r).88

Statt des herzoglichen Reiseprotagonisten (als idealem Leser) wird der vornehmste Ereigniszeuge aus dem Reisetross Wilhelms adressiert – als Modell des realen Käufers. Wo höfisch initiierte Festbeschreibungen eine überindividuelle dynastische memoria anzielten, hatte der Verleger die individuelle Erinnerung der Zeremoniellzeugen im Auge, denn diese sind potentielle Kunden[.]89

Zwischen der Amberger Handschrift und Feyerabends Druck zeigt sich im direkten Vergleich eine sehr enge Verbindung: Es werden wortgetreu alle Textpassagen aus der Handschrift im Druck wiedergegeben.90 Das Manuskript fokussiert, wie in Kapitel 2.1.3 ausgeführt, die wesentlichen Elemente der Reise sowie die wichtigsten Zeremonielle und Divertissements am Neuburger Hof im Kontext des Hochzeitsfestes in Protokollstil. Es ist also nicht für eine öffentliche Lektüre konzipiert; es beschreibt nicht ausführlich das Großereignis 1574 und besitzt keinen Repräsentationsanspruch. Somit war es für die innerfamiliäre memoria der Herzogsfamilie ←45 | 46→von Jülich-Kleve-Berg angelegt. Nun ist die inhaltliche Nähe der beiden Textzeugen, der Amberger Handschrift und des Drucks, derart eng, dass davon ausgegangen werden kann, so die These, dass Feyerabend entweder das Manuskript aus Amberg vorlag oder aber ein anderes Textzeugnis, das als Kopie dieser Handschrift existierte. Wie Feyerabend an die Vorlage für sein Werk kam, ist nicht zu rekonstruieren, jedoch hatte er als „wohl weltweit einflussreichste[r] Drucker und Verleger“91 ein weitgreifendes Netzwerk, das ihm zum Erwerb solcher Quellen verhalf. Ein von Jürgen Elvert angeführtes Beispiel zu Feyerabend soll zur Unterstützung der These herangezogen werden: Im Jahr 1557 erschien eine zeitgenössische Reisebeschreibung von Hans Staden, die unter anderem Berichte über das Land Amerika beinhaltet – veröffentlicht in zwei Drucken in Marburg und Frankfurt am Main.92 Eine weitere Reisebeschreibung zu Amerika in handschriftlicher – und später in gedruckter –93 Form lagen von Ulrich Schmidel vor.94 Diese Reisebeschreibungen wurden von Sigmund Feyerabend 1567 als Reiseberichtkompilation veröffentlicht.95 Er habe sich für ←46 | 47→sein Werk sowohl die gedruckte Reisebeschreibung von Staden als auch die handschriftlichen Aufzeichnungen von Schmidel beschaffen können, so Elvert.96 Ein Vergleich zwischen dem Manuskript von Schmidel und dem Druck von Feyerabend hat gezeigt, dass es

in der Druckfassung zum Teil durchaus nennenswerte Abweichungen gibt. Das Interesse des Verlegers an der Publikation des Manuskripts und dessen Werbung mit dem Schmidel’schen Bericht als Novität lässt auf ein großes Publikumsinteresse […] schließen, das bedient werden wollte […].97

←47 | 48→

Ähnliches kann für seinen Druck der Neuburger Hochzeitsbeschreibung aus dem Jahr 1576 angenommen werden. Feyerabend selbst gibt im Vorwort an, ihm sei ein Verzeichnis zugekommen (vgl. D Bl. [ij]v); dabei könnte es sich um das Amberger Manuskript gehandelt haben. Vergleichbar mit den Ausführungen von Elvert finden sich auch im Druck der Hochzeitsbeschreibung nennenswerte Ergänzungen und sprachliche Ausschmückungen gegenüber der handschriftlichen Vorlage, die auf ein Verlegerkalkül hinweisen könnten. Interessanterweise sind diese Ergänzungen im Wesentlichen im Kontext der Reisebeschreibung angeführt, die, wie bereits angemerkt, ein Geschäftsbereich Feyerabends darstellte, indem er durchaus wusste, wie er Quellen beschaffen konnte. Daher ist nicht auszuschließen, dass Feyerabend für seine Ausschmückung der Reise des Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg weitere Quellen oder Augenzeugenberichte zu Städten, Bauwerken sowie Inschriften98 heranzog. Solche epigraphischen, städtebaulichen wie historische Nachträge sind gattungstypisch für Reisebeschreibungen des 16. Jahrhunderts.99 Es kann ihm also unterstellt werden, dass er die Interessen der Leser kannte und an sie seine Werke ausrichtete, um einen möglichst großen Gewinn zu erwirtschaften.

Feyerabend hat[te] sich als Verleger wissenschaftlicher Werke einen Namen gemacht, [war] allerdings auch bekannt für sein gelegentlich etwas undurchsichtiges Geschäftsgebahren, da ihm offensichtlich mehr an hohen Auflagenzahlen gelegen war als an der Einhaltung von Vorschriften.100

Ihm kann somit eine ‚Mitautorschaft‘ an der gedruckten Neuburger Hochzeitsbeschreibung unterstellt werden, die auf eine möglichst hohe Verkaufszahl des Drucks zielte.101 Schließlich wird in der vorliegenden Arbeit aufgrund der engen inhaltlichen Nähe die These vertreten, dass für den Druck von Feyerabend die Amberger Handschrift als Vorlage diente.102 ←48 | 49→Zu beachten bleibt, dass ihm zusätzliche Quellenvorgelegen haben müssen, da ganze Passagen hofnahe Informationen aufzeigen.

Die Binnengliederung des Drucks zum Ereignis in Neuburg von Bl. 57r bis Bl. 142v lässt sich wie folgt inhaltlich einteilen:

Tabelle 4: Binnengliederung des Drucks von 1576 zur Neuburger Hochzeit

Druck 1576

Titel

Bl. 57r

Verabredung der Eheschließung

Bl. 57r-58r

Beschreibung der Reise, 20. August bis 23. September 1574 (darin: zitierte Inschriften des Klosters Maulbronn sowie der Stadt Lauingen)

Bl. 58r-70r

Verabredung zum Festablauf (Prolepse)

Bl. 70r-73r

Aufenthalt in Donauwörth, 24.-26. September 1574

Bl. 73r-74r

Brauteinholung, 26. September 1574

Bl. 74r-75r

Sitzordnung, 27. September 1574, vormittags

Bl. 75v-76v

Trauungszeremonie, 27. September 1574

Bl. 77r-78r

Sitzordnung, 27. September 1574, abends

Bl. 78v-80r

Tanz

Bl. 80r-81r

Beilager der Brautleute

Bl. 81r-81v

Morgengabe, 28. September 1574

Bl. 81v-82r

Einsegnung des Brautpaars

Bl. 82r

Sitzordnung während der Einsegnung, 28. September 1574

Bl. 82v-83v

Geschenke der Gäste

Bl. 84r-89r

Verzeichnis der Schauessen

Bl. 89v-90v

Ringrennen, 29. September 1574

Bl. 90v-97v

Fußturnier, 30. September 1574

Bl. 97v-107r

Feuerwerk

Bl. 107r

Rückreise Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, 1. Oktober bis 3. November 1574

Bl. 107r-116v

Futterzettel

Bl. 117r-142v

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2.2 Beziehung der narrativen Quellen zueinander

2.2.1 Verhältnis der Münchner Handschrift zur Zweibrücker Handschrift

Um die enge inhaltliche Nähe der beiden Handschriften aus München und Zweibrücken im direkten Vergleich abzubilden, eignet sich die Gegenüberstellung einer Sitzordnung. Hierfür wurde die Ordnung an der Tafel nach der Trauung am 27. September 1574 gewählt. Fehlen Personen in der jeweils gegenübergestellten Aufzeichnung, wird an entsprechender Stelle fehlt vermerkt.

Die dargestellte Sitzordnung zeigt, dass sich die beiden Quellen in Ausführung und Formulierung weitgehend übereinstimmend zueinander verhalten. Die Münchner Handschrift nennt meistenteils die adligen Personen in ihrem vollen Ornat der Titel sowie ihrer familiären Stellung – insbesondere bei den Damen –, während die Zweibrücker Handschrift ihre Ausführungen etwas knapper hält. Die Unzufriedenheit bezüglich der Sitzordnung der Gesandtschaften aus Italien wird in allen vier Beschreibungen verzeichnet (vgl. hierzu auch Tabelle 7), wobei nur die Münchner und Zweibrücker Handschrift zusätzlich den Grund dafür angeben: Die italienischen Gesandten wollten sich nicht auf die Plätze hinter den Preußen setzen, womit eine Erniedrigung des Ranges zum Ausdruck gekommen wäre (vgl. hierzu auch Kapitel 3.3.2). Auffällig ist der ähnliche Wortlaut in den beiden abgebildeten Schriftträgern. Interessant ist insbesondere der Zusatz in der Zweibrücker Handschrift, der suggeriert, dass es zuvor bereits einen solchen Vorfall gab.

Die durch die Sitzordnung beispielhaft dargestellte inhaltliche Nähe der beiden Textzeugen unterstützt die These einer gemeinsamen Vorlage. Die wenigen Abweichungen (fehlende Personennamen) könnten auf ein Verrutschen in der Zeile beim Abschreibprozess zurückzuführen sein.

Zweifellos lassen sich für diese beiden Textzeugen anhand der dialektal geprägten Unterschiede jeweils eigene Schreiber herausstellen. Die Münchner Handschrift ist aufgrund markanter sprachlicher Merkmale einem bayerischen Verfasser zuschreiben:

←50 | 51→

Tabelle 5: Sitzordnung nach der Trauung, Gegenüberstellung Münchner und Zweibrücker Handschrifta

Münchner Handschrift

Zweibrücker Handschrift

[M Bl. 90r] Setzzettel Montags, den 27. Septembris, zue Abends.

[Z Bl. 42r] Der Zettel Montags, den 27. Septembris, zu Abends.

Oben an der Tafel:

Oben an der Taffel:

Erstlich oben an der fürstliche Braut Frewlin Anna zue Gülich etc. unnd neben irn fürstlichen gnaden zur Linkchen handt derselben geliebster gemahel, Pfalzgraff Philipps Ludwig etc.

Erstlich oben an die fürstliche braut Frawlein Anna zu Gülch etc. unnd neben Ihre fürstlichen gnaden zur Linckhen handt derselben geliebter gemahl, Pfalzgraff Philipps Ludwig etc.

An der Hochzeiterin rechten seiten hinumb seind gesessen:

An der Hochzeiterin rechten seiten hinumb:

Der Römisch Kayserlichen Majestät Gesandter, Graff Friderich zue Ötingen.

Der Kayserlichen Majestät gesanter, Graff Friderich zu Otingen.

Neben dem ist gestanden Georg Schenckh von Staufenberg, [M Bl. 90v] der erste fürstliche Fürschneider.

[Z Bl. 42v] Neben dem ist gestanden Georg Schenckh von Stauffenberg, der Erst fürschneider.

Darnach ist gesetzt deß Herrn Breutigams Fraw Muetter, Fraw Anna, Pfalzgrafin bey Rhein etc., geborne Landgräfin zue Hessen, wittib.

Darnach ist gesezt des Herrn Preutigams Fraw Mutter.

Herzog Ludwig, Pfalzgraff etc. unnd der Obern Churfürstlichen Pfalz Statthalter zue Amberg.

Herzog Ludwig, Pfalzgraff etc.

Seiner fürstlichen gnaden gemahel, Fraw Elisabeth Pfalzgräfin etc., geborne Landtgräfin zue Hessen.

Seiner fürstlichen gnaden gemahl, ein geborne Landtgrävin zu Hessen.

Neben disen ist gestanden Alexander Pflueg auff Kolnbach, der ander fürstlich Fürschneider.

Neben diesen ist gestanden Alexander Pflug auf Kolnbach, der Annder Fürschneider.

Darnach ist gesetzt deß Churfürsten Pfalzgrafen Gesandter, Melchior von Salhausen.

Darnach ist gesezt des Churfürsten Pfalzgraffen etc. gesanter, Melchior von Salhausen.

Deß Churfürsten zue Sachsen Gesandter, Hannß von Luidenaw unnd

Des Churfürsten zu Sachsen gesanter, Hanns von Leidenaw unnd

Erzherzog Ferdinands Gesanter, Herr Carl Welser, Landtvogt der Marggrafschafft Burgouw.

Erzherzog Ferdinands gesanter, Herr Carl, welcher Landtvogt der Marggraffschafft Burgaw.

←51 | 52→[M Bl. 91r] Nach disen ist gestanden Georg von Rochaw, Landtrichter unnd Pfleger zum Barckhstein, der dritt fürstliche Fürschneider.

Nach diesen ist gestanden Georg von Rochaw, Lanndtrichter unnd Pfleger zum Bergstain, der dritt Fürschneider.

Darnach seind gesetzt der Churfürstin Pfalzgräfin zum Newenmarckht wittiben Gesanter, Georg Thoma von Wildenstain, irer fürstlichen Durchlaucht Hofmeister.

[Z Bl. 43r] Darnach seindt gesezt der Churfürstin Pfalzgrävin zum Newenmarckht Wittiben gesanter, Georg Thoma von Wildenstain.

Deß Herzogen von Preussen Gesandter, Friderich von Cäniz.

Des Herzogen Von Preussen gesanter, Friedrich von Caniz.

Herzog Julius zue Braunschweig Gesandter, Graff Simon von der Lippe.

Herzog Julius zu Praunschweig gesanter, Graf Simon von der Lippe.

Unnd Pfalzgraf Reichards gesandter, Hainrich von Gaispiz.

Und Pfalzgraff Reichards gesanter, Heinrich von Gaispiz.

Nach disen ist gestanden der 4. fürstlich Fürschneider, Georg Otto von Prandt.

