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Spielerschutz im staatlichen Glücksspielwesen – Was kommt beim Verbraucher an?

Entwicklung eines theoriegeleiteten Erhebungsinstrumentes zur gesundheitswissenschaftlichen Analyse der Wahrnehmung und Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen für den Spielerschutz am Beispiel staatlich konzessionierter Spielbanken

von Anke Quack (Autor:in)
Dissertation 134 Seiten

Zusammenfassung

Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags sind Glücksspielanbieter verpflichtet, Spielerschutzkonzepte umzusetzen. Die Effekte der präventions- und interventionsorientierten Spielerschutzmaßnahmen sind bislang kaum untersucht. Befunde, die Rückschlüsse auf die Erreichbarkeit von vulnerablen Gruppen und Problemspielern ermöglichen, sind weitestgehend unbekannt. Gastbefragungen sind ein wichtiges Instrument für die Evaluierung von Spielerschutzkonzepten. Der Band stellt Befunde zur Nutzung von Spielerschutzmaßnahmen durch Gäste staatlicher Spielbanken vor. Die Interpretation der Befunde anhand von Theorien der Gesundheits- und Kommunikationswissenschaften identifiziert Rezeptionsbarrieren und eröffnet Handlungsperspektiven für einen zielgruppenspezifischen Spielerschutz.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
  • 1.2 Aufbau der Arbeit
  • 2 Glücksspielsucht und Spielerschutz: Forschungsstand und theoretischer Bezugsrahmen
  • 2.1 Glücksspielsucht in Deutschland: Ausgangssituation aufgrund der epidemiologischen Lage
  • 2.1.1 Prävalenz
  • 2.1.2 Diagnostische Kriterien und Entstehung des pathologischen Glücksspielens
  • 2.1.3 Risikofaktoren des pathologischen Glücksspielens
  • 2.1.3.1 Soziodemografische Merkmale
  • 2.1.3.2 Kognitive Verzerrungen
  • 2.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen für den Spielerschutz in Deutschland
  • 2.3 Strategien der Prävention und Konzepte
  • 2.3.1 Universelle, selektive und indizierte Prävention
  • 2.3.2 Maßnahmen der Verhältnis- und Verhaltensprävention
  • 2.4 Spielerschutzkonzepte in der Glücksspielindustrie
  • 2.4.1 Ziele und Zielgruppen von Spielerschutzkonzepten
  • 2.4.2 Universelle, selektive und indizierte Spielerschutzmaßnahmen
  • 2.4.2.1 Forschungsstand universelle Spielerschutzmaßnahmen
  • 2.4.2.2 Forschungsstand selektive und indizierte Spielerschutzmaßnahmen
  • 2.4.3 Fazit: Forschungsstand Spielerschutz in Deutschland
  • 3 Theorieübergreifendes Rahmenkonzept für die Evaluation im Spielerschutz
  • 3.1 Modelle des Gesundheitsverhaltens
  • 3.1.1 Kontinuierliche Prädiktionsmodelle des Gesundheitsverhaltens
  • 3.1.2 Dynamische Stadienmodelle des Gesundheitsverhaltens
  • 3.2 Schlüsselkonzepte der Gesundheitskommunikation
  • 3.3 Fazit zur Anwendung eines theorieübergreifenden Rahmenkonzepts
  • 4 Methodisches Vorgehen
  • 4.1 Ableitung der Forschungsfragen
  • 4.2 Entwicklungsschritte der Fragebogenkonstruktion
  • 4.3 Instrument zur Wahrnehmung und Inanspruchnahme verhaltenspräventiver Spielerschutzmaßnahmen in der Glücksspielindustrie (IWI-VS)
  • 4.3.1 Soziodemografische Merkmale
  • 4.3.2 Glücksspielverhaltensmerkmale und Problemspielverhalten
  • 4.3.2.1 Besuchshäufigkeit und Einsatzverhalten
  • 4.3.2.2 Glücksspielform
  • 4.3.2.3 Lie-/Bet-Questionnaire
  • 4.3.3 Wahrnehmung und Inanspruchnahme der universellen, selektiven und indizierten Spielerschutzmaßnahmen
  • 4.3.4 Glücksspielbezogene Einstellungen
  • 4.3.5 Risikobereitschaft
  • 4.3.6 Glücksspielbezogene Veränderungsbereitschaft und Verhaltensänderung
  • 4.4 Durchführung der Befragung
  • 4.5 Auswertung der Befragung
  • 5 Ergebnisse
  • 5.1 Beschreibung der Stichprobe
  • 5.2 Soziodemografie und Glücksspielverhaltensmerkmale
  • 5.3 Anteil der Problemspieler nach Lie-/Bet
  • 5.3.1 Problemspielverhalten und Soziodemografie
  • 5.3.2 Problemspielverhalten und Glücksspielverhaltensmerkmale
  • 5.4 Wahrnehmung und Inanspruchnahme von Spielerschutzmaßnahmen
  • 5.4.1 Universelle, selektive und indizierte Spielerschutzmaßnahmen in Spielbanken
  • 5.4.1.1 Ansprache durch Mitarbeiter von Glücksspielanbietern
  • 5.4.1.2 Selbsttest zur Überprüfung des individuellen Glücksspielverhaltens
  • 5.4.2 Universelle, selektive und indizierte Spielerschutzmaßnahmen außerhalb von Spielbanken
  • 5.4.3 Prädiktoren zur Vorhersage der Bekanntheit und Nutzung von Spielerschutzmaßnahmen
  • 5.5 Glücksspielbezogene Einstellungen
  • 5.5.1 Glücksspielsucht als Krankheit und Akzeptanz präventiver Selbst-Limitierungen
  • 5.5.2 Subskala Strategie des Gambling Attitudes and Beliefs Survey
  • 5.6 Risikobereitschaft
  • 5.7 Glücksspielbezogene Veränderungsbereitschaft und Verhaltensänderung
  • 5.8 Prädiktoren eines problematischen Glücksspielverhaltens
  • 6 Diskussion
  • 6.1 Wahrnehmung und Inanspruchnahme verhaltenspräventiver Spielerschutzmaßnahmen
  • 6.2 Zusammenhangsanalysen Soziodemografie, Glücksspielverhaltensmerkmale und Problemspielverhalten
  • 6.2.1 Prädiktoren zur Vorhersage der Bekanntheit und Nutzung von Spielerschutzmaßnahmen
  • 6.2.2 Glücksspielbezogene Einstellungen
  • 6.3 Prädiktoren des problematischen Glücksspielverhaltens
  • 6.4 Limitationen und Stärken der Untersuchung
  • 6.5 Ausblick und Implikationen für den Spielerschutz
  • 7 Zusammenfassung
  • 8 Literaturverzeichnis
  • Anhang
  • Anhang 1: Fragebogen IWI-VS
  • Anhang 2: Faktorenanalyse glücksspielbezogene Einstellungen (Maximum-Likelihood-Methode)