Nach disen ist gestanden der 4. Fürschneider, Georg Otto vom Prandt.

Darnach seind gesetzt Landtgraff Ludwigs gesandter, Adolff Rhaw.

Darnach seindt gesezt Landtgraff Ludwigs gesanter, Adolff Rhaw.

Landtgraff Philipps Gesandter, Georg von Schaley.

Landtgraff Philips gesanter, Georg von Schalei und

Unnd Landtgraff Georgen Gesandter, [M Bl. 91v] Christoff Hackh.

Landtgraff Georgen gesanter, Christoph Hackh.

Neben disen ist gestanden Johann von Gemmingen, der 5. fürstlich Fürschneider.

Neben diesen ist gestanden Johan von Gemmingen, der fünff Fürschneider.

Darnach ist gesetzt (so gleichwol allß die vorigen alle gesetzt allerst kommen) Pfalzgraff Johanns Casimirs Gesandter, Wolff Haller.

[Z Bl. 43v] Darnach ist gesezt (so gleichwoll als die vorigen alle gesezt allerst khommen) Pfalzgraff Johanns Casimirs gesanter, Wolff Haller.

Nach disen ist gestanden Hannß Crafft von Krautheim, der 6. fürstlich Fürschneider.

Nach diesem ist gestanden Hanns Crafft von Krautheim, der Sechst Fürschneider.

Darnach seind gesetzt Marggraff Carls zue Baden gesandter, Wilhelm Crantz von Gaispoltzhaim.

Darnach seindt gesezt Marggraff Carls zu Baden gesanter, Wilhelm Kranz von Gaiß Polzheim.

Fraw Marggretha, geborne von der Marckht, Gravin zue Arrenberg.

Die Grävin von Arrenberg.

Fraw Amoena von Thaun, Gräfin zue Newenahr, wittib.

Die Grävin von Newennahr.

←52 | 53→[M Bl. 92r] Uff der andern seiten von dem Herrn Breutigam hinumb seind gesetzt worden:

Uff der andern seiten von dem Herrn Breutigam hinumb seindt gesezt worden:

Herzog Wilhelm zue Gülich etc.

Herzog Wilhelm zu Gülch etc.

Herzog Albrechts inn Bayern gemahel.

Herzog Albrechts in Bairn etc. gemahl

Herzog Albrecht inn Bayern etc.

Herzog Albrecht in Bairn etc.

Herzog Albrechts Frawmuetter.

Herzog Albrechts Fraw Mutter.

Herzog Wilhelm inn Bayern etc.

Herzog Wilhelm in Bairn etc.

Frewlin Maria Maximiliana inn Bayern etc.

[Z Bl. 44r] Frewlein Maria Maximiliana in Bairn etc.

Herzog Ferdinand inn Bayern.

Herzog Ferdinandt in Bairn etc.

Landtgraff Wilhelm zue Hessen.

Landtgraff Wilhelmn zu Hessen etc.

Seiner fürstlichen gnaden gemahel, ein geborne Herzogin zue Wirttemberg.

Seiner fürstlichen gnaden gemahl.

Pfalzgraf Georg Hannß.

Pfalzgraff Georg Hanns etc.

Seiner fürstlichen gnaden gemahel, ein geborne Königin auß Schweden.

Seiner fürstlichen gnaden Gemahl.

Herzog Ludwig zue Wirttemberg.

Herzog Ludwig zu Wirtemberg etc.

Fraw Anna Marggräfin zue Baden unnd Hochberg.

Marggraff Carls zu Baden gemahl.

[M Bl. 92v] Herzog Johanns Pfalzgraff etc.

Pfalzgraff Johanns etc.

fehlt

Marggraff Philips zu Baden etc.

Frewlin Jacoba von Baden.

Frewlein Jacoba von Baden.

Pfalzgraff Ottheinrich.

Pfalzgraff Ottheinreich.

Graff Friderich zue Württemberg.

Graff Friderich zu Wirtemberg.

Frewlin Maria, Pfalzgrafin.

Frewlein Maria, Pfalzgräuin.

Frewlin Christina, Pfalzgräfin.

Frewlein Christina, Pfalzgrävin.

Herzog Friderich, Pfalzgraff.

Herzog Friderich, Pfalzgraff.

Frewlin Dorothea Ursula von Baden.

[Z Bl. 44v] Frewlein Dorothea Ursula von Baden.

Frewlin Anna, Pfalzgräfin.

Frewlein Anna, Pfalzgrävin.

Frewlin Maria Anna, Landtgräfin zue Hessen.

Frewlein Anna Maria, Landtgrävin zu Hessen.

Frewlin Elisabeth.

Frewlein Elisabeth.

Frewlin Barbara.

Frewlein Barbara.

←53 | 54→Frewlin Maria Elisabeth.

Alle drei Pfalzgräfinnen.

Frewlein Maria Elisabeth.

Alle drei Pfalzgräfinnen.

Der beeden Herzogen von Ferrar unnd Mantua gesandten haben sich dem Preussischen gesanten nicht nach setzen wollen, sonndern seind davon unnd inn ihr Losament gangen.

Der beeden Herzogen Von Ferrar und Mantua gesanten haben sich dißmals dem Preusischen gesanten nicht nach sezen wollen, sondern seindt davon und in Ihre Losament gangen.

 

a Zur Auflösung der Kürzel sowie der Regelung zur Groß- und Kleinschreibung vgl. die zugrunde gelegten Editionsprinzipien in Kap. 3.1.2. Vgl. hierzu auch Anm. 1.

Tabelle 6: Dialektale Unterschiede Münchner Handschrift – Zweibrücker Handschrift

Handschrift M

Handschrift Z

Postpotten

Postbotten

Pettendorff

Bettendorff

Paumb

 

Pluemwerkh

 

Plättern

 

Plüemlin

 

Pilder

 

Pahn

 

Dominant zeigt sich in der Münchner Handschrift auch wortintern bei Komposita das anlautende ‚p‘, eine charakteristische bairisch-alemannische Entwicklung.103 Bereits im Althochdeutschen wurde im Bairisch-Alemannischen der stimmhafte Plosiv ‚b‘ zum stimmlosen Plosiv ‚p‘ sowohl in der Schrift wie auch in der gesprochenen Sprache. Im Südbairischen ist diese dialektale Färbung bis heute erhalten geblieben.104 Die Zweibrücker Handschrift dagegen verwendet die stimmhafte Variante des Plosivs.

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Ein weiteres Charakteristikum des Bairischen ist die Schreibweise ‚b‘ für ‚w‘,105 welches in der Münchner Handschrift in plab (vgl. M Bl. 162r und 164r) anstelle von blau fassbar wird.

Auch in der Pluralbildung Pluem in der Münchner Handschrift (vgl. M Bl. 162r und Bl. 163v) spiegelt sich die baierische Sprachprägung des Verfassers wider, da im Spätbairischen die Pluralbildung mit -en nach einem Nasal schwindet: bluomen werden im Nominativ Plural zu pluem.106 Das Diminutivsuffix -lîn in Plüemlin (vgl. M Bl. 163r) ist ebenfalls charakteristisch für das Oberdeutsche.107

Anhand dieser sprachlichen Prägungen, die sich in der Schriftsprache manifestieren, lässt sich zum einen ein bayerischer Schreiber für die Münchner Handschrift annehmen und zweitens ausschließen, dass Münchner und Zweibrücker Handschrift vom gleichen Schreiber stammen. In dieser Arbeit wird die These vertreten, dass beide Handschriften auf eine gemeinsame Vorlage zurückgehen.

2.2.2 Verhältnis der Amberger Handschrift zum Druck

Aufgrund der Überlieferungssituation können Frühneuzeitforscher heute eher selten Drucke mit den für sie herangezogenen handschriftlichen Quellen vergleichen: Die handschriftlichen Vorlagen von Drucken aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden in der Regel nicht aufbewahrt; werden Texte aus dieser Entstehungszeit ediert, bedeutet dies in den meisten Fällen eine Edition auf Grundlage der gedruckten Quelle.108 Im Rahmen der vorliegenden Edition wird hingegen ein detaillierter Vergleich zwischen Hand- und Druckschrift möglich.

Im Wesentlichen übernimmt der Druck aus dem Jahr 1576 zur Neuburger Hochzeit die inhaltlichen Elemente aus der Amberger Handschrift und reichert sie mit weiteren Informationen für den Leser an, wie bereits in Kapitel 2.1.4 ausgeführt. Durch die Ausschmückungen und Ergänzungen entsteht ein eigenständiges literarisches Werk. Auf typografischer Ebene ←55 | 56→werden jedoch nicht sämtliche Darstellungsverfahren übertragen. Diese Entscheidungen des Verlegers lassen sich nicht auf Einschränkung der Drucktechniken zurückführen,109 sie sind vielmehr bewusste Eingriffe in die Präsentation des Textes. So arbeitet die Vorlage bei der Darstellung der Sitzordnung mit einer Skizze des Tisches oder stellt die Ergebnisse des Fußturniers in Tabellenform dar.110 Der Druck greift nicht auf diese Darstellungsverfahren zurück, sondern präsentiert den Inhalt in Textform, wie auch die handschriftlichen Beschreibungen aus München und Zweibrücken.

Abbildung 19 zeigt eine Verso-Seite der Zusammenstellung der Turnierergebnisse aus der Amberger Handschrift. Deutlich zu erkennen ist die Tabellenform, die es dem Verfasser ermöglicht haben könnte, in die vorgefertigte Liste während des Turniergeschehens die Ergebnisse einzutragen. Ein etwaiger repräsentativer Anspruch muss der Funktion des Protokolls und einer schnellen Erfassung der wesentlichen Informationen weichen. Die Druckfassung dagegen löst diese pragmatische Informationspräsentation in einem Fließtext auf, wie in Abbildung 20 zu sehen ist.

Auch die Sitzordnung nach der Trauung stellt die Amberger Handschrift, wie erwähnt, als Grafik dar: Die Tafel wird als tatsächliche Raumordnung im Überblick skizziert, an der die Namen stellvertretend für die jeweilige Person an dem ihr zugewiesenen Sitzplatz verzeichnet werden (siehe Abbildung 21). Es werden der Grundriss der Hochzeitstafel und die entsprechende Sitzordnung visualisiert. Dabei referiert die Skizze der Tafel nicht auf deren praktische Funktion im Kontext der Speisung, sie trägt auf dem Bild keine Speise, weder als ikonisches Zeichen noch als Texthinweis:

Die Tafel ist gänzlich auf ihre zeremoniellgrammatische Funktion reduziert; sie ist kein ‚Tisch‘ mehr, sondern wie eine Präposition oder Konjunktion, die nur im Kontext eines Syntagmas klare Bedeutung gewinnt, ein für sich bedeutungsloses Mittel der – räumlichen – Verknüpfung von Namen.111

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Tabelle 7: Sitzordnung nach der Trauung, Gegenüberstellung Amberger Handschrift und Drucka

Amberger Handschrift

Druck 1576

[A Bl. 205r] Abends als die ehliche befehlung geschehen, sind die Herrn nachfolgender Ordnung zu Tisch gesessen:

[D Bl. 78v] Abendts als die Eheliche befehlung geschehen, seind die Herrn nachfolgender Ordnung zu Tisch gesessen:

 

Vorhaupt deß Tisch:

[A Bl. 205v] Anna, Hochzeiterin,

Die Hochzeiterin Anna.

Pfalzgraf Philips Ludwig, Hochzeiter.

Der Herr Hochzeiter, Pfalzgraff Philips Ludwig.

 

Folgendts auff der Lincken seiten Hochgemeltes Herrn Hochzeiters.

Herzog zu Gülch.

Herzog zu Gülich.

Herzog Albrecht in Bairn gemahl.

Herzog Albrecht in Beieren Gemahl.

fehlt

Herzog Albrecht in Beieren.

Herzog Albrecht Frau Mutter.

Herzog Albrechts Fraw Mutter.

Herzog Wilhelm in Bairn.

Herzog Wilhelm in Beieren.

Fräulein von Bairn.

Frewlein von Beieren.

Herzog Ferdinand in Bairn.

Herzog Ferdinand in Beieren.

Landgraf Wilhelm zu Hessen.

Landtgraff Wilhelm zu Hessen.

Seiner füstlichen Gnaden gemahl.

Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahl.

Herzog Georg Hans, Pfalzgraf.

Herzog Georg Hans, Pfalzgraff.

Seiner fürstlichen Gnaden gemahl.

Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahl.

Herzog zu Würtenberg.

Herzog zu Würtenberg.

Margräfin von Baden zu Turloch.

Marggrevin von Baden zu Thurloch.

Herzog Hans, Pfalzgraf.

Herzog Hans, Pfalzgraff zu Zweibruggen.

Margraf von Baden.

[D Bl. 79r] Marggraf von Baden.

Frewlin von Baden.

Ein Frewlein von Baden.

Herzog Fridrich, Pfalzgraf.

Herzog Friderich, Pfalzgraf.

Graf Fridrich von Wirtenberg.

Graf Friderich von Würtenberg.

Pfalzgraf Ludwig Dochter.

Pfalzgraf Ludwigs Tochter.

Fräulein Christina.

Frewlein Christina, deß Herrn Hochzeiters Schwester.

Herzog Otthainrich, Pfalzgraf.

Herzog Ott Heinrich, Pfalzgraff.

←57 | 58→Margraf von Baden Dochter.

Marggrevin von Baden Tochter.

Fräulein Anna.

Frewlein Anna, deß Herrn Hochzeiters Schwester.

Landgraf Wilhelm zu hessen dochter.

Landgraf Wilhelms zu Hessen Tochter.

Fräulein Anna Maria.

Frewlein Anna Maria.

Fräulein Barbara.

Barbara.

Fräulein Maria Elisabet.

und Maria Elisabeth, deß Herrn Hochzeiters Schwestere.

 

An der ander seitt zur rechter handt der Hochzeiterin.

Graf von Oeting, Römisch kaiserlichen Majestät gesander.

Graff von Oetingen, Römisch Kayserlichen Mayestät Gesandter.

1. Vorschneider Schenck.

Vorschneider Schenck.

Hochzeiters Frau Mutter.

Deß Herrn Hochzeiters Fraw Mutter.

Pfalzgraf Ludwig.

Pfalzgraff Ludwig.

Seiner fürstlichen Gnaden gemahl.

Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahl.

2. Vorschneider Pflug.

[D Bl. 79v] Vorschneider Pflugk.

Churfürst Pfalzgrafen Gesandter.

Churfürst Pfalz Gesandten.

Churfürst Saxen Gesandter.

Churfürst zu Sachsen Gesandten.

Ertzherzog Ferdinand Gesandter.

Erzherzog Ferdinandt Gesandten.

3. Vorschneider Rothaw.

Vorschneider Rothaw.

Churfürst Newenmarck Gesandter.

Churfürstin zu Newenmarck Gesandter.

Herzog zu Preuß Gesandter.

Herzogen zu Preussen Gesandter.

Herzog Reicharts, Pfalzgraf, Gesandter.

Herzog Reicharts, Pfalzgraf, Gesandter.

Herzog Julius zu Braunschweig Gesandter.

Herzog Julius zu Braunschweig Gesandter.

4. Vorschneider Jörg Ott von Brand.

Vorschneider Jorg Ott von Brandt.

Riedesl, Landgraf Ludwig Gesandter.

Reidesel, Landgrafs Ludwigs Gesandter.

Scharlei, Landgraf Philips Gesandter.

Scharlei, Landtgraf Philips Gesandter.

Hagh, Landgraf Georg Gesandter.

Christoff Hack, Landgraf Jorg Gesandter.

5. Vorschneider Johann von Gemming.

Vorschneider Johann von Gemmingen.

Wolf Haller, Pfalzgraf Casimir Gesandter.

Wolff Haller, Pfalzgraf Casimirus Gesandter.

←58 | 59→6. Vorschneider Hans Krefft.

Vorschneider Hanß Krafft.

Badenischer Stathalter zu Pforzheim.

Wilhelm Krantz, Marggrevischer Badenischer Stathalter zu Pforzheim.

Gräfin zu Neuenar.

Gräfin zu Newenar.

Gräfin zu Arenberg.

Gräfin zu Arenberg.

Mantuarische und ferrarische Gesandte sindt der Seßim halber mit Preußen strittig worden, von dem Saal abgetreten.

Mantuanische und Ferrarische Gesandten seind der Session halben mit Preussen [D Bl. 80r] streitig worden, von dem Saall abgetretten.

a Zur Auflösung der Kürzel sowie der Regelung zur Groß- und Kleinschreibung vgl. die zugrunde gelegten Editionsprinzipien in Kap. 3.1.2. Vgl. hierzu auch Anm. 1.

In der Druckfassung wird die Skizzierung des Tisches aufgelöst und die Namen der Personen werden als Liste herausgestellt.112 Wider Erwarten beginnt die Auflistung nicht mit der rechten Tischseite, an der die ranghöheren Gäste sitzen. Als Ergebnis dieses bewussten Eingreifens des Druckers in die Konventionen führt der Brautvater („Herzog zu Gülch/Gülich“) die Liste der Tafelgäste an. In der Gegenüberstellung stellt sich dies wie folgt dar:

Bis auf eine Ausnahme – der Druck fügt der Sitzordnung Herzog Albrecht V. von Bayern hinzu –113 folgt die Druckfassung der Amberger Handschrift. Der Drucker führt die adligen Personen in der Regel im vollen ←59 | 60→Ornat ihrer Titel an oder fügt ihre Funktion bei dieser Hochzeitsfeier hinzu, was als Hilfestellung für den Leser hinsichtlich des komplexen Gesellschaftsnetzwerks gesehen werden kann.

Die Umsetzung der skizzierten Tafel in eine fortlaufende Liste ist als ein bewusstes Eingreifen in die Vorlage und ein gezieltes Lenken des Lesers zu verstehen, denn die Darstellung der Sitzordnung als Liste bestimmt die Leserichtung: Der Leser kann nicht entscheiden, ob er mit der rechten Seite des Tisches beginnt, sondern muss mit dem ersten Eintrag nach der Nennung des Brautpaars beginnen. Dieser wird von Herzog Wilhelm, dem Brautvater, eingenommen, womit dieser die Liste dominiert. Damit rückt der Druck bewusst Wilhelm als Zeremoniellagenten in den Fokus. Insbesondere im Vergleich mit den handschriftlichen Beschreibungen aus München und Zweibrücken gewinnt diese Darstellung besondere Bedeutung, da nur die Druckfassung gegen die Konventionen verstößt.114 Die Handschriften aus München und Zweibrücken beginnen ihre listenhafte Beschreibung mit der rechten Seite des Tisches, an welcher der kaiserliche Gesandte saß. Dies entspricht dem üblichen Protokoll, in dem der Ranghöchste an erster Stelle genannt wird.115

2.3 Sonstige Quellen

Die Überlieferungslage der verwaltungsrelevanten Quellen zur Vermählungsfeier 1574 in Neuburg besteht im Wesentlichen aus Briefkorrespondenzen, Einzellisten sowie Ordnungen, die heute in Archiven in Bayern, Hessen sowie Nordrhein-Westfalen aufbewahrt werden. Der folgende Überblick zu diesen Textzeugnissen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Angegeben wird jeweils, ob es sich um eine autoptische Sichtung oder das Sichten der Findmittel handelt.

Im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen werden unter der Signatur 102.09.01–07 Jülich-Berg Akten II 1981 unterschiedlichste Dokumenttypen aufbewahrt, von denen sich zahlreiche auf die Hochzeit von Anna und Philipp Ludwig beziehen:

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Tabelle 8: Landesarchiv NRW, Jülich-Berg Akten II 1981, Autopsie

Bl. 179r-187v

Liste der Hochzeitsgeschenke

Bl. 188r-230v

Verzeichnisse der Aussteuer Annas

Bl. 231r-238v

Liste über das materielle Eigentum, das Anna mit nach Neuburg brachte

Bl. 252r-252v

Liste über die anwesenden Gesandten bei der Hochzeitsfeier

Bl. 253r-253v

Sitzordnungen am 27. September 1574

Bl. 254r-254v

Liste der Hochzeitsgeschenke

Bl. 266r

Liste der geplanten Zwischenetappen für die Rückreise des Brautvaters

Bl. 261r-269r

Verzeichnis der Aussteuer Annas im Verhältnis zur Aussteuer ihrer Schwester Magdalena und Ergebnisse des Vergleichs

Bl. 270r-271r

Vereinbarung der Morgengabe

Bl. 272r-272v

Vereinbarung über das Heiratsgut

Bl. 144r-177v

Aufzeichnung der Delegationen, Reisezettel von Düsseldorf nach Neuburg, Verzeichnis der Gesandten

Bl. 164r-177r

Hofordnungen

Weiterhin sind in den Akten im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen unter der Signatur Jülich-Berg Akten II 1981 eigenhändige Briefe von Anna von Jülich-Kleve-Berg überliefert, die nach der Hochzeit in Neuburg 1574 verfasst wurden.

In München werden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv – Geheimes Hausarchiv außerdem Einzellisten zur Festorganisation aufbewahrt:

Über die im Bestand des Geheimen Hausarchivs aufbewahrten Quellen zur Neuburger Hochzeit hinaus befinden sich den Findmitteln zufolge im Bayerischen Hausarchiv unter der Signatur GS 15128 Kammermeisterrechnungen zu dieser Vermählungsfeier.

Das Staatsarchiv in Marburg weist zur Neuburger Hochzeit den Besitz umfangreichen Verwaltungsschrifttums auf. Die inhaltlichen Beschreibungen der Archivalien im Folgenden sind den online verfügbaren Findmitteln entnommen.

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Tabelle 9: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abteilung Geheimes Hausarchiv, Autopsie

GHAM Korrespondenzakt 72/1

Konvolut: darin Korrespondenzen aus den Jahren 1572, 1573 und 1574 zur Neuburger Hochzeit

GHAM Korrespondenzakt 72/3

Konvolut: darin Futterzettel und Setzzettel, Korrespondenzen über Verhandlungen des Beilagers, Korrespondenzen zu Heiratsvereinbarungen

GHAM Korrespondenzakt 73/1

Konvolut: darin Korrespondenzen zur Klärung des Geleitsrechts, Verzeichnis zur Reise nach Kleve wegen der Heiratsverhandlungen, Sitzordnung zu Kleve

GHAM Korrespondenzakt 73/2

Konvolut: darin Protokolle zum Aufenthalt in Kleve, Konzept eines Ehevertrags, Vereinbarungen über die Morgengabe, Verzeichnis über das Heiratsgeld

GHAM Korrespondenzakt 74/1

Mehrere Einzelbindungen: darin Futterzettel, erste ausdifferenzierte Einschätzung der Kosten des Hochzeitsfestes, protokollartige Aufstellung der Speisen und Bediensteten an der Festtafel, Aufstellung zum Empfang der Braut

GHAM Korrespondenzakt 74/2

Konvolut: darin Einlogierung der Delegationen in den umliegenden Dörfern, Futterzettel, Feuerordnung, Instruktionen für die Bediensteten

GHAM Korrespondenzakt 75/1

Mehrere Einzelbindungen: darin Kopien der Heiratsvereinbarungen, des Ehevertrags und der Morgengabe

GHAM Korrespondenzakt 75/2

Mehrere Einzelbindungen: darin Auflistung der Ausgabe der einzelnen Viktualien, Aufstellung des ausgeschenkten Weins, Rechnung über die Einlogierung, Zusammenstellung der Anzahl der Pferde nach Delegationen, Auflistung des aufgebrauchten Futters für die Pferde

Weitere Quellen zur Neuburger Hochzeit 1574 werden im Landesarchiv Baden-Württemberg unter der Signatur A 71 Bü 1553 aufbewahrt. Dieses persönlich eingesehene Archivgut beinhaltet Briefkorrespondenzen, darunter auch einige Autographen Philipp Ludwigs.116

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Tabelle 10: Staatsarchiv Marburg

HStAM Bestand 4 f Staaten P Nr. Pfalz 42

Einladung des Ludwig Philipp II. zur Hochzeit

HStAM Bestand 4 f Staaten P in Nr. Pfalz 116

Verlöbnis zwischen Philipp Ludwig und Anna

HStAM Bestand 4 f Staaten P in Nr. Frankreich 310

Beilager

HStAM Bestand 4 f Staaten P Nr. Pfalz 855

Ehevertrag: Wittumssitz der Pfalzgräfin Anna. intus: 2 Briefe an Pfalzgraf Philipp Ludwig

HStAM Bestand 4 f Staaten P in Nr. Pfalz 859

Sendung des Pfalzgrafen Ottheinrich an den Jülich’schen Hof

HStAM Bestand 4 f Staaten P Nr. Pfalz 861

Verzeichnis der Kosten der Hochzeitsfeier

HStAM Bestand 4 f Staaten P Nr. Pfalz 866

Fortzug der Pfalzgräfin Anna auf ihr Wittum. Übersendung von allerhand Portraits. Festlichkeiten auf Philipp Ludwigs Hochzeit. Verheiratung der Schwestern des Pfalzgrafen. Unterbringung Ottheinrichs an einem fremden Hof. Pfalzgraf Friedrichs Beförderung zum Stift Münster. Reise zu Pfalzgraf Philipp Ludwig und nach Regensburg. Preisteilung der Religion.

HStAM Bestand 4 f Staaten P Nr. Pfalz 1093

Vertragsabschriften

HStAM Bestand 4 f Staaten I/J in Nr. Pfalz 1093

Vertragsabschriften

Im Folgenden wird übersichtartig die Forschungs- und Editionslage der Quellen zur Neuburger Hochzeit anhand der zuvor eingeführten Überlieferungssituation ausgeführt.

2.4 Übersicht über die Forschungs- und Editionslage

Einzelne Sequenzen des Festgeschehens oder Paraphrasen aus einzelnen Beschreibungen zum Festverlauf in Neuburg 1574 sind verstreut in verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungen enthalten. Jedoch fehlt bislang eine systematische Erschließung der Festbeschreibungen. Diese Lücke wird mit der vorliegenden Arbeit geschlossen.