Vorwort

Seit Inkrafttreten des Staatsvertrags zum Glücksspielwesen in Deutschland (GlüStV) im Jahr 2008 haben staatlich konzessionierte Glücksspielanbieter zahlreiche Konzepte und Maßnahmen implementiert, die den potentiell schädlichen Auswirkungen einer Glücksspielteilnahme entgegenwirken sollen. Trotz der gesetzlich verankerten Berichtspflicht sind die Effekte von Spielerschutzmaßnahmen und Programmen staatlich konzessionierter Glücksspielanbieter in Deutschland bislang kaum untersucht.

Als mich Univ.-Prof. Dr. Sabine Grüsser-Sinopoli (†), Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universitätsmedizin Mainz, vor mehr als 12 Jahren fragte, ob ich mit ihr an der Entwicklung und Erforschung von präventions- und interventionsorientierten Spielerschutzkonzepten arbeiten wolle, unterstrich sie die Interdisziplinarität dieses Arbeits- und Forschungsgebietes. So arbeitete ich vorher viele Jahre als Kommunikationswissenschaftlerin und Politologin in Fachagenturen für Gesundheitskommunikation an der Konzeption, Umsetzung und Evaluation von Präventions- und Aufklärungskampagnen im Gesundheitsbereich. Das interdisziplinäre Zusammenspiel verschiedener Fachdisziplinen stellte die Grundlage dar, meine Dissertation den Effekten von Spielerschutzmaßnahmen zu widmen und diese Forschungsarbeit in einen gesundheits- und kommunikationswissenschaftlichen Rahmen einzubetten.