Die jüngste Arbeit zur Vermählungsfeier in Neuburg an der Donau 1574 stammt von Schöndorf, der die Quellenlage zusammengefasst auflistet und ←63 | 64→aufgrund dessen eine hilfreiche Übersicht bietet. Er macht den Festverlauf zum Gegenstand seiner Untersuchung, indem er einzelne Festelemente unter Berücksichtigung ihrer politischen Bedeutung herausstellt.117 Ziel seines Beitrags ist die Ergänzung von bisher noch nicht beachteten Fakten zum Ablauf der Feierlichkeiten. In seiner Einführung reiht er die Neuburger Hochzeit (1574) in eine Traditionslinie mit der großen Landshuter Hochzeit (1475), die bereits unter Kapitel 2 „Überlieferung zur Neuburger Hochzeit“ aufgeführt wurde, sowie der Münchner Hochzeit (1568) ein.118 In einem ausführlichen Kapitel führt er die Quellenlage zur Neuburger Hochzeit auf.119 Er stellt heraus, dass sich die historische Literatur aus drei verschiedenen Quellen zu dieser Feier in Neuburg speist. Die am häufigsten herangezogene Beschreibung sei die von Hans Wagner, dem Sekretär der Herzogin Anna. Auf diese Quelle wird im Folgenden noch eingegangen werden, auch wenn diese Quelle nach den Angaben in der Forschungsliteratur und eigenen Recherchen als verschollen gilt.120 Für den Schreibauftrag ←64 | 65→der Wagner’schen Beschreibung führt Schöndorf folgende Begründung an: Erzherzog Karl von Innerösterreich, ein Sohn Kaiser Ferdinands I. und damit Bruder der Mutter von Anna von Jülich-Kleve-Berg, war selbst auf der Hochzeitsfeier in München (1568) zu Gast und ließ seine eigene Hochzeit 1571 nach dem Vorbild dieser Feier in München ausrichten.121 Karl vermählte sich 1571 mit der ältesten Tochter Albrechts V. von Bayern, die gleichzeitig seine Cousine war, Maria Anna von Bayern. Zur Zeit der Neuburger Hochzeit 1574 war Maria gerade schwanger und konnte aus diesem Grund nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. Deswegen habe sie Wagner darum gebeten, einen Bericht zur Hochzeit in Neuburg für sie anzufertigen.122 Diese Begründung des Schreibauftrags durch Schöndorf deckt sich mit dem Resümee, das, nach der Abschrift von Joseph Benedikt Graßegger, Wagner seiner Beschreibung nachstellt und in dem er sein Werk der „hochgebornen Fürstinn […] Maria Ertzherzoginn zu Oesterreich […]“123 widmet.

Als zweite Quelle nennt Schöndorf die Amberger Handschrift und verweist auch auf deren inhaltliche Schwerpunktsetzung der Beschreibung der Hin- sowie der Rückreise des Brautvaters. „Der Verfasser ist nicht namentlich genannt, dürfte aber zu der Reisegesellschaft des Herzogs Wilhelm gehört haben.“124 Zu dieser Handschrift nennt Schöndorf auch den 1576 erschienenen Druck von Feyerabend und weist weiterhin auf dessen Nähe zur Amberger Handschrift hin.125

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Die Münchner Handschrift wird als vierte Quelle von Schöndorf verzeichnet, wobei er außerdem auf die in Zweibrücken aufbewahrte Handschrift verweist,

Nach dem friedlichen Verlauf der Feier soll Philipp Ludwig, nach den Untersuchungsergebnissen Schöndorfs, eine dokumentarische Schilderung der Hochzeit erfragt haben, insbesondere der Turniere. Sein Anliegen richtete er im Oktober 1574 schriftlich an Max Fugger, der auf Hans Wagner verwies, der die Treffen der Ritterspiele akribisch aufgezeichnet haben sollte.127 Noch im Dezember des gleichen Jahres versicherte Wagner Philipp Ludwig, dass er den gewünschten Bericht über die Hochzeit verfasst und nach Neuburg geschickt habe.128

Anhand der Münchner Handschrift stellt Schöndorf eine Liste der eingeladenen Fürsten zusammen, die die Tendenz erkennen lässt, in Neuburg solle ein Familienfest gefeiert werden,129 „bei dem die konfessionellen Unterschiede keine Rolle spielen sollten, sondern vorrangig die fürstliche Verwandtschaft ausschlaggebend sein sollte“.130

Die politische Bedeutung der Hochzeit Philipp Ludwigs liegt weniger in einer Machtdemonstration als vielmehr in der friedlichen Absicht, eine protestantische Hochzeit in dem zumeist katholisch bestimmten Südosten des Reiches zu ←66 | 67→feiern, wobei keine konfessionellen Gräben gezogen, sondern verwandtschaftliche Brücken gepflegt werden sollten.131

Jedoch gestaltete sich dies während der Feier in Neuburg nicht derart harmonisch, was bereits Schöndorf bemerkt. Am 27. September 1574 verlässt die katholische Fraktion während der Predigt den großen Saal des Neuburger Schlosses, was

[u]nser Berichterstatter [der Münchner Handschrift] nicht erwähnt. Für die Brautleute muss es wie eine bittere Pille gewirkt haben. Der Vorgang offenbart den inneren Riss, der durch die Hochzeitsgesellschaft ging und bei einer solchen Familienfeier schmerzlich empfunden werden musste.132

Zur Betrachtung dieses Hochzeitsfestes unter politischen Gesichtspunkten bemerkt Schöndorf, „[d]ass ein solches Fest auch die Möglichkeit bot, heranwachsende Töchter vorzustellen und Verbindungen aus gleichem Stand anzuknüpfen“.133 Dies ginge auch aus der großen Anzahl der anwesenden „Frewleins“ hervor.134 Im Weiteren stellt er die Ankunft der fürstlichen Hochzeitsgäste dar sowie die Brauteinholung.135 Den Verlauf der Hochzeitsfeier skizziert er anhand der Münchner Handschrift, wobei er insbesondere auf die dargestellten Sitzordnungen eingeht.136 Für die Feier in Neuburg spricht er der Münchner Hochzeit (1568) eine Vorbildfunktion zu, die „zwar in dem kleinen Fürstentum nicht erreicht, aber wenigstens nachgeahmt werden [konnte]“.137 Nach dem Umreißen der verbleibenden Tage in Neuburg und der Abreise der Gäste,138 stellt Schöndorf die Kosten der Neuburger Hochzeit anhand der Festbeschreibung aus München zusammen.139 Aus den Rechnungen zu den verwendeten Lebensmitteln für die Mahlzeiten, ausgenommen der Schauessen, schließt er, dass

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Die hohen Ausgaben dieser aufwendigen Feier müssen Philipp Ludwig dennoch in Geldnot gebracht haben, denn er bat seinen Schwiegervater noch 1574 um eine vorzeitige Hinterlegung der Summe des Heiratsguts. Dieser musste ihn jedoch auf das kommende Jahr vertrösten.141 Das von Nikolaus Reusner verfasste Epithalamium zu Ehren des fürstlichen Brautpaares hat Schöndorf abschließend zu seinem Beitrag in einer Übersetzung nachgestellt.142

Um auf die eingangs genannte, nicht mehr überlieferte Quelle von Hans Wagner einzugehen, folgt nun die früheste nachweisbare Ausführung über die Hochzeit 1574, die 1824 von Graßeggers Hand im Wochenblatt der Stadt Neuburg erschien.143 Betitelt ist dieser Beitrag mit „Auszug aus der Beschreibung der gehaltenen Hochzeith und Ritterspühl des Herzogens Philipp Ludwig Pfalzgrafens mit Frl. Anna, geb. Herzoginn zu Gülch, Cleve und Berg, überschriben durch Hansen Wagner, *) der Fürstinn von Baiern Secretarien. Neuburg den 4 Januarij Ao. 1575“.144 Zum einen gibt der Titel ←68 | 69→bereits an, dass es sich lediglich um Auszüge einer Beschreibung handelt, zum anderen, und das ist das Wesentliche, sollen sich diese Auszüge auf den Bericht von Hans Wagner beziehen.

Neben dem von Graßegger 1824 und 1875 veröffentlichten, paraphrasierten und im Wortlaut angepassten Auszug aus Wagners Beschreibung im Neuburger Kollektaneenblatt, ist außerdem eine Abschrift von Karl August Böhaimb überliefert, die nach Böhaimbs eigener Angabe dem Original getreu folgen soll:

Nachstehende Beschreibung verfaßte der herzoglich bayerische Sekretär Johann Wagner zu München […]. Da nachstehende Beschreibung obiger Hochzeit [in Neuburg], unsers Wissens ziemlich unbekannt ist, und ein Sittengemälde damaliger Zeit gewährt, so erlauben wir uns, selbe getreu nach dem Original zu veröffentlichen.146

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Sowohl in Graßeggers als auch in Böhaimbs Ausführung mangelt es an einer genauen Angabe zur jeweiligen Quelle. Beide geben an, dass Hans Wagner bereits die Münchner Hochzeit 1568 beschrieb und dass dieses Werk im Druck erschien. Recherchen im VD16 nach einer gedruckten Beschreibung von Wagner zur Neuburger Hochzeit erbrachten keine Ergebnisse.147 Ein Hinweis findet sich in dem von Böhaimb veröffentlichten Auszug, in dem auch der Titel der Wagner’schen Beschreibung überliefert ist – bei Graßegger fehlt dieser. Hier heißt es, Wagner habe seinen Bericht „in die Feder gebracht“.148 Dieses Indiz kann für die Vermutung herangezogen werden, dass es sich bei der Quelle um eine Handschrift gehandelt haben muss.

Ein Schreibauftrag wird in dem Bericht von Wagner nicht thematisiert, lediglich seine Stellung als Sekretär der Fürstin von Bayern wird herausgestellt. Die fürstlichen Verwandten aus Bayern waren als Gäste bei der Hochzeitsfeier in Neuburg anwesend.149 In der Brautkutsche saß neben der Braut und ihrer Tante auch deren Tochter, Maximiliana von Bayern (vgl. hierzu Kapitel 1.2). Als ein Angestellter des bayerischen Hofes nimmt ←70 | 71→Wagner die Perspektive des Münchner Hofes ein. Die Beschreibung kann jedoch erst an dem Zeitpunkt einsetzen, an dem die Herzogin von Bayern auf die Delegation Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg und seiner Tochter Anna trifft, da sie nicht gemeinsam nach Neuburg reisen: Anna und ihr Vater treten ihre Reise aus Düsseldorf an, Herzogin Anna von Bayern aus München.150 Das Zusammentreffen ist erst auf den 26. September 1574 zu datieren, wie die Amberger Handschrift zu berichten weiß:

Als man ghen Stepperg kommen hat man deß Herzog in Bayrn gemahl mit beede Sönen Wilhelm und Ferdinand und dero geliebte dochter Fräulein Maria Maximiliana und einem frewlin angetroffen und da man mit der Zugordnung fertig gewesen, gen Bittelbrunn in einer ordnung gezogen (A Bl. 203r).

In Graßeggers und Böhaimbs Auszügen, die auf die Beschreibung von Wagner zurückgehen sollen, wird berichtet, dass

[n]achmittags um 3 Uhr, […] der Alte herzog v[on] Gülch mit seiner durchl[auchtigsten] Tochter, Fräulein Anna, der dem Herzoge von Neuburg, Philipp Ludwig versprochenen Braut, – auf der Donau, ungefähr 2 Ackerlänge von Stettberg, bei der Lände [sic] ankam […].151

Diese Angaben zur Uhrzeit finden sich in keiner der Festbeschreibungen aus dem im Rahmen der vorliegenden Arbeit verwendeten Quellenkorpus. Demnach muss es sich bei der Beschreibung von Wagner um eine weitere, verschollene Quelle handeln. Im Folgenden sollen die zusätzlichen Informationen aus dieser Beschreibung durch Hans Wagner nach Graßegger und Böhaimb herausgegriffen werden.

Die Darstellung setzt, wie zu erwarten, an dem 26. September, dem Tag des Brauteinzuges ein. Gleich zu Beginn wird die Fokussierung der bayrischen Familie deutlich. Es wird berichtet, wie der Brautvater jedem vom bayerischen Adel die Hand zur Begrüßung reicht, erst daraufhin setzt sich der Brautzug in Bewegung.

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Der Brautvater, Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, reitet eingerahmt durch die beiden Söhne Albrechts von Bayern dem Brautwagen voraus. Die Begrüßung der Braut geschieht durch Landgraf Ludwig, der die Braut „als einen ›annehmlichen herzliebendten Gast‹“153 willkommen heißt. Wie in den Handschriften aus München (vgl. M Bl. 56v) und Zweibrücken (vgl. Z Bl. 41r) wird auch in der Beschreibung von Wagner auf die zeitliche Verspätung der Ankunft des Brauteinzugs in der Stadt Neuburg verwiesen:

So gieng es nun Neuburg zu, wo man so spät ankam, daß Dunkelheits halber von dem herrlichen unter dem Donner des schweren Geschützes statthabenden Einzuge so vieler stattlichen Reiter, Wägen und Reisigzeug wenig mehr gesehen werden konnte.154

Am nächsten Morgen trifft sich die Festgesellschaft zum morgendlichen Mahl, bei dem „die Braut, so wie es unter Fürstenpersonen damals gebräuchlich geweßen, […] nicht erschienen [ist]“.155 Sowohl in der Amberger als auch in der Münchner Handschrift sind zu diesem Essen Sitzordnungen überliefert. Während die Amberger Handschrift ohne Kommentierung die fürstliche Braut nicht an der Tafel verzeichnet, ergänzt die Münchner Handschrift, dass „[d]ie fürstliche Braut aber […] zue solchem, weil diser tags die vermählung geschehen sollen, nicht kommen, sondern inn ir fürstlichen gnaden zimmer blieben [ist]“ (M Bl. 81r). Weiterhin wird in dem Auszug der Beschreibung von Wagner angegeben, dass die Braut „ungefähr um 2 Uhr Nachmittags […], bis es zur Trauung Zeit geworden“,156 von ihrem Vater ←72 | 73→sowie dem Herzog von Bayern aus ihrem Zimmer geführt wurde. Diese Angabe stimmt nicht mit den handschriftlichen Aufzeichnungen des dieser Arbeit zugrundegelegten Quellenkorpus überein: Die Münchner Handschrift terminiert die Zusammenfindung zur Trauungszeremonie auf 3 Uhr (vgl. M Bl. 83v), während in der Amberger Handschrift die ursprüngliche Nennung von 3 Uhr auf 4 Uhr korrigiert wird (vgl. A Bl. 204v).

Die Tischordnung an dem 27. September 1574 nach der Trauung weicht bei Graßegger und Böhaimb (Wagner) derart gravierend von denjenigen in der Münchner und Amberger Handschrift ab, dass diese nachfolgend abgebildet werden soll: In den drei Spalten werden die Sitzordnungen aus der Münchner Handschrift, der Amberger Handschrift und der Beschreibung von Wagner gegenübergestellt.

Auch diese Übersicht der Sitzordnungen zeigt, dass es sich bei der Beschreibung von Hans Wagner, so wie sie durch Graßegger und Böhaimb wiedergegeben wird, um eine weitere Quelle handeln muss. Während die Münchner sowie die Amberger Handschrift Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und seine Gemahlin, Pfalzgraf Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz-Lützelstein und seine Gemahlin, Herzog Ludwig III. von Württemberg, Markgräfin Anna von Baden-Durlach, Pfalzgraf Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, Markgraf Philipp II. von Baden-Baden und seine Schwester Markgräfin Jakobe von Baden, Pfalzgraf Otto Heinrich von Sulzbach, Graf Friedrich I. von Württemberg, Pfalzgräfin Anna Maria von der Pfalz an der linken Tischseite unterhalb des Bräutigams Philipp Ludwig verzeichnen, werden sie bei Wagner auf der rechten Tischseite unterhalb der Braut aufgeführt. Weitere gravierende Unstimmigkeiten ergeben sich dadurch, dass auch Pfalzgraf Friedrich von Pfalz-Zweibrücken und Vohenstrauß-Parkstein, die Schwestern Philipp Ludwigs Anna, Elisabeth, Barbara und Anna Maria sowie Markgräfin Dorothea Ursula von Baden-Durlach in der Wagner’schen Tischordnung nicht auf derjenigen Tischseite verortet sind, an der sie die Münchner und die Amberger Handschrift verzeichnen. Die anhand der Tischordnung aufgezeigten Abweichungen sind derart ausgeprägt, dass von keiner gemeinsamen Vorlage ausgegangen werden kann. Dies würde bedeuten, dass für die Beschreibung der Neuburger Hochzeit drei Schreibaufträge angewiesen wurden: von der Seite des Bräutigams (Münchner Handschrift sowie Zweibrücker Handschrift), von der Seite der Braut (Amberger Handschrift) und vom Münchner Hof (Beschreibung Wagner, nicht mehr überliefert).

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Tabelle 11: Vergleich Sitzordnung; Münchner Handschrift, Amberger Handschrift und Beschreibung Wagnera

Handschrift München

Handschrift Amberg

Hans Wagnerb

[M Bl. 90r] Setzzettel Montags, den 27. Septembris, zue Abends.

[A Bl. 205r] Abends als die ehliche befehlung geschehen, sind die Herrn nachfolgender Ordnung zu Tisch gesessen:

 

Oben an der Tafel:

 

 

Erstlich oben an der fürstliche Braut, Frewlin Anna zue Gülich etc.

[A Bl. 205v] Anna, Hochzeiterin.

Obenan Braut und Bräutigam; -

unnd neben irn fürstlichen gnaden zur Linkchen handt derselben geliebster gemahel, Pfalzgraff Philipps Ludwig etc.

 

 

An der Hochzeiterin rechten seiten hinumb seind gesessen:

 

der Braut zur rechten:

Der Römisch Kayserlichen Majestät Gesandter, Graff Friderich zue Ötingen.

Graf von Oeting, Römisch kaiserliche Majestät gesander.

Gr[a]f Friedrich v[on] Oetting, K[öniglicher] K[aiserlichen] mayest[ät] Bothschafter,

Neben dem ist gestanden Georg Schenckh von Staufenberg, [M Bl. 90v] der erste fürstliche Fürschneider.

1. Vorschneider Schenck.

 

Darnach ist gesetzt deß Herrn Breutigams Fraw Muetter, Fraw Anna, Pfalzgrafin bey Rhein etc., geborne Landgräfin zue Hessen, wittib.

Hochzeiters Frau Mutter.

Des Bräutigams Fr[au] Mutter,

Herzog Ludwig, Pfalzgraff etc. unnd der Obern Churfürstlichen Pfalz Statthalter zue Amberg.

Pfalzgraf Ludwig.

Herz[og] Ludwig, Pfalzgraf,

←74 | 75→Seiner fürstlichen gnaden gemahel, Fraw Elisabeth, Pfalzgräfin etc., geborne Landtgräfin zue Hessen.

Seiner fürstlichen Gnaden gemahl.

dan seiner F[ü]rst[liche]n Gnaden Gemahl,

Neben disen ist gestanden Alexander Pflueg auff [!] Kolnbach, der ander fürstlich Fürschneider.

2. Vorschneider Pflug.

 

Darnach ist gesetzt deß Churfürsten Pfalzgrafen Gesandter, Melchior von Salhausen.

Churfürst Pfalz Gesander.

 

Deß Churfürsten zue Sachsen Gesandter, Hannß von Luidenaw unnd

Churfürst Saxen Gesander.

 

Erzherzog Ferdinands Gesanter, Herr Carl Welser, Landtvogt der Marggrafschafft Burgouw.

Erzherzog Ferdinand Gesander.

 

[M Bl. 91r] Nach disen ist gestanden Georg von Rochaw, Landtrichter unnd Pfleger zum Barckhstein, der dritt fürstliche Fürschneider.

3. Vorschneider Rothaw.

 

Darnach seind gesetzt der Churfürstin Pfalzgräfin zum Newenmarckht wittiben Gesanter, Georg Thoma von Wildenstain, irer fürstlichen Durchlaucht Hofmeister.

Churfürstin Newenmark Gesander.

 

Deß Herzogen von Preussen Gesandter, Friderich von Cäniz.

Herzogen zu Preußen Gesander.

 

Herzog Julius zue Braunschweig Gesandter, Graff Simon von der Lippe unnd

 

 

←75 | 76→Pfalzgraf Reichards gesandter, Hainrich von Gaispiz.

Herzog Reicharts, Pfalzgraf Gesander.

 

 

Herzog Julius zu Braunschweig Gesander.

 

Nach disen ist gestanden der 4. fürstlich Fürschneider, Georg Otto von Prandt.

4. Vorschneider Jörg Ott von Brand.

 

Darnach seind gesetzt Landtgraff Ludwigs gesandter, Adolff Rhaw,

Riedesl, Landgraf Ludwigs Gesander.

 

Landtgraff Philipps Gesandter, Georg von Schaley unnd

Scharlei, Landgraf Philipps Gesander.

 

Landtgraff Georgen Gesandter, [M Bl. 91v] Christoff Hackh.

Hagh, Landgraf Georg Gesander.

 

Neben disen ist gestanden Johann von Gemmingen, der 5. fürstlich Fürschneider.

5. Vorschneider Johann von Gemmingen.

 

Darnach ist gesetzt (so gleichwol allß die vorigen alle gesetzt allerst kommen) Pfalzgraff Johanns Casimirs Gesandter, Wolff Haller.

Wolf Haller, Pfalzgraf Casimir Gesander.

 

Nach disen ist gestanden Hannß Crafft von Krautheim, der 6. fürstlich Fürschneider.

6. Vorschneider Hans Krafft.

 

Darnach seind gesetzt Marggraff Carls zue Baden gesandter, Wilhelm Crantz von Gaispoltzhaim.

Badenischer Stathalter zu Pfortzheim.

 

Fraw Marggretha, geborne von der Marckht, Gravin zue Arrenberg.

Gräfin zu Neuenar.

 

Fraw Amoena von Thaun, Gräfin zue Newenahr, wittib.

Gräfin zu Arenberg.

 

←76 | 77→ 

 

Landtgraf Wilhelm von Heßen,

 

 

Gr[af] fürstl[icher] Gnaden Gemahl,

 

 

Georg Hanns, Pfalzgraf,

 

 

Gr[af] fürstl[icher] Gnaden Gemahl,

 

 

Herzog Ludwig v[on] Würtemberg,

 

 

Marggr[a]f Carls e[tc.] Gemahl,

 

 

Herzog Johannes, Pfalzgraf,

 

 

Marggr[a]f Philipp v[on] Baden,

 

 

Fräulein Jakobe Marggr[a]f v[on] Baden, Jung Pfalzgräfinn

 

 

Herzog Ottheinrich, Pfalzgraf

 

 

Friedrich Graf v[on] Würtemberg,

 

 

Pfalzgr[a]f Ludwigs Tochter,

 

 

Fräulein Anna, Pfalzgräfinn,

 

 

Pfalzgraf Friedrich

 

 

Ursula Dorothea, Marggräfinn v[on] Baden,

 

 

Fräulein Elisabeth,

 

 

Barbara,

 

 

Maria.

Die Pfalzgräfinnen.

 

 

Fr[äu]l[ein] Gräfin von Arnberg.

←77 | 78→ 

 

Fr[äu]l[ein] Gräfin von Neuenar.

[M Bl. 92r] Uff der andern seiten von dem Herrn Breutigam hinumb seind gesetzt worden:

Pfalzgraf Philipp Ludwig, Hochzeiter.

An des Bräutigams linker Seite:

Herzog Wilhelm zue Gülich etc.

Herzog zu Gülch.

Der Herzog Wilhelm von Gülch,

Herzog Albrechts inn Bayern gemahel.

Herzog Albrecht in Bayern gemahl.

Die Herzoginn Anna von Baiern,

Herzog Albrecht inn Bayern etc.

 

Herzog Albert, von Baiern,

Herzog Albrechts Frawmuetter.

Herzog Albrecht Frau Mutter.

Die Pfalzgräfinn Jacobe, geb[orene] Marggräfinn von Baden, Mutter des Herzogs Albert.

Herzog Wilhelm inn Bayern etc.

Herzog Wilhelm in Bayern.

Herzog Wilhelm von Baiern,

Frewlin Maria Maximiliana inn Bayern etc.

Fräulein von Bairn.

Herzoginn Maria Maximiliana v[on] Baiern,

Herzog Ferdinand inn Bayern.

Herzog Ferdinand in Bairn.

Herzog Ferdinand von Baiern.

Landtgraff Wilhelm zue Hessen.

Landgraf Wilhelm zu Hessen.

 

Seiner fürstlichen gnaden gemahel, ein geborne Herzogin zue Wirttemberg.

Seiner fürstlichen Gnaden gemahl.

 

Pfalzgraf Georg Hannß.

Herzog Georg Hans, Pfalzgraf.

 

Seiner fürstlichen gnaden gemahel, ein geborne Königin auß Schweden.

Seiner fürstlichen Gnaden gemahl.

 

Herzog Ludwig zue Wirttemberg.

Herzog zu Würtenberg.

 

Fraw Anna, Marggräfin zue Baden unnd Hochberg.

Margräfin von Baden zu Turloch.

 

←78 | 79→[M Bl. 92v] Herzog Johanns, Pfalzgraff etc.

Herzog Hans, Pfalzgraf.

 

 

Margraf von Baden.

 

Frewlin Jacoba von Baden.

Frewlin von Baden.

 

Pfalzgraff Ottheinrich.

 

 

 

Herzog Fridrich, Pfalzgraf.

 

Graff Friderich zue Württemberg.

Graf Fridrich von Wirtenberg.

 

Frewlin Maria, Pfalzgrafin.

Pfalzgraf Ludwig Dochter.

 

Frewlin Christina, Pfalzgräfin.

Fräulein Christina.

 

Herzog Friderich, Pfalzgraff.

 

 

 

Herzog Otthainrich, Pfalzgraf.

 

Frewlin Dorothea Ursula von Baden.

Margraf von Baden Dochter.

 

Frewlin Anna, Pfalzgräfin.

Fräulein Anna.

 

Frewlin Maria Anna, Landtgräfin zue Hessen.

Landgraf Wilhelm zu Hessen dochter.

 

 

Fräulein Anna Maria,

 

Frewlin Elisabeth.

 

 

Frewlin Barbara.

Fräulein Barbara

 

Frewlin Maria Elisabeth.

Alle drei Pfalzgräfin.

Fräulein Maria Elisabeth.

 

 

 

Gegenüber sind gesessen:

 

 

Churfürst v[on] Sachsen Gesandter, Hanns von Lindenau,

 

 

Churfürst von Heidelbergs Gesandter, Melchior von Salhaussen,

←79 | 80→ 

 

Erzherzog Ferdinands zu Oesterreich Gesandter, Carl Welser der Marggr[a]fsch[af]t Burgau Landvogt,

 

 

Pfalzgräfinn Dorothea von Neuenmarkt, Abgesandter Georg Thomau v[on] Wildenstein,

 

 

Graf von Hohenlohe,

 

 

Herzog aus Preusen Gesandter, Friedr[ich] v[on] Canitz,

 

 

Herzog Meniharts, Heinrich vnn[sic] Gaispitz,

 

 

Herzog von Braunschweig, Georg Simon von der Lippe,

 

 

Landgr[a]f Ludwig Adolf Raw,

 

 

Landgr[a]f Philipp, Georg v[on] Saler,

 

 

Landgr[a]f Georgens, Christoph Tagkh,

 

 

Marggr[a]f Carls, Wilh[elm] Cranntz,

Der beeden Herzogen von Ferrar unnd Mantua gesandten haben sich dem Preussischen gesanten nicht nach setzen wollen, sonndern seind davon unnd inn ihr Losament gangen.

Mantuarische und ferrarische Gesandte sindt, der Seßion halber, mit Preußen strittig worden, von dem Saal abgetreten.

Ferrar G[esandter], Mantua G[esandter]

 

a Zur Auflösung der Kürzel sowie der Regelung zur Groß- und Kleinschreibung vgl. die zugrunde gelegten Editionsprinzipien in Kap. 3.1.2. Vgl. hierzu auch Anm. 1.

b Graßegger 1824, S. 64, Sp. 2, S. 67, Sp. 2f. Vgl. auch Graßegger 1875, S. 4f. und Böhaimb 1858, S. 136, Sp. 1.