Die Erstellung meiner Dissertation war eine herausfordernde und zugleich ungemein lohnende Phase meiner fachlichen wie auch persönlichen Weiterentwicklung. Ich bedanke mich vor allem bei meinem Doktorvater Herrn PD Dr. Wilfried Laubach und meinem Zweitgutachter Univ.-Prof. Dr. med. Manfred E. Beutel für die wertvollen Diskussionen und die methodische Unterstützung, die sehr zur inhaltlichen Weiterentwicklung meines Forschungsvorhabens beigetragen haben. Bei Univ.-Prof. Dr. Birgit Stark möchte ich mich sehr herzlich für die Begutachtung meiner Dissertation als Drittgutachterin bedanken.

Mein besonderer Dank gilt der Geschäftsführung und den Spielerschutzbeauftragten des Anbieters WESTSPIEL mit den Standorten Aachen, Duisburg, Dortmund-Hohensyburg, Bad Oeynhausen und Bremen sowie der Saarland-Spielbank GmbH, die ihre Türen für die Spielerschutz-Forschung geöffnet haben. Dadurch wurde es möglich, Gäste in Spielbanken in der realen Spielumgebung zur Wahrnehmung und Inanspruchnahme von Spielerschutzmaßnahmen zu befragen sowie glücksspielbezogene Merkmale und Einstellungen zu erfassen, ←9 | 10→die im Vergleich zu Erhebungen unter Laborbedingungen, die Aussagekraft der gewonnenen Befunde begünstigen. Das unternehmerische Handeln der beteiligten Spielbanken umfasst seit vielen Jahren einen aktiven und umfassenden Spielerschutz. Dazu zählt auch die Durchführung von Gästebefragungen, die als Qualitätssicherungsmaßnahme einen festen Platz in den Spielerschutzkonzepten dieser Unternehmen haben. Die Spielbanken haben die vorliegende Datenerhebung nicht nur organisatorisch unterstützt, sondern auch einer uneingeschränkten Veröffentlichung der Ergebnisse zugestimmt.

In Deutschland ist es bislang in nur geringem Maße gelungen, eine glücksspielbezogene Präventionsforschung zu etablieren, in der sich Wissenschaftler, Verbände und Glücksspielanbieter vorurteilsfrei begegnen und in der die Ziele freier Wissenschaft im Vordergrund stehen, Zusammenhänge zu entdecken, nachvollziehbare Erklärungen zu liefern und praktikable Ansätze für die Weiterentwicklung – im vorliegenden Kontext für den Spielerschutz – abzuleiten. Die Bereitstellung zusätzlicher unabhängiger Forschungsmittel für eine glücksspielbezogene Präventionsforschung stellt dabei eine wichtige Voraussetzung für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des Spielerschutzes in Deutschland dar.

Die vorliegende Forschungsarbeit gibt einen Einblick in die Wahrnehmung und Inanspruchnahme von Spielerschutzmaßnahmen von Spielbankgästen. Darüber hinaus werden aus den gewonnenen Forschungsbefunden allgemeine, praktische Handlungsempfehlungen für einen zielgruppenadäquaten Spielerschutz abgeleitet, die auch auf andere Spielformen übertragen werden können.

Das Thema Spielerschutz bleibt aktuell. Im Jahr 2021 wird voraussichtlich der Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland Inkrafttreten, der erstmals eine legale Öffnung des deutschen Glücksspielmarktes für Online-Glücksspiele vorsieht und damit neue Anforderungen an den Spielerschutz stellt.

Details

Seiten
134
ISBN (PDF)
9783631831502
ISBN (ePUB)
9783631831519
ISBN (MOBI)
9783631831526
ISBN (Hardcover)
9783631818251
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (September)
Schlagworte
Glücksspielstaatsvertrag Evaluierung Spielerschutzmaßnahmen Erreichbarkeit Problemspieler Verhaltensprävention Glücksspiel Glücksspielsuchtprävention Nutzung Spielerschutzmaßnahmen Zielgruppenkommunikation Gastbefragungen Glücksspielanbieter
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 134 S., 14 s/w Abb., 10 Tab.

Biographische Angaben

Anke Quack (Autor:in)

Anke Quack studierte Kommunikations- und Politikwissenschaft in Münster und an der Freien Universität Berlin. Nach Stationen bei verschiedenen Fachagenturen für Gesundheitskommunikation leitet sie seit 2008 das Kompetenzzentrum Spielerschutz & Prävention an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Entwicklung und Evaluation von Spielerschutzmaßnahmen sowie Präventions- und Gesundheitskommunikation. Sie promovierte zum Thema Spielerschutz im staatlichen Glücksspielwesen.

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