←80 | 81→

In der Sitzordnung fällt zudem auf, dass Graßegger und Böhaimb (Wagner) die weiblichen Personen der Jakobe von Baden157 sowie der Herzogin Jacobäa von Bayern im Besonderen herausstellten. Zu Jakobe vermerkt Wagner, dass es sich um die „Jung Pfalzgräfinn“ handelt, ein Zusatz, den keine andere junge Dame von ihm erhält. Die alte Herzogin von Bayern wird zusätzlich als geborene Markgräfin von Baden hervorgehoben. Im Kontext der Hochzeitstänze wird sie abermals von Wagner, nach Graßegger und Böhaimb, akzentuiert, indem er betont, „obschon diese Fürstin bejahrt und des Tanzens wenig mehr gewohnt war, hat dieselbige dennoch mitgetanzt, und ist fröhlich und guter Dinge gewesen“.158 Einen Tag später jedoch scheint die alte Fürstin von Bayern nicht mehr derart vital gewesen zu sein, wie Graßegger (Wagner) anmerkt:

[D]ie Herzogin von Baiern, welche sich der großen Unrue, viel steen und geens der vielen Stiegen halber159 etwas übel befunden, hat diesem Mahle [dem Festessen nach der Überreichung der Geschenke] nicht beigewohnt, sondern sich in ihrem Zimmer und Bett aufhalten müssen.160

Mit dieser Beschreibung in Konflikt steht die Münchner Handschrift, deren Verfasser Jakobäa von Bayern für dieses gemeinsame Festessen an der Tafel verzeichnet (vgl. M Bl. 114r).

Eine inhaltliche Lücke des vorliegenden Quellenkorpus zur Neuburger Hochzeit kann durch die Wagner’sche Darstellung nach Graßegger und Böhaimb geschlossen werden, nämlich durch die Berichte zur textilen Ausstattung der Braut, die wenig Beachtung in der Amberger und keine in der Münchner sowie der Zweibrücker Handschrift findet. Am Tag der ←81 | 82→Brauteinholung soll Anna „ein ganz weiß silbernes Stück“161 getragen haben. Das Hochzeitskleid selbst stammte, wie auch das ihrer Schwester Marie Eleonore, aus der Nähstube des Hofschneiders der Gräfin Margaretha von der Marck-Arenberg, Meister Niclas.162 Dessen Beschreibung findet sich, außer in der Amberger Handschrift (vgl. A Bl. 204v), nur in dem Bericht von Wagner, zitiert nach Graßegger 1824:

Die Braut hatte ein weißes Kleid an von Silberstofe [sic], an den Aermeln und vornherab mit Rubin und Diamanten angeheftet, auf dem Kopfe trug sie eine Krone, gleichfalls von Rubin, Diamanten und Perln, und vorn gegen der Stirn einen grünen Kranz.163

Für den Tag der Morgengabe (28. September 1574) führt Graßegger (Wagner) über die prunkvollen Kleider Annas aus:

Die Braut trug an diesem Tage ein blaues Unterkleid, in welches Blumen von Gold und Silber eingewirkt waren, dergleichen Aermel, die Brame mit Perln [sic] gestickt; – darüber eine Kutten oder Rock von ganz goldenem Tuch, welcher auf dem Peuschel Schnitten auch vornen herab mit Rosen von Robinen, Diamanten und Perln besetzt war.164

Am Tag des Ringrennens (29. September 1574) wurde Anna nicht weniger prächtig ausstaffiert:

←82 | 83→

Am folgenden Donnerstag (30. September 1574), so in der Wagner’schen Beschreibung nach Graßegger, trug die Braut „einen Rock von weis und roth in Silber gewirkt, darüber eine Kutte von der nämlichen Farb und Stof, allenthalben mit großen Knöpfen aufgeheftet, – und einige der geschenkten Kleinode“.166 Am 1. Oktober 1574 schmücken Anna „ein schönes Halsband, ein reiches Kleid von weißen Silberstof, und darüber eine kurze spanische Kutten, welche mit kostbaren Knöpfen besetzt u[nd] geziert war“.167

Zu vermissen in dem Auszug der Wagner’schen Beschreibung ist die Darstellung des Feuerwerks nach dem Fußturnier an dem Donnerstagabend. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat dieses Unterhaltungsprogramm bereits in der ursprünglichen Quelle gefehlt, da weder Graßegger noch Böhaimb ein solches aufführen.168

Auch ist das Resümee zu Wagners Bericht überliefert, sowohl bei Böhaimb als auch bei Graßegger; wie es bei Graßegger heißt, ist dieser Beschluss „seiner Originalität wegen von Wort zu Wort hier [eingerückt worden]“:169

Dieses Schlusswort, das gleichzeitig einen Neujahrsgruß enthält, unterstreicht das Alleinstellungsmerkmal der Wagner’schen Darstellung, da in keiner ←84 | 85→Festbeschreibung aus dem vorliegenden Quellenkorpus der Schreibauftrag thematisiert wird.171

In der „Nordschwäbischen Chronik“ von 1949 erschien ein Beitrag mit dem Titel „Eine Fürstenhochzeit in Neuburg“,172 der jedoch seine Quelle nicht nennt. Da für zwei Tage (26. September und 27. September 1574)173 jeweils die Ausstattung der Braut angegeben wird, kann angenommen werden, dass diesem Artikel die Beschreibung Wagners zugrunde liegt. In dem eher populärwissenschaftlichen Artikel, in dem es heißt, die Braut sei am Tag ihrer Hochzeit „wie eine Märchenprinzessin“ geschmückt gewesen,174 wird der Ablauf der Neuburger Hochzeit oberflächlich skizziert. Der Verfasser dieses Artikels gibt für die Motivation zur Verbindung zwischen Neuburg und Jülich-Kleve-Berg an, dass man hoffe, dass „durch sie die drei schönen niederrheinischen Besitztümer an Neuburg fallen würden“.175 Obwohl allerdings in der Rückschau Philipp Ludwig mit dieser Vermählung eine weitsichtige Verbindung einging, war zu der Zeit vor und kurz nach der Hochzeit noch nicht absehbar, dass die Fortführung des Hauses Jülich-Kleve-Berg durch den erstgeborenen Sohn Karl Friedrich nicht gesichert sein würde. Für das Ende der Feier in Neuburg vermutet der unbekannte Verfasser dieses Artikels:

Ich denke mir, daß die schaulustigen Neuburger, die mitgefeiert hatten, nun langsam wieder an ihre Arbeit gingen. Gewiß aber waren die Straßen und die Donauufer noch voll von Kindern, die ab und zuliefen, um all die Reiter, Wagen und Fürstenschifflein zu sehen, die Neuburg verließen.176

Jedoch werden in keiner der hier untersuchten Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit Bürger als Zuschauer der Turniere oder aber auch als ‚Mitfeiernde‘ genannt. Auch bei der Rückreise der Gäste werden keine Schaulustigen beschrieben, die die abziehenden Delegationen bestaunen. ←85 | 86→Bei dieser beschriebenen Szenerie wird es sich somit um eine ungestützte Vermutung des Beitragsverfassers handeln.

In einem 1960 erschienenen Artikel zu Hochzeitsbeschreibungen als musikalische Quellen führt Gerhard Pietzsch die Futterzettel, die zur Neuburger Hochzeit 1574 überliefert sind, als außergewöhnlich aufschlussreich für seine Untersuchung an.177 Sie sind für seine Forschung deswegen von großem Wert, da sie über die summarischen Angaben hinaus auch Namen der Musiker, unter ihnen Orlando di Lasso, verzeichnen. Als erzählende Quelle zur Hochzeit in Neuburg nennt er lediglich den Druck von Feyerabend aus dem Jahr 1576.178

1963 hat darüber hinaus Walther Koch in der „Pfälzer Heimat“ einen Beitrag zur Hochzeit in Neuburg (1574) veröffentlicht.179 Als Quelle gibt er eine Beschreibung an, die zu jener Zeit im Münchner Hauptstaatsarchiv aufbewahrt wurde:

Beschreibung der Fürstlichen Heimfahrt, wie sich die allenthalben mit dess Durchleuchtigen Hochgebornen Fürsten und Herrn Herrn Wilhelm Herzogen zu Gülch, Cleve und Berg ander (zweiten) geliebten Dochter Fraulein Anna so an den auch Durchleuchtigen Hochgebornen Fürsten und Herrn Herrn Philips Ludwig Pfaltzgraven bey Rhein vermählte in den 74 Jar zugetragen.180

Bei dieser von Koch angegebenen Quelle handelt es sich um die in der vorliegenden Arbeit als Amberger Handschrift bezeichnete handschriftliche Beschreibung der Neuburger Hochzeit. Dieses Archivgut wurde ursprünglich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv unter der Signatur „Pfalz-Neuburg Akten 1164“ aufbewahrt, ist aber inzwischen im Amberger Staatsarchiv bei den Archivalien zum Fürstentum Pfalz-Sulzbach zu finden. Auf den 1576 erschienenen Druck verweist Koch jedoch nicht. Aufmerksam macht er aber auf die handschriftliche Beschreibung zur Neuburger Hochzeit ←86 | 87→(1574) aus der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken.181 Weiterhin verweist er auf eine Handschrift, die in eben dieser Bibliothek schlummern und die die Hochzeitsfeier 1568 in München beschreiben soll, zusammen mit „großen kolorierten Bildern“.182 Eine solche Handschrift wird in der Bibliotheca Bipontina nicht aufbewahrt,183 stattdessen ist die gedruckte Beschreibung von Hans Wagner zur Münchner Hochzeitsfeier (1568) Teil des fürstlichen Altbestandes.184 Dieser Beschreibung sind ausfaltbare Totalen beigefügt, die die wichtigsten Festmomente visualisieren, wobei es sich vorwiegend um Darstellungen von Turnierszenen handelt (vgl. hierzu auch Kapitel 4.2.2). In diesem Kontext der Überlieferungen bedauert Koch, dass zur Hochzeit in Bergzabern 1579, bei der sich der jüngere Bruder Philipp Ludwigs, Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, mit Magdalena von Jülich-Kleve-Berg vermählte, auch eine Tochter Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, keine derart kostbare Beschreibung existiert.185 Unerwähnt lässt er, dass diese Hochzeit 1579 nach dem Neuburger Vorbild gefeiert wurde und die Quellen zur Neuburger Hochzeit zusätzlich für die Bergzabener Hochzeit herangezogen werden können.186

Koch stellt in seinem Beitrag die Hinreise des Brautvaters mit seiner Tochter von Düsseldorf nach Neuburg dar sowie dessen Rückreise. Die wichtigsten Festmomente in Neuburg werden von ihm knapp umrissen, was der Quelle geschuldet ist, die weniger ausführlich auf die zeremoniellen Momente sowie die Divertissements eingeht.187 Als Gesamtzahl der Pferde in Neuburg gibt er 2500 an, wobei in der Amberger Handschrift eine Gesamtzahl von 2417 genannt wird (vgl. A Bl. 252v). Falsch interpretiert ist ←87 | 88→die personelle Konstellation beim Geleit der Brautleute ins Schlafgemach, indem er formuliert, dass die Braut neben den Fürsten und der Mutter des Bräutigams von „der Herzogin von Jülich“188 an Philipp Ludwig übergeben wird: Die Mutter der Braut war auf dieser Hochzeit nicht anwesend, wie auch keine andere Dame, die diesen Titel hätte tragen können, außer der Braut selbst (wie bereits in Kapitel 1.2 angeführt).

Weiterhin unterläuft Koch in seinem Fazit ein Irrtum:

Durch die Hochzeit des Herzogs Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg mit Magdalena von Jülich, Cleve und Berg wurde die Brücke zu dem späteren Besitz der Wittelsbacher am Niederrhein mit Düsseldorf als Residenzstadt geschlagen.189

Tatsächlich vermählte sich Philipp Ludwig bei der Neuburger Hochzeit (1574) mit Anna von Jülich-Kleve-Berg. Sein jüngerer Bruder Johann heiratete 1579 die jüngere Schwester Annas, Magdalena von Jülich-Kleve-Berg.

Zu überlieferten Dekorationsentwürfen für die Neuburger Hochzeit hat Reinhard H. Seitz einen Beitrag im Neuburger Kollektaneenblatt veröffentlicht.190 Für diese wurde kein geringerer als der Münchner Hofmaler Hans Donauer der Ältere engagiert, der Konzepte für die Kostüme bei den Turnieren, insbesondere beim Ringstechen, und für Triumphbögen entwarf.191 Bei seinen Ausführungen zu den Festlichkeiten in Neuburg (1574) stützt Seitz sich auf den 1824 erschienenen Auszug der Beschreibung von Hans Wagner.192 Die Quellen zu den Dekorationsentwürfen Thonauers werden nach Seitz’ Angaben im Bayerischen Hauptstaatsarchiv unter der Signatur „Fürstensachsen 1064“ aufbewahrt. Durch diese überlieferten Archivalien haben sich die Entwürfe der Kostüme und der Festdekoration erhalten.193 Seitz trifft für seinen Beitrag daraus eine Auswahl, die den Triumphbogen, ←88 | 89→die Kostüme zum Ringrennen (vgl. Abbildung 8), den Kostümentwurf der Herausforderer zu Fuß (vgl. Abbildung 10) sowie zu Pferd, die Kostüme für den Aufzug verkleidet als „Türken“ sowie als „Mohren“ und die Kostüme der Spielleute zeigen.194

Eine nicht fertig gestellte Dissertation von Maximiliana Kocher stellt den Zug der Braut mit ihrem Gefolge nach Neuburg dar und bietet einen knappen Abriss der Vermählung (nicht des gesamten Festprogramms).195 In dem Typoskript fehlen größtenteils die Quellenangaben, so dass nur durch den Abgleich der Transkriptionen der Rückschluss gezogen werden kann, dass es sich bei der von Kocher verwendeten Quelle um die Amberger Handschrift oder den Druck von 1576 handeln muss.

Auf der Grundlage der zusammengetragenen Ergebnisse über das Verhältnis der vier narrativen Quellen zur Neuburger Hochzeit zueinander und untereinander werden im folgenden Kapitel die Wahl der Leithandschriften sowie die Editionsprinzipien formuliert.

 

44 Vgl. hierzu auch Spieß 2005, S. 43f.

45 Vgl. hierzu insb. Krieg 2003.

46 Vgl. hierzu insb. Buchner 1910 und 1911.

47 Vgl. hierzu insb. Zeilinger 2003a.

48 Vgl. hierzu insb. Deutinger; Paulus 2017. Zum Vergleich der Hochzeiten in Amberg, Urach und Landshut hinsichtlich ihrer Bedeutung vgl. Zeilinger 2003a, S. 53.

49 Vgl. Krieg 2003, S. 39 sowie S. 41.

50 Vgl. ebd., Anm. 2.

51 Vgl. Buchner 1910, S. 599. Ramungs Bericht liegt Maximilian Buchners Ausführung von 1911 zur Amberger Hochzeit zugrunde, vgl. Buchner 1911. Eben dieser Bericht wurde außerdem von Buchner in seinem Wortlaut veröffentlicht, vgl. Buchner 1908, S. 395–438.

52 Vgl. Laschinger, Johannes: Amberger Hochzeit, 1474. In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Amberger_Hochzeit,_1474 (Zugriff: 27.08.2018). Es sei an dieser Stelle auf das Kap. 2.4 vorverwiesen, in dem eine vergleichbare Motivation zum Schreibauftrag zu einer verschollenen Quelle zur Neuburger Hochzeit angeführt wird.

53 Vgl. Zeilinger 2003b, S. 57. Zusätzlich wurde diese Quellensammlung um 1550 in einem Prachtband zusammengefasst, vgl. ebd. Zur Quellenlage vgl. auch Zeilinger 2003a, S. 14–16 sowie zur Chronologie des Festes in Urach ebd., S. 117f.

54 Vgl. ebd., S. 119–178.

55 Zur historischen Verbindung der Landshuter Hochzeit mit dem Fürstentum Neuburg an der Donau vgl. Kap. 3.3.1.

56 Vgl. Deutinger; Paulus 2017.

57 Vgl. ebd., S. 9f.

58 Vgl. ebd., S. 243.

59 Vgl. Rahn 2006a. Seine Arbeit befasst sich ausschließlich mit Druckschriften. Die von ihm aufgestellten gattungsspezifischen Beobachtungen bilden die Grundlage für die Auswahl der in der vorliegenden Arbeit untersuchten Handschriften. Zur Anwendung bereits existierender Gattungsdefinitionen auf nicht darin eingeschlossene Quellentypen vgl. auch die Beiträge von Voß 2016, S. 21 und Zymner 2003, S. 125–131.

60 Vgl. hierzu auch Voß 2016, S. 26f.

61 Vgl. hierzu Kap. 3.1.

62 Schöndorf 2009, S. 157.

63 Vgl. ebd., S. 175 und ebd. Anm. 61.

64 Vgl. hierzu auch Rahn 2018, S. 196.

65 Jedoch ist auffällig, wie häufig der Schreiber dennoch Korrekturen durch Streichung vornehmen musste: M Bl. 13v, 23v, 24r, 26v, 31v, 43v, 47v, 55r, 74r, 76r, 77v, 86v, 91v, 95r, 99r, 119r, 127r, 132r, 147r, 154v, 163r, 164v, 168v, 175r, 178v, 180v, 184r, 198v.

66 Zu Nennungen des Auftraggebers sowie Besitzeinträgen in mittelalterlichen Handschriften vgl. insb. Schneider 2009, S. 194 und S. 197.

67 Zu Pfalzgraf Karl I. von Birkenfeld vgl. auch den Eintrag in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank: http://rpb.lbz-rlp.de/cgi-bin/wwwalleg/goorppd.pl?s1=-ps02360- (Zugriff: 16.08.2017) sowie die virtuelle Sonderausstellung der Bibliotheca Bipontina: http://www.bipontina.de/Karl.html (Zugriff: 16.08.2017).

68 So schenkte Philipp Ludwig seinem erst achtjährigen Bruder Karl Bücher, wie ein Exemplar mit Widmung aus dem Bestand des LBZ / Bibliotheca Bipontina zeigt, vgl. Abbildung 16.

69 Vgl. hierzu Anm. 186.

70 Vgl. hierzu Koch 1963, S. 10 und Pietzsch 1960, S. 27. Vgl. hierzu auch Anm. 740.

71 Vgl. Press, Volker: „Johann I.“. In: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 513f. [Onlinefassung] URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn122848381.html (Zugriff: 15.05.2018) und Brauner 1968, S. 3. Brauner gibt als Zeitpunkt des Regierungsantritts bereits das Jahr 1574 an. Zudem nennt er als Obervormünder des noch Minderjährigen Herzogs Johann I. Pfalzgraf Ludwig, Statthalter von Amberg, und Landgraf Wilhelm von Hessen, vgl. ebd.

72 Brauner 1968.

73 Vgl. ebd., S. 124f.

74 Vgl. ebd., S. 165.

75 Vgl. ebd.

76 Schöndorf 2009, S. 157, Anm. 7.

77 Friedrich von Pfalz-Vohenstrauß-Parkstein heiratete 1587 Katharina Sophia von Liegnitz. Vgl. hierzu auch die Angaben der GND: http://d-nb.info/gnd/133677370 (Zugriff: 11.07.2017).

78 Vgl. Svensson 2002, S. 241.

79 Vgl. dazu auch die Tabellen zur Binnengliederung der Münchner (Tabelle 1) sowie der Zweibrücker Handschrift (Tabelle 2).

80 Vgl. dazu Schneider 2009, S. 125–128.

81 Vgl. Koch 1963, S. 11.

82 Zum Druck von 1576 vgl. Kap. 2.1.4.

83 Vgl. dazu die Ausführung in Kap. 3.1.2.

84 Damit kommt der Beschreibung der Neuburger Hochzeit (1574) ein Beschreibungsumfang von 86 Blättern zu.

85 Zu Feyerabend vgl. insb. Pallmann 1881.

86 München, Bayerische Staatsbibliothek, Res/L-eleg.m. 271 b. VD16 H 2601. Im VD16 sind weitere erhaltene Exemplare verzeichnet. Dieser Arbeit wird jenes aus München zugrunde gelegt.

87 Vgl. dazu auch Rahn 2018, S. 195–197. Vgl. auch Kapitel 4.3.1.

88 Bei der Düsseldorfer Hochzeit (1585) erscheint er in der Rolle des Gesandten des Kaisers (vgl. Graminäus 1587, Bl. D[j]r). 1565 vertrat er Herzog Wilhelm V. bei den Trauerfeierlichkeiten für dessen Schwiegervater Kaiser Ferdinand I. in Wien, vgl. Neu 1999/2000, S. 491–498.

89 Rahn 2018, S. 195.

90 Dies zeigt sich deutlich in der Edition der Textzeugen (Kap. 3.2), in der der Text der Amberger Handschrift wiedergegeben wird, ergänzt durch die Zusätze aus dem Druck von Feyerabend.

91 Elvert 2018, S. 187.

92 Der Titel der Reisebeschreibung von Hans Staden lautet „Warhafftige Historia vnnd beschreibung einer Landtschafft der Wilden / Nacketen / Grimmigen Menschfresser Leuthen / in der Newen Welt America gelegen / vor vnd nach Christi geburt im Land zu Hessen vnbekant / biß auff diese ij. nechst vergangene jar / Da sie Hans Staden von Homberg auß Hessen durch sein eygene erfarung erkant / vnd jetzund durch den truck an tag gibt“. Im VD16 werden die Drucke unter folgenden Nummer verzeichnet: VD16 S 8446, VD16 S 8448, VD16 S 8445. (Zum Teil als Digitalisate verfügbar.)

93 Der Titel der Reisebeschreibung von Ulrich Schmidel lautet „Warhafftige vnnd liebliche Beschreibung etlicher fuernemmen Jndianischen Landschafften vnd Jnsulen /die vormals in keiner Chronicken gedacht / vnd erstlich in der Schiffart Vlrici Schmidts von Straubingen / mit grosser gefahr erkuendigt / vnd von jhm selber auffs fleissigst beschrieben vnd dargethan“ und wurde 1597 in Frankfurt am Main gedruckt. Im VD16 ist dieser Druck unter der Nummer VD16 ZV 13950 zu finden und als Digitalisat verfügbar.

94 Bei der Handschrift handelt es sich vermutlich um ein selbst verfasstes Manuskript von Schmidel, das zwischen 1554 und 1562 entstand. Vgl. Elvert 2018, S. 187.

95 Vgl. Elvert 2018, S. 187. „Neuwe Welt: Das ist / Warhafftige Beschreibunge aller schoenen Historien von erfindung viler vnbekanten Koenigreichen / Landschafften / Jnsulen vnnd Stedten / von derselbigen gelegenheit / wesen / braeuchen / sitten / Religion / kuensten vnd handtierungen / Auch allerley gewechß / Metallen / Specereyen vnd anderer Wahr / so von jnen in vnsere Lande gefuehrt vnd gebracht werden. Auch von allerley gefahr / streitt vnd scharmuetzeln / so zwischen jnen vnd den vnsern […] sich wunderbarlich zugetragen / Jtem von erschrecklicher / seltzamer natur vnd Eygenschafft der Leuthfresser […] [v. (Johannes Staden …)] zusamen getragen. Durch Vlrich Schmid von Straubingen / vnd andern mehr / so in eigner Person gegenwertig gewesen“. Im VD16 unter den Nummern VD16 S 3117, VD16 S 8450 sowie VD16 F 2174, VD16 S 3118, VD16 S 8449 zum Teil als Digitalisate verfügbar.

96 Vgl. Elvert 2018, S. 187. Ein Buchhändler und Verleger des 17. Jahrhunderts gibt in seiner Vorrede einer Festbeschreibung als Motivation an, diese sei wohl bereits gedruckt worden, jedoch „mangelhafft und imperfect“, deswegen habe er durch Gönner und Nachforschungen eigene Informationen zur Feier zusammengetragen, um „den rechten wahren Verlauff“ nun abzudrucken: „Triumphus Nuptialis Danicus: Eygentliche unnd warhafftige Beschreibung des Hoch-Fürstlichen Beylagers / des Durchläuchtigsten / Hochgebohrnen Fürsten und Herrn / Herrn Christiani des Fünfften / zu Dennemarcken / Norwegen / der Wenden und Gothen erwehlten Printzen / [et]c. Mit der Durchläuchtigen / Hochgebohrnen Fürstin und Fräwlein / Fräwlein Magdalena Sybilla, Gebohrner Hertzogin zu Sachsen / Gülich / Cleve und Berge / [et]c. / Mehren theils auß eigner Auffmerckung / theils auch was von andern / so Persönlich dabey gewesen / observeret, doch alles mit sonderem fleis zusam[m]en gebracht / un[d] uff instendiges anhalten / nunmehr wiederumb auff viele / Außländische so wol als Einheimische Begehren / abermahl uffs newe wiederumb auffgelegt / und nicht alleine mit Einhalt der Comedien und Tragoedien vormehret / sondern auch mit Ihre Königl Mayt. Printzl. und Hochfürstliche Durchl. Inventionen / in Kupffer gestochene Feurwercken gezieret / wie auß folgend Einhalt der andern Seiten zu ersehen / wiederumb gepubliciert un[d] abermahl inn Druck gegeben.“ D17 12:188893V, zitiert nach dem Exemplar aus München, Bayerische Staatsbibliothek, Res 4 Eur. 416,1, Bl. A[ij]v.

97 Elvert 2018, S. 187. Vgl. hierzu auch Menninger 1995, S. 237–248.

98 Zur Inschrift des Klosters Maulbronn vgl. Kap. 3.3.5.

99 Vgl. hierzu insb. Voß 2016, S. 241–248.

100 Elvert 2018, S. 187.

101 Dies steht im Gegensatz zu den von den Fürsten in Auftrag gegebenen Drucken, die primär zur Repräsentation der jeweiligen Dynastie fungierten. Vgl. hierzu insb. Kap. 4.4.2.

102 Es sei an dieser Stelle erneut darauf hingewiesen, dass die Amberger Handschrift nicht als Konzepthandschrift für den Druck aus dem Jahr 1576 angefertigt wurde. Dies ergibt sich aus dem Vorwort des Druckers, vgl. D Bl. [ij]v-[iij]r. Vgl. hierzu auch Rahn 2018, S. 196.

103 Vgl. Paul 2007, S. 36.

104 Vgl. ebd., S. 23. „Anl. p- bleibt bair. Merkmal im Schriftbild bis in die Neuzeit.“

105 Vgl. ebd.

106 Vgl. ebd., S. 24.

107 Vgl. ebd., S. 27.

108 Vgl. Tarot 1974, S. 371.

109 Vgl. hierzu auch Rahn 2006c, S. 3f.

110 Vgl. hierzu auch Anm. 111.

111 Rahn 2006a, S. 82, vgl. auch ebd. S. 284. Rahn beschreibt eine gedruckte Sitzordnung, die der Darstellung in der Amberger Handschrift ähnelt, jedoch hat der Drucker die Namen vertikal gekippt, so dass sich die Namen, stellvertretend für die Personen, „gegenüber sitzen“. Die Darstellung ist einer Festbeschreibung entnommen, die 1740 gedruckt wurde.

112 Xylografisch wäre es dem Drucker möglich gewesen, den Tisch als solchen abzubilden. Hier greift er gezielt in die Darstellung seiner Vorlage ein. Vgl. hierzu auch das Tafelordnungsschema zur Vermählung Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Kassel mit Maria von Hannover 1740 in Kassel in Abbildung 16. Der Druck der Hochzeitsbeschreibung wurde 1740 in Kassel unter dem Titel „Beschreibung aller Solennitäten Bey dem Hohen Vermählungs-Feste, Ihro Hoch-Fürstl. Durchläucht Printz Friedrichs Mit Ihro Hoheit Der Königl. Groß-Brittannischen Princessin Maria Welches Ende Junii und Anfangs Julii des Jahrs 1740. An Ihro Königl. Majestät in Schweden Hoch-Fürstlich Hessischen Hoffe zu Cassel, vollzogen worden“ herausgegeben und ist im VD18 unter der Nummer VD18 10876413 als Digitalisat verfügbar. Vgl. hierzu auch Rahn 2006a, S. 284.

113 Auffallend ist, dass Herzog Albrecht von Bayern aus ungeklärter Ursache bei der Tischordnung in der Amberger Handschrift fehlt.

114 Vgl. hierzu auch Streich 2007, S. 485.

115 Vgl. hierzu Kap. 4.4.3.

116 Vgl. hierzu Abbildung 18.

117 Schöndorf 2009.

118 Vgl. ebd., S. 155.

119 Vgl. ebd., S. 155–160.

120 Vgl. ebd., S. 156, Anm. 4. Auskunft über eine etwaige Recherche nach der Beschreibung von Hans Wagner gibt Schöndorf in seinem Beitrag nicht. Eine persönliche Nachfrage hat ergeben, dass er keine Unterlagen mehr zu seiner Arbeit 2009 besitzt. Karl Vocelka führt die Beschreibung von Hans Wagner zur Neuburger Hochzeit in seiner Arbeit an, gibt als Quelle aber lediglich die Ausgabe des Neuburger Collectaneenblatt aus dem Jahr 1875 an, vgl. Anm. 151. Auf das Original verweist er nicht. Vgl. Vocelka 1976, S. 35 und S. 129. Nach eigenen Anfragen ist Wagners Beschreibung zur Neuburger Hochzeit weder im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek, noch der Universitätsbibliothek München. Auch das Stadtarchiv Neuburg besitzt keine entsprechende Handschrift in ihren Beständen. In der Bayerischen Staatsbibliothek wird jedoch eine andere handschriftliche Beschreibung von Wagner aufbewahrt. Dabei handelt es sich um die Vorlage für den Druck bei Adam Berg zur Münchner Hochzeit im Jahr 1568 (VD16 W 114, München 1568, Johan Wagner). Vgl. dazu auch Wunderle 2008, S. 75. Nichtsdestotrotz muss diese Beschreibung von Wagner zur Neuburger Hochzeit existiert haben, da in einem Rechnungsbuch aus den Jahren 1574/1575, das im Landesarchiv Baden-Württemberg aufbewahrt wird, eine Zahlung an Hans Wagner über 6 fl., 54 kr. für die „Dedicierung der Neueburgischen hochzeit“ verzeichnet ist. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 256 Bd. 60, Bl. 340r. Online verfügbar: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1338101 (Zugriff: 5.06.2018). Es kann demnach von einem Überlieferungsverlust ausgegangen werden. Zu „Überlieferungs-Chancen“ vgl. Esch 1985, hier insb. S. 544 und S. 552–558.

121 Vgl. zur Beschreibung dieser Hochzeit Anm. 557.

122 Vgl. Schöndorf 2009, S. 155. Einen Quellennachweis gibt Schöndorf nicht an. Zu den wichtigsten Lebensdaten Karls II. Vgl. Sutter 1977. Maria von Bayern heiratete er am 26. August 1571. Das dritte Kind aus dieser Ehe, Maria Christina, kam am 10. November 1574 zur Welt. Vgl. Wurzbach 1860, S. 151.

123 Graßegger 1824, S. 99.

124 Schöndorf 2009, S. 156. Zur Amberger Handschrift vgl. auch Schöndorf 2009, Anm. 5.

125 Vgl. Schöndorf, S. 157 und ebd. Anm. 6.

126 Vgl. ebd., Anm. 7.

127 Sehr wahrscheinlich für seinen Schreibauftrag, eine Beschreibung der Hochzeit in Neuburg für Marie von Bayern anzufertigen.

128 Vgl. Schöndorf 2009, S. 186. Schöndorf führt hierfür Akten aus dem Bayerischen Hausstaatsarchiv an: BayHStA, Fürstensachen 1064, fol. 401.

129 Diese Formulierung Schöndorfs ist in diesem Kontext unpassend gewählt. Die Hochzeitsfeiern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit dürfen nicht mit dem heutigen Familienfest verglichen werden. Bei der Wahl des Partners standen politische Absichten im Vordergrund und ergaben den Anlass zur Heirat. Man verfolgte das Ziel, seine angestammte Position im Reich zu halten oder zu verbessern. Vgl. dazu Spieß 1993.

130 Schöndorf 2009, S. 169. Zu der Einladungsliste vgl. ebd., S. 167–169. Außerdem stellt er heraus, dass es bei den Sitzordnungen zu den Mahlzeiten keine konfessionellen Schranken gab, sondern dass lediglich die höfische Rangordnung ausschlaggebend war. Vgl. ebd., S. 170.

131 Ebd.

132 Ebd., S. 180.

133 Ebd., S. 170.

134 Vgl. ebd.

135 Vgl. ebd., S. 172–176.

136 Vgl. ebd., S. 176–182.

137 Ebd., S. 182.

138 Vgl. ebd., S. 183f.

139 Vgl. ebd., S. 184f.

140 Ebd., S. 185.

141 Vgl. ebd., S. 185f. Schöndorf führt hierfür Akten aus dem Geheimen Hausarchiv München an: GHA, K..A. 72/3, Fasz. 4, fol. 247.

142 Vgl. Schöndorf 2009, S. 187f.

143 Graßegger, Joseph Benedikt: Auszug aus der Beschreibung der gehaltenen Hochzeith und Ritterspühl des Herzogens Philipp Ludwig Pfalzgrafens mit Frl. Anna, geb. Herzoginn zu Gülch, Cleve und Berg, überschriben durch Hansen Wagner, *) der Fürstinn von Baiern Secretarien. Neuburg den 4 Januarij Ao. 1575. In: Wochenblatt der Königlich Baierischen Stadt Neuburg. Neuburg a. d. Donau 1824, S. 55, Sp. 2-S. 56, Sp. 1, S. 63, Sp. 2-S. 64, Sp. 2, S. 67, Sp. 2-S. 68, Sp. 1, S. 71, Sp. 2-S. 72, Sp. 2, S. 83, Sp. 2-S. 84, Sp. 2, S. 86, Sp. 2-S. 88, Sp. 1, S. 91, Sp. 2-S. 92, Sp. 1, S. 95, Sp. 2-S. 96, Sp. 1, S. 99, Sp. 1f.

144 Dieser Auszug aus der Beschreibung der Neuburger Hochzeit durch Hans Wagner wurde nochmals 1875 im Collectaneen-Blatt der Stadt Neuburg abgedruckt und im Wortlaut zeitgemäß angepasst: Graßegger, Joseph Benedikt: Auszug aus der Beschreibung der gehaltenen Hochzeith und Ritterspiel des Herzogens Philipp Ludwig Pfalzgrafens mit Frl. Anna, geb. Herzogin zu Jülch, Cleve und Berg, überschrieben durch Hansen Wagner,*) der Fürstin von Baiern Secretarien. In: Neuburger Kollektaneenblatt 39 (1875), S. 2–15.

145 Graßegger 1824, S. 55, Sp. 2. Bei dieser Hochzeit in München 1568 vermählte sich der älteste Sohn Herzog Albrechts V. von Bayern, Herzog Wilhelm von Bayern, mit Renata von Lothringen. Der Titel dieser gedruckten Beschreibung lautet: „Kurtze doch gegründete beschreibung des Durchleuchtigen Hochgebornnen Fürsten vnnd Herren/ Herren Wilhalmen / Pfalzgrauen bey Rhein / Herzogen inn Obern vnd Nidern Baiern / e[tc.] Vnd derselben geliebsten Gemahel / der Durchleuchtigsten Hochgebornnen Fürstin / Frewlin Renata gebornne Hertzogin zu Lottringen vnd Pars / e[tc.] gehalten Hochzeitlichen Ehren Fests. Auch welcher gestalt die darauff geladnen Potentaten vnd Fürsten Personlich / oder durch ire abgesandte Potschafften erschinen. Vnd dann was für Herrliche Ritterspil / zu Roß vnd Fueß / mit Thurnieren / Rennen vnd Stechen. Neben andern vil ehrlichen kurtzweilen mit grossen freuden / Triumph vnd kostigkait / in der Fürstlichen Haubstat München gehalten worden sein / den zwenvndzwaintzigsten vnd nachvolgende tag Februarij / Im 1568. Jar.“ Zitiert nach dem Exemplar aus München, Bayerische Staatsbibliothek, Rar. 635 (VD16 W 114). Digital verfügbar. Der Schreibauftrag zur Münchner Fürstenhochzeit (1568) war von dem Vater des Bräutigams, Herzog Albrecht V. von Bayern, ausgegangen. Ihm widmet Wagner den 1568 erschienenen Druck (vgl. Bl. 2r-2v).

146 Böhaimb, Karl August: Beschreibung der Hochzeit Pfalzgrafen Philipp Ludwigs, Herzog in Bayern re, mit Anna, Herzogin von Gülch-Cleve in Bergen 1575. In: Unterhaltendes Sonntagsblatt des Bayerischen Volksblattes, Nr. 36, VII. Jahrgang, Regensburg, 5. September 1858, S. 135–144, hier S. 135. Sonstige Angaben zu seiner Quelle fehlen, sodass nicht eindeutig gesichert ist, ob ihm nun tatsächlich die Handschrift von Wagner vorlag. Demnach muss seiner Aussage, er wolle dem Original getreu folgen, einige Vorsicht entgegengebracht werden. Auch ist nicht nachvollziehbar, ob Graßegger und Böhaimb mit der gleichen Vorlage gearbeitet haben. Vergleiche der Sitzordnungen haben jedoch eine Übereinstimmung ergeben. Vgl. auch Schöndorf 2009, S. 156, Anm. 4 und S. 186 sowie ebd. Anm. 107.

147 Vgl. hierzu auch Anm. 120.

148 Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2. Zum vollständigen Titel der Beschreibung vgl. Anm. 522.

149 Herzog Albrecht V. von Bayern, seine Gemahlin Anna, seine beiden Söhne Wilhelm und Ferdinand sowie seine Tochter Maximiliana. Renata von Lothringen, die Braut der Münchner Hochzeit (1568) und Gemahlin Wilhelms V. von Bayern, nahm dagegen nicht teil. Weder bei der Hochzeit 1573 in Königsberg, bei der die älteste Tochter Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg mit Herzog Albrecht Friedrich von Preußen vermählt wurde, noch bei den Hochzeitsfeierlichkeiten in Düsseldorf 1585 anlässlich der Vermählung Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg mit Jakobe von Baden, waren die Verwandten aus München anwesend.

150 Vgl. dazu auch Schöndorf 2008, S. 156: „In der Begleitung der Herzogin Anna beschreibt Hans Wagner die Ereignisse aus der Sicht eines bayerischen Beobachters, der mit Interesse die bevorstehende Hochzeitsfeierlichkeit nach protestantischer Sitte verfolgte.“

151 Vgl. Graßegger 1824, S. 55, Sp. 2 sowie 1875, S. 2. Vgl. auch Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2.

152 Graßegger 1824, S. 55, Sp. 2 und 1875, S. 2. Vgl. auch Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2.

153 Vgl. Graßegger 1824, S. 56, Sp. 1 und 1875, S. 3. Vgl. auch Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2.

154 Vgl. Graßegger 1824, S. 63, Sp. 2 und 1875, S. 3. Vgl. auch Böhaimb 1858, S. 135, Sp. 2.

155 Vgl. Graßegger 1824, S. 63, Sp. 2f. und 1875, S. 3. Bei Böhaimb fehlt interessanterweise der Zusatz „damals“, der wohl von Graßegger hinzugefügt wurde und auf eine in der Vergangenheit liegende Tradition hinweist. Vgl. hierzu Böhaimb 1858, S. 136, Sp. 1.

156 Vgl. Graßegger 1824, S. 64, Sp. 1 und 1875, S. 3. Vgl. auch Böhaimb 1858, S. 136, Sp. 1.

157 Vgl. hierzu Kap. 4.4.2.

158 Vgl. Graßegger 1824, S. 71, Sp. 2 und 1875, S. 6. Böhaimbs Formulierung weicht von Graßeggers ab, vgl. hierzu Böhaimb 1858, S. 136, Sp. 2. Diesen Tanz hatte Jacobäa von Bayern mit dem Brautvater, Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. In der Amberger Handschrift wird dieser Tanz nicht aufgeführt.

159 Gemeint könnte die Wendeltreppe sein, durch die man in das dritte Obergeschoss des Festflügels des Neuburger Schlosses gelangt, in dem der große Saal liegt, vgl. hierzu Kap. 3.3.1.

Details

Seiten
408
ISBN (PDF)
9783631839966
ISBN (ePUB)
9783631839973
ISBN (MOBI)
9783631839980
ISBN (Buch)
9783631835036
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Dezember)
Schlagworte
Höfisches Fest Editionswissenschaft Neuburg/Donau Pfalz-Zweibrücken Beschreibung Festbericht Handschrift Fürstenhochzeit Reisebericht Quellenforschung
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2021. 408 S., 5 farb. Abb., 25 s/w Abb., 24 Tab.

Biographische Angaben

Rebecca Anna (Autor)

Rebecca Anna studierte Germanistik an der Universität des Saarlandes. Sie war dort als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Ältere deutsche Philologie tätig und absolvierte in Speyer und München ihr Referendariat für den wissenschaftlichen Bibliotheksdienst.

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Titel: Die Hochzeit von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg (1574